Die Universität Heidelberg will der FDP-Politikerin Silvana Koch-Mehrin offenbar ihren Doktortitel aberkennen und hat sie vor wenigen Tagen zu einer Stellungnahme aufgefordert. Dies erfuhr der Tagesspiegel aus Kreisen der Universität Heidelberg, an der Koch-Mehrin promoviert hatte. Der Verdacht auf mehrere Plagiate in ihrer Dissertation zum Fach Wirtschaftsgeschichte habe sich erhärtet. Dies könnte als erheblicher Regelverstoß gewertet werden. Die Verleihung der Doktorwürde könne damit rechtswidrig gewesen sein und zurückgenommen werden. Derzeit erwarte der zuständige Promotionsausschuss der Philosophischen Fakultät eine Stellungnahme Koch-Mehrins zu den Vorwürfen, hieß es aus der Universität.

Dazu sei man laut Promotionsordnung verpflichtet, bevor der Titel aberkannt werde. Wörtlich heißt es: "Vor der Beschlussfassung ist die betroffene Person zu hören."

Für die Stellungnahme hat man der Politikerin eine mehrwöchige Frist zugestanden. Universitätssprecherin Marietta Fuhrmann-Koch wollte die Informationen nicht bestätigten, sagte aber, die Kommission prüfe derzeit "entlang eigener Bewertungsmaßstäbe, ob es zu gravierenden Verstößen gekommen ist". Es sei aber noch keine Entscheidung getroffen und kein förmliches Entziehungsverfahren eingeleitet worden. Ursprünglich hatte es geheißen, Koch-Mehrin werde nur angehört, wenn sich der Verdacht erhärte. Die Ergebnisse der Prüfung würden in jedem Fall veröffentlicht, sagte Fuhrmann-Koch. Eine Veröffentlichung sei Ende Mai oder spätestens Anfang Juni vorgesehen. Von der betroffenen Politikerin hieß es: "Kein Kommentar."

Erschienen im Tagesspiegel