Bezahlstudium Streit um Wirkung von Studiengebühren

Schrecken sie ab oder ist sogar das Gegenteil der Fall? Experten streiten über die Wirkung des Bezahlstudiums. Unis ohne Studiengebühren klagen über Geldmangel.

Schrecken Studiengebühren ab? Um diese Frage ist ein Deutungskampf zwischen dem Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) und dem Hochschulinformationssystem (HIS) ausgebrochen. WZB-Forscher hatten im Herbst die Debatte mit einer Studie befeuert, nach der die Einführung der Gebühren keineswegs Abiturienten vom Studium abgehalten habe. Selbst für Jugendliche aus nicht-akademischen Elternhäusern gewinne ein Studium mit Gebühren an Wert. Die Berliner hatten sich dabei auf Daten des HIS bezogen. Das schlug jetzt am Mittwoch zurück.

"Handwerkliche Fehler" hätten die Berliner gemacht, kritisierte Christoph Heine vom HIS bei einem Fachgespräch im Bundestag. Er sei bei der Auswertung seiner Daten zu ganz anderen Ergebnissen gekommen. Die Studierbereitschaft sei nach der Einführung der Gebühren "signifikant gesunken". Die Gebühren hätten zu einem "länderübergreifenden Verunsicherungseffekt" geführt.

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Die Beteiligten kämpfen in einem ideologisch verminten Gelände. Gegner argumentieren, Gebühren führten zu sozialer Ungleichheit. Befürworter freuten sich deshalb über die WZB-Analyse. Doch das Fachgespräch im Bundestag machte klar: Auf die eine große Studie mit einer eindeutigen Antwort werden beide Seiten weiter warten müssen.

So sind WZB und HIS mit demselben Datensatz zu einem entgegengesetzten Befund gekommen. Beide berufen sich auf das HIS-"Studienberechtigtenpanel". Das befragte 1999 bis 2008 sechs Jahrgänge nach ihrer "Studierneigung", die sich daran bemisst, wie viele Abiturienten ein halbes Jahr nach dem Schulabschluss studieren oder zum Studium entschlossen sind.

Das WZB verglich zwei Durchschnittswerte bei der Studierneigung: Den Schnitt der Jahrgänge zwischen 1999 und 2005 sowie zwischen 2006 und 2008. 2006 war das Jahr, in dem die ersten Länder Gebühren einführten. Das Resultat: Nach 2006 stieg die Studierneigung an, in Gebührenländern (plus 2,7 Prozent) sogar stärker als in Nicht-Gebührenländern (plus 0,8 Prozent). Diesen Ansatz verteidigte Coautor Marcel Helbig. Nachberechnungen hätten das Ergebnis bestätigt.

Lässt sich der Einfluss der Gebühren auf die Studienwahl bestimmen?

HIS-Autor Christoph Heine entgegnet, solche Durchschnittswerte würden das Ergebnis verzerren. Vor allem das Jahr 1999 dürfe nicht mitgerechnet werden, da es zeitlich zu weit entfernt sei. Für die Vorgebührenzeit würde es den Schnitt aber entscheidend runterziehen, da sich damals deutlich weniger Abiturienten für ein Studium entschieden als etwa 2002.

Heine hält es für angemessener, die Werte für die Jahrgänge 2002, 2004, 2006 und 2008 separat zu vergleichen. Da zeigt die Kurve auf einmal nach unten. 2002 und 2004 lag die Studierneigung in den späteren Gebührenländern bei 79 Prozent. 2006 fällt sie auf 75 Prozent, 2008 auf 74 Prozent. Ähnlich sei die Entwicklung in Nichtgebührenländern; das belege einen bundesweit abschreckenden Effekt von Studiengebühren.

Kann man überhaupt eindeutig bestimmen, welche Rolle Studiengebühren bei der Studienwahl spielen? Schließlich spielen viele Faktoren wie die Diskussion um den Fachkräftemangel eine Rolle. Die vorliegenden Datensätzen seien "viel zu grob", um eindeutige Aussagen zu treffen, sagte der Elitenforscher Michael Hartmann (TU Darmstadt). Er verwies auf Zahlen aus Österreich, wo Frauen aus Arbeiterfamilien nach der Einführung von Gebühren deutlich seltener ein Studium aufnahmen.  Solche Subgruppen bildeten die HIS-Daten nicht ab. Der grüne Bundestagsabgeordnete Kai Gehring forderte die Bundesregierung auf, eine umfassende Studie in Auftrag zu geben.

Leser-Kommentare
  1. denn im Augenblick bezahlt der Handwerksmeister dem Lehrersohn das Studium. Unser schönes Steuersystem subventioiert die Mittel- und Oberschicht. Absonderlich wird es, wenn der Beamtensohn das volle Bafög bekommt, weil seine Eltern in großzügiger Rente sind, während der Arbeitersohn den halben Satz bekommt, weil die verwitwete Mutter 2000 Euro brutto verdient. Die Leute haben schon seltsame Vorstellungen von Gerechtigkeit.
    Wie wärs damit, die Hälfte der Gebühren wird während des Studiums gezahlt, die andere Hälfte nach dem Ende des Studiums bei Erreichen einer bestimmten Einkommensgrenze. Also ähnlich wie beim Bafög.

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    • Kriton
    • 26.01.2012 um 19:56 Uhr

    Während Akademikerkinder von ihren Eltern stark gefördert werden, ein Studium anzugehen, stehen Arbeitereltern dem Studium ihrer Kinder oft noch mißtrauisch gegenüber. Den Studienwunsch durchzusetzen, ohne die eigenen Eltern vor den Kopf zu stoßen, ist schon Aufgabe genug, wenn dann die Finanzierbarkeit noch schwierig ist, schreckt es diejenigen, die von ihren Eltern schon kaum immaterielle Unterstützung bekommen, umso mehr ab.

    Und wenn der Handwerkersohn dann seine Meisterprüfung macht, finanziert er diese dann natürlich selbst. Gerecht ist etwas anderes.

    Nun Herr Zaitberg, Ihre Aussage ist da etwas flach. Der Artikel handelt von der Studiengebühr und nicht vom BAföG, wie Sie schreiben. Das ist als unabhängig zu betrachten. Dabei möchte ich Sie noch an den "Sozialstaat" (auf welche Weise sozial, diskutieren wir hier jetzt nicht) erinnern, in welchem wir alle leben. Ergo FÖRDERN wir alle, den Azubi sowie den angehenden Akademiker, Fakt. Bevor Sie sich mit Gedanken über die Tilgung der Studiengebühr auseinander setzen, stellen Sie sich vielleicht mal die Frage, warum das System wieder einmal nicht funktioniert?
    Meine Studienzeit ist noch nicht lange her. Mein Fachbereich saß auf einer großen Menge Geld, die nicht ausgegeben werden konnte, weil nicht klar war, für was man sie ausgeben durfte. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Bis heute bezweifle ich übrigens, dass etwas wirklich sinnvolles mit dem Geld gemacht wurde.
    Für bauliche Maßnahmen, darf das Geld nicht verwendet werden. Ebenso verhält es sich für Gast-Dozenten Gelder, diese sind fix. Also, wer hat es verbockt? Ich gebe Ihnen allen einen Tip, die Universitäten und Hochschulen waren es nicht.

    Ach ja, noch eine Korrektur. Wird die Rückzahlung des BAföG in einer Einmalzahlung geleistet, sind lediglich 40% fällig. Ansonsten sind es 50%.

    Und noch eine hässliche Wahrheit für alle! Verstehen Sie endlich, dass ein "Studium" an einer Hochschule nichts anderes ist, als eine gewöhnliche Ausbildung. Der Unterschied ist nur, dass die Unternehmen die den Lehrplan maßgeblich beeinflussen, selten etwas dafür springen lassen.

    Und wer zahlt die meisten Steuern in diesem Land, der Handwerkmeister oder der Akademiker? Sowohl in absolten als auch in relativen Zahlen wahrscheinlich zahlen Akademiker weit mehr Steuern, d.h. es ist ein gutes Geschäft für die Gesellschaft sofern er im Land bleibt, was beim überwiegenden Teil weiterhin der Fall ist.

    Die Idee man solle deswegen nicht den Akademiker bzw. jeden der ein Studium aufnimmt vorfinanzieren ist einfach nur einfälltig.

    Eine duale Berufsausbildung wird meines Wissens nach seit 1969 vergütet. Im Vergleich dazu bekommt man für ein Studium ersteinmal gar nichts, es wird vom Gesetzgeber als eine Art Freizeitvergnügen behandelt.
    Andererseits ist es so, das wessen Eltern "zu wenig" verdienen, Bafög bekommt, von dessen Höchstsatz man nachweislich auch in München leben kann. Die Bemessungsgrenzen und anderweitige Vorgaben sind allerdings so gesetzt, dass Eltern aus der Mittelschicht teilweise in echte Finanzierungsprobleme kommen, wenn denn mehrere Kinder studieren. Viele scheinen zu denken "Akademiker = Reich", was definitiv nicht stimmt. Ich finde es wirklich interessant, dass umgekehrt bei Azubis niemand nach den Einkünften der Eltern fragt.
    Weiterhin konnte ich in meinem Umfeld beobachten, dass nicht unbedingt die Studiengebühren das Problem sind, sondern oft die seltsame Zahlungsmoral der Hochschulen. Es gibt zahlreiche Befreiungsgründe von Studiengebühren. Wenn allerdings die Hochschule ungeachtet dessen erstmal alle ausnahmslos zur Vorauskasse bittet und dann Monate braucht, gegebenenfalls zurückzuzahlen, dann führt das die meist sehr gut begründete Befreiung praktisch ad absurdum.
    Zuletzt scheint mir manchmal, dass wir anfangen sollten, "Akademikerkinder" vor dieser um sich greifenden Propaganda zu schützen - für "Arbeiterkinder" gibt es mittlerweile viele Hilfestellungen, während man gegen "Akademikerkinder" offenbar ungehemmt wettern darf.

    Ihre Logik nach müssten v.a. Studierende aus einkommensschwachen Familien für Studiengebühren sein und Kinder reicher Eltern dagegen Sturm laufen. Verhält es sich so?

    des Handwerkers studieren geht, dann wird der genauso finanziert, nämlich über die Steuern, die der Vater jahrelang gezahlt hat. Ich kann das nicht mehr hören, dass der "kleine" dem Nachwuchs des "großen" das Studium finanziert. Studiengebühren erhöhen die Gerechtigkeit um absolut nichts, weil es dem "Lehrersohn" nicht wehtut, diese auch ncoh zu bezahlen, aber sich der "Handwerkersohn" zehnmal überlegt, ob er diese zusätzliche finanzielle Belastung auch noch will.

    Sagt die studierte Tochter eine Kfz-Schlossers und einer Putzfrau.

    • Kriton
    • 26.01.2012 um 19:56 Uhr

    Während Akademikerkinder von ihren Eltern stark gefördert werden, ein Studium anzugehen, stehen Arbeitereltern dem Studium ihrer Kinder oft noch mißtrauisch gegenüber. Den Studienwunsch durchzusetzen, ohne die eigenen Eltern vor den Kopf zu stoßen, ist schon Aufgabe genug, wenn dann die Finanzierbarkeit noch schwierig ist, schreckt es diejenigen, die von ihren Eltern schon kaum immaterielle Unterstützung bekommen, umso mehr ab.

    Und wenn der Handwerkersohn dann seine Meisterprüfung macht, finanziert er diese dann natürlich selbst. Gerecht ist etwas anderes.

    Nun Herr Zaitberg, Ihre Aussage ist da etwas flach. Der Artikel handelt von der Studiengebühr und nicht vom BAföG, wie Sie schreiben. Das ist als unabhängig zu betrachten. Dabei möchte ich Sie noch an den "Sozialstaat" (auf welche Weise sozial, diskutieren wir hier jetzt nicht) erinnern, in welchem wir alle leben. Ergo FÖRDERN wir alle, den Azubi sowie den angehenden Akademiker, Fakt. Bevor Sie sich mit Gedanken über die Tilgung der Studiengebühr auseinander setzen, stellen Sie sich vielleicht mal die Frage, warum das System wieder einmal nicht funktioniert?
    Meine Studienzeit ist noch nicht lange her. Mein Fachbereich saß auf einer großen Menge Geld, die nicht ausgegeben werden konnte, weil nicht klar war, für was man sie ausgeben durfte. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Bis heute bezweifle ich übrigens, dass etwas wirklich sinnvolles mit dem Geld gemacht wurde.
    Für bauliche Maßnahmen, darf das Geld nicht verwendet werden. Ebenso verhält es sich für Gast-Dozenten Gelder, diese sind fix. Also, wer hat es verbockt? Ich gebe Ihnen allen einen Tip, die Universitäten und Hochschulen waren es nicht.

    Ach ja, noch eine Korrektur. Wird die Rückzahlung des BAföG in einer Einmalzahlung geleistet, sind lediglich 40% fällig. Ansonsten sind es 50%.

    Und noch eine hässliche Wahrheit für alle! Verstehen Sie endlich, dass ein "Studium" an einer Hochschule nichts anderes ist, als eine gewöhnliche Ausbildung. Der Unterschied ist nur, dass die Unternehmen die den Lehrplan maßgeblich beeinflussen, selten etwas dafür springen lassen.

    Und wer zahlt die meisten Steuern in diesem Land, der Handwerkmeister oder der Akademiker? Sowohl in absolten als auch in relativen Zahlen wahrscheinlich zahlen Akademiker weit mehr Steuern, d.h. es ist ein gutes Geschäft für die Gesellschaft sofern er im Land bleibt, was beim überwiegenden Teil weiterhin der Fall ist.

    Die Idee man solle deswegen nicht den Akademiker bzw. jeden der ein Studium aufnimmt vorfinanzieren ist einfach nur einfälltig.

    Eine duale Berufsausbildung wird meines Wissens nach seit 1969 vergütet. Im Vergleich dazu bekommt man für ein Studium ersteinmal gar nichts, es wird vom Gesetzgeber als eine Art Freizeitvergnügen behandelt.
    Andererseits ist es so, das wessen Eltern "zu wenig" verdienen, Bafög bekommt, von dessen Höchstsatz man nachweislich auch in München leben kann. Die Bemessungsgrenzen und anderweitige Vorgaben sind allerdings so gesetzt, dass Eltern aus der Mittelschicht teilweise in echte Finanzierungsprobleme kommen, wenn denn mehrere Kinder studieren. Viele scheinen zu denken "Akademiker = Reich", was definitiv nicht stimmt. Ich finde es wirklich interessant, dass umgekehrt bei Azubis niemand nach den Einkünften der Eltern fragt.
    Weiterhin konnte ich in meinem Umfeld beobachten, dass nicht unbedingt die Studiengebühren das Problem sind, sondern oft die seltsame Zahlungsmoral der Hochschulen. Es gibt zahlreiche Befreiungsgründe von Studiengebühren. Wenn allerdings die Hochschule ungeachtet dessen erstmal alle ausnahmslos zur Vorauskasse bittet und dann Monate braucht, gegebenenfalls zurückzuzahlen, dann führt das die meist sehr gut begründete Befreiung praktisch ad absurdum.
    Zuletzt scheint mir manchmal, dass wir anfangen sollten, "Akademikerkinder" vor dieser um sich greifenden Propaganda zu schützen - für "Arbeiterkinder" gibt es mittlerweile viele Hilfestellungen, während man gegen "Akademikerkinder" offenbar ungehemmt wettern darf.

    Ihre Logik nach müssten v.a. Studierende aus einkommensschwachen Familien für Studiengebühren sein und Kinder reicher Eltern dagegen Sturm laufen. Verhält es sich so?

    des Handwerkers studieren geht, dann wird der genauso finanziert, nämlich über die Steuern, die der Vater jahrelang gezahlt hat. Ich kann das nicht mehr hören, dass der "kleine" dem Nachwuchs des "großen" das Studium finanziert. Studiengebühren erhöhen die Gerechtigkeit um absolut nichts, weil es dem "Lehrersohn" nicht wehtut, diese auch ncoh zu bezahlen, aber sich der "Handwerkersohn" zehnmal überlegt, ob er diese zusätzliche finanzielle Belastung auch noch will.

    Sagt die studierte Tochter eine Kfz-Schlossers und einer Putzfrau.

  2. sie verhindern schlicht, daß viele Menschen studieren können, wie und wo es am sinnvollsten wäre. Auch ohne Studiengebühren gehören Studenten, die keinen Unterhalt seitens der Eltern bekommen), wohl zu den finanzschwächsten Gruppen im Lande (noch unter ALG2). Ein Studieren in Städten, die hohe Mieten und Lebenshaltungskosten haben, kommt da sowieso nicht in Frage.

    Kommen nun noch Studiengebühren hinzu, wird ein Studium ganz und gar unmöglich (zumal jobben neben dem Studium zu weniger Lernzeit führt, damit das Studium verlängert und die Bafög-Schulden weiter erhöht).

    Die Gebühren nun als Anreiz und Motivation zu verkaufen, halte ich dementsprechend für recht geschmacklos. Sie erhöhen den Druck, sind Mitschuld daran, daß (laut einem Artikel der Zeit in der letzten Woche) ein gutes Drittel der Studenten Psychopharmaka verwendet und die Abbrecherquote - gerade in den Naturwissenschaften - nicht selten über 80% liegt.

    Ergebnis: Volkswirtschaftlich gesehen kosten Studiengebühren Geld, denn durch sie geht viel wissenschaftliches Potential verloren. Und die Tatsache, daß Studenten aus ärmeren Familien nur in den Gebührenfreien Enklaven (etwa Berlin) studieren können und selbst dann noch in einer präkeren Lage sind, die Zugang zu Ausrüstung und Büchern erschwert, wird dem Ideal der Chancengleichheit alles andere als gerecht.

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    Kann man nicht verallgemeinern, denn es kommt auf den Mietpreis und die Stadt an! Würde ich hier so wenig Miete zahlen, wie damals im Studium, hätte ich 50 Euro ALG II weniger, als ich mit Bafög hatte. Und da Bafög mittlerweile 100 Euro mehr beträgt, hätte ich entsprechend noch mehr Geld!

    • Formel
    • 27.01.2012 um 16:09 Uhr

    Das kann ich nur bestätigen. Ich selbst bin so ein "Arbeiterkind", das studiert. Und zum Thema Studieren in Berlin muss ich sagen, das wäre für mich immer noch zu teuer gewesen. Mit Bafög UND Kindergeld UND Pflichtanteil meiner Eltern habe ich immer noch weniger als 600 Euro im Monat. Und hätte ich keinen Platz im Studentenwohnheim in tiefster Provinz bekommen, hätte ich schon nach wenigen Monaten einen Privatkredit aufnehmen müssen.

    ....wie ein nur um ein Semester verkürztes Studium. Solange es "nur" um max. 500 Euro geht, glaube ich nicht, dass die Gebühren wirklich abschrecken. Wanderungsbewegungen von Gebührenländern in Nichtgebührenländern lassen sich jedenfalls nicht feststellen. Bei höheren Gebühren (wie in den USA und UK), die ich strikt ablehne, könnte das natürlich anders werden.

    Die Verwendung der Studiengebühren in Deutschland, bei dem die Studierendenvertreter ein gehöriges Wort mitzureden haben, ist recht transparent. Sie kommen so wirklich den Studierenden zugute und führen bei den Professoren zu einer gewissen Dienstleistungsmentalität (jedenfalls sollte es so sein). Zu glauben, dass der Staat bei Wegfall der Gebühren einen 100%igen Ausgleich schafft, halte ich für naiv. Nur als Argument, dass Studiengebühren durchaus Vorteile haben.

    Das Argument von der Krankenschwester, die dem Chefarzt seine Ausbildung finanziert, halte ich dagegen in der Tat für verfehlt. Studierte zahlen mit ihrem i.d.R. deutlich höheren Einkommen im Leben auch erheblich mehr Steuern (auch wegen der auf das Jahr bezogenen Steuerprogression). Dagegen ist alles, was durch Studiengebühren eingenommen werden kann, Peanuts, zumal die Berufsschule ja auch nichts kostet.

    Kann man nicht verallgemeinern, denn es kommt auf den Mietpreis und die Stadt an! Würde ich hier so wenig Miete zahlen, wie damals im Studium, hätte ich 50 Euro ALG II weniger, als ich mit Bafög hatte. Und da Bafög mittlerweile 100 Euro mehr beträgt, hätte ich entsprechend noch mehr Geld!

    • Formel
    • 27.01.2012 um 16:09 Uhr

    Das kann ich nur bestätigen. Ich selbst bin so ein "Arbeiterkind", das studiert. Und zum Thema Studieren in Berlin muss ich sagen, das wäre für mich immer noch zu teuer gewesen. Mit Bafög UND Kindergeld UND Pflichtanteil meiner Eltern habe ich immer noch weniger als 600 Euro im Monat. Und hätte ich keinen Platz im Studentenwohnheim in tiefster Provinz bekommen, hätte ich schon nach wenigen Monaten einen Privatkredit aufnehmen müssen.

    ....wie ein nur um ein Semester verkürztes Studium. Solange es "nur" um max. 500 Euro geht, glaube ich nicht, dass die Gebühren wirklich abschrecken. Wanderungsbewegungen von Gebührenländern in Nichtgebührenländern lassen sich jedenfalls nicht feststellen. Bei höheren Gebühren (wie in den USA und UK), die ich strikt ablehne, könnte das natürlich anders werden.

    Die Verwendung der Studiengebühren in Deutschland, bei dem die Studierendenvertreter ein gehöriges Wort mitzureden haben, ist recht transparent. Sie kommen so wirklich den Studierenden zugute und führen bei den Professoren zu einer gewissen Dienstleistungsmentalität (jedenfalls sollte es so sein). Zu glauben, dass der Staat bei Wegfall der Gebühren einen 100%igen Ausgleich schafft, halte ich für naiv. Nur als Argument, dass Studiengebühren durchaus Vorteile haben.

    Das Argument von der Krankenschwester, die dem Chefarzt seine Ausbildung finanziert, halte ich dagegen in der Tat für verfehlt. Studierte zahlen mit ihrem i.d.R. deutlich höheren Einkommen im Leben auch erheblich mehr Steuern (auch wegen der auf das Jahr bezogenen Steuerprogression). Dagegen ist alles, was durch Studiengebühren eingenommen werden kann, Peanuts, zumal die Berufsschule ja auch nichts kostet.

    • Kriton
    • 26.01.2012 um 19:42 Uhr

    "Die Studierenden haben uns in die Pflicht genommen, das Studium in der Regelstudienzeit möglich zu machen."
    Die Lehrenden nehmen seit Jahren das Rektorat in die Pflicht, das Studieren in der Regelstudienzeit zu ermöglichen. Es ist doch peinlich, wenn er gesetzlichen Zwang braucht, um ordentliche Verhältnisse zu schaffen.

    "Und sie selber waren zielstrebiger, weil die Zeit, die sie an der Uni verbringen, etwas kostete."
    Ja, zielstrebiger und verzweifelter. In BaWü hat sich das Klima an der Uni schon deutlich verbessert, seit die Kinderregel (drittes Kind studiert kostenfrei) eingeführt wurde und seit dem Wegfall für alle, gehen Studis endlich wieder in (zusätzliche) Seminare, weil sie das Thema interessiert, knien sich wesentlich tiefer in ihre BA-Arbeiten rein und lassen sich intensiver über Auslandssemester, Praxissemester u.ä. beraten...

    • Kriton
    • 26.01.2012 um 19:56 Uhr

    Während Akademikerkinder von ihren Eltern stark gefördert werden, ein Studium anzugehen, stehen Arbeitereltern dem Studium ihrer Kinder oft noch mißtrauisch gegenüber. Den Studienwunsch durchzusetzen, ohne die eigenen Eltern vor den Kopf zu stoßen, ist schon Aufgabe genug, wenn dann die Finanzierbarkeit noch schwierig ist, schreckt es diejenigen, die von ihren Eltern schon kaum immaterielle Unterstützung bekommen, umso mehr ab.

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    Stipendiensystem wäre hier die Lösung.

    Stipendiensystem wäre hier die Lösung.

  3. »Im Regelfall beträgt der Gesamtbetrag [Studiengebühren und Semesterbeitrag] für das Wintersemester 2011/12 800,72 Euro [...]« http://www.uni-hannover.d...

    Wenn Jemand das nicht zahlen kann, aufeinmal versteht sich, dann kann er ein Darlehen bekommen - und Zinsen zahlen.

    Das komische daran ist, dass die Unis im Norden bei uns Jüngeren nicht wirklich beliebt sind. "Sind schlecht und nehmen auch noch Geld dafür." Kein Wunder, dass viele in den Süden (vllt. auch Osten) ausweichen. Natürlich nur die, die können.

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    Warum ist es einem im Berufsleben angekommenen Akademiker nicht zuzumuten, ein Darlehen zurückzuzahlen?

    Warum ist es einem im Berufsleben angekommenen Akademiker nicht zuzumuten, ein Darlehen zurückzuzahlen?

  4. Und wenn der Handwerkersohn dann seine Meisterprüfung macht, finanziert er diese dann natürlich selbst. Gerecht ist etwas anderes.

  5. Stipendiensystem wäre hier die Lösung.

    Eine Leser-Empfehlung
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    Zumindest von existierenden Stipendien profitieren nachweislich die Kinder von reicheren und/oder gebildeteren Eltern. Nur ein Stipendiensystem, das geziehlt Kinder aus ärmeren Familien fördert, würde hier helfen - und das muß dan so großzügig sein, daß die Studenten nicht nebenher arbeiten müssen, um ihr Studium zu finanzieren, da das dann wieder ihre Noten negativ beeinflussen würde.

    Zumindest von existierenden Stipendien profitieren nachweislich die Kinder von reicheren und/oder gebildeteren Eltern. Nur ein Stipendiensystem, das geziehlt Kinder aus ärmeren Familien fördert, würde hier helfen - und das muß dan so großzügig sein, daß die Studenten nicht nebenher arbeiten müssen, um ihr Studium zu finanzieren, da das dann wieder ihre Noten negativ beeinflussen würde.

  6. Warum ist es einem im Berufsleben angekommenen Akademiker nicht zuzumuten, ein Darlehen zurückzuzahlen?

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    Antwort auf "Beispiel Hannover"
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    Das ist doch schon Gang und Gebe!? Jeder Bafög-Empfänger muss schließlich ein Darlehen zurückzahlen. Bei mir sind es zum Beispiel aktuell über 6000 Euro, die ich zurückzuzahlen habe, allein für das Bachelorstudium. Und das ist noch gar nichts. Die armen Studenten, die zum Beispiel fünf Jahre über Höchstsatz (670 Euro) gefördert wurden, werden vor ganz anderen Problemen stehen: 670*5*12 ergibt 40200 Euro Zahlung vom Staat, davon sind 20.100 zurückzuzahlen. Für viele ein ganzes (Netto)-Jahresgehalt. Da braucht man schon einige Arbeitsjahre, bis das abgestottert ist.

    Bafög kann maximal 10.000€ an Tilgung kosten, nachlesen hilft angeblich beim Nachdenken.

    ...zahlen im Allgemeinen höhere Steuern als nicht-Akademiker wegen ihres größeren Gehalts.

    Daher ist ein breiter Zugang zum Studium für alle, die die notwenigen Fähigkeiten dafür haben, von volkswirtschaftlichen Interesse.

    Es gibt Akademiker, die Arbeit finden? Beneidenswert! Die Hälfte meiner Frist zur Rückzahlung ist schon um und ich bin noch immer arbeitssuchend. Motiviert unheimlich, mit 17.000 Euro Schulden im Nacken.

    Für das zusätzliche (!) Darlehen werden Zinsen genommen. Ich hatte da was von ~4% Nominalzins gelesen.

    Als ärmerer oder bildungsferner Mensch würde das abschrecken, außerdem ist das Benachteiligung. Während die Bonzen sagen: "Ach, meine Eltern bezahlen das!", sitzen jene Menschen dort und zweifeln an sich, da sie weder ökonomisch mithalten können, noch aus einem bildungsnäherem Milieu stammen. Das führt dazu, dass jener Mensch es sich zwei oder drei Mal überlegt, ob er studierte - und es ist nicht minder wahrscheinlich, dass er es nicht täte.

    Ich muss aber sagen: würden die Studiengebühren gestaffelt, also wäre Ratenzahlung möglich, wäre es nicht so schlimm; man zahle also jeden Monat des Semesters einen bestimmten Betrag; 133 Euro jeden Monat klingt nicht so hart wie 800 Euro am Anfang des Semesters.

    Zu guter letzt ist es in höchstem Maße absurd, von Leuten, die schon Bafög beziehen, weitere Forderungen zu stellen, obschon dort festgestellt wurde, dass sie ein Recht auf Sozialleistung haben.

    Woher soll ein(e) Student(in) im 1. Semester wissen, ob er/sie als Akademiker(in) jemals im Berufsleben ankommen wird?

    Das ist doch schon Gang und Gebe!? Jeder Bafög-Empfänger muss schließlich ein Darlehen zurückzahlen. Bei mir sind es zum Beispiel aktuell über 6000 Euro, die ich zurückzuzahlen habe, allein für das Bachelorstudium. Und das ist noch gar nichts. Die armen Studenten, die zum Beispiel fünf Jahre über Höchstsatz (670 Euro) gefördert wurden, werden vor ganz anderen Problemen stehen: 670*5*12 ergibt 40200 Euro Zahlung vom Staat, davon sind 20.100 zurückzuzahlen. Für viele ein ganzes (Netto)-Jahresgehalt. Da braucht man schon einige Arbeitsjahre, bis das abgestottert ist.

    Bafög kann maximal 10.000€ an Tilgung kosten, nachlesen hilft angeblich beim Nachdenken.

    ...zahlen im Allgemeinen höhere Steuern als nicht-Akademiker wegen ihres größeren Gehalts.

    Daher ist ein breiter Zugang zum Studium für alle, die die notwenigen Fähigkeiten dafür haben, von volkswirtschaftlichen Interesse.

    Es gibt Akademiker, die Arbeit finden? Beneidenswert! Die Hälfte meiner Frist zur Rückzahlung ist schon um und ich bin noch immer arbeitssuchend. Motiviert unheimlich, mit 17.000 Euro Schulden im Nacken.

    Für das zusätzliche (!) Darlehen werden Zinsen genommen. Ich hatte da was von ~4% Nominalzins gelesen.

    Als ärmerer oder bildungsferner Mensch würde das abschrecken, außerdem ist das Benachteiligung. Während die Bonzen sagen: "Ach, meine Eltern bezahlen das!", sitzen jene Menschen dort und zweifeln an sich, da sie weder ökonomisch mithalten können, noch aus einem bildungsnäherem Milieu stammen. Das führt dazu, dass jener Mensch es sich zwei oder drei Mal überlegt, ob er studierte - und es ist nicht minder wahrscheinlich, dass er es nicht täte.

    Ich muss aber sagen: würden die Studiengebühren gestaffelt, also wäre Ratenzahlung möglich, wäre es nicht so schlimm; man zahle also jeden Monat des Semesters einen bestimmten Betrag; 133 Euro jeden Monat klingt nicht so hart wie 800 Euro am Anfang des Semesters.

    Zu guter letzt ist es in höchstem Maße absurd, von Leuten, die schon Bafög beziehen, weitere Forderungen zu stellen, obschon dort festgestellt wurde, dass sie ein Recht auf Sozialleistung haben.

    Woher soll ein(e) Student(in) im 1. Semester wissen, ob er/sie als Akademiker(in) jemals im Berufsleben ankommen wird?

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