In meiner Kindheit wurde ich von meinen Eltern und auch anderen Erwachsenen immer wieder vor dem Genuss von Essig gewarnt. Essig sei sehr "zehrend". Ich erinnere mich noch genau an den Spruch "Ein Tropfen Essig - zehn Tropfen Blut". Stimmte diese Warnung? Claus Wienert, Stadtoldendorf

Nein. Essigsäure (die im Essig in etwa fünfprozentiger Konzentration enthalten ist) wird im Körper ständig auf- und abgebaut, und zwar in einer Größenordnung von 50 bis 100 Gramm

pro Tag. Da macht die durch den Essiggenuss aufgenommene Säure nicht viel aus und kann das Blut nicht "verdünnen", wie es auch heißt. Und selbst wenn man sehr viel Essig zu sich nimmt, verfügt der Körper über mehrere Mechanismen, den pH-Wert des Blutes sehr konstant zu halten - überschüssige Säure kann über die Atmung kompensiert werden oder wird einfach von den Nieren ausgeschieden.

Inzwischen wird ja auch weniger vor dem Essigverzehr gewarnt, sondern Apfel- oder Weinessig, oft im Zusammenwirken mit Honig, als Allheilmittel für alle möglichen Zipperlein angepriesen. Wer's glaubt ... Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) jedenfalls kann außer einer gewissen antibakteriellen Wirkung keine Belege für die Heilkraft des Essigs finden. "Essig und Honig werden im Stoffwechsel letztlich zu Wasser und Kohlendioxyd abgebaut, ohne besondere Effekte im Körper auszulösen", heißt es in einer DGE-Broschüre. Christoph Drösser

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