OECD-Studie : Deutschland fällt im Bildungsvergleich zurück

Die Ausbildungssituation in Deutschland ist laut OECD trotz der Krise weitgehend stabil. Dennoch sind die Aufstiegschancen für junge Menschen vergleichsweise gering.
In der Universitätsbibliothek Cottbus © Ulrich Baumgarten/Getty Images

Ein sozialer Aufstieg mit besserer Bildung ist in Deutschland nach wie vor schwer. Laut dem jüngsten OECD-Bildungsbericht erreichen 22 Prozent der jungen Menschen in der Bundesrepublik nicht das Bildungsniveau ihrer Eltern. Nur 20 Prozent der Jüngeren schaffen einen höheren Bildungsabschluss, als ihn Vater oder Mutter besitzen. Im Schnitt der anderen wichtigen Industrienationen sind dies dagegen 37 Prozent. Nur 13 Prozent fallen unter das Bildungsniveau ihrer Eltern zurück. Besonders Großbritannien , Frankreich , aber auch Italien und Polen verzeichnen im weltweiten Vergleich hohe Aufsteigerraten in der Bildung .

Während der Süden Europas – vor allem Spanien – derzeit eine hohe Jugendarbeitslosigkeit verzeichnet, ist in Deutschland die Ausbildungs- und Beschäftigungssituation für Jüngere in den Krisenjahren weitgehend stabil geblieben. Der Anteil unter den 15- bis 29-Jährigen, die in der Bundesrepublik ihre Schule bereits verlassen haben und sich weder in Beschäftigung noch in einer Weiterbildungsmaßnahme befinden, liegt mit 12 Prozent deutlich unter dem OECD-Schnitt von 15,8 Prozent. Die absolute Zahl dieser sogenannten jungen Bildungsverlierer zwischen 15 und 29 beläuft sich in Deutschland auf knapp 1,7 Millionen.

Zahl der erfolgreichen Hochschulabsolventen steigt

Bei der Steigerung der Studentenzahl bescheinigt die OECD Deutschland moderate Fortschritte. So würden nach jüngsten Schätzungen voraussichtlich 42 Prozent aller jungen Menschen im Verlauf ihres Lebens ein Studium an einer Universität oder Fachhochschule aufnehmen. 1995 waren dies erst 26 Prozent. Die Zahl der erfolgreichen Hochschulabsolventen stieg in Deutschland im gleichen Zeitraum von 14 auf 30 Prozent eines Altersjahrgangs.

Im Schnitt der OECD-Staaten lag die Quote allerdings deutlich höher. Demnach stieg der Anteil der Studienanfänger zwischen 1995 und 2010 von 37 Prozent auf 62 Prozent. Die Quote der erfolgreichen Hochschulabsolventen kletterte im weltweiten Schnitt von 20 Prozent auf 39 Prozent.

Beim Gesamtbildungsniveau dürfte Deutschland im internationalen Vergleich weiter zurückfallen. Der Grund dafür sei, dass andere Länder ihr Hochschulsystem bereits früher und deutlich schneller ausgebaut haben. Dem Bericht zufolge gehört die Bundesrepublik zu den wenigen Ländern, in denen der Akademikeranteil unter den 25- bis 34-Jährigen mit 26 Prozent fast identisch ist mit dem in der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen (25 Prozent), die in den nächsten Jahren langsam aus dem Berufsleben ausscheiden. OECD-weit ist hingegen in diesen Altersgruppen die Akademikerquote von 23 auf 38 Prozent angestiegen.

Gleichwohl ist Deutschland laut Bericht das einzige Land unter den OECD-Industriestaaten, in dem zwischen 2008 und 2010 die Arbeitslosigkeit über alle Bildungsgruppen hinweg abgenommen hat. Unter den Akademikern sank die Arbeitslosigkeit in der Bundesrepublik von 3,3 auf 3,1 Prozent, während sie weltweit von 3,3 auf 4,7 Prozent stieg. Unter den Erwachsenen mit Abitur oder abgeschlossener Lehre ging in Deutschland die Arbeitslosigkeit von 7,2 auf 6,9 Prozent zurück.

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Kommentare

27 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Halbe Wahrheit

Es ist ja richtig, dass in anderen Ländern viele Fächer an den Unis studiert werden, die in Deutschland auf hohem Niveau durch eine Ausbildung vermittelt werden.

Andererseits ist nach der Ausbildung die Karriereleiter in Deutschland ziemlich schnell zu Ende. Ob Handwerk, Hotel- und Gaststätten, Einzelhandel, Gesundheit, Erziehung - in ganzen Branchen können die ausgebildeten Fachkräfte am mit einem Gehalt rechnen, das auf Hartz IV Niveau liegt und mit Sicherheit in der Altersarmut endet (so nicht der Partner ein Akademiker ist oder man sich erfolgreich selbständig macht).

Ein/e "Nurse" in Großbritannien darf im Gegensatz zum/zur Pfleger/Krankenschwester in Deutschland nicht nur Blut abnehmen und Popos wischen, sondern auch Diagnosen stellen und Behandlungen planen. Die höhere Qualifikation und Verantwortung führen natürlich zu einem Einkommen...

Ich würde mir da keine großen Sorgen machen.

In den Länder in denen angbelich eine hohe soziale Mobilität herrscht, vor allem GB (laut lach), aber auch Spain usw. ist dieser bildungspolitische Irrsinn garnicht mehr finanzierbar. Aktuell brechen dort die Studentenzahlen massiv ein. Es war letztendlich auch nur eine Methode die Arbeitslosenzahl zu drücken, in dem man die Ausbildung an höheren Schulen verlagerte und vor allem sie auch bezahlen zu müssen. Ein riesiger markt, der aber nur solange existieren konnten solange die Finanzblase nicht geplatzt war....

Halbe Wahrheit enthät das auch

"Andererseits ist nach der Ausbildung die Karriereleiter in Deutschland ziemlich schnell zu Ende. Ob Handwerk, Hotel- und Gaststätten, Einzelhandel, Gesundheit, Erziehung - in ganzen Branchen können die ausgebildeten Fachkräfte am mit einem Gehalt rechnen, das auf Hartz IV Niveau liegt und mit Sicherheit in der Altersarmut endet (so nicht der Partner ein Akademiker ist oder man sich erfolgreich selbständig macht)."

Sie Vergessen bei ihrer komischen These aber durchaus, dass die Menschen nicht ein Leben lang auf dem Stand Ihrer Ausbildung bleiben, sondern nach einigen Jahren im Beruf oft eine Weiterqualifizierung stattfindet. Das ein Geselle (der im Übrigen je nach Handwerk auch ganz gut verdienen kann) nach 5. Jahren z.B. einen Meister macht und "Aufsteigt" oder ein Erzieher beispielsweise einen FH-Abschluss an die Ausbildung in Teilzeit dranhängt, lassen Sie hier völlig außer acht.

Bestes Beispiel sind Physiotherapeuten - Über eine Ausbildung den Einstieg machen, dann weiterqualifizieren und dadurch kommt letztlich der Karriere-Aufstieg und ein höheres Gehalt.

Das man ein ganzen Berufsleben mit einer Ausbildung immer nur auf der Stelle tritt oder von anderen abhängig ist, ist also falsch. Eher sollte die Ausbildung als Möglichkeit begriffen werden, über einen anderen Weg in einem Berufszweig Fuß zu fassen und dann weiter an der Karriere zu arbeiten.

Zu welchem Preis

"Bei der Steigerung der Studentenzahl bescheinigt die OECD Deutschland moderate Fortschritte."
Die Frage dabei ist doch: Ist das Leistungsniveau und die Qualität der lehre gleich geblieben und wie hat sich die Art der Lehre im Vergleich zur Forschung und Entwicklung weiterentwickelt. Kurz gesagt, zu welchem Preis entstand die höhere Anzahl an Studenten?

Auf keinen Fall darf das hierzulande gut funktionierende

duale System aufgrund solch eigenartiger Studien eingeschränkt werden. Man vergleiche nur einmal die Jugendarbeitslosigkeitszahlen verschiedener Länder.
Warum erreichen nur 20 Prozent der Kinder formal höhere Abschlüsse als ihre Eltern? Weil die Abschlüsse der Eltern bereits hoch sind.
Da gibt es die Krankenschwester, die Jahre als Intensivschwester arbeitet und dann noch Medizin studiert, der Elektriker, der Ingenieurwissenschaften studiert, der Verkäufer mit BWL-Aufbaustudium. Sie alle haben krisenfestere Arbeitsplätze als die Papierabsolventin anderer Länder mit krisenbedingt schlechter theoretischer Ausbildung, die sich ihr Examen gerahmt übers Bett hängen dürfen.
Selbst der mir bekannte Philosophieordinarius mit abgeschlossener Konditorlehre steht mit festeren Beinen auf dem beruflichen Boden...

Was verschwiegen wird...

"Ich war nun offiziell Psychologin", erzählt sie, "und zahlte der Psychologen-Kammer meinen Mitgliedschaftsbeitrag". Einen Job fand sie trotzdem nicht.
Arbeiten zum Mindestlohn
Sie studierte weiter: Eine einjährige Weiterbildung in Neuropsychologie und Neuropsychiatrie. Dazu kamen weitere unbezahlte Praktika. Sie zog nach Rom und bewarb sich bei einer Vielzahl von psychosozialen Einrichtungen. Der einzige Job, der ihr angeboten wurde, war als Tag- und Nachtpflegerin für behinderte Patienten in einer sozialen Genossenschaft."

http://www.zeit.de/wirtsc...

"Besonders ausgeprägt ist die Aufwärtsmobilität in Australien, Griechenland, Irland, Italien, Polen, Tschechien und Ungarn. Allerdings lag das Bildungsniveau in einigen dieser Länder historisch auch relativ niedrig, wohingegen in Deutschland traditionell bereits ein verhältnismäßig großer Teil der Menschen über mittlere Abschlüsse verfügte"

http://www.oecd.org/berli...