Die Bundesregierung untersucht, ob bereits Bachelor-Absolventen Zugang zum höheren Dienst in staatlichen Institutionen bekommen sollen. Das teilte ein Sprecher des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) auf Anfrage mit. Bislang ist ein Masterabschluss Voraussetzung, um im höheren Dienst zu arbeiten.

Als Begründung nannte der BMBF-Sprecher, dass "der Bachelor ein vollwertiger akademischer Abschluss" sei. "Die weitere Öffnung im öffentlichen Dienst wäre auch das richtige Signal an die Bachelor-Absolventen, dass ein direkter Berufseinstieg eine gute Option ist." Üblicherweise hängen die meisten Studenten nach dem Bachelorabschluss direkt ein Masterstudium dran.

Der höhere Dienst ist die höchste Laufbahn für Beamte. Darunter fallen beispielsweise Regierungs- und Verwaltungsräte sowie wissenschaftliche Mitarbeiter an Universitäten.

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums bestätigte, intern würden "Ansätze für eine konzeptionelle Weiterentwicklung des Laufbahnrechts" geprüft. Ein Bericht zu einer möglichen Reform werde bis Ende 2012 vorgelegt. Regierungskreisen zufolge sehen viele Bundesministerien jedoch keinen Änderungsbedarf.

"Regelung ist nicht mehr zeitgemäß"

Auf Länderebene gibt es hinsichtlich einer Öffnung ebenfalls unterschiedliche Meinungen. Lorenz Caffier ( CDU ), Minister für Inneres und Sport des Landes Mecklenburg-Vorpommern , spricht sich für die Beibehaltung der Aus- und Fortbildung innerhalb des öffentlichen Dienstes aus: "Die Studieninhalte von Bachelor- und Masterstudiengängen zielen von vornherein auf verschiedene Tätigkeitsbereiche mit unterschiedlichen Anforderungen ab." Bachelor-Absolventen könnten die nötigen wissenschaftlichen Kenntnisse und Fertigkeiten für die Spitzenämter erst mit einem weiteren Studium und dem dazu gehörigen Abschluss erlangen.

Theresia Bauer von den Grünen , Wissenschaftsministerin in Baden-Württemberg , würde dagegen eine Öffnung begrüßen. Sie hält die derzeitige Regelung für "nicht mehr zeitgemäß". Die Zuständigkeit hierfür liege bei den Arbeitgebern des öffentlichen Dienstes, sprich den Innen- und Finanzressorts, den Kommunen und den Tarifgemeinschaften. Sie werde sich aber an geeigneter Stelle für eine Reform einsetzen, hieß es aus dem Ministerium in Stuttgart .

Der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB) zeigt sich ebenfalls offen für eine Reform. Uwe Zimmermann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des DStGB, sagte, bei der Personaleinstellung müsste der Master natürlich weiter als der höherwertige Abschluss bewertet werden. Die Kommunen befürworteten es aber, wenn sie von den Ländern mehr Entscheidungsspielräume bekämen, "um bei Eignung im kommunalen Dienst auch Leuten mit einem Bachelorabschluss eine konkrete Perspektive aufzeigen zu können, mal in den höheren Dienst zu wechseln". Dies sei gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der Frage nach der Gewinnung und Bindung von qualifiziertem Personal ein wichtiges Thema.

Der Beamtenbund plädiert dafür, die unterschiedliche Behandlung von Master- und Bachelorabschlüssen beizubehalten, sieht aber auch noch Potential für Flexibilisierungen. Vor allem müsse der Dienstherr es den Bachelor-Absolventen wirklich ermöglichen, sich innerhalb ihres Dienstes weiterzubilden und einen Master zu machen.