Online-Studium"Langweilige Dozenten werden ihre Jobs verlieren"
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Jörn Loviscach

Jörn Loviscach, Mathe-Professor an der FH Bielefeld, hat auf YouTube 10.000 Abonnenten und mehr als fünf Millionen Videoaufrufe.

"Einerseits freut mich der Erfolg der Videos. Andererseits frage ich mich, wieso junge Leute Videos gucken, statt sich an ihre Professoren und Lehrer zu wenden. Die Kommentare im Internet deuten es an: Unverständliche Abstraktionen und im Eiltempo abgelesene Powerpoint-Präsentationen sind nicht so selten, wie man hofft. Ich halte es dagegen extrem anschaulich, mit vielen Zeichnungen und mit Live-Programmierung.

Die tollen Formeln bringen nichts ohne die Intuition dahinter. Wenn man über ein tiefes Verständnis verfügt, braucht man nicht einmal eine Formelsammlung und kann die meisten Ergebnisse mit Bleistift und Papier sinnvoll schätzen. Grauenvoll, wenn Videos hirnlose Rezepte einpauken. Absurderweise sind gerade die beliebt, um die nächste Klausur zu schaffen.

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Meine Videos – inzwischen 1.800 – produziere ich nebenbei im normalen Hörsaal und bearbeite sie mit meiner eigenen Software leicht nach. Anderswo richtet man erst für viel Geld einen "Multimedia-Hörsaal“ ein und heuert Leute zur Videoproduktion an.

Sollen wir also die Profs und Lehrer rausschmeißen und nur noch Videounterricht machen? Wehe! Weder Frontalvorlesung noch Video helfen bei komplexen Sachverhalten. Man glaubt, verstanden zu haben, aber kann trotzdem nichts damit anfangen. Zum Verstehen muss man sich die Finger schmutzig machen, am besten mit Unterstützung durch einen Fachexperten, wann immer nötig. Deshalb sind meine Vorlesungen nun Inverted Classrooms: Zu Hause gibt’s die Videos, an der Hochschule wird aber gemeinsam gedacht."

 
Leserkommentare
  1. ... sind eine gute Möglichkeit sein wissen weiter zu festigen. Ich denke aber das wird nicht die Zukunft sein, denn dort kann man wohl kaum Fragen beantworten wenn aufeinmal mehere 1.000 Zuhörer fragen stellen würden. Mal abgesehen davon das der Dozent nicht (so gut) auf die Menschen an sich eingehen kann...

  2. ...., welches da als Ueberschrift dient: Wer also statt Entertainment Wissen und Inhalte liefert, der ist schon so gut wie arbeitslos. Und den "Job los werden" ist ja auch die beste Art von "feedback mit Lerneffekt": Brauchen Sie gar nicht erst weiterzumachen und sich fortzubilden, sind gleich weg vom Fenster. Naja, und wer will schon den alten Schrumpelprof, wenn es sexy Blondinchen gibt, oder wie waere es denn mit ein bisschen Rassismus: "Dich guckt ja keiner, du bist ja ....". Aber eine schoene Ueberschrift allemal, das Motto der Neoliberalisierung des Wissens: Post-demokratische Lehre.

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    Fast alle meiner Professoren mögen zwar fachlich absolut top sein, pädagogisch haben sie aber meist nicht viel drauf. Mit der Folge, dass ich quasi Selbststudium betreibe. Soll das bis in alle Ewigkeit die Lösung sein?

    und z.B. http://www.academicearth.... ist schon gewaltig. Und das Delta zwischen Skript an die Tafel schreiben, und begeisternd erklären können, schlägt sich 100% in den Köpfen/Herzen der Studenten nieder.

    Ich zumindest schaue mir heute gerne und vor allem freiwillig derlei Videos an =)

    Wir amüsieren uns zu Tode. Der gleiche Trend in der Industrie - je höher sie in der Hierarchie schauen, umso mehr treffen Sie auf Showmaster, nicht statt Strategen oder gar Experten. Nunja, wir werden den Preis zahlen. Und bis dahin - macht die Musik lauter.

    Erste Hälfte der 90er: das In-Ter-Net, die Lösung all unserer Probleme! Alle Ressourcen, jederzeit und überall! Es wird nie wieder Wirtschaftskrisen, Versorgungsengpässe oder gar Hungersnöte geben! Völlige Transparenz und Verfügbarkeit aller globalen Informationen!
    Eingestanden, etwas Relativierung findet sich in diesem Artikel - abseits der gewollt reißerischen Überschrift. Die Denkweise aber ist gleich: Demokratisierung der Bildung als Totschlag"argument", das jede Widerrede ersticken soll.
    Bologna läßt grüßen. Welche Chancen hätten einige der größten Denker heute? Nietzsche? Spinner, nicht klausurrelevant. Kant? Dröge wie stilles Wasser. Hegel? Unverständlich, didaktische Niete...usf. - Es kann nicht darum gehen, miserable Dozenten gegen Kritik zu immunisieren, aber hier wird eine Konsumentenhaltung gefördert und gefordert, die beängstigen muss. Eliminiert alles "Langweilige", mithin alles Dunkle, Schwere, Rätselhafte. Was bleibt, ist (s.o.) das Klausurrelevante, Studenten, die noch im Hörsaal "dauerbespaßt" werden müssen, damit sie keine Papierschwalben werfen.

    Fast alle meiner Professoren mögen zwar fachlich absolut top sein, pädagogisch haben sie aber meist nicht viel drauf. Mit der Folge, dass ich quasi Selbststudium betreibe. Soll das bis in alle Ewigkeit die Lösung sein?

    und z.B. http://www.academicearth.... ist schon gewaltig. Und das Delta zwischen Skript an die Tafel schreiben, und begeisternd erklären können, schlägt sich 100% in den Köpfen/Herzen der Studenten nieder.

    Ich zumindest schaue mir heute gerne und vor allem freiwillig derlei Videos an =)

    Wir amüsieren uns zu Tode. Der gleiche Trend in der Industrie - je höher sie in der Hierarchie schauen, umso mehr treffen Sie auf Showmaster, nicht statt Strategen oder gar Experten. Nunja, wir werden den Preis zahlen. Und bis dahin - macht die Musik lauter.

    Erste Hälfte der 90er: das In-Ter-Net, die Lösung all unserer Probleme! Alle Ressourcen, jederzeit und überall! Es wird nie wieder Wirtschaftskrisen, Versorgungsengpässe oder gar Hungersnöte geben! Völlige Transparenz und Verfügbarkeit aller globalen Informationen!
    Eingestanden, etwas Relativierung findet sich in diesem Artikel - abseits der gewollt reißerischen Überschrift. Die Denkweise aber ist gleich: Demokratisierung der Bildung als Totschlag"argument", das jede Widerrede ersticken soll.
    Bologna läßt grüßen. Welche Chancen hätten einige der größten Denker heute? Nietzsche? Spinner, nicht klausurrelevant. Kant? Dröge wie stilles Wasser. Hegel? Unverständlich, didaktische Niete...usf. - Es kann nicht darum gehen, miserable Dozenten gegen Kritik zu immunisieren, aber hier wird eine Konsumentenhaltung gefördert und gefordert, die beängstigen muss. Eliminiert alles "Langweilige", mithin alles Dunkle, Schwere, Rätselhafte. Was bleibt, ist (s.o.) das Klausurrelevante, Studenten, die noch im Hörsaal "dauerbespaßt" werden müssen, damit sie keine Papierschwalben werfen.

  3. Fast alle meiner Professoren mögen zwar fachlich absolut top sein, pädagogisch haben sie aber meist nicht viel drauf. Mit der Folge, dass ich quasi Selbststudium betreibe. Soll das bis in alle Ewigkeit die Lösung sein?

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    Antwort auf "Ein schoenes Motto...."
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    Bei einem guten Studium sollten Sie selbst lernen. Der Dozent liefert das Material - Sie arbeiten sich in die Materie ein und Fragen bei Problemen nach.

    Dieses "spoon feeding" wie es gern in England praktiziert wird hat zur Folge dass man nach dem Studium vieles wieder schnell vergisst - oberflachliches lernen bringt nichts. Man schriebt vielleicht ein paar gute Klausuren aber nach 6 Monaten ist man so dumm wie vorher...

    Ich bin sehr froh darüber, dass meine Professoren ihre Energie in Fachwissen und nicht in pädagogische Tricks gesteckt haben.
    Zugegeben: Es gibt tatsächlich auch bei einer Vorlesung einen didaktischen Aufbau, den auch ein Prof beherrschen sollte. Allerdings gilt das für jeden Vortrag - und davon halten sie nicht nur Vorlesungen.
    Studium ist die eigene Arbeit. Das mag mit dem Bachelor anders geworden sein, weil er durch seine Struktur verschulter ist. Aber ein tatsächlich wissenschaftliches Studium ist mein eigenes. Das eigene Lernen und Erarbeiten von Wissen ist wesentlich produktiver als das Nachsprechen einer Autorität.
    Somit kann ich mich meinem Vorredner nur anschließen. Das IST Studium.

    Bei einem guten Studium sollten Sie selbst lernen. Der Dozent liefert das Material - Sie arbeiten sich in die Materie ein und Fragen bei Problemen nach.

    Dieses "spoon feeding" wie es gern in England praktiziert wird hat zur Folge dass man nach dem Studium vieles wieder schnell vergisst - oberflachliches lernen bringt nichts. Man schriebt vielleicht ein paar gute Klausuren aber nach 6 Monaten ist man so dumm wie vorher...

    Ich bin sehr froh darüber, dass meine Professoren ihre Energie in Fachwissen und nicht in pädagogische Tricks gesteckt haben.
    Zugegeben: Es gibt tatsächlich auch bei einer Vorlesung einen didaktischen Aufbau, den auch ein Prof beherrschen sollte. Allerdings gilt das für jeden Vortrag - und davon halten sie nicht nur Vorlesungen.
    Studium ist die eigene Arbeit. Das mag mit dem Bachelor anders geworden sein, weil er durch seine Struktur verschulter ist. Aber ein tatsächlich wissenschaftliches Studium ist mein eigenes. Das eigene Lernen und Erarbeiten von Wissen ist wesentlich produktiver als das Nachsprechen einer Autorität.
    Somit kann ich mich meinem Vorredner nur anschließen. Das IST Studium.

  4. nur die Plattform hat sich durch das Internet enorm vergrößert. An den Unis gab es immer schon „Stars“, sei es weil sie wirklich weltspitze waren, sei es, weil sie den Stoff interessant vermitteln konnten. Deren Vorlesungen sind voll bis übervoll, und in einem gewissen Sinne sogar öffentlich, da der Zugang zu den Hörsälen ja nicht kontrolliert wird – als Ernst Block in Tübingen las, soll die halbe Stadt anwesend gewesen sein. Dass man nun unabhängig von Ort und Tageszeit hervorragende Vorlesungen verfolgen kann, halte ich für eine Bereicherung. Dennoch hoffe ich nicht, dass die anderen, ohnehin schon viel zu wenigen Dozent/innen ihre Jobs verlieren, weil sie die genauso wichtige Aufgabe haben, in Seminaren/Kursen das Darstellen eigener Arbeiten und Positionen zu üben, Haus- und Examensarbeiten zu korrigieren und zu besprechen, und nicht zuletzt auch für den persönlichen Kontakt da zu sein.

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    Ernst Bloch!

    Ernst Bloch!

  5. Bei einem guten Studium sollten Sie selbst lernen. Der Dozent liefert das Material - Sie arbeiten sich in die Materie ein und Fragen bei Problemen nach.

    Dieses "spoon feeding" wie es gern in England praktiziert wird hat zur Folge dass man nach dem Studium vieles wieder schnell vergisst - oberflachliches lernen bringt nichts. Man schriebt vielleicht ein paar gute Klausuren aber nach 6 Monaten ist man so dumm wie vorher...

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    Antwort auf "Übertreibung"
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    Schüler und Schülerinnen und erst recht Studierende müssen irgendwann einmal das Selbstverständnis als Publikum hinter sich lassen, das in unserer Mediengesellschaft quasi mit der Muttermilch eingesogen wird.

    Schüler und Schülerinnen und erst recht Studierende müssen irgendwann einmal das Selbstverständnis als Publikum hinter sich lassen, das in unserer Mediengesellschaft quasi mit der Muttermilch eingesogen wird.

  6. Ernst Bloch!

  7. Schüler und Schülerinnen und erst recht Studierende müssen irgendwann einmal das Selbstverständnis als Publikum hinter sich lassen, das in unserer Mediengesellschaft quasi mit der Muttermilch eingesogen wird.

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  8. Ich bin sehr froh darüber, dass meine Professoren ihre Energie in Fachwissen und nicht in pädagogische Tricks gesteckt haben.
    Zugegeben: Es gibt tatsächlich auch bei einer Vorlesung einen didaktischen Aufbau, den auch ein Prof beherrschen sollte. Allerdings gilt das für jeden Vortrag - und davon halten sie nicht nur Vorlesungen.
    Studium ist die eigene Arbeit. Das mag mit dem Bachelor anders geworden sein, weil er durch seine Struktur verschulter ist. Aber ein tatsächlich wissenschaftliches Studium ist mein eigenes. Das eigene Lernen und Erarbeiten von Wissen ist wesentlich produktiver als das Nachsprechen einer Autorität.
    Somit kann ich mich meinem Vorredner nur anschließen. Das IST Studium.

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