Abitur, BWL-Bachelor mit Auslandssemester in der Regelstudienzeit und dann gleich in den Beruf. Bislang lief für mich immer alles wie auf Anhieb. Direkt nach meinem Abschluss fing ich als Trainee in einer Bank an.

Zu diesem Zeitpunkt wusste ich schon, dass ich auf jeden Fall noch ein Masterstudium anschließen wollte. Doch das Jobangebot nach der Ausbildung klang verlockender als der Rückweg ins Studentenleben: eine unbefristete Stelle, sehr gute Bezahlung, internationales Arbeitsumfeld. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist das wohl wie ein Sechser im Lotto.

Trotz meines vermeintlichen Traumjobs wurde ich schnell unzufrieden: Zu viel Bürokratie, starre Strukturen, kaum Raum für Kreativität und bestätigte Banker-Klischees. Ich wollte wieder studieren, mein Gehirn anstrengen, mich weiterbilden. Doch einen halbwegs sicheren, unbefristeten und gut bezahlten Job gibt man nicht so einfach wieder auf.

Also wieso nicht Arbeit und Studium kombinieren? Da ich sicher war, dass mein Chef dieses Vorhaben nicht unterstützen würde, entschied ich mich für einen Masterstudiengang an der Fernuniversität Hagen. Die Vorteile: Studieren an einer richtigen Universität und keine horrenden Studiengebühren wie bei privaten Anbietern. Der Arbeitsaufwand wird von der Fernuni auf 19 Stunden pro Woche geschätzt.

Ich war hochmotiviert und machte mich ans Lernen. Bereits nach kurzer Zeit stellte ich fest, dass 19 Stunden viel Zeit sind. Es blieb neben Job und Studium kaum noch Zeit für Treffen mit Freunden, Hobbys oder Sport. Beim Fernstudium war ich auf mich allein gestellt: Für meinen Studiengang gab es keine Lerngruppe in der Nähe meines Wohnortes, der fachliche Austausch fand meist in Internetforen statt. Ich musste mich täglich selbst motivieren. Das alles war mir vorher zwar bewusst, doch ich hatte die Belastung unterschätzt.

Für den Prüfungszeitraum hatte ich extra Urlaub genommen: zwei Wochen für den Lern-Endspurt und die Prüfungen. Alles war geplant und organisiert. Doch kaum fing mein Urlaub an, fühlte ich mich immer erschöpfter. Ich schlief schlecht und konnte nicht mehr richtig abschalten.

Die Entscheidung, das Studium abzubrechen, fällte ich relativ spontan.

Vielleicht war es feige, weil ich nicht mal mehr an den Prüfungen teilgenommen hatte. Aber ich spürte, dass ich dringend Erholung benötigte. Ich wusste, dass ich mir das Lernen neben dem Vollzeitjob nicht drei Jahre lang antun wollte – so lange hätte das Teilzeitstudium mindestens gedauert.

Zurück bleibt ein Gefühl des Versagens und der Planlosigkeit. Ich bin Anfang zwanzig, fühle mich ausgebrannt und frage mich, was ich eigentlich erreichen möchte und was mir wichtig ist in meinem Leben. Etwas Sinnvolles möchte ich tun, die Welt verbessern und vor allem raus aus der Bank, in der ich mich fehl am Platz fühle.

Ich will immer noch studieren und einen Masterabschluss machen. Aber ich denke, dafür gehe ich lieber nach zwei Jahren Berufserfahrung wieder als Vollzeitstudent zurück an die Präsenzuni.

Der Artikel wurde unter Pseudonym verfasst. Der Name des Autoren ist der Redaktion bekannt.