Wenn es nach den Urhebern der Bologna-Reform ginge, gäbe es Studenten wie Arne Fleckenstein gar nicht. Für den 24-Jährigen beginnt in diesem Oktober das neunte Bachelor-Semester an der Universität Köln . Eigentlich ist hier alles darauf optimiert, dass Studenten möglichst schnell ihr Abschlusszeugnis in den Händen halten. Die Uni verteilt Musterstundenpläne, mit deren Hilfe man sein Studium effizient zusammensetzen kann: Sechs Semester Regelstudienzeit, Modul auf Modul.

Trotzdem existieren Menschen wie Arne Fleckenstein, die sich etwas mehr Zeit für den Hochschulbesuch lassen. "Ich mache keinen Schnell-Schnell-Bachelor und ich bin froh darüber", sagt der Student der Medienwissenschaft. Im Jahr 2007 wurde in seinem Fach auf Bachelor umgestellt, früher studierten am Institut für Medienkultur und Theater Diplom- und Magisterstudenten.

Die Magister überzogen die damalige Regelstudienzeit von neun Semestern im Schnitt um eineinhalb Jahre. Sie protestierten wie viele andere Studenten gegen die Einführung des Bachelors: Zu schnell, zu verschult, zu oberflächlich sei die neue Studienform. Studenten und Medien riefen den Tod des Langzeitstudenten aus. Doch am Philosophikum der Uni Köln sind heute immer noch Leute eingeschrieben, die zur ersten Bachelorgeneration gehören und sich damit mittlerweile im elften Semester befinden. Und das, obwohl der schmutziggraue Betonkasten in seiner Hässlichkeit nicht gerade zum Verweilen einlädt.

Hauptsache schnell fit für den Arbeitsmarkt

Hier wird zwar nicht gefördert, dass man sich mehr Zeit zum studieren lässt, die Uni hindert die Studenten aber auch nicht daran, drei, vier oder zehn Semester zu überziehen. Die Anwesenheitspflicht in Vorlesungen wurde am Kölner Philosophikum nach kurzer Zeit wieder aufgehoben. Es gibt weder Zwangsgebühren noch ein Rauswurfverfahren für langsame Bachelor-Studenten. Auch die vom damaligen Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers auf den Weg gebrachten Studiengebühren von 500 Euro pro Semester hat Hannelore Kraft schnell wieder abgeschafft .

"Man kann hier solange studieren wie man will", sagt Fachberater Gereon Blaseio. Paradoxerweise sind die einzigen, die von der Uni dazu gezwungen werden, schnell zu Ende zu studieren, die verbliebenen Diplom- und Magisterstudenten. Bis nächstes Jahr müssen sie sich zur Abschlussprüfung angemeldet haben, sonst fliegen sie von der Hochschule.

Dabei sieht das Bologna-System eigentlich nicht vor, dass Bachelorstudenten dem Studium mehr Zeit als nötig widmen. Sie sollen zügig zu Ende studieren, um dem Arbeitsmarkt in jungen Jahren zur Verfügung zu stehen. Das Problem: Geisteswissenschaftliche Studiengänge haben zwar die knappe Regelstudienzeit von sechs Semestern, bereiten inhaltlich aber nicht auf konkrete Jobs vor. Das kritisierte im Sommer auch der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz Horst Hippler.