Motiviert begann Leserin Clausus_Numerus neben ihrem Vollzeitjob ein Fernstudium. Kurz vor der ersten Prüfung gab sie auf.
Abitur, BWL-Bachelor mit Auslandssemester in der Regelstudienzeit und dann gleich in den Beruf. Bislang lief für mich immer alles wie auf Anhieb. Direkt nach meinem Abschluss fing ich als Trainee in einer Bank an.
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich schon, dass ich auf jeden Fall noch ein Masterstudium anschließen wollte. Doch das Jobangebot nach der Ausbildung klang verlockender als der Rückweg ins Studentenleben: eine unbefristete Stelle, sehr gute Bezahlung, internationales Arbeitsumfeld. Angesichts der heutigen Wirtschaftslage ist das wohl wie ein Sechser im Lotto.
Trotz meines vermeintlichen Traumjobs wurde ich schnell unzufrieden: Zu viel Bürokratie, starre Strukturen, kaum Raum für Kreativität und bestätigte Banker-Klischees. Ich wollte wieder studieren, mein Gehirn anstrengen, mich weiterbilden. Doch einen halbwegs sicheren, unbefristeten und gut bezahlten Job gibt man nicht so einfach wieder auf.
Also wieso nicht Arbeit und Studium kombinieren? Da ich sicher war, dass mein Chef dieses Vorhaben nicht unterstützen würde, entschied ich mich für einen Masterstudiengang an der Fernuniversität Hagen. Die Vorteile: Studieren an einer richtigen Universität und keine horrenden Studiengebühren wie bei privaten Anbietern. Der Arbeitsaufwand wird von der Fernuni auf 19 Stunden pro Woche geschätzt.
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© BeneA / photocase.com
Ich war hochmotiviert und machte mich ans Lernen. Bereits nach kurzer Zeit stellte ich fest, dass 19 Stunden viel Zeit sind. Es blieb neben Job und Studium kaum noch Zeit für Treffen mit Freunden, Hobbys oder Sport. Beim Fernstudium war ich auf mich allein gestellt: Für meinen Studiengang gab es keine Lerngruppe in der Nähe meines Wohnortes, der fachliche Austausch fand meist in Internetforen statt. Ich musste mich täglich selbst motivieren. Das alles war mir vorher zwar bewusst, doch ich hatte die Belastung unterschätzt.
Für den Prüfungszeitraum hatte ich extra Urlaub genommen: zwei Wochen für den Lern-Endspurt und die Prüfungen. Alles war geplant und organisiert. Doch kaum fing mein Urlaub an, fühlte ich mich immer erschöpfter. Ich schlief schlecht und konnte nicht mehr richtig abschalten.
Die Entscheidung, das Studium abzubrechen, fällte ich relativ spontan.
Vielleicht war es feige, weil ich nicht mal mehr an den Prüfungen teilgenommen hatte. Aber ich spürte, dass ich dringend Erholung benötigte. Ich wusste, dass ich mir das Lernen neben dem Vollzeitjob nicht drei Jahre lang antun wollte – so lange hätte das Teilzeitstudium mindestens gedauert.
Zurück bleibt ein Gefühl des Versagens und der Planlosigkeit. Ich bin Anfang zwanzig, fühle mich ausgebrannt und frage mich, was ich eigentlich erreichen möchte und was mir wichtig ist in meinem Leben. Etwas Sinnvolles möchte ich tun, die Welt verbessern und vor allem raus aus der Bank, in der ich mich fehl am Platz fühle.
Ich will immer noch studieren und einen Masterabschluss machen. Aber ich denke, dafür gehe ich lieber nach zwei Jahren Berufserfahrung wieder als Vollzeitstudent zurück an die Präsenzuni.
Der Artikel wurde unter Pseudonym verfasst. Der Name des Autoren ist der Redaktion bekannt.
- Datum 12.10.2012 - 13:08 Uhr
- Quelle Leserartikel
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denn Sie wissen ja, dass Sie nicht an einer Bank arbeiten wollen. Also wird Sie das verharren in diesem Job auch nicht glücklich machen.
Die Idee noch ein bis zwei Jahre zu arbeiten und dann wieder zu studieren ist gut. Man darf nur nicht zu viel Angst vor dem Absprung haben.
Ich denke, Ihr Lebenslauf wird so gut aussehen, dass Sie sich eigentlich keine Sorgen um eine spätere Beschäftigung machen müssen. Möglicherweise bei geringerem Gehalt, aber dafür mit größerer Befriedigung.
Ein Fernstudium neben einem Vollzeitjob ist immer eine außergewöhnliche Belastung, erst recht, wenn man es vor dem Arbeitgeber verheimlichen muss/möchte und umso mehr, wenn man noch nicht längere Zeit berufstätig ist, Erfahrungen gesammelt und Routinen entwickelt hat.
Die Autorin hat schon einen Studienabschluss, ist berufstätig und erst 23 - das ist bereits eine beträchtliche Leistung, in diesem Tempo muss man nicht weitermachen. Manchmal nimmt man sich im Leben zuviel vor, das passiert und ist nicht schlimm: Wenn man es gar nicht erst probiert hätte, hätte man seine Grenzen nicht ausgelotet.
Alles Gute für die Zukunft (wie sie auch aussehen mag).
Liebe Clausus_Numerus, bitte überprüfen Sie gründlich, ob die Jobaussichten nach dem Masterstudium wirklich so viel verlockender erscheinen als das, was Sie bereits haben. Ich fürchte, es besteht eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, daß sie nach dem absolvierten Masterstudiengang auch nicht glücklicher werden.
Sie möchten die Welt verbessern, "etwas sinnvolles" tun und fühlen sich in der Bank fehl am Platz. Weltverbessernde Jobs sind rar, insbesondere in Führungsebenen, und was "sinnvoll" ist, entscheidet der Arbeitgeber und die betriebliche Notwendigkeit (und Sie werden auch bestehende Hierarchien nicht unbedingt umgehen können, es sei denn, Sie werden per Quote irgendwohin katapultiert, aber ob es Ihnen dort dann gefällt?)
Ich will Ihnen keinesfalls das weitere Studieren ausreden. Nur bitte begreifen Sie Ihr derzeitiges Empfinden als Chance, einmal gründlich über die eigenen Berufs- und Lebensziele nachzudenken.
Dafür sind Krisen nämlich da.
Und, nein, sie waren nicht "feige", als Sie die Prüfungen sausen ließen, nur konsequent.
Mein Gott,sowas schafft nur Chuck Norris.
Es geht schon, erfordert allerdings einen ständigen Drahtseilakt zwischen Arbeit, Studium, Familie und Freizeit - wobei gerade letzteres am ehesten zu kurz kommt.
In meinem Betrieb gibt es derzeit, mit mir eingeschlossen, 3 Angestellte in Vollzeit mit einem Studiumplatz in Hagen (alle WiInf) und wir kommen alle irgendwie vorran. Einer hat "das Glück" (für mich eher Pech) dass er familiär nicht gebunden ist und wird damit innerhalb der vorgesehenen 9 Semester gut durch. Bei mir und meinem Kollegen wird es etwas anders aussehen, wir werden uns vermutlich bei 10-11 Semester einpendeln. Was letztenendes aber keine Rolle spielt. Für uns ist das Studium eine Weiterqualifikation zur Ausbildung, wir stehen in Lohn und Brot, können nicht zu vernachlässigende Berufserfahrung sammeln, so dass wir nicht unbedingt darauf angewiesen sind, schnell fertig zu werden - es stellt dann nur noch ein Sahnehäubchen dar.
Wer diesen Luxus hat, so an das Studium ranzugehen, wird mit ein bisschen Zeitmanagement relativ gut durch das Fernstudium kommen. Wer schneller fertig werden muss, oder möchte, dem sei allerdings ein Vollzeitstudium eher ans Herz gelegt.
Es geht schon, erfordert allerdings einen ständigen Drahtseilakt zwischen Arbeit, Studium, Familie und Freizeit - wobei gerade letzteres am ehesten zu kurz kommt.
In meinem Betrieb gibt es derzeit, mit mir eingeschlossen, 3 Angestellte in Vollzeit mit einem Studiumplatz in Hagen (alle WiInf) und wir kommen alle irgendwie vorran. Einer hat "das Glück" (für mich eher Pech) dass er familiär nicht gebunden ist und wird damit innerhalb der vorgesehenen 9 Semester gut durch. Bei mir und meinem Kollegen wird es etwas anders aussehen, wir werden uns vermutlich bei 10-11 Semester einpendeln. Was letztenendes aber keine Rolle spielt. Für uns ist das Studium eine Weiterqualifikation zur Ausbildung, wir stehen in Lohn und Brot, können nicht zu vernachlässigende Berufserfahrung sammeln, so dass wir nicht unbedingt darauf angewiesen sind, schnell fertig zu werden - es stellt dann nur noch ein Sahnehäubchen dar.
Wer diesen Luxus hat, so an das Studium ranzugehen, wird mit ein bisschen Zeitmanagement relativ gut durch das Fernstudium kommen. Wer schneller fertig werden muss, oder möchte, dem sei allerdings ein Vollzeitstudium eher ans Herz gelegt.
Es geht schon, erfordert allerdings einen ständigen Drahtseilakt zwischen Arbeit, Studium, Familie und Freizeit - wobei gerade letzteres am ehesten zu kurz kommt.
In meinem Betrieb gibt es derzeit, mit mir eingeschlossen, 3 Angestellte in Vollzeit mit einem Studiumplatz in Hagen (alle WiInf) und wir kommen alle irgendwie vorran. Einer hat "das Glück" (für mich eher Pech) dass er familiär nicht gebunden ist und wird damit innerhalb der vorgesehenen 9 Semester gut durch. Bei mir und meinem Kollegen wird es etwas anders aussehen, wir werden uns vermutlich bei 10-11 Semester einpendeln. Was letztenendes aber keine Rolle spielt. Für uns ist das Studium eine Weiterqualifikation zur Ausbildung, wir stehen in Lohn und Brot, können nicht zu vernachlässigende Berufserfahrung sammeln, so dass wir nicht unbedingt darauf angewiesen sind, schnell fertig zu werden - es stellt dann nur noch ein Sahnehäubchen dar.
Wer diesen Luxus hat, so an das Studium ranzugehen, wird mit ein bisschen Zeitmanagement relativ gut durch das Fernstudium kommen. Wer schneller fertig werden muss, oder möchte, dem sei allerdings ein Vollzeitstudium eher ans Herz gelegt.
Ich hatte auch meine Fernuni-Hagen-experience im Rahmen des Mathematik-Studiums (Analysis I,II, Lineare Algebra I und II)hatte dabei 60% gearbeitet als Mathematikdozent,plötzlich bekam ich eine neue Stelle und das Pensum betrug 100% und manchmal 120%.ich musste schweren Herzens das ganze aufgeben (Der Geist war stark,aber das Geld war stärker).Schade.Es hatte spass gemacht.
Respekt,dass Sie das geschafft haben,Chuck!
Gruus aus Zürich.
Ich hatte auch meine Fernuni-Hagen-experience im Rahmen des Mathematik-Studiums (Analysis I,II, Lineare Algebra I und II)hatte dabei 60% gearbeitet als Mathematikdozent,plötzlich bekam ich eine neue Stelle und das Pensum betrug 100% und manchmal 120%.ich musste schweren Herzens das ganze aufgeben (Der Geist war stark,aber das Geld war stärker).Schade.Es hatte spass gemacht.
Respekt,dass Sie das geschafft haben,Chuck!
Gruus aus Zürich.
Ich bin selbst Studentin der Fernuni Hagen und kurz vor Abgabe der Bachelor-Arbeit (Kulturwissenschaften); das Masterstudium (Master Europäische Philosophie) ist bereits in Vorbereitung. Meine Rahmenbedingungen sind aber sehr viel besser: Mein Arbeitgeber (Ingenieurbüro, indem ich als Teamassistenin arbeite) weiß Bescheid und meine Arbeitsbelastung ist nicht so groß, dass ich nicht beides unter einen Hut bekomme. Und anstatt dass mir das Fernstudium Energie zieht, gibt es mir sehr viel.
So, wie es geschildert wurde, scheint mir nicht das Studium das (energiefressende) Problem gewesen zu sein, sondern der unbefriedigende Job. Vielleicht ist es eine Alternative, sich einen weniger anspruchsvollen, wahrscheinlich aber auch weniger gut bezahlten Job zu suchen, und dann doch das Fernstudium durchzuführen. Dann wäre es aber eine weitere Überlegung wert, ob der Master in einer Fachrichtung, die mit dem jetzt so ungeliebten beruflichen Umfeld zu tun hat, das richtige ist. Vielleicht ist der Master in einer zunächst fachfremd erscheinenden Fachrichtung für das weitere berufliche Leben viel interessanter.
Das sollen keine überheblichen Ratschläge sein. Ich kann nur von mir berichten, dass ich gerade aus dem Studium nach Neigung und nicht nach beruflicher Folgerichtigkeit enorm viel Energie und Freude ziehe.
Ich hatte auch meine Fernuni-Hagen-experience im Rahmen des Mathematik-Studiums (Analysis I,II, Lineare Algebra I und II)hatte dabei 60% gearbeitet als Mathematikdozent,plötzlich bekam ich eine neue Stelle und das Pensum betrug 100% und manchmal 120%.ich musste schweren Herzens das ganze aufgeben (Der Geist war stark,aber das Geld war stärker).Schade.Es hatte spass gemacht.
Respekt,dass Sie das geschafft haben,Chuck!
Gruus aus Zürich.
Wenn Sie bereits Dozent in Mathematik sind, wieso belegen Sie dann Grundstudiumskurse? Und wieso sind die dann schwierig für Sie?
Wenn Sie bereits Dozent in Mathematik sind, wieso belegen Sie dann Grundstudiumskurse? Und wieso sind die dann schwierig für Sie?
Oh ja, ich weiß was Fernstudium bedeutet. Ich habe dies in der
damaligen DDR zum Ökonom und Fachökonom über sechs Jahre erfahren müssen, aber erfolgreich. Im Betrieb von 6.00 bis 16.00 Uhr gearbeitet und danach das Fernstudium. Nur - dass das von meinem Arbeitgeber im vollen Umfang zeitlich und auch finanziell unterstützt wurde. Was ist das eigentlich für ein Arbeitgeber, der solche Vorhaben nicht unterstützt, vielleicht aber später davon profitieren möchte ? Auch darüber kann man mal in Ruhe nachdenken und die richtigen Schlüsse ziehen. Dass Sie später als Vollzeitstudent weitermachen wollen, ist völlig richtig, gerade weil das Fernstudium von Ihrem Arbeitgeber offenbar nicht honoriert wird. Gehen Sie diesen Weg konsequent. Sie müssen nichts " über das Knie brechen". Sie schaffen das. Viel Erfolg !
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