AuslandsstudiumDeutschland soll Schweizer Unis subventionieren

Die Schweiz weigert sich, ausländische Studenten zu finanzieren – und verlangt von ihnen hohe Studiengebühren. Nun soll auch die Bundesregierung noch etwas überweisen. von 

Die Schweiz möchte die Bundesrepublik für deutsche Studierende an Schweizer Universitäten zahlen lassen. Schon seit langem versuchen die Schweizer Unis, NC-Flüchtlinge abzuschrecken: mit höheren Studiengebühren etwa.

Ein entsprechendes Abkommen strebt die Schweizer Bundesregierung an. "Exploratorische Gespräche" habe Bern zu dem Thema bereits mit Berlin geführt, sagte jetzt der Schweizer Bildungsstaatsekretär Mauro Dell’Ambrogio der Neuen Zürcher Zeitung . Die Schweiz wäre auch bereit, im Gegenzug für Schweizer an deutschen Unis zu zahlen. Allerdings kommen sehr viel mehr Deutsche in die Schweiz zum Studieren als um gekehrt. Deutschland wäre also Nettozahler.

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Hintergrund sind die in den vergangenen Jahren stark gestiegenen Zahlen ausländischer Studierender in der Schweiz. Von den gut 130.000 Studierenden in der Schweiz kommen inzwischen rund ein Viertel aus dem Ausland. Die mehr als 10.000 Deutschen sind dabei mit Abstand die größte Gruppe, gefolgt von Franzosen, Italienern und Österreichern.

Ausländerquote für Mediziner

Die Schweizer Unis bekommen für diese Studierenden keine Staatsmittel. Sie versuchen daher seit langem, ausländische Studierende abzuschrecken. An der Uni Zürich müssen diese inzwischen 1220 Franken (1.000 Euro) pro Semester zahlen, 500 Franken mehr als Schweizer. Viele Universitäten lassen auch nur nur Deutsche mit guten Noten zu, um sich vor NC-Flüchtlingen aus dem Nachbarland zu schützen. In der Schweiz gibt es in der Regel keinen Numerus clausus – was die Unis für Deutsche ursprünglich so beliebt machte.

Innerhalb der Schweiz gilt ein Finanzierungsprinzip, das auch der ehemalige Berliner Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner immer wieder für Deutschland vorgeschlagen hat: Wenn Studierende an eine Uni in einem anderen Kanton gehen, kommen die Heimatkantone für die Ausbildung auf. Je nach Studienfach überweisen sich die Kantone umgerechnet 8.000 bis 40.000 Euro pro Student. Das Prinzip solle auch auf die Heimatstaaten der ausländischen Studierenden übertragen werden, fordert die Schweizer Rektorenkonferenz seit langem. Die Schweizer Regierung will dafür jetzt bilaterale Verträge mit den jeweiligen Staaten abschließen. Eine europaweite Lösung sei wohl kaum realistisch, sagte Dell’Ambrogio.

Dass Deutschland allerdings an einem bilateralen Vertrag wenig Interesse haben wird, gab auch der Staatssekretär zu. Das würde schließlich Begehrlichkeiten bei anderen Nachbarn wecken. So diskutieren die Österreicher seit langem über die vielen Deutschen an ihren Unis. Für das begehrte Fach Medizin führte Österreich 2007 sogar eine Ausländerquote ein. Belgien verfuhr für das Fach ähnlich, nachdem immer mehr Studienanfänger aus Frankreich an die Unis drängten. 

Erschienen im Tagesspiegel

In einer früheren Version des Artikels gab es einen Umrechnungsfehler. Dieser wurde korrigiert. Die Redaktion.

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Leserkommentare
  1. .. denn die Schweiz braucht dringend (immer w/m) Ärzte, Ingenieure, Pfleger und viele Lehrer. Dann kämen die Deutschen und andere vielleicht auf die Idee, sich die Ausbildung der ausgewanderten Fachkräfte in die Schweiz bezahlen zu lassen.

    • p.p.s.
    • 23. Oktober 2012 17:39 Uhr

    Aber die bösen Ausländer nehmen den Schweizern ja die Arbeitsplätze weg!

    Übrigens sind 1300 Euro nicht 1220 Franken, eher etwa 1500.

    Ich als in Deutschland studierende Schweizerin kann mir nicht vorstellen, dass irgendwer in der Schweiz auch nur einen Rappen für mein Studium im Ausland locker machen würde. Der Kanton, in dem ich über 20 Jahre gelebt habe, fühlt sich nicht zuständig, weil mein Bürgerort in einem anderen Kanton liegt.

    Von daher bin ich froh, dass ich in Deutschland so freundlich aufgenommen werde.

  2. 3. Tja...

    irgendwie muss das im Zuge von Selbstanzeigen verloren gegangene Geld ja wieder reingeholt werden...

  3. wir sollten in Zukunft auch die 100 K Euro von den geldgeilen Medizinern zurückfordern, die hier studieren für umme und dann mit der ,ach so schlechten Bezahlung nicht zurecht kommen.

  4. Bravo Schweiz! Ich schlage vor, daß alle 'Ossiländer' dem Beispiel folgen und für jeden immatrikulierten Studenten aus 'Wessiland' Ausbildungsgebühren von seinem Heimatland verlangen. Im Osten studieren und sich dann nach dem Westen mit besseren Verträgen abwerben lassen, daß ist eine unmögliche Wettbewerbsverzerrung, die langfristig dem Gesamtsystem schadet. Wenn in Sachsen die Lehrer und Ärzte fehlen, weil sie mit besseren Verträgen nach Baden-Württemberg abgeworben wurden, so hat das schlimme Folgen, denen mit viel Geld gegengesteuert werden muß.

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    das Lehrer dann das Bundesland wechseln dürfte wohl nicht nur ein finanzieller sein, wir kennen welche die aus ideologischen Gründen die Flucht ergriffen haben.

    • Mike M.
    • 23. Oktober 2012 18:25 Uhr

    .... brauchen sie sich nicht zu beschweren.

  5. 7. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Äußerungen, die als fremdenfeindlich wahrgenommen werden können. Danke, die Redaktion/jp

  6. das Lehrer dann das Bundesland wechseln dürfte wohl nicht nur ein finanzieller sein, wir kennen welche die aus ideologischen Gründen die Flucht ergriffen haben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sowohl Sachsen, als auch z.B. Hessen und lange Zeit auch Baden- Würtemberg werden bzw. wurden von der gleichen Partei, der CDU, regiert. Ich kann mir nicht vorstellen, daß junge Lehramtsabsolventen wegen 'ideologischer Indoktrination' o.ä. von Sachsen nach Hessen auswandern, wohl aber, weil sie dort sofort verbeamtet werden.

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  • Schlagworte Bundesregierung | Schweiz | Ausbildung | Euro | Franken | Mediziner
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