Online-Studium"Langweilige Dozenten werden ihre Jobs verlieren"

Ein Prof, Zehntausende Studenten: Mit Vorlesungen im Internet erreichen einige Dozenten ein Publikum wie Rockstars. Drei von ihnen berichten, worauf es dabei ankommt.

Im Internet kann jeder studieren, kostenlos und beinahe überall. Frei zugängliche Vorlesungen auf YouTube oder eigens gegründeten Lernplattformen machen es möglich. Das ist nicht nur für diejenigen Menschen eine Chance, denen ein Studium sonst verwehrt bliebe. Auch Professoren profitieren: Gut gemachte Videovorlesungen werden nicht selten zehntausendfach angeklickt, ihre Urheber werden zu regelrechten Internetstars. Drei von ihnen erzählen von ihren Erfahrungen als Internet-Profs.


Andrew Ng, Stanford-Professor, unterrichtet auf der Online-Plattform Coursera rund 100.000 Studenten. 

"Mit Coursera möchten wir die besten Aspekte aus der Onlinelehre mit den besten Errungenschaften des klassischen realen Unterrichtes zusammenbringen. Die Professoren geben Hausaufgaben auf und es gibt Abschlussprüfungen. In Foren können sich die Studenten über ihr Material austauschen. So kann ich statt 200 Studenten gleich 100.000 unterrichten – eine tolle Entwicklung.

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Das Spannendste daran ist, dass wir denen helfen, die sich Studiengebühren nicht leisten könnten. Coursera bringt Bildung zu den Menschen und wir hoffen, so einige große Probleme der Welt lösen zu können. Natürlich sind wir erst im Anfangsstadium unseres Projektes, es gilt noch viele Programmierprobleme zu lösen. Aber der  Vorteil, der sich daraus ergibt, wird groß sein.

Ein Beispiel: Ein japanischer Ingenieur, der sich bei uns auf dem Gebiet der Risikovorsorge weitergebildet hat, konnte auf einer akademischen Konferenz auf noch unbekannte Probleme hinweisen und so sicherstellen, dass die Recherchen in die richtige Bahn gelenkt wurden.

Aber ganz ehrlich: Trotzdem kann unser Projekt nicht die Zukunft herkömmlicher Universitäten sein. Wir können Wissen verbreiten, aber keine Uni-Abschlüsse anbieten. Schließlich arbeiten wir mit den besten US-Elite-Unis zusammen, deren Abschlüsse kann man nicht einfach so im Internet anbieten. Wie sehen uns nicht als Konkurrenz. Coursera hilft Universitäten und behindert sie nicht."

Leserkommentare
    • bayert
    • 14.06.2012 um 14:06 Uhr

    ich (bin selbst Lehrender) habe kürzlich gelesen, dass die Facebook-User pro Monat in Summe mehr als 1mio. Jahre auf Facebook verbringen. In jeder Vorlesung fummeln Studierende auf ihrem Smartphone rum (90min Abstinenz ist zu viel verlangt). Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Minuten pro Vorlesung mit Facebook verbracht wird.

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    • Rudi01
    • 14.06.2012 um 14:06 Uhr

    ... zu jedem einzelnen Ihrer Statements.

    Und wieviele Prozent "schlechte Dozenten" gibt es, also diejenigen, bei denen es nicht am unbeliebten Stoff liegt?

  1. Absolut richtig! Volle Zustimmung.

    Nur um mal ein Beispiel beizusteuern. Ich bin externe Dozentin an einer dualen Hochschule und versorge die Studenten in meinen Veranstaltungen mit extrem praxisbezogenem Wissen, das direkt aus Anwendungen stammt. Ich bilde mir zumindest ein, dass meine Vorlesungen halbwegs interessant sind. Die Reaktion am Ende der Veranstaltungen ist immer gleich:

    - Was davon müssen wir für die Klausur wissen?
    - Als ich sage, die Fallbeispiele nicht, werden diese Folien sofort aus den mitgebrachten Ordnern entfernt
    - Warum verraten Sie nicht die 3 Klausurfragen?
    - Als ich zwei Themen-Schwerpunkte zumindest eingrenze, heisst es: Warum verraten Sie nicht den dritten auch noch? Wenn wir den nicht wissen, müssen wir ja alles lernen
    - Als ich sage, ja, genau, Sie müssen alles lernen: Boah ... das ist ja soo viel ey!

    Ich begreife die Studierenden nicht. Dieses Wissen soll die Basis bilden für ihren späteren Beruf.

    Dass Hörer in Vorlesungen grundsätzlich mit gesenktem Kopf dasitzen, um auf ihrem Smartphone herumzuklicken, ist normaler Anblick. Zeitung wird auch gerne gelesen. Oder es wird geschlafen. Wenn man was sagt, wird blöd geschaut. Tja, und dann hier im Forum schreiben "Dozenten müssen die Studis dort abholen, wo sie stehen" ...

    4 Leserempfehlungen
  2. wenn man dort beispielsweise als Antworten auf Funktionsweisen mathematische Beweise anstatt Erklärungen um die Ohren geballert bekommt. Selbststudium kann ich auch zu Hause betreiben! Da kann man am Anfang des Semesters auch ein PDF mit den Themengebieten online stellen, eine Literaturempfehlung anhängen und die Klausur so schreiben.

    Wissen heißt nicht automatisch, dass man es vermitteln kann. Viele Professoren KÖNNEN sich gar nicht mehr in die Fußstapfen von Anfängern hineinversetzen, weil dass Hintergrundwissen einfach zu selbstverständlich für sie ist. Und genau dann wird es langweilig.

    Ich habe in 2 Jahren Youtube-Vorlesung bei Herrn Loviscach mehr verstanden als in 10 Jahren Schule und 2 Semestern Mathe-VL.
    Ich bin froh, dass er sich diese unglaubliche Motivation behält und einen auf magische Art damit ansteckt.

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  3. Natürlich mache ich das heute wie alle: pdf-Folien mit allen Definitionen und Beweisen, im Grunde fast Zeile für Zeile. Und sie wollen das auch. Andererseits - etwa ein Drittel der Zeit schreibe ich dann doch an der Tafel (Beispiel, Erläuterung, Erinnerung an vor vier Wochen), und manchmal (oh, nicht geschafft die Folien zu schreiben) halte ich auch eine ganze Vorlesung einfach mal "aus der Hand" an der Tafel, mit Kreide. Und? Die finden das toll! Ich rede mehr, bin langsamer, ... Oh ja, ich verspreche dann ein Script oder Folien nachzuliefern, mach das auch, wenn man immer das selbe macht, ist das nicht schwer (ist bei mir leider nicht immer so). Ich glaube, was die Studierenden möchten, ist ein gutes, auf diese Vorlesung spezialisiertes Material, und eine Dozierende, die mit Kreide an die Tafel schreibt ... :=)

    Fachlich/didaktisch ... mein Lieblings-Prof vor vielen tausend Jahren war eine didaktische Niete. Ich habe auch Leute geliebt, weil es Spaß gemacht hat, hinzugehen. Womit man jemanden kriegt, ist doch egal, oder? ;=)

    Viele Grüße, T.R.

    Antwort auf "Edutainment?"
  4. Ja. Studenten haben eine Bringeschuld und sollen nicht abgeholt werden. Das Abitur gibt vor, wo sie zu sein haben - darunter ist man buchstäblich nicht hochschulreif. Und wer ein Abiturzeugnis (positiv) hat, ist eben manchmal nicht hochschulreif. So einfach ist das.
    T.R.

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    Antwort auf "Verkehrte Welt"
  5. Professoren Didaktiker kraft Amtes. Da wäre einiges an Fortbildung nötig. Von einem Professor, der keine Vorlesung halten kann, reicht das Buch. Ein Teil des Problems liegt daran, daß das Prestige eines Professors in erster Linie von seiner Forschung abhängt.

  6. ein großer Fan von solchen Plattformen, hier werden die technischen Möglichkeiten wunderbar genutzt. Haette der Normalsterbliche ;) sonst die Möglichkeit, sich Professoren der Elite-Unis Princeton und Stanford anzuhören?

    Unabhängig vom eigenen Studiengang oder ob man überhaupt studiert hat, kann man so einfach aus Interesse in Vorlesungen reinhören, für die man sonst weder Gelegenheit noch Zeit hat. Mal nicht der Jagd nach Credit Points geschuldet, sondern zur eigenen Fortbildung.

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