Forschungsförderung "Für keine Eliteuni eine rote Karte"

Bayerns Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch über den Elitewettbewerb und die Zeit danach.

Frage: Herr Heubisch, die Bundesregierung will in Berlin die Fusion von Charité und Max-Delbrück-Centrum finanziell unterstützen. Die Rede ist von 60 Millionen Euro pro Jahr. Ist Bayern neidisch?

Wolfgang Heubisch: Nein. Konkurrenz belebt das Geschäft. Absolute Gleichheit wird es in Deutschland sowieso nicht geben. Was ich aber anmahne, ist Qualität. Die Fusion muss einen echten Mehrwert bringen.

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Frage: Hat Bundesforschungsministerin Schavan schon signalisiert, dass Bayern als Nächstes etwas bekommt?

Heubisch: Es darf hier nicht um die Verteilung von Geldern nach Gutsherrenart gehen. Wir haben aber mit Sicherheit geeignete wissenschaftliche Spitzeneinrichtungen in Bayern und könnten entsprechende Vorschläge machen. Jetzt kommt im Juni ja erst mal die Entscheidung in der Exzellenzinitiative. Was nach 2017 passiert, wenn sie ausgelaufen ist, muss besprochen werden. Ob dann das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ein Vorbild sein kann, werde ich mir genau anschauen. Noch ist es zu früh, um das zu sagen.

Wolfgang Heubisch

65, FDP, ist seit 2008 Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst in Bayern. Davor hat er lange Zeit als niedergelassener Zahnarzt gearbeitet.

Frage: Deutlich leichter würden solche Fusionen von Universitäten mit außeruniversitären Instituten, wenn die Verfassung geändert würde. Sehen Sie dafür Chancen noch in dieser Legislaturperiode?

Heubisch: Auf alle Fälle können wir das noch auf den Weg bringen. Ich habe ja den Vorschlag zu Grundgesetzerweiterung des 91b selbst in die wissenschaftspolitische Diskussion eingebracht. Das ist also nicht nur das Interesse des Bundes. Es kommen auch Signale aus anderen Ländern, von Schleswig-Holstein oder Niedersachsen. Es war falsch, dem Bund die institutionelle Förderung von Universitäten bei der Föderalismusreform 2006 zu verbieten. Nun sehen die Länder, was es heißt, dass die außeruniversitären Einrichtungen eine fünfprozentige Etatsteigerung bekommen, nicht aber die Hochschulen.

Frage: Müsste nicht auch der Hochschulbau wieder zur Gemeinschaftsaufgabe von Bund und Ländern werden? Der Bund darf nur noch überregional bedeutsame Bauten fördern.

Heubisch: Das ist ein schwieriges Thema. Bayern schultert im Länderfinanzausgleich schon etwa die Hälfte der Ausgaben. Dann müssen die Länder, die Geld bekommen, eben auch bereit sein, in ihre Hochschulbauten zu investieren. Die Rolle des Bundes sollte sein, Spitzenprojekte zu fördern. Denn international stehen wir in einer ganz starken Auseinandersetzung.

Frage: In der Berliner Wissenschaft besteht die Sorge, die Schuldenbremse könnte die Lage im Hochschulbau noch verschlechtern. Denn fortan dürfen die Länder sich auch für Investitionen nicht mehr verschulden.

Leser-Kommentare
    • hurt
    • 23.01.2012 um 12:02 Uhr

    die gleiche Leier, dass "Studienbeiträge richtig sind [...] weil sie direkt die Studienbedingungen verbessern."

    Das ist schlicht und einfach nicht korrekt. Ein Großteil der Studiengebühren wird überhaupt nicht ausgegeben, kann also die Studienbedingungen gar nicht verbessern. Abgesehen davon können die Studiengebühren weder für Dozenten noch für Baumaßnahmen verwendet werden, sondern lediglich für Dinge, die den durchschnittlichen Studenten ohne Studiengebühren wesentlich günstiger kommen würden (Skripten, Druckkontingente etc..).

    Für diejenigen, die für die Studiengebühren 10 Stunden im Monat extra arbeiten müssen, verschlechtern sich sogar die Lebens- und Studienbedingungen durch die Studiengebühren.

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    • Dirac
    • 28.01.2012 um 11:06 Uhr

    Ich bin zwar auch kein großer Befürworter der Studiengebühren, aber 500€ im Semester ist halt auch, wie der Herr Heubisch meint, "ein kleiner Teil der tatsächlich anfallenden Kosten".
    Und es soll eben noch für alle bezahlbar bleiben.
    Zu den angeblichen '10 Extra-Stunden im Monat':
    Die muss man ja nicht zwingend als Kellner abarbeiten.
    Man kann sich auch als Werkstudent in einem Unternehmen oder an der Uni betätigen. Dann ist das auch dem Studium zuträglich. Arbeitserfahrung hat noch niemandem geschadet und man schaut halt mal pro Woche einen Film oder 2 Stunden TV weniger.
    Ich sehe da kein monströses Problem

    • Dirac
    • 28.01.2012 um 11:06 Uhr

    Ich bin zwar auch kein großer Befürworter der Studiengebühren, aber 500€ im Semester ist halt auch, wie der Herr Heubisch meint, "ein kleiner Teil der tatsächlich anfallenden Kosten".
    Und es soll eben noch für alle bezahlbar bleiben.
    Zu den angeblichen '10 Extra-Stunden im Monat':
    Die muss man ja nicht zwingend als Kellner abarbeiten.
    Man kann sich auch als Werkstudent in einem Unternehmen oder an der Uni betätigen. Dann ist das auch dem Studium zuträglich. Arbeitserfahrung hat noch niemandem geschadet und man schaut halt mal pro Woche einen Film oder 2 Stunden TV weniger.
    Ich sehe da kein monströses Problem

  1. Ich sehe die Entwicklung zu Eliteunis eher skeptisch. Denn als nicht genanntes Gegenstück dazu stehen ja die nicht-elitären Universitäten und denen tut man damit überhaupt keinen Gefallen. Denn das bedeutet, die ohnehin schon gut aufgestellten Unis zu fördern und die hinterherhinkenden weiter abfallen zu lassen, ungeachtet dem damit einhergehenden Prestigeverlust.

    Dass Studiengebühren weit weniger "richtig" sind, als der die Realität missachtende Herr Heubisch nicht müde wird zu betonen, sollte inzwischen durch die fehlenden Ausgaben klar geworden sein.

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    CDU und CSU steckt immer noch der "Schock von 1968" und dessen Folgen in den Knochen.

    CDU und CSU steckt immer noch der "Schock von 1968" und dessen Folgen in den Knochen.

  2. CDU und CSU steckt immer noch der "Schock von 1968" und dessen Folgen in den Knochen.

    Antwort auf "Eliteuniversitäten"
  3. Exzellenz-Unis brauchen mehr Geld vom Bund. Nix mitreden, lieber Bund, schon gar nicht einheitliche Rahmenbedingungen einfordern, aber Geld darfst du uns geben.

    Die Diskussion um die "Exzellenz-Universitäten" krankt aber daran, dass man immer nur die "dritte Förderlinie" der Initiative im Blick hat. In deren Rahmen werden nur Strukturen gefördert. Das heißt: Unter eher weniger Einbeziehung der Uni-Gremien werden neue Strukturen für Verwaltung, Administration, Forschungs-Kooperationen usw. in einem Top-Down-Zugang ausgeheckt, die Finanzierung kommt im Erfolgsfall vom Bund. Keine Stellen für neue Wissenschaftler/innen, kein Geld für Geräte, keine Mittel für Sanierungsmaßnahmen, keine direkte Förderung des wiss. Nachwuchses oder für eine bessere Studierendenbetreuung. "Exzellenzcluster" fördern Forschungsinitiativen/Professorenstellen, "Graduiertenschulen" den Doktoranden. Keine der Förderlinien ist darauf ausgerichtet, Unis arbeitsfähig zu erhalten: Die Strukturen, die neuen Forschungsinitiativen/Professoren und der Nachwuchs muss administriert und unterstützt werden. Das - so wird man schnell belehrt - ist Ländersache. Das Land hat kein Geld.

    Wie wäre es, wenn die Universitäten eine vernünftige Grundausstattung bekämen und intern attraktive Schwerpunkte fördern könnten? Aber das wäre wohl zu einfach...

    Juniorprofessuren, Habilitationen, jetzt auch Promotionen werden nach drei Jahren evaluiert. Und 6 Jahre reichen lt. Herrn Heubisch nicht, um Maßnahmen umzusetzen?

    Eine Leser-Empfehlung
  4. "Ich bin immer überzeugter, dass Studienbeiträge richtig sind. Jetzt mit dem doppelten Abiturjahrgang rechne ich damit, dass sie 170 Millionen Euro im Jahr bringen. Auf die können die Hochschulen nicht verzichten, weil sie direkt die Studienbedingungen verbessern."

    Das trifft aber auch nur dann zu, wenn die Gebühren auch tatsächlich für die Verbesserung der Lehre sowie der Studienbedingungen eingesetzt werden. Wird das Geld nur gebunkert, wie zum Beispiel in Dortmund vor wenigen Jahren, haben die zahlenden Studenten rein gar nichts von ihren Gebühren. Außerdem ist das System der Studiengebühren ein unfaires und ungerechtes System, das dazu führt, dass nur noch privilegierte Jugendliche aus wohlhabenden Elternhäusern studieren können. Was ist mit Studenten aus sozial schwachen Familien? Wie sollen diese studieren, wenn jedes Bundesland Studiengebühren einführen würde?

  5. Also ich kann zum Thema Studiengebühren nur sagen, dass ich gern bereit war/bin diese zu zahlen, auch wenn die 500 Euronen weniger im Geldbeutel wirklich schmerzen. Ich habe an zwei unterschiedlichen Unis studiert und an beiden musste man Studiengebühren zahlen. Die Ausbildung war dabei immer hervorragend. Es gab kleine Übungsgruppen, die Labore waen super ausgestattet, es gab ausgedruckte Skripte... Für solch eine gute Ausbildung bin ich gern bereit dafür auch etwas zu zahlen. Und die Skripte und viele Laborgeräte wurden dabei aus den Studiengebühren finanziert.
    Was die "Elite" angeht, es gibt doch keine einzige Uni in Deutschland die in ihrer sämtlichen breite tatsächlich Elite ist!! Das Geld sollte für die Exzellenzcluster ausgegeben werden, denn die Leute dort sind meist tatsächlich top!

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    In Trier gibt es kostenlos Tutorien, Übungen, Studiengruppen. In der Bibliothek gibt es immer freie Plätze, auch Parkplätze vor der Uni gibt es genug. Personalmangel erkenne ich zumindest in meiner Fakultät keinen. Toiletten sind immer sauber, es gibt zwei Mensen, 4 Caffes und einige kleinere Einrichtungen. Was solle man denn durch Studiengebühren (richtig: Beiträge) verbessern? Zumal diese 500 Euro jeder bezahlen muss, auch die Geisteswissenschaftler. Doch in deren Lehre wird keinen Cent gesteckt, das Geld fließt in Labor- und Computereinrichtungen. Also sollen bitte nur die Nutznießer bezahlen, also die MINT-ler.

    In Trier gibt es kostenlos Tutorien, Übungen, Studiengruppen. In der Bibliothek gibt es immer freie Plätze, auch Parkplätze vor der Uni gibt es genug. Personalmangel erkenne ich zumindest in meiner Fakultät keinen. Toiletten sind immer sauber, es gibt zwei Mensen, 4 Caffes und einige kleinere Einrichtungen. Was solle man denn durch Studiengebühren (richtig: Beiträge) verbessern? Zumal diese 500 Euro jeder bezahlen muss, auch die Geisteswissenschaftler. Doch in deren Lehre wird keinen Cent gesteckt, das Geld fließt in Labor- und Computereinrichtungen. Also sollen bitte nur die Nutznießer bezahlen, also die MINT-ler.

  6. In Trier gibt es kostenlos Tutorien, Übungen, Studiengruppen. In der Bibliothek gibt es immer freie Plätze, auch Parkplätze vor der Uni gibt es genug. Personalmangel erkenne ich zumindest in meiner Fakultät keinen. Toiletten sind immer sauber, es gibt zwei Mensen, 4 Caffes und einige kleinere Einrichtungen. Was solle man denn durch Studiengebühren (richtig: Beiträge) verbessern? Zumal diese 500 Euro jeder bezahlen muss, auch die Geisteswissenschaftler. Doch in deren Lehre wird keinen Cent gesteckt, das Geld fließt in Labor- und Computereinrichtungen. Also sollen bitte nur die Nutznießer bezahlen, also die MINT-ler.

    Antwort auf "Ählietä"
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    Die Studiengebühren werden zum Großteil an die jeweiligen Fachbereiche ausgeschüttet. Also was die Professoren der Geisteswissenschaften damit machen weiß ich nicht, aber vielleicht sollten sie diese mal fragen. Wahrscheinlich werden Kaffeefahrten dadurch finanziert.
    Und all die Dinge die angesprochen werden wie Mensa, Parkplätze, Bibliotheksgröße, Toiletten... haben nichts mit Studiengebühren zu tun! Dafür ist jede Uni selbst verantwortlich, unabhängig ob Studiengebühren oder nicht.

    Die Studiengebühren werden zum Großteil an die jeweiligen Fachbereiche ausgeschüttet. Also was die Professoren der Geisteswissenschaften damit machen weiß ich nicht, aber vielleicht sollten sie diese mal fragen. Wahrscheinlich werden Kaffeefahrten dadurch finanziert.
    Und all die Dinge die angesprochen werden wie Mensa, Parkplätze, Bibliotheksgröße, Toiletten... haben nichts mit Studiengebühren zu tun! Dafür ist jede Uni selbst verantwortlich, unabhängig ob Studiengebühren oder nicht.

  7. 8. Trier

    Die Studiengebühren werden zum Großteil an die jeweiligen Fachbereiche ausgeschüttet. Also was die Professoren der Geisteswissenschaften damit machen weiß ich nicht, aber vielleicht sollten sie diese mal fragen. Wahrscheinlich werden Kaffeefahrten dadurch finanziert.
    Und all die Dinge die angesprochen werden wie Mensa, Parkplätze, Bibliotheksgröße, Toiletten... haben nichts mit Studiengebühren zu tun! Dafür ist jede Uni selbst verantwortlich, unabhängig ob Studiengebühren oder nicht.

    Antwort auf "Das gibts auch ohne"

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