Kommilitonen sind manchmal neidisch auf ihre Fähigkeit
Wie so ein Bild aussehen kann, ließe sich gut mit Werken des Künstlers Roberto Matta vergleichen, sagt Weckesser. Das Bild mit dem Titel The Vertigo of Eros etwa sehe für sie aus wie ein Rock-Stück der Band Tool. "Der silberne Schleier über dem Bild sieht zum Beispiel aus wie der Klang einer E-Gitarre und die dünnen Striche könnten ein Schlagzeug sein."
Johanna Weckesser sammelt all die Bilder in ihrem Kopf, die auch entstehen, wenn sie auf der Straße, im Einkaufszentrum oder sonstwo im Alltag unterwegs ist. In ihrem Studienfach Musikkomposition benutzt sie diese dann als Vorlage, um ihre Stücke zu schreiben. "Auf diesem Weg will ich meine Welt, die Farben und Formen, in die Realität holen", erklärt sie. Dann arbeitet Johanna Weckesser wie ein Malkünstler, nur mit Tönen statt mit Farben.
Das kann sie am besten am Klavier. Sie drückt so lange verschiedene Tasten und Akkorde, bis das erzeugte Farb- und Formmuster mit dem Bild in ihrem Kopf übereinstimmt. Andere Bild-Inspiration holt sie sich aus dem Alltag. So auch für ihre aktuelle Komposition, die sich besonders eckig und trotzig anhören soll. Dazu passen für Weckesser die Berliner Plattenbauten, die bei ihr schwarz-weiße Vierecke erzeugen. Also nimmt sie dieses Bild, setzt es musikalisch um und baut es in ihr Stück ein.
Kommilitonen von Johanna Weckesser sagen manchmal, dass sie auch gerne ihre Fähigkeit besitzen würden. Das mache im Studium doch vieles so einfach. Aber Synästhesie hat auch negative Seiten. "Vor allem ist es eine Art der Wahrnehmung, die fast keiner wirklich nachvollziehen kann. Deswegen fühle ich mich manchmal isoliert von anderen", sagt sie.
Dazu kommen Situationen, in denen zu viele Eindrücke auf die Studentin einströmen. Die Folge ist eine Sinnesüberreizung. Das passiert häufig beim Autofahren. "Dann sehe ich im Rückspiegel nur rote Vierecke und Punkte, aber registriere gar nicht, dass da ein Auto kommt." In solchen Fällen müsse sie sich doppelt stark konzentrieren, um ihre synästhetische Wahrnehmung auszugleichen, die sie gleichzeitig zu einer besonderen Musikstudentin macht.
- Datum 20.12.2011 - 16:25 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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und aufschlußreich! Ich glaube,daß diese Fähigkeit im Grunde jeder Mensch mehr oder weniger besitzt! Ich kann mich selbst mit meiner Wahrnehmung in diesem Bericht auch ein bisschen wiederfinden(Sinnesüberflutung). Daß alle sinnlichen Wahrnehmungen miteinander verknüpft sind, erkennt man auch daran, daß durch Gerüche z.B. Erinnerungen und damit Gemütsbewegungen oder Gedankengänge plötzlich heraufbeschworen werden können.Das kennt ja wohl fast jeder.
Oder z.B. so etwas wie eine "innere Schau". Ich habe z.B. in den ersten Tagen von "Tschenobyl" nach dem Genuß von ziemlich viel frischen Kirschen abstrakte Bildformationen in unangenehmen Farben und Formen "gefühlt", bzw. "gesehen". Ich war mir dabei instinktiv im Klaren,daß diese Farb-und Form-Kombinationen etwas völlig fremdes, nicht zu meinem Organismus passendes waren. Später, gar nicht lange her, habe ich so etwas in der Art mehrfach wieder erlebt.Da waren es z.B. unangenehm anorganische Formen, meist Vierecke. Ich bin mir ziemlich sicher, daß ich alle möglichen Arten von Strahlung auf diese Art wahrnehmen kann.Vielleicht hat man dadurch auch die Möglichkeit, z.B. Schädliches besser, weil bewußter, abwehren zu können.
Ich bin kein Menschenforscher aber 5% ist ganz schön viel dafür, dass ich es nicht mal kannte.
Aber es klingt sehr interessant.
Wie stelle ich mir dann ein Stück von Strawinsky oder Schönberg vor?
Millionen Kisten mit jeweils vier Ecken, aber 12 Kanten.
In einem Raum mit 12 Wänden, die alle senkrecht aufeinander Stehen? Kann ich das mal testen?
Bislang kenne ich das nur vom kanadischen Musiker und Produzenten Devin Townsend. Laut Wikipedia hat er (neben einer bipolaren Störung) ebenfalls Synästhesie. Das wiederum hat mir im Nachhinein vieles in den Stücken seiner damaligen Trash-Metal-Band "Strapping Young Lad" erklärt (das und die Tatsache, dass er in der Zeit alle erdenklichen Drogen konsumiert und die Musik der Band als Ventil für seine Aggressionen nutzte).
Prinzipiell finde ich ja die Beschreibung unterschiedlicher Wahrnehmungen sehr spannend. Denn unsere Wahrnehmung ist letztendlich unsere persönliche Interpretation unserer Umwelt. Ich z.B. habe mit 30 erst bewusst entdeckt, dass ich nur mit einem Auge und damit nur zweidimensional sehe. Gut, das hatte ich vermutet, aber meine Erkenntnis war: Alle anderen (gesunden) Menschen haben mit ihrer dreidimensionalen Sicht eine völlig andere Wahrnehmung als ich. Für mich bis heute nicht vorstellbar was ein 3Dler sehen kann.
In dem Zusammenhang frage ich mich gerade, wie wir auf einen Synästhesisten wirken müssen... blind? Taub? Beides ein bisschen?
Ich wollte nur noch anfügen, dass ich Devin Townsend Musik kenne und bei ihm die Veranlagung in der Musik zu erkennen ist bzw. an den Ambient Passagen von Terria und The Hummer in denen er Atmosphären und Geräusche verwendet. Bei dieser Gelegenheit poste ich gerade in eigener Sache mein Klangstück und hoffe, dass die Synästhesien herüberkommen "Walk on the desertside" http://www.youtube.com/wa...
"Bislang kenne ich das nur vom kanadischen Musiker und Produzenten Devin Townsend."
Hendrix war auch einer.
Ich wollte nur noch anfügen, dass ich Devin Townsend Musik kenne und bei ihm die Veranlagung in der Musik zu erkennen ist bzw. an den Ambient Passagen von Terria und The Hummer in denen er Atmosphären und Geräusche verwendet. Bei dieser Gelegenheit poste ich gerade in eigener Sache mein Klangstück und hoffe, dass die Synästhesien herüberkommen "Walk on the desertside" http://www.youtube.com/wa...
"Bislang kenne ich das nur vom kanadischen Musiker und Produzenten Devin Townsend."
Hendrix war auch einer.
Mit 23 Jahren habe ich festgestellt, dass ich Synästhetiker bin. Ein Freund spielte mir Musik der Gruppe Dead Can Dance vor und wies mich an, dass ich doch etwas vor meinem geistigen Auge sehen solle. Es hat direkt funktioniert und auch mit anderer Musik wie Gustav Mahler hat es daraufhin immer wieder funktioniert. Entweder laufen mir Filme rhythmische Farbenspiele oder Animationen vor Augen ab. Die Melodien entscheiden dabei über das Bild und der Takt über die Bewegung. Ich habe immer wieder vesucht es anderen Menschen zu zeigen, aber ich traf nur wenige Menschen die auf "Musik sehen" ansprachen. Es ist bei mir nicht auf Musik beschränkt, denn schon als Kind konnte ich gut, ohne zu sehen was das Geräusch verursacht, ein Bild davon bekommen. Auch habe ich, wenn im Treppenhaus eine bekannte Person geht, bildlich vor Augen welche Person es ist. Falls ich die Person nicht kenne habe ich eine Phantombild der Person vor Augen und kann mir deren Bewegung vorstellen. Andere Synästhesien gelinge mir nur mit längerer Übung. Synästhesien gibt es in der Literatur z.B. bei Thomas Manns Tod in Venedig, wo der Tagtraum über den "mephitischen Odem" eine Assoziation zu Venedigs stinkenden Kanälen darstellt oder ds Madelaine-Gebäck bei Prousts "Suche nach der verlorenen Zeit". Auch Lautmalerei ist eine synästhetisches Stilmittel. Überdies haben Metaffern und Allegorien mitunter synästhetische Komponenten oder basieren ganz darauf und es ist wie "wenn Musik nach frischer Pfefferminze klingt".
Ich wollte nur noch anfügen, dass ich Devin Townsend Musik kenne und bei ihm die Veranlagung in der Musik zu erkennen ist bzw. an den Ambient Passagen von Terria und The Hummer in denen er Atmosphären und Geräusche verwendet. Bei dieser Gelegenheit poste ich gerade in eigener Sache mein Klangstück und hoffe, dass die Synästhesien herüberkommen "Walk on the desertside" http://www.youtube.com/wa...
Ich denke sogar, dass noch viel mehr Menschen (natürlich deutlich geringer ausgeprägt) gewisse Tendenzen haben, jeder seine eigene. Der ein oder andere würde es sogar den 6. Sinn nennen, dabei sind es nur verschmolzene, vermischte Sinneswahrnehmungen.
schon lange einerseits mit Mathematik und andererseits mit bildlicher Wahrnehmung, also mit Malerei, in Verbindung gebracht. Ich denke wirklich, daß die sog. Synästhetik eigentlich etwas ganz natürliches und auch nicht nur menschliches ist. Genauso, wie auch die Telepathie. Das ist ein Bereich, der durch diese widernatürliche Zivilisation stark verkümmert ist. In gleichem Maße, wie der Mensch sich der Natur wieder zuwendete und sie aufleben ließe,würden diese Fähigkeiten sich auch wieder mehr entfalten. Davon bin ich überzeugt.
... ist sehr schön; als röche es nach frischem Heu, das am Abend von der Sonne noch warm ist. Gehört habe ich nichts.
Pardon! Was sich alte Männer so denken?!
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