Bildungsstreik "Wir sind Teil einer Protestwelle!"

In Hamburg gingen Hunderte Studenten auf die Straße – mehr als erwartet. Doch nicht alle Studierenden trauen sich, an den Protesten teilzunehmen.

"Bologna europaweit abschaffen!" So steht es auf einem der zahlreichen Stofftücher, mit denen das Audimax der Universität Hamburg seit Tagen eingekleidet ist. Und damit ist im Grunde auch alles gesagt. Die Studenten protestieren gegen die Bologna-Reform mit all ihren Auswirkungen. Ihren Höhepunkt erreichten die Proteste am gestrigen Dienstag, auch Hamburger Studenten gingen auf die Straße.

"Unsere Chancen etwas zu erreichen sind so groß wie nie", sagt Navina, Studentin der Sonderpädagogik und Sozialwissenschaften. "Unser Streik trifft auf eine breite Öffentlichkeit, speziell die Uni Hamburg ist im Moment kopflos, da stehen unsere Chancen gut!" Die Studentin mit den blau-türkis gefärbten Haaren sagt, sie sei seit der ersten Stunde des Streiks in Hamburg dabei. "Was ich seit Jahren propagiere, funktioniert auf einmal." Noch allerdings ist es ruhig. Um zehn Uhr morgens ist an der Uni Hamburg noch kein Unterschied zu den vergangenen Protesttagen zu erkennen. 16.30 Uhr soll es eine Kundgebung in der Stadt geben. Bis es soweit ist, müssen möglichst viele Studierende überzeugt, muss im besetzten Hörsaal weiter diskutiert werden. Protest-Alltag eben.

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Vor dem Audimax ist eine symbolische Bildungsbarrikade aufgebaut. Allerlei Holzgerümpel liegt auf dem Vorplatz, bekritzelt sowohl mit den bekannten Forderungen ("Bildung ist keine Ware!") als auch mit zynisch-witzigen Statements ("Chuck Norris bekommt 'nen Masterplatz").

Im Foyer des Audimax’ ist die Stimmung gut: Es läuft Reggaemusik, manche spielen Kicker, einige surfen im Internet, es herrscht reges Treiben. Unter der einen Treppe werden weitere Plakate mit den bekannten Forderungen gemalt, unter der anderen wird ziviler Ungehorsam trainiert. Man bereitet sich vor.

Im Audimax 2 diskutieren derweil 16 Studierende zum Thema "Macht (,) Bildung (,) Spaß", wie es auf der Blogspot-Seite "Hamburg brennt" heißt. Konkret geht es um Drittmittelfinanzierung der Professoren und darum, ein besseres Klima zwischen Studierenden und Dozenten zu schaffen. Die Diskussion plätschert ein wenig dahin, ein Student schaut sich auf seinem Laptop eine Google-Karte mit allen in Deutschland besetzten Unis an, zwischendurch holt sich der Diskussionsleiter einen Kaffee.

Geht es wirklich darum, zu diskutieren oder dreht man sich um sich selbst? "Nein", sagt die Politikstudentin Isabella, die im Foyer hinter dem Infostand steht, "die Diskussionen finden statt, damit eine Öffentlichkeit geschaffen wird. Damit sich auch die Leute einbringen, die in diesen Tagen nicht in der Uni übernachten. Es herrscht unter Studenten ja keine eindeutige Meinung." Der VWL-Student Sebastian pflichtet ihr bei. "Es geht auch darum, Einzelschicksale aufzuzeigen. Außerdem: Viele Studenten würden sich gerne mehr beteiligen, aber die Anwesenheitspflicht zwingt sie dazu in den Vorlesungen zu bleiben."

Leser-Kommentare
  1. Ich bin selber Student und gerade im 5. Semester Elektrotechnik angekommen,
    mir macht mein Studium (die meißte Zeit) Spaß und ich habe zwar nicht wenig Wochenstunden, aber auch nicht so viele, dass ich keine Zeit mehr hätte Abends wegzugehen. Mein Jahrgang ist an unserer Fakultät der erste der das Bachelor-System macht, wir sind also die Versuchskaninchen, aber man höre und staune: es funktioniert.
    Von daher tun mir all die Mitstudenten leid, bei denen dies nicht so ist und ich finde es richtig dafür zu protestieren.
    Warum ich dennoch die Protestveranstaltungen ablehne:
    Der größte Hörsaal wird besetzt und auf dem Weg dorthin wird erstmal jede Wand vollgeschmiert, als ob noch keiner vom Streik gehört hätte.
    Allein das Geld das dafür benutzt wird den ganzen Dreck wieder wegzumachen könnte deutlich sinnvoller benutzt werden.
    Auch Forderungen wie "Weg-mit-dem-NC" sind quatsch.
    Der NC ist kein Eignungstest für einen Studiengang, sondern eine notwendige Maßnahme, wenn jeder zweite Erziehungswissenschaften und Germanistik auf Lehramt studieren will.
    Wir sind mit 100 Leuten im ersten Semester angefangen, jetzt sind wir noch 40 und es herrscht ein super Lernklima.
    Ich kann allen Abiturienten nur empfehlen, dass sie sich überlegen sollten ob ihre Interessen sich nicht dort vertiefen lassen wo nicht jeder hin möchte.
    Mein Beitrag soll keine Augenwäscherei der Tatsache sein, dass unser Bildungssystem nicht funktioniert, sondern lediglich die Art und Weise mancher Proteste kritisieren.

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    Die Wände dürfen nicht besprüht werden! Bei uns im Kleingartenverein "Zum geilen Hirsch" sind wir der gleichen Meinung, und haben deswegen Nachtwachen eingerichtet ;-)

    Allein das Geld das dafür benutzt wird den ganzen Dreck wieder wegzumachen könnte deutlich sinnvoller benutzt werden.

    junger mann, sie denken offenbar, dass das geld, wenn es nicht zum sanieren beschmierter hochschulfassaden verwendet wird, anderswo sinnvoller eingesetzt würde.

    hierzu kann ich nur feststellen: äähm, ich glaube nicht.

    Die Wände dürfen nicht besprüht werden! Bei uns im Kleingartenverein "Zum geilen Hirsch" sind wir der gleichen Meinung, und haben deswegen Nachtwachen eingerichtet ;-)

    Allein das Geld das dafür benutzt wird den ganzen Dreck wieder wegzumachen könnte deutlich sinnvoller benutzt werden.

    junger mann, sie denken offenbar, dass das geld, wenn es nicht zum sanieren beschmierter hochschulfassaden verwendet wird, anderswo sinnvoller eingesetzt würde.

    hierzu kann ich nur feststellen: äähm, ich glaube nicht.

  2. Die Wände dürfen nicht besprüht werden! Bei uns im Kleingartenverein "Zum geilen Hirsch" sind wir der gleichen Meinung, und haben deswegen Nachtwachen eingerichtet ;-)

  3. Allein das Geld das dafür benutzt wird den ganzen Dreck wieder wegzumachen könnte deutlich sinnvoller benutzt werden.

    junger mann, sie denken offenbar, dass das geld, wenn es nicht zum sanieren beschmierter hochschulfassaden verwendet wird, anderswo sinnvoller eingesetzt würde.

    hierzu kann ich nur feststellen: äähm, ich glaube nicht.

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