Momentan warte ich wie viele andere junge Menschen in Deutschland auf einen Studienplatz in der Humanmedizin. Meine Chancen, einen Platz zu bekommen, sind gering. Dabei werden Mediziner dringend benötigt. Im Januar 2010 fehlten deutschlandweit 5.000 Ärzte, proportional die meisten davon in den neuen Bundesländern.

In Deutschland mangelt es nicht an jungen Menschen, die Ärzte werden wollen. Anfang 2010 bewarben sich etwa 44.000 Schulabgänger auf 8.753 Studienplätze. Nur Abiturienten, die einen Schnitt von 1,2 oder besser vorweisen konnten oder 12 Wartesemester gesammelt haben, bekamen im Wintersemester 2010/2011 einen Studienplatz. Die aktuellen Zahlen sind unverändert.

Viele Abiturienten fliehen wegen dieser Anforderungen ins Ausland, um dort zu studieren. Oder sie versuchen, sich hierzulande einzuklagen. Doch damit riskieren sie hohe Gerichtskosten, falls sie mit ihrer Klage scheitern. Wer weder auswandern noch klagen möchte, dem bleibt nur die Möglichkeit, die sechs Jahre Wartezeit irgendwie zu überbrücken – ohne währenddessen etwas anderes studieren zu dürfen.

Die Politik weiß um das Problem des Ärztemangels, handelt aber nicht. Andreas Köhler, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), sprach in einem Interview 2010 davon, dass man die Bedarfsplanung moderner gestalten müsse. Vizekanzler Rösler kündigte an, er wolle Ärzte aufs Land locken, um dort die medizinische Versorgung zu gewährleisten.

Ich fände es sinnvoller, mehr Medizinstudienplätze zu schaffen, anstatt die approbierten Ärzte wie auf einem Schachbrett zu verschieben. Ich verstehe nicht, wie es sein kann, dass beispielsweise eine große Stadt wie Stuttgart keine medizinische Fakultät hat. Wir sollten mehr Menschen in Deutschland Medizin studieren lassen, statt irgendwann Ärzte aus dem Ausland anwerben zu müssen.