TitelbetrugProfessorenverband will Ghostwriter wegsperren

Nach Meinung des Hochschulverbands sollen akademische Betrüger stärker zur Verantwortung gezogen werden. Die Professoren fordern Geldstrafen – und sogar Freiheitsentzug. von 

"Wissenschaftsbetrug" soll als Tatbestand ins Strafgesetzbuch aufgenommen werden – das fordert der Hochschulverband vom Gesetzgeber. Damit solle vor allem gegen "Promotionsberater" vorgegangen werden, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes, der die Universitätsprofessoren in Deutschland vertritt. "Ghostwriter bringen die akademischen Grade und die Hochschulen, die sie verleihen, in Verruf", sagte Verbandspräsident Bernhard Kempen. Das gehe zulasten der "großen Mehrzahl der Akademiker, die ihre akademischen Grade rechtmäßig durch Leistung erworben haben".

Konkret sieht der Gesetzesvorschlag des Hochschulverbandes vor, sowohl Ghostwriter als auch die Wissenschaftler, die von Ghostwritern verfasste Qualifikationsarbeiten als eigene ausgeben, mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe zu bestrafen.

Anzeige

Gegenüber gewerblichen Promotionsberatern sei die Wissenschaft "weitgehend machtlos", begründete Kempen den Vorstoß. Die bisherigen Maßnahmen der Unis wie eine eidesstattliche Erklärung oder stärkere Betreuung der Doktoranden reichten nicht aus, um Ghostwritern das Handwerk zu legen. Wissenschaftsbetrug sei aber "kein Kavaliersdelikt, sondern kriminell".

In dem Gesetzesvorschlag werden Plagiate nicht erwähnt. Diese aufzuspüren und zu ahnden "müsse auch in Zukunft die Scientific Community leisten", heißt es in der Erklärung.

Erschienen im Tagesspiegel

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Vielleicht eher Nachfrage und das dann entstehende Angebot...

    "Ghostwriter bringen die akademischen Grade und die Hochschulen, die sie verleihen, in Verruf".

    Wer war eher da, das Ei oder das Huhn ?

    Es sind wohl die "Möchtegern-doktoren", die akademische Grade in verruf bringen.

    Vielleicht sollte man vor allem auch die Profs bestrafen, die solche Doktorarbeiten durchgehen lassen,- aber auch die Uni`s profitieren ja mehr als genug davon und sind bei der Promotion sehr wohl involviert.
    Fehler im System ??? Reformen ???

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 08. August 2012 7:58 Uhr

    ....ob es wirklich eines Titels Bedarf. Gibt es aber einen, so verleiht das dem Träger erhebliche Vorteile. Es ist Betrug, wenn man so will. Wenn es das juristisch nicht ist, ist das ein Problem des Rechts.

    "Vielleicht sollte man vor allem auch die Profs bestrafen, die solche Doktorarbeiten durchgehen lassen,"

    Es ist mir unerklärlich, warum das offensichtliche Versagen der Promotions-Gutachter im Falle der bisher aufgedeckten Plagiats-Fälle keinerlei dienstrechtliche Konsequenzen für die gutachtenden Professoren hatte. Diese sind als Beamte (!) ihren dienstlichen Pflichten nicht nach gekommen.

    M.W. wurde gegen keinen einzigen der Professoren, die Plagiatsarbeiten durchgehen ließen, ein Disziplinarverfahren eröffnet. Dabei ist die Verleihung des Doktor-Titels nach bestandener Promotion ein hoheitlicher Akt.

    Der Gesetzentwurf wird natürlich irgendwo in irgendeinem Papierkorb verschwinden. Niemand in UNION und FDP wird auch nur ansatzweise ein Interesse haben, dass dem Plagiatsunwesen Einhalt geboten wird. Dazu ist der "Doktor" in beiden Parteien viel zu wichtig - man kann damit nämlich Kritikern in Sachfragen einfach mal über den Mund fahren: was Herr/Frau Doktor XY sagen, MUSS richtig sein, weil Herr/Frau "Doktor" ja "Doktor" sind.

  2. Was nachdenklich macht, ist die Tatsache das nur "Ghostwriting" nicht aber Plagiieren oder auch Scheinkoauthorenschaft im Focus steht. Das Glostwriting eine kriminelle Handlung bestreitet ja wohl niemand, aber warum keine rechtliche Konsequenzen fuer Plagiate gefordert werden ist wohl nicht verstaendlich, ausser man nimmt an, dass eine nicht verschwindende Minderheit der Professorenschaft sich selbst dieses Intrumentes bedient. Und was an angeblichen Scheinkoauthoren besser sein soll als jemand der sich eines Ghostwriters bedient ist auch nicht augenscheinlich. Der Vorschlag der Professoren stimmt nachdenklich ueber deren Verhalten.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Was nachdenklich macht, ist die Tatsache das nur "Ghostwriting" nicht aber Plagiieren oder auch Scheinkoauthorenschaft im Focus steht. Das Glostwriting eine kriminelle Handlung bestreitet ja wohl niemand, aber warum keine rechtliche Konsequenzen fuer Plagiate gefordert werden ist wohl nicht verstaendlich, ausser man nimmt an, dass eine nicht verschwindende Minderheit der Professorenschaft sich selbst dieses Intrumentes bedient. Und was an angeblichen Scheinkoauthoren besser sein soll als jemand der sich eines Ghostwriters bedient ist auch nicht augenscheinlich. Der Vorschlag der Professoren stimmt nachdenklich ueber deren Verhalten."

    Ich zitiere aus dem Artikel

    Konkret sieht der Gesetzesvorschlag des Hochschulverbandes vor, sowohl Ghostwriter als auch die Wissenschaftler, die von Ghostwritern verfasste Qualifikationsarbeiten als eigene ausgeben, mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe zu bestrafen.

    • wawerka
    • 07. August 2012 20:32 Uhr

    ...grade die FDP wird sich dafür einsetzen, dass Betrügern hier ggf. auch eine Haftstrafe droht. Doch, doch, ganz bestimmt.....

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    die ihre Fraktionssitzungen in Zukunft im Knast abhalten? Also, ein bisschen mehr Ehrfurcht von den Mitgliedern des Hohen Hauses wäre schon angebracht. Meine Güte, wie im gemeinen Volk die Sitten verrohen ...

    • marxo
    • 07. August 2012 20:58 Uhr

    "Ghostwriter bringen die akademischen Grade und die Hochschulen, die sie verleihen, in Verruf"

    Das schaffen die Hochschulen schon alleine. Durch extrem ausbeuterische "Promotionsstipendien" und "Promotionsstellen", die systematisch zu kurz bemessen sind und somit kostenlose Mehrarbeit einkalkulieren. Die durchschnittliche Promotionsdauer ist 5 Jahre, wobei zu berücksichtigen ist, dass Nichtgeisteswissenschaften weniger Zeitbedarf haben. Die Förderungshöchstdauer ist 3 Jahre. Jede Hochschule kalkuliert also mit mindestens 2 Jahren gehaltloser Arbeit der Promovenden. Das bringt Promotionen in Verruf.
    Hinzu kommt, dass eine seriöse Betreuung, wie sie in den Hochschulverordnungen von Professoren gefordert wird, jedes Pur-Plagiat ausschließt. Erst bei der derzeitigen Situation können Plagiate überhaupt Erfolg haben: Überlastete, nicht pädagogisch ausgebildete ProfessorInnen, die den Promovenden häufig illegitime Aufgaben zuschustern und sie überfordern oder kein Engagement zeigen. Über uninformierte, interesselose, überforderte Prüfungskomissionen, deren Mitglieder selbst ihre Doktortitel teilweise noch zusammen mit der Magisterarbeit geschenkt oder sonstwie nachgeworfen bekamen gar nicht zu reden. Erst NACH diesen Voraussetzungen haben Plagiate Erfolg. Sich auf der Grundlage aktueller Hochschulpolitik über Ghostwriter reflexionslos zu empören ist schon bigott.

    2 Leserempfehlungen
    • newbie
    • 07. August 2012 21:04 Uhr

    ghostwriter und plagiatoren sind gegen all die pseudoforschung, die bei den universitäten gefordert und gefördert wird, geradezu harmlos. über auf ghostwriter aufzuregen und bei der pseudoforschung munter mitmachen, ist reine scheinheiligkeit

  3. ist die Initiative zu begrüßen. Allerdings müssen die Universitäten auch ihre eigenen Standards klarer fassen, ggf. Promotionsordnungen überarbeiten und Transparenz herstellen. Damit obskure Entscheidungen wie im Fall des Vattenfall-Chefs Dähnert, bei dem die Untersuchungskommission trotz massiver Vorwürfe nicht öffentlich gemacht hat -> http://www.pnn.de/branden...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    unterbleiben.

  4. unterbleiben.

    Antwort auf "Grundsätzlich "
  5. "Was nachdenklich macht, ist die Tatsache das nur "Ghostwriting" nicht aber Plagiieren oder auch Scheinkoauthorenschaft im Focus steht. Das Glostwriting eine kriminelle Handlung bestreitet ja wohl niemand, aber warum keine rechtliche Konsequenzen fuer Plagiate gefordert werden ist wohl nicht verstaendlich, ausser man nimmt an, dass eine nicht verschwindende Minderheit der Professorenschaft sich selbst dieses Intrumentes bedient. Und was an angeblichen Scheinkoauthoren besser sein soll als jemand der sich eines Ghostwriters bedient ist auch nicht augenscheinlich. Der Vorschlag der Professoren stimmt nachdenklich ueber deren Verhalten."

    Ich zitiere aus dem Artikel

    Konkret sieht der Gesetzesvorschlag des Hochschulverbandes vor, sowohl Ghostwriter als auch die Wissenschaftler, die von Ghostwritern verfasste Qualifikationsarbeiten als eigene ausgeben, mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe zu bestrafen.

    Antwort auf "Merkwuerdig"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    und damit nicht um die Abschreibeproblematiken, die unter Professoren und anderen bereits qualifizierten Wissenschaftlern grassieren. :)

    Sich von Wissenschaftlichen Mitarbeitern Bücher oder Journalbeiträge schreiben zu lassen, ist weiterhin natürlich nicht okay, aber soll selbstverständlich um Gottes Willen auch nicht als Straftat ins Strafgesetzbuch :D

    Interessant ist allerdings der Vergleich zwischen dem Dokortitel, der in der wissenschaftlichen Karriere hilft mit den Journalartikeln, die mehr oder weniger das Gleiche leisten.

    Die Quelle übrigens der Vollständigkeit halber:
    http://www.hochschulverba...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Schlagworte Geldstrafe | Handwerk | Plagiat | Tagesspiegel
Service