Studium : Einer wird es nicht schaffen

Jung, motiviert, aber von Anfang an überfordert. Die heutigen Studenten spüren den Druck der Leistungsgesellschaft am stärksten, schreibt Jura-Student Maximilian Amos.

Auf den Sitzen, auf denen die jungen Männer und Frauen Platz nehmen, haben schon Generationen vor ihnen während stundenlanger Vorlesungen gesessen. Die rund 350 neuen Studenten, die sich in diesem Jahr für das Fach Rechtswissenschaften eingeschrieben haben, warten auf die Begrüßungsrede des Dekans.

Der legt vorne am Pult seine Unterlagen zurecht und schaltet das Mikrofon an. Er lässt seinen Blick über die Erstsemester schweifen, die ihn ehrfürchtig ansehen, als werde er im nächsten Moment die Weltformel verkünden. Was folgt ist eine Rede, die stellvertretend für die heutige Leistungsgesellschaft steht.

"Schauen Sie einmal zu Ihren Nachbarn zu Ihrer Linken und Rechten", sagt der Mann. "Einer von ihnen wird es nicht bis zum Examen schaffen." Die Gesellschaft hat gesprochen. Noch ahnen die wenigsten in dem Saal, wie oft sie diese Worte während ihres Studiums noch quälen werden.

In Deutschland gibt es nach wie vor das Bild des faulen Langzeitstudenten, der mehr schläft und feiert, als zu lernen. Doch der Druck, der auf der heutigen Generation lastet, ist enorm. Er zieht sich durch viele Studienfächer. Er treibt die jungen Menschen, die die Zukunft unseres Landes sein sollen, bis zum Äußersten, programmiert sie auf Leistung, verwandelt sie in Roboter.

Versagen oder gar der Drang nach Selbstverwirklichung sind in unserem gesellschaftlichen System nicht vorgesehen. So wundert es nicht, dass immer mehr Studenten den eigenen Versagensängsten mit leistungssteigernden Substanzen wie Ritalin begegnen. Lieber ein Medikamentenabhängiger sein und dafür gute Noten bekommen, als einer unsicheren Zukunft ins Auge blicken zu müssen, ist die Meinung.

Die Studenten reagieren damit auf die Botschaft des Arbeitsmarktes. Und so werden bald auch die motivierten Studenten wie Roboter vor ihren Büchern sitzen, mit den Worten der Leistungsgesellschaft im Hinterkopf.

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Kommentare

113 Kommentare Seite 1 von 15 Kommentieren

Stress als Modekrankheit

Jeder leidet doch heute unter hohen Druck. Wer jammert den nicht, dass er so viel zu tuen hat, dass er überfordert ist. Anzeichen von Born Out? Ist das heutzutage nicht schon ein Muss?
Die Realität ist, dass die Mehrheit der Studenten ohne größere Probleme durch das Studium kommen. Druck kommt nur auf, weil erst kurz vor der Klausur anfängt zu lernen, statt kontinuierlich etwas zu tun. Auch schleppt man sich oft freudlos in Vorlesungen, sodass man weniger mitkriegt, und das Gefühl bekommt, man verbringt so viel Zeit dort...

Auf manchen Gebieten ändert sich schlichtwerg nichts ;)

An den Worten meines Vorredners mag etwas dran sein, vor allem was das leicht-durchs-Studium-kommen angeht, aber die Anforderungen sind spätestens seit Bologna schon gestiegen. Selbst wenn die Anforderungen nicht gestiegen sein sollten, stressen sich viele Studenten heute schlichtweg mehr - was natürlich auch mit den von den Eltern übernommenen Forderungen an sie selbst und zusammenhängt, außerdem damit, dass man überall eingetrichtert bekommt, dass man ja später mal eh keine Rente mehr bekommt, alles den Bach runter geht und und und.
Der Eingangs im Artikel erwähnte Spruch allerdings ist uralt. Zumindest hat ihn mein Prof schon in seinem Studium (70er) zu hören bekommen und zwar sogar in der verschärften Version:
"Schauen Sie sich ihren Kommilitonen links und rechts genau an. Bis Weihnachten ist einer von beiden nicht mehr da ;)"

Ich will nicht wissen, wie viele Platons Akademie vorzeitig verlassen haben ;)

Widerspruch

Achten Sie nächstes Mal bitte etwas mehr auf ihre Rechtschreibung.
Zum Thema: Es wurde im Artikel doch gar nicht behauptet, dass das Studium nicht schaffbar ist, sondern dass Top-Leistung wichtiger wird und dazu manchen alle Mittel recht sind. Ich will nicht wissen ob und was Sie studiert haben, aber an meiner Uni ist die Leistungsanforderung so hoch, dass man für Bestleistungen nicht "kurz vor der Klausur" erst Streß bekommt, sondern jeden Tag des Semesters (und den großteil der Ferien) sich mit den Inhalten beschäftigen muss. Allerdings widerspreche ich dem Wandel der Studenten hin zu robotern. Trotz des Leistungsdrucks bleibt mmN noch Raum zur individuellen Entwicklung.

Widerspruch auf Widerspruch

Erst einmal entschuldige ich mich für meine ganze Rechtschreibfehler (Nach 11 Stunden in der Uni lässt meine Konzentrationsfähigkeit nach)
Auch wenn sie es nicht wissen wollen, ich studiere aktuell Chemie an TU München. Aus meiner Erfahrung her habe ich nicht den Eindruck, dass sich so viele Studenten ein Bein ausreißen, um Bestleistungen zu bringen (Bestleistung in einer Prüfung definiere ich einfach mal, zu den besten 5% zu gehören). Vielmehr sehe ich, wie viele Studenten sich freuen, dass sie gerade noch die Prüfung bestanden. Die Mehrheit der Studenten, schlägt während der Vorlesungszeit , fast nie einen Lehrbuch auf. Die Anzahl der Studenten, welche sich über eine 2,0 ärgern, weil sie die Meinung sind, sie könnten es besser, hält sich dabei in Grenzen. Und von diesen Leuten ist auch nur ein Bruchteil bereit, das nächste mal mehr zu tuen.
Die Realität, zumindest so wie ich es in meinem begrenzten Umfeld sehe, dass
Um Bestleistungen zu bringen, muss man tatsächlich sehr viel tun (oder sehr begabt sein, solche Leute soll es auch geben). Schon früher soll es Menschen gegeben haben, die sich davon nicht abschrecken ließen und den nötigen Durchhaltewillen hatten, den Vorlesungsstoff konsequent vor und nachzubereiten, doch ohne stichhaltige Belege, verneine ich die Behauptung, dass es einen in der Bevölkerung weit verbreitenden Trend gibt, Topleistungen wichtiger zu sehen und tatsächlich mehr dafür zu tuen.

Ja klar...

"Die Realität ist, dass die Mehrheit der Studenten ohne größere Probleme durch das Studium kommen."

...obwohl nach wie vor ein Drittel rausgeprüft wird, aber die Mehrheit kommt durch, wie beruhigend.

Allein die Rede des Dekans spricht doch Bände, die Universität sieht sich nicht als Bildungsanstalt, sondern als eine Art IQ-Filter für die Gesellschaft. Je unterfinanzierter sie ist, desto mehr betont sie, dass es auf "Leistung" und "Eigeninitiative" ankommt und desto weniger bringt sie selbst davon...

Bei uns im Studiengang

sind allein in den ersten beiden Semestern gut die Hälfte ausgesiebt worden. Und wenn ich schreibe "ausgesiebt", dann meine ich das wortwörtlich. Es gibt Fächer, wo die Dozenten einzig und allein den inoffiziellen Auftrag haben, didaktisch so schlecht wie möglich zu sein um die Hürde besonders hoch zu legen und damit möglichst viele rauszuschmeißen. Das ist natürlich zum Teil auch bedingt durch die begrenzten finanziellen Möglichkeiten der Institute.

Oder es gibt Professoren, die glauben, einen Ruf zu haben und diesen nach einem Wechsel zu einer neuen Uni unbedingt halten zu müssen. Dann werden großspurige Ankündigungen über die unglaublichen Leistungsanforderungen der eigenen Klausur gemacht, welche nicht im geringsten eingehalten werden. Nur um daraufhin, um des Rufs willen, hinter verschlossenen Türen zu mauscheln und mit höchst dubiosen Methoden doch noch die Klausur "schlecht ausfallen" zu lassen und somit wiederum kräftig auszusieben....

30 Prozent Abbrecher (nicht Versager!) im Jurastudium; so what!

Wenn man selbst jemanden in einem solchen Forum auf Rechtschreibfehler hinweist, wo Menschen unterschiedlicher Herkunft und Bildung immer unter Zeitdruck schreiben, sollte man wenigstens selbst keine machen (4 Rechtschreib- und 1 Interpunktionsfehler in den paar Zeilen).
Inhaltlich gebe ich Ihnen allerdings vollumfänglich Recht und möchte noch anfügen, dass natürlich schon immer etwas über 30% der Studenten das Jurastudium nicht geschafft haben und dass es ein Wunder ist, dass der Anteil auch heute nicht höher ist, da die Qualität des Abiturs tatsächlich drastisch gesunken ist, während sich die Notenschnitte kontinuierlich nach oben (zur Eins) hin bewegen.

Fantasiewelt

Dass die Mehrheit der Studenten "ohne größere Probleme" durch's Studium kommt halte ich für ein Gerücht, angesichts der Finanzierungsnöte. Die Behauptung, Schwierigkeiten lägen daran, dass man erst kurz vor der Klausur etwas tun würde anstatt kontinuierlich zu arbeiten ist schlicht eine unbewiesene Unterstellung. Mithin ist Beitrag 1 leider nichts als das unausgegorene und undurchdachte Lostreten einer Schlammschlacht.

In der realen Welt wurde bei uns ein Bachelor/Master-System aufgepfropft, ohne die dahinterstehende Lehrphilosophie ebenfalls mit einzuführen. Zum einen werden die Tätigkeiten etlicher Bachelor-Abschlüsse bei uns traditionell durch Ausbildungsberufe abgedeckt. Zum anderen ist es im angloamerikanischen Raum durchaus üblich, völlig fremde Fächer im Bachelor- und Masterstudium zu kombinieren. Das ist möglich, weil das Studium eben nicht darauf konzipiert ist, die "Faulen" oder "geistig Minderbemittelten" auszusieben sondern darauf, jedem, ganz gleich was sein Hintergrund ist, die Chance zu geben, zu bestehen. Dafür setzen sich dann auch Professoren mal mit den Studenten zusammen und betreuen Übungen selbst, die Türen stehen regelmäßig offen und Klausuren sind nicht auf die Reproduktion sondern auf das Verstehen und Anwenden von Fachwissen konzipiert. Da darf man sich dann auch den ganzen Tag Zeit lassen, die komplette Bibliothek mitverwenden und den Professor um Rat anrufen.

Umdenken, Occupy und ähnliche Initiativen stärken

Wobei die "Leistungsgesellschaft" ohnehin zu nichts führt. Weder zu höherer Qualität der Ergebnisse, eher im Gegenteil denn hoher Leistungsdruck bzw. weniger Zeit bedeutet zwangsläufig schlechtere Qualität. Noch zu mehr Wohlstand oder gesellschaftlicher Weiterentwicklung in einem positiven Sinne. Alles was gesteigert wird sind die wertlosesten Faktoren die es in unserer Gesellschaft zur Zeit gibt, Shareholder Value bzw. Wirtschaftswachstum.

Es wird auch selten bedacht, dass ein Student heute mehr zu lernen hat als vor 10 Jahren, der mehr zu lernen hatte als einer 10 Jahre vor ihm. Man nennt das Wissenszuwachs. Zugleich soll aber schneller gelernt werden. Das muss sich jemand ausgedacht haben der nichts mehr mit der Realität zunehmenden Wissens zu tun hat. Vermutlich irgendein Politiker.

Böse Bemerkung

Eine böse Bemerkung: Studieren Sie doch was vernünftiges! Z.B. Ingenieur oder Physik oder Chemie.

Juristen gibts wie Sand am Meer, die Zahl der Anwälte auf 1.000 Deutsche hat sich in den letzten zehn Jahren verdreifacht.

Der Bedarf für juristische Dienstleistungen hat aber eher abgenommen - von amerikanischen Verhältnissen sind wir (gott sei Dank!) sehr weit entfernt.

Das hätten Sie aber auch vorher wissen können. Ihr Professor hat somit einfach recht.

Somit mein Rat an Sie, Herr Amos: Nicht rumjammern und meckern, was vernünftiges tun. Studieren Sie ab nächstes Semester doch Elektrotechnik an der LMU oder der RWTH Aachen!

Auch nicht besser

Auch wenn ich Ihnen aus vollem Herzen zustimmen kann, daß es zu viele Juristen und zu wenig Wissenschaftler (auch Geisteswissenschaftler) gibt, muß ich leider berichten, daß die Lage dort (bei mir war´s Physik und Philosophie) nicht viel besser ist: Absurde Lehrpläne, eine für viele studiumszerstörende Bürokratie, dikaktisch wie fachlich nur wenig kompetente Professoren (die guten gehen ins Ausland) und eine schnell-Ausbildung, die nur wenig über Abiturniveau hinausgeht und weder für´s Berufsleben noch für Forschung wirklich tauglich ist.

Dies mag an Fach- und Privathochschulen anders sein, doch erstere haben eine recht begrenzte Studienbandbreit und letztere sind nur mit einem gewissen Reichtum machbar (in jener Hinsicht sind wir also zumindest schon auf dem Weg in US-Amerikanische Verhältnisse).

technische studien

und dort sind die bedingungen besser? wohl kaum, an meiner uni war die drop out rate über 50%. ein technisches studium ist nun mal ziemlich anspruchsvoll, es in mindeststudienzeit studieren zu wollen ziemlich heftig. und das schlimmste daran: fast alles praktisch anwendbares habe ich ausserhalb des studium gelernt, ergo jene zeit, für die man sich "faulheit" vorwerfen lassen darf ;) vor allem bei den technischen studien wäre ein mehr an zeit, in der man auch einfach mal "ganz sinnlos" irgendwas ausprobiert, ein mehr an qualität. mit den jetzigen studienplänen wird leider oft genug nur der kopf mit theoretischem wissen zugemüllt, das teilweise auch nicht verstanden wird, weil der bezug fehlt.

Überarbeitung ist Normal-Zustand

Ich finde ja lustig, dass es Menschen gibt, die erkennen, dass manche Studiengänge zu sicheren Jobs führen als andere. Dabei aber verkennen, dass diese Einteilung nicht zugleich in mehr Stress oder weniger Stress führt.

Ich studiere Physik und Informatik. Ich habe weder Semesterferien noch offizielle Feiertage oder Wochenenden. Klar die alte Heulerei. Aber um vernünftige Ergebnisse zu erhalten muss der Durschnittsstudent (an dem das Studium nicht angepasst ist, sondern an die "Elite") tagtäglich viel leisten. Dann kommt noch der Semestrige-Wahnsinn hinzu, dass man nicht weiß, wann wieviel Bafög gezahlt wird. Man kaum Zeit findet Geld zu verdienen. Die Semesterferien sind zumeist voll mit Praktika, Hausarbeiten und Klausuren. Teilweise kann man nicht einmal pünktlich genug mit Lernen beginnen, weil keine Zeit da ist. Das sollte man beachten...

Der Sohn soll ruhig Kunstgeschichte studieren...

...aber er soll sich vorher auch genau informieren, dass es danach hart wird. Die Sorge des Vaters ist absolut verständlich, wenngleich der Sohn am Ende über sein Leben selbst entscheiden muss.
Aber ich will den Sohn dann bitte nicht auf einer Demo sehen, auf der er Persektivlosigkeit anprangert und die Politik oder das System dafür verantwortlich macht...

Man weiß ja nie was kommt.

Zunächst ist ja ein Studium in einer bestimmten Richtung überhaupt kein Garant dafür, dass man auch in dieser Richtung arbeitet. Ich studiere auch Jura (Privat noch alles mögliche andere) aber ich arbeite derzeit im tiefsten Controlling. Ein Studium ist dazu da, um den Geist zu weiten, um aufnahmefähig für den Stoff zu sein und ein umfassend gebildeter Mensch zu sein. Ich weiß jetzt schon, dass ich sicherlich kein Anwalt oder Richter werden will. Bei der Deutschen Bank sitzen zu hauf Leute, die weder BWL noch VWL studiert haben. Man arbeitet da, wo man gebruacht werden kann, nicht da, wo mein Studium es vermuten ließe. Und protestieren sollten mal viel mehr Menschen, da sind wir Deutschen echt lahme Säcke. Grüße

Und wenn nicht jeder die intellektuellen

Voraussetzungen dafür hat?
Nicht jeder versteht Mathe, Elektrotechnik, Chemie oder sonst etwas. Lieber etwas studieren, was man kann und was man studieren möchte, als sich etwas aufzwingen, schlechte Noten schreiben und nach einigen Semestern (wenn es denn so lange dauert) zwangsexmatrikuliert werden.

Jeder stellt sich das immer so einfach vor, einfach "etwas sinnvolles studieren". Das KANN aber nunmal nicht jeder! Wieso sollte ich mit einer Mathe 5 in der FHR den Weg eines Ingenieuren einschlagen?

BTW: Mag sein, dass gewisse Fächer überlaufen sind, aber das wird sich wohl auch wieder ändern. Was würde es bringen, wenn nun niemand mehr Medizin, Jura oder Journalismus studiert.. dann gibts bald niemanden mehr, der diese Berufe ausüben kann. Doch, vielleicht ein Ingenieur als Quereinsteiger!

Immer diese Generalisierungen

Nicht jeder Langzeitstudent ist faul, der Stress ist nicht eingebildet und Aussagen wie: „Anzeichen von Born Out? Ist das heutzutage nicht schon ein Muss?“ ist absoluter Bockmist, denn es handelt sich hier nicht um eine Modererscheinung, sondern ist für die Betroffenen ein echtes Problem. Solche Aussagen verstärken das nur noch mehr, weil sich einige dadurch das Problem lieber nicht eingestehen, denn sie könnten ja als faule Spinner bezeichnet werden. Zum Glück sind die Unis da schon weiter als die meisten Menschen, zumindest bei uns weiß ich, dass psychologische Probleme dahingehend ernst genommen werden, dass sie als Gründe für Langzeitstudium usw. anerkannt werden, sofern man entsprechende Bestätigungsschreiben von Therapeuten vorweisen kann. Bleibt nur zu hoffen, dass auch der Rest der Gesellschaft irgendwann die Psyche als genauso wichtig wie den Körper ansieht, auch wenn man einen Beinbruch einfacher identifizieren kann, als Depressionen und Ähnliches.
Eins noch: wenn jemand nun mal einen Hang zu Jura oder gar Geisteswissenschaften hat, kann man doch nicht einfach sagen, er soll lieber was „sinnvolles“ studieren. Studienwahl hängt mit Identität und Fähigkeiten zusammen, wer gut in etwas ist, sollte nicht wegen des Arbeitsmarktes etwas studieren, was er nicht begreifen kann.

Da es sich auf mein Kommentar bezieht...

"Nicht jeder Langzeitstudent ist faul, der Stress ist nicht eingebildet und Aussagen wie: „Anzeichen von Born Out? Ist das heutzutage nicht schon ein Muss?“ ist absoluter Bockmist, denn es handelt sich hier nicht um eine Modererscheinung, sondern ist für die Betroffenen ein echtes Problem."
Da es sich auf mein Kommentar bezieht, will ich mich dazu etwas hinzufügen:
Man sagt häufig beiläufig, ich habe Depressionen, wenn man z.B. meint, dass man traurig ist. Das hat nichts mit der ernst zu nehmende Krankheit Depression zu tuen. Dennoch hat es sich zu einem "Modebegriff" entwickelt, was in der landläufige Bedeutung nichts mit der ursprünglich medizinischen Bedeutung zu tuen hat. Genau so spricht man bei jeder Erkältung von "Grippe".
Aktuell wird sehr viel über Burnout geschrieben. Es gibt diverse "Tests", wonach man erkennen kann, ob man gefährdet ist, unzählige Meinungen und Artikel werden dazu veröffentlicht etc.
Der Begriff, welcher ursprünglich ein schwerwiegendes Problem bezeichnen sollte (vielleicht irre ich mich da, weil ich kein Experte darin bin), mutiert zu einem Synonym für Müdigkeit, Stress, Arbeitsbelastung etc.

Ja...

...wobei sowohl bei Depression, wie auch bei BurnOut die Grenzen fliessen sind.

Dass der Begriff sich so stark verbreitet hat, liegt daran, dass die Menschen damit etwas beschreiben können, für das sie vorher keine passenden Worte hatten.

Gegeben hat es das schon immer, die Zeiten sind noch nicht so lange her:
"In vielen Fabriken wurde den Arbeitern während des 12 bis 16stündigen Arbeitstages kostenlos Schnaps geboten, damit sie die Arbeitsbelastung überhaupt durchhielten."
http://alkoholkrank-onlin...

Die psychische und physische Belastung, die sich aus mangelnder Freizeit ergibt, wird oft unterschätzt, zumal ja auch der Feierabend oft stark durchstrukturiert ist, spätestens wenn man eine Familie hat...

Teufelskreis

Ich bin völlig Ihrer Meinung. Ich studiere ebenfalls schon ein wenig länger (und wie der Verfasser Jura) und habe alleine 2 Jahre verloren, weil ich irgendwie die Studiengebühren finanzieren musste. Als Student ist man, wenn man keine Unterstützung von den Eltern und kein Bafög bekommt ziemlich auf sich alleine gestellt, hier gibt es anscheinend auch kein Existenzminium. Und wer auf lange Zeit von 700 Eur alles im Monat bestreiten muss (inkl Miete, Strom, Semesterbeitrag und Studiengebühren bis zu 500 Eur/6 Monate) der kann auch schon mal psychisch krank werden. Da ist zum einen der Druck, irgendwoher das Geld zum Leben zu bekommen, zum anderen das schlechte Gewissen, weil man dann mal wieder nicht zuhause am Schreibtisch sitzt oder in der Vorlesung in der Uni. Wobei ich sagen muss, dass mir letztere aufgrund der fehlenden didaktischen Fähigkeiten der meisten Professoren nicht viel gebracht haben. Das bäumt sich irgendwann zu einem riesen Berg auf, den man bewältigen muss.
Den Spruch des Rektors, den der Verfasser zitiert, habe ich übrigens so ähnlich auch direkt am ersten Tag gehört. Nur hier waren alle Kommilitonen im Hörssal die zukünftigen Konkurrenten um meinen Arbeitsplatz. Und da wundert sich noch mal irgendwer, warum es immer mehr eine Ellbogengesellschaft gibt, und das nicht nur unter Jurastudenten. Dort überlebt man als Egomane meistens übrigens nicht lange. Ich habe den Rektor gedanklich dann unter "vermeintlich ziemlich einsamer Mensch" abgelegt;-)

So ist es...

"Ich habe den Rektor gedanklich dann unter "vermeintlich ziemlich einsamer Mensch" abgelegt;-)"

...die beweisen schon am ersten Tag, wie schlecht sie didaktisch drauf sind. Wer zur Hölle beginnt ein Lehrverhältnis damit, dem Lernenden Angst zu machen? Das ist
http://de.wikipedia.org/w...
in Reinkultur.

und das an den Instituten, die sich als die intellektuelle Speerspitze des Landes verstehen.