Schavan hatte ihre Promotion 1980 eingereicht, ihr Doktorvater war ein Pädagogikprofessor. "Person und Gewissen" lautete der Titel ihrer Arbeit, in der sich Schavan mit der Gewissensbildung beschäftigt.

Das Uni-Gutachten verfasste jetzt Stefan Rohrbacher, Professor für jüdische Studien und Prodekan der Philosophischen Fakultät. Er kommt zu dem Schluss, Schavans Arbeit weise "das charakteristische Bild einer plagiierenden Vorgehensweise" auf". Es sei eine "leitende Täuschungsabsicht" festzustellen. Rohrbacher spielt eine wichtige Rolle in dem Prüfungsverfahren. Er steht dem Promotionsausschuss vor, der sich zunächst mit der Arbeit befassen wird. Der Ausschuss legt dann dem Fakultätsrat eine Empfehlung vor. Der Fakultätsrat wiederum trifft zum Schluss die Entscheidung, ob Schavan ihr Doktortitel entzogen wird.

Die Gremiumsmitglieder dürften sich nicht nur auf dieses eine Gutachten verlassen, lautet jetzt die Kritik. Vielmehr müssten auch Urteile von unabhängigen Experten eingeholt werden, forderte Mlynek. Das sei umso nötiger, weil der Promotionsausschuss nicht ausschließlich mit Fachleuten, sondern "nach Partizipationskriterien" zusammengesetzt sei. In dem achtköpfigen Ausschuss sitzen Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und ein Studentenvertreter.

Die Uni-Szene hält sich bedeckt

Jan-Hendrik Olbertz , Präsident der Berliner Humboldt-Universität, forderte sogar, das Gutachten müsse verworfen und ein neues erstellt werden. Der Promotionsausschuss und der Fakultätsrat könnten den Bericht kaum noch objektiv analysieren, wenn zuvor bereits die Öffentlichkeit die Ergebnisse diskutiere. Olbertz, als ehemaliger Wissenschaftsminister in Sachsen-Anhalt ein politischer Freund Schavans, bezeichnete es als "widerwärtig", dass das Gutachten "erst den Medien vorgelegt wird und nicht dem Fakultätsrat und der Betroffenen": "Hier soll eine erfolgreiche Wissenschaftsministerin politisch und persönlich demontiert werden." Der Gutachter hätte persönlich dafür sorgen müssen, dass sein Bericht vertraulich bleibt.

Wie lange sich die Universität für das weitere Verfahren Zeit nimmt, ob und wann Schavan gehört wird und ob es doch noch weitere Gutachten geben wird, war am Montag nicht zu erfahren: Die Universität Düsseldorf wollte sich nicht zu der Kritik äußern. Sie verbreitete nur eine Stellungnahme, in der es hieß, die Philosophische Fakultät befinde sich "im laufenden Verfahren". Die "zuständigen Organe und Gremien" hätten "zu keiner Zeit öffentlich Stellungnahmen abgegeben oder sich an Spekulationen beteiligt" und würden das auch weiterhin nicht tun.

Wie steht die Wissenschaft zu den Plagiatsvorwürfen selbst? Bei dieser Frage halten sich die meisten in der Uni-Szene bedeckt, man wolle den Ergebnissen nicht vorgreifen. So sagte Mlynek, als Physiker stehe es ihm nicht an, über eine geisteswissenschaftliche Arbeit zu urteilen: "Das wäre anmaßend." Es stehe allerdings die Frage im Raum, ob man Arbeiten in den Geisteswissenschaften tatsächlich auf "mechanistische Textvergleiche" reduzieren könne. Schavans Wirken als Ministerin bewerte er positiv, sagte Mlynek. Sie habe sehr viel für die Wissenschaft getan: "Wir haben Grund zur Zufriedenheit."

Erschienen im Tagesspiegel