FU Berlin : Uni-Dekan verweist Burschenkritiker des Saales

Eine rauschende Absolventenfeier an der FU Berlin, Burschenschafter in Uniform treten auf. Einem Studenten reicht's. Er ergreift das Wort – und wird rausgeschmissen.

Das Bild auf Youtube ist verschwommen, doch die vier farbigen Mützen sind deutlich zu erkennen. Zur Sicherheit hat Jan Meyer-Dulheuer, der das Video ins Internet gestellt hat, vier Pfeile ins Bild gezeichnet, die auf die Mützen zeigen. Darüber prangt das Wort "rechtsaußen". Gemeint sind die Studenten, die am 26. Oktober in den Farben ihrer Verbindungen zu einer Abschlussfeier an die Freie Universität Berlin (FU) gekommen sind.

Dann beginnt das Video. Ein Hörsaal des Fachbereichs Jura ist zu sehen, dazu jede Menge Hinterköpfe – die Absolventenfeier aus der Sicht der Zuschauer. Ein paar Leute trotten nach vorne, um ihre Urkunde abzuholen. Beinahe unmerklich tritt einer von ihnen ans Mikrofon und sagt zwei Sätze: " Berlin ist eine tolerante und weltoffene Stadt. Ich finde es skandalös, dass hier Leute sitzen, die halbuniformiert sind, deren Uniformen für einen Verband stehen, der immer noch einen Ariernachweis verlangt..." Weiter kommt er nicht. Ein anderer Mann, der Dekan Martin Schwab, drängt ihn vom Mikrofon. "Schluss, Schluss!", ruft er. Dann verlässt der Student den Saal.

"Es geht mir nicht darum, dass er mich rausgeschmissen hat," sagt Jan Meyer-Dulheuer später. "Aber ich hätte von unserem Dekan mehr Aktivität und Kritik gegenüber den Uniformierten erwartet." Tatsächlich sollen sich die Mitglieder der 45 Berliner Studentenverbindungen nicht in ihren Uniformen auf dem FU-Campus zeigen, nicht zuletzt weil Burschenschaften im Nationalsozialismus eine aktive Rolle gespielt haben und sie häufig Frauen als Mitglieder ausschließen – Prinzipien, die sich mit den Werten der FU nicht vereinbaren lassen.

Als Meyer-Dulheuer draußen ist, wendet sich Schwab an das Publikum und erklärt, "dass die Freie Universität Berlin eine tolerante Universität ist und auch Andersdenkende und auch studentische Verbindungen am Fachbereich Jura willkommen sind". So steht es auf der Internetseite des Studierendenverbands Asta, auf der Schwab sich Anfang dieser Woche zum Vorfall äußert.

Meyer-Dulheuer kann sich ein "Nazis raus" nicht verkneifen

Jan Meyer-Dulheuer war mit seiner Freundin und den Eltern zur Absolventenfeier gekommen, danach sollte es Sekt geben und ein schönes Essen. Doch daraus wurde nichts.

Denn auf der Feier befinden sich auch einige Studenten, die in den Farben ihrer Studentenverbindung gekommen sind. Sie tragen schwarze Jacken und eben jene orangenen Hüte, die auf dem Video zu sehen sind. Einer von ihnen hat wie Meyer-Dulheuer das Examen bestanden und wird auf der Bühne dafür geehrt. Schon vor der Veranstaltung wundert sich Meyer-Dulheuer über die Anwesenheit der Uniformierten, es sei das erste Mal gewesen, dass er Verbindungsstudenten in ihren Farben auf dem Campus gesehen habe. Gemeinsam mit seinem Vater überlegt er, ob er darauf reagieren soll, er macht sich Notizen. Lange ist er unsicher, ob er überhaupt etwas sagen soll.

Dann wird der Uniformierte aufgerufen. Meyer-Dulheuer kann sich ein "Nazis raus" nicht verkneifen, hinterher sagt er, dass er sich das hätte sparen können. "Das waren ja keine Schlägernazis, sondern Anzugträger." Der Dekan blickt verärgert in seine Richtung. Auf dem Rückweg kommt der Student mit der orangenen Kappe an Meyer-Dulheuers Platz vorbei und salutiert vor ihm. "In dem Moment habe ich mich entschlossen, dass ich etwas sage." Als er selbst aufgerufen wird, macht Meyer-Dulheuer daher jenen kleinen Umweg zum Mikrofon, bevor ihm der Dekan wegen Störung der Veranstaltung Hausverbot erteilt.

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Kommentare

345 Kommentare Seite 1 von 28 Kommentieren

Die Salon-Nazis trauen sich wieder.

.
Und der Dekan verglimpft den Einen mit Zivilcourage.

Passt zu Deutschland 2012:

Der NSU fliegt eher zufällig auf, wodurch die strukturellen Verstrickungen deutscher Schlapphutbehörden in strammrechte Sümpfe sichtbar werden, während der Innenminister vor linksextremen Strömungen warnt, die ausser ihm und seinem geheimnissenden Zuträgervolk niemand wirklich erkennen kann ...

Bitte keine Verunglimpfungen

"Furchtbare Juristen gibt es offensichtlich in jeder Generation"

Ging das gegen die Herren mit Mütze, kann ich das zu wenig sagen, außer: Man soll ein Buch nicht nach dem Umschlag beurteilen. Auch Rechte können mal was Gutes zustande bringen - kann ich als Mitte-Linker nicht beurteilen, will es nicht gänzlich ausschließen.

Ging das gegen Herrn Schwab, kann und muss ich entschieden erwidern: Wenn er etwas ist, dann ein furchtbar guter Jurist (wenn auch kein souveräner Politiker, was man von ihm als Dekan - einer reinen Verwaltungsposition mit eigentlich nur einem Haufen undankbarer Arbeit, die kein anderer machen will - offenbar erwartet).

Herr Schwab hat, seitdem er 2003 aus Heidelberg hierher kam, mehr studentische Lehrpreise bekommen als alle anderen Professoren zusammen! Weil er einer der ganz wenigen ist, der sich wirklich für die studentischen Belange kontinuierlich und engagiert einsetzt. Ihn findet man auch noch abends um 22:00 oder am Wochenende über Seminararbeiten, Klausuren, Unterrichtsvorbereitungen oder Empfehlungen für Studenten in seinem Büro sitzen. Er kümmert sich nicht um sein eigenes Fortkommen oder Elitenförderung, ihm liegen auch erfolglose Studenten sehr am Herzen, siehe 1. Treffer von http://www.google.de/sear..."im+Examen+durchgefallen"
Es dürfte wenigen Profs geben, dem aktive Studenten eine Festschrift widmeten.

Wenn er mit seiner verunglückten Reaktion etwas wollte, dann die Veranstaltung seiner Studenten schützen, nicht die Herren mit Mütze.

Wie mangelnde Bildung zu Wahrheitsverzerrungen führen kann!

Schon der Artikel und die darin beschriebene Reaktion des Herrn Meyer Dulheuer hat mich erschrocken.

Als ich dann aber die Kommentare las, fehlten mir erstmal die Worte!

Um nochmal klarzustellen:
Burschenschaften sind keineswegs rechts!Konservativ? Ja, sicherlich. Aber nicht rechts!

Diese absolut blinde und stupide Verallgemeinerung der Leser bürgt auch eine Gefahr! Wie können Sie gegen Mitglieder dieser Gemeinschaft so hetzen ohne jeglicher Kenntnisse?
Beim nächsten Artikel fangen Sie doch auch nicht einfach an über Ausländer zu hetzen nur weil diese bestimmte Gruppe von Einwanderern Ihnen unbekannt ist?!

Also der Aufruf: Informieren Sie sich vorher und verzerren Sie nicht die Wahrheit nur wegen ihrer mangelnden Kenntnis der Lage!

Begrifflichkeiten

Die Verleihung der Abschlussurkunden ist ein großer Tag im Leben eines jeden Akademikers. Es ist eine schöne Geste, dass die Freie Universität hierfür sogar eine offizielle Feierstunde anberaumt, statt die Urkunden - wie etwa die Universität Regensburg - einfach mit der Post zu schicken.

Wenn jemand eine Examensfeier stört, nur weil ihm die Tracht anderer Absolventen nicht passt, wenn jemand glaubt, eine solche Veranstaltung als weitere Plattform für die Verbreitung seiner politisch-korrekten Gutmenschenweisheiten missbrauchen zu müssen, dann hat das nichts mit "Zivilcourage" zu tun, sondern mit flegelhaftem Benehmen. Die Zivilcourage ist eher auf Seiten von Herrn Dekan Schwab festzustellen, der sich derlei Rumgepöbel nicht bieten lässt und konsequent einschreitet.

Studentenverbindungen gibt es seit mehr als 150 Jahren...

... während dem "Dritten Reich" waren sie verboten. Sicherlich wurden sie in den letzten 50 Jahren immer mehr von politisch Rechtstehenden vereinnahmt, weil ansonsten einfach der Nachwuchs fehlt. Es gibt aber auch heute noch christliche Verbindungen etc. Auch Dietrich Bonhoeffer war mitglied einer Verbindung.

Alle Verbindungsstudenten als Nazis zu bezeichnen ist deshalb höchst beleidigend. Eine tolerante Universität "erträgt" auch ein paar Burschenschaftler in ihrer traditionellen Bekleidung genauso wie denjenigen mit Antifa-Kutte. Couragiert war hier m.E. allein der Dekan.

An Ihrer Stelle würde ich so ein Urteil über eine Person,

die Sie wahrscheinlich nicht kennen, nicht fällen.
Ich kenne Herr Schwab persönlich und habe viele Vorlesungen von ihm besucht.

Man kann in diesem konkreten Fall Herrn Schwab eventuell eine unverhältnismäßige Reaktion vorwerfen. Jedoch kann man ihn niemals als jemand hinstellen, der Burschenschaften irgendwie gut heißt.

Er ist der einzige Professor am Fachbereich, der sich um die Studenten wirklich kümmert. Freiwillig organisiert er Veranstaltungen für Studenten, die im Examen durchgefallen sind.

Ich selbst bin ein Ausländer (mit Migrationshintergrund) und habe mit Herrn Schwab viele Gespräche geführt. Daher kann ich nur aus eigener Erfahrung sprechen.

Wäre unsere Held wirklich daran interessiert, gegen diese Personen vorzugehen, könnte er doch Herr Schwab darauf ansprechen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Herr Schwab nicht wusste, dass die "Uniformträger" zu einer rechtsradikalen Burschenschaft gehören.

Hätte unsere Held Herrn Schwab darauf angesprochen, würde Herr Schwab wirklich etwas unternehmen. Da bin ich mir aber sicher.

Ich verstehe nicht, warum Zeit Online den Artikel vom Tagesspiegel einfach übernimmt, ohne deren Inhalt irgendwie zu überprüfen.

Wenn man einen solchen Artikel über eine Person schreibt, kann man doch etwas recherchieren oder?

Qualitätsjournalismus sieht wirklich etwas anders aus.

Bedenkliche Entwicklung...

Ich bin froh darüber, dass Herr Meyer-Dulheuer in diesem Moment Courage gezeigt hat und das Problem offen ansprach. Die Reaktion des Herrn Dekan ist mir unverständlich. Ein Dekan sollte die Werte seiner Hochschule verkörpern und sie nicht öffentlich durch solch ein Verhalten in Frage stellen. Oder müssen wir uns inzwischen eingestehen, dass die Duldung (oder gar Verteidigung) rechten Gedankenguts wieder salonfähig geworden ist? Als Student lehne ich das auf das schärfste ab!

......

Ich begrüsse es das Gedankengut das nicht links oder Mitte ist wieder Zugang erhält wie es einer Demokratie auch gut zu Gesichte steht.

Als Student entsetzt es mich zutiefst das man offenbar mittlerweile schon den Kampf gegen "Rechts" ausgerufen hat....

Der Kampf gegen Rechtsextremismus mag legitim sein aber "Rechts" ist alles zwischen Mitte und Wand das ist so als würde man alles von Sozialdemokratie bis Kommunismus in einen Topf werfen und an Universitäten am besten verbieten wollen.
Wo ist da die Toleranz ?
Konservativismus usw. sind in einer Demokratie legitime Meinungen die durch die Meinungsfreiheit geschützt werden.

" Tatsächlich gab es an der FU in den fünfziger Jahren einen Beschluss des Akademischen Senats, der das Tragen von Farben verbot. Obwohl das Bundesverwaltungsgericht den Passus danach für rechtswidrig erklärte, waren sie an der FU immer stolz auf die "antikorporierte" Haltung der Universität."

Sehe ich das richtig ?
Man regt sich darüber auf das eine offensichtlich ILLEGALE Haltung (sonst wäre das Verbot ja nicht rechtswidrig) nicht befolgt wird ?

Ich gebe Ihnen teilweise Recht...

... aber in der Hinsicht, dass Konservativmus die Demokratie bereichert. Mit rechts meinte ich auch eher die demokratiefeindliche Ecke. Es tut mir leid, wenn mich missverständlich ausgedrückt habe. Tatsache ist jedoch, dass wir hierzulade auf einem schmalen Grat wandern, was extremistische Strömungen angeht. Sie mögen (zu Recht?) empört sein über das In-einen-Topf-werfen des rechten Spektrums. Ich meine aber zu erkennen, dass die Ereignisse der letzten 12 Monate zu einer erhöhren Sensibilisierung in Bezug auf Rechtsextremismus geführt haben - und diejenigen, die sich tatsächlich als Konservativ bezeichnen haben bisher nicht allzu viel getan, um sich von eben diesen extremistischen Strömungen abzugrenzen. So lange das der Fall ist, müssen die Konservativen damit leben, dass die "Markenbezeichnung rechts" von jenen rechtsaußen in Anspruch genommen wird.

.....

"Mit rechts meinte ich auch eher die demokratiefeindliche Ecke."

Dann verwenden sie bitte die Termini "Rechtsextrem" oder "Rechtsradikal" denn "rechts" ist alles rechts der SPD und da ist viel Platz bis man bei demokratiefeindlich und Neonazi ist.

"die sich tatsächlich als Konservativ bezeichnen haben bisher nicht allzu viel getan, um sich von eben diesen extremistischen Strömungen abzugrenzen."

Die SPD muss sich auch nicht von der RAF abgrenzen oder der Randale am 1. Mai....
Konservativismus aber auch andere rechte Strömungen müssen sich nicht immerzu von allem und jedem abgrenzen tun die anderen ja auch nicht, manchmal kann man auch einfach verlangen das diejenigen die schimpfen zumindest etwas genauer zeigen können auf was sie eigentlich schimpfen und nicht einfach nur pauschal alles einschließen.

"So lange das der Fall ist, müssen die Konservativen damit leben, dass die "Markenbezeichnung rechts" von jenen rechtsaußen in Anspruch genommen wird."

Und weil sie sie beanspruchen muss man ihrem willen folgen ?

Die SPD und der Linksextremismus

Beide haben in ihrer Geschichte eine Beziehung gepflegt, die man durchaus als Hassliebe bezeichnen kann. Der Vergleich hinkt, da der Linksextremismus die Sozialdemokratie als Kuscheln mit den Faschisten sah. Zudem wurde der Bruch zwischen den Linksintellektuellen (den Linksextremen bzw. Kommunisten sowieso) und den gemäßigten Linken zur Zeit der Regierung Schmidt endgültig. Die gegenseitigen Anfeindungen waren aber schon zur Zeit des SDS klar zu erkennen. Insofern hatte die SPD nie eine Abgrenzung nötig. Und selbst wenn es heute einen linken (manch einer spottet auch: sozialistischen) Flügel der Partei gibt, wird Distanz zur Antifa gehalten. Um eines klarzustellen: Ich bin kein Fan der SPD. Aber ihr mangelnde Abgrenzung zum Linksextremismus vorzuwerfen, ist schon abwegig - allein schon, weil Letztere dies immer wieder mit Freuden tun.

Die rechtsextremistische Ecke dagegen drängt immer mehr in Richtung Mitte. Das dürfen wir auf keinen Fall vergessen oder gar ignorieren! Schauen Sie sich doch einmal an, was auf Gemeindeebene in Sachsen geschieht. Allein hier im Archiv finden Sie genügend Berichte dazu. Und genau deswegen muss der Konservatismus sich abgrenzen! Doch stattdessen kommt immer mal wieder heraus, dass so manches Unionsmitglied auf rechtsextremen Veranstaltung zu sehen ist.

Ich werde mich in Zukunft gerne in meiner Wortwahl präziser fassen - aber es ändert nichts daran, dass der Konservatismus langsam seine Deutungshoheit im rechten Spektrum vierliert.

......

Sie vermischen da etwas scheint es.

"Die rechtsextremistische Ecke dagegen drängt immer mehr in Richtung Mitte. "

Und die CDU wird deswegen rechtsextremer ?
Tatsache ist das die Rechtsextremisten sich eher Richtung Mitte positionieren wollen das ändert aber nichts daran das "rechts" weit mehr ist als die Rechtsextremisten.
Es gibt es sicher immer wieder das auch CDU Mitglieder im falschen Festzelt sind aber das geschieht auch bei anderen Parteien (die Linke z.B. mit hin und wieder umstrittenen Aussagen) das ändert aber nichts an der Tatsache das es im vergleich zu "normalen" Rechten nur recht wenige Rechtsextreme gibt.

Der Konservativismus verliert seine Deutungshoheit nicht auch nicht langsam, der Rechtsextremismus versucht sich nur einzuschleichen man sollte es ihm nicht einfach machen indem man anfängt ihm den Sieg zuzusprechen.

Ich spreche ihnen nicht den Sieg zu...

... sondern möchte damit nur auf ein Problem hinweisen. Zudem haben sie meine Aussage fehlgedeutet: Die CDU wird nicht rechtsextremer, weil die Rechtsextremen in Richtung Mitte wandern. Der Rechtsextremismus ist stärker mit dem Konservatismus verbandelt, als das andere Extrem mit seinem Pendant.

Sie sollten zudem nicht immer und immer wieder dasselbe Argument herunterbeten, denn schließlich habe ich ja schon vor etlichen Kommentaren zugegeben, dass ich mich da unklar ausgedrückt habe und dies in Zukunft präziser tun werde. Vor allem aber weichen wir vom eigentlichen Thema ab. Andererseits muss ich sagen, dass eigentlich schon alles zu dem Thema gesagt wurde. Man merkt ja anhand der Kommentare, dass die Reaktionen bissiger werden und langsam persönlich werden.

Wenn Toleranz, dann bitte auch für den Protest!

Ich finde es sehr provokativ und betrachte es auch als deutliche und unpassende Meinungsäußerung, uniformiert auf einer Absolventenfeier aufzutreten.
Wenn Herr Schwab dies tolerieren wollte, dann hätte er in meinen Augen Jan Meyer-Dulheuers Protest genauso tolerieren müssen. Er hat ja noch nicht einmal lange geredet!
Besser wäre es, Provokationen von vornherein nicht zuzulassen, dann gibt es auch keinen Streit.
-Die Skepsis gegenüber Burschenschften hat im übrigen nichts mit "linkem Mainstream" zu tun, sondern mit Zweifeln an deren Verfassungstreue. Die Gründe dafür sind im Artikel ja auch deutlich dargelegt.
Und ich denke, Demokraten aller Richtungen müssten eigentlich bemüht sein, jegliche Extremisten in die Schranken zu weisen - Linke sollten genauso wenig auf dem linken Auge blind sein wie rechte auf dem rechten!

Ein immer weiter verbreitetes Gefühl

Konservativ ist eine Sache, wenn man einmal davon absieht, was unter konservativ überhaupt verstanden wird. Die Frage ist doch eigentlich: Wo zieht man die Grenze? Worte und Gesten sagen viel über die Überzeugung einer Person aus.

Uniformen sind in erster Linie eine Abgrenzung. Sie symbolisieren die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe. Das Salutieren wiederum ist eine Geste der Disziplin und des Gehorsams. All dies ist per se nicht schlecht. Doch Gruppierungen sind immer ein Zusammenschluss von Interessen - und genau da wird es kritisch.

Eine Gesellschaft lebt von gemeinsamen Regeln und Werten und seit der Zeit des Nationalsozialismus gehört dazu die Akzeptanz von Personen anderer Kulturen. Das Verlangen eines Nachweises der deutschen Staatsbürgerschaft kann man als nationalistisch bezeichnen und so lange dies nicht in Gewalt oder sonstige Herablassung einer Person oder Personengruppe führt ist das ja auch in Ordnung, sprich: meiner Meinung nach konservativ. Aber was sagt uns das über die Toleranz dieser Gruppierung wenn sie (laut Artikel) einen Ariernachweis verlangt? Die Nähe zu rassistischem Denken darf hier angenommen werden. Das hat nichts mehr mit einer konservativen Haltung zu tun sondern ist vor allem eines: Ein Zeichen für die latente Entmenschlichung. Dies gilt es unter allen Umständen zu bekämpfen, egal ob dies nun von links oder rechts kommt.

Ein immer weiter verbreitetes Gefühl (Fortsetzung)

Und hier komme ich zu dem Punkt, um den es mir geht: Die Uniformen und das Auftreten zeigen, dass diese Personen der genannten Gruppierung (sprich: der Burschenschaft) angehören. Wer sich so zeigt, obwohl er weiß womit dieses Auftreten verbunden wird (und davon darf ausgegangen werden), der zeigt offen seine Überzeugung. Und genau diese Überzeugung ist es, gegen die Herr Meyer-Dulheuer vorgegangen ist. Zugegebenermaßen sind sonderlich geschickt, aber dafür mit ehrenwerten Vorsätzen.

Das stimmt

Das meinte ich unter anderem mit ungeschickt. Aber es müsste sich herausfinden lassen, welcher Verbindung sie angehören, schließlich trugen sie ja auch ihre Farben. Doch sollten wir uns nach den Vorkommnissen in Bezug auf den Dachverband Deutsche Burschenschaft nicht grundsätzlich Fragen welch Geistes Kind solche Personen sind? Ohne die (zugegebenermaßen immer mehr nervende) Frage nach der deutschen Verantwortung herunterzubeten, sollten wir stets auch Abstand halten zu solch einem Auftreten. Wie ich schon sagte: Diese Studenten hätten wissen müssen, welche Wirkung ihr Auftreten entfalten würde und wir dürfen auch annehmen, dass sie es wussten! Die Botschaft, welche dieses Auftreten sendet, ist jedenfalls bedenkenswert.

Also wirklich

Ich bin kein Freund von Burschenschaften. Aber seit wann ist das Tragen einer Burschenschaftsuniform ein „unpassende Meinungsäußerung“ und „provokativ“? Welche Meinung wird denn bitteschoen damit geaeussert? Fuer mich ist das hier vorauseilender Gesinnungsterrorismus.
Zweifel an der Verfassungstreue kann man nicht nur bei Burschenschaften begruenden, sondern genauso bei vielen ASten. Deren Umtriebe interessieren aber niemanden, obwohl sie offiziell die Studierendenschaft vertreten und nicht nur Privatvereinigungen alkoholabhaengiger, braesiger Jura- und BWL-Studenten sind.

Sind Frauenfitnis-Clubs sexistisch?

Wenn man sich zusammen findet, um unter Gleichen zu sein, zum Beispiel um gleiche Interessen zu vertreten, die französische Sprache zu pflegen, gemeinsam Fußball zu spielen, oder gemeinsam ausschließlich mit Geschlechtsgenossinnen Sport zu treiben, dann passt es in den jeweiligen Gemeinschaften schlecht, wenn jemand lieber Englisch sprechen will, Tischtennis spielen oder als Mann in den Frauenfitnis-Club eintreten will.

Es gibt viele Vereine, Parteien und andere Interessengemeinschaften, die sich auch durch äußere Zeichen gegen andere abgrenzen - Kreuze, Schleier, Bärte, Antifa-Aufnäher ....

Man will halt unter sich sein. Legitim, natürlich, nicht zu beanstanden.
Bei der kommunistischen Plattform in der LINKEN wird keiner Hurra schreien, wenn ein Wirtschaftsliberaler auftaucht.
Bei den Grünen sind sicher Atomkraftgegner unwillkommen.
Und Katholiken sind von Atheisten wenig begeistert.
Aber alle dürfen an deutschen Universitäten studieren. Dort können sie ihre konträren Meinungen austauschen - auch die nach außen exotisch auftretenden Burschenschafter.

Übrigens:
Ist es nationalistisch, wenn sich nur gebürtige US-Amerikaner zur Präsidentenwahl in den USA stellen dürfen?
Nein - ist es nicht!
Genauso wenig wie es nationalistisch ist, gemeinsam mit anderen Deutschen demonstrativ seine Heimat, seine Sprache und seine Nation zu lieben.

Ohoaha

" Alle anderen (Meinungen) werden nicht mehr geduldet, so bald sie nur irgend wie konservativ erscheint. Das ist weder tolerant noch respektvoll! "

Burschenschaften vertreten Meinungen die weit weg von konservativ angesiedelt sind. Es sind rückwärts gewandte Weltansichten. Diese betreffen beispielsweise die Stellung der Frau in der Gesellschaft oder Homosexualität und widersprechen gesellschaftlichen Grundwerten und der Wissenschaft.

Es wäre also sehr nett, wenn sie in Zukunft auf Äußerungen verzichten, die weltfremdes Gedankengut mit konservativen Meinungen gleichsetzen. Das könnte Menschen beleidigen, die eine berechtigte konservative Meinung haben, aber nicht auf eine Stufe mit verblendeten Ignoranten gestellt werden wollen.
Danke.

Ansonsten bedanke ich mich für die Zivil Courage.

Natürlich ist es nationalistisch

Aber was soll daran schlimm sein? Ich finde, man darf Nationalismus auch ruhig etwas entspannter sehen, denn er muss nicht zwingend in extremistische Bahnen münden. Doch in ihrer Argumentation gehen Sie nicht auf meinen eigentlichen Kritikpunkt ein: Es geht um das zur Schau stellen einer gewissen Weltanschauung oder, wenn Sie so wollen, Überzeugung. Wer Sympathien mit einer Verbindung demonstriert, die sich nicht nur durch Abgrenzung sondern offen durch Herabsetzung von Personen oder Personengruppen definiert, dem sollten Grenzen aufgezeigt werden. Und wer Farben an einem Ort trägt, der sich bisher durch deren Abwesenheit ausgezeichnet hat, begeht eine Provokation, indem er bewusst impliziert, dass die oben genannte Sympathie vorhanden ist. Übrigens betonte ich auch bereits: das gilt für jedwede politische Coleur.

Der Maßstab ist die gegenseitige Akzeptanz. Wer durch eine Uniform zeigt, dass er diese vermissen lässt, der hat sein Recht auf Akzeptanz verspielt. Diese Einschränkung ist der Kern aller westlichen Gesellschaften.

Verstehe ich nicht...

In welcher Hinsicht laeuft das Tragen von Burschenschaftsuniformen dem freien Denken zuwider? Wenn Sie ihren Anspruch Ernst naehmen, muessten doch freies Denken und Toleranz solche Dinge ein- und nicht auschliessen!? Ansonsten muesste man naemlich auch das Tragen von Kopftuechern bei solchen Anlaessen verbieten.

Oder ist etwa "freies" Denken nur im Rahmen Ihrer eigenen Ideologie erlaubt?

Keine Neutralität mit Uniformen

> siehe Kommentar 73
Kopftücher sehe ich nicht als Uniform. Nicht nur Muslima tragen sie, und innerhalb der Muslime gibt es beliebig viele Strömungen, die auch öffentlich unterschiedliche Positionen vertreten. Man kann das Tragen eines Kopftuchs also nicht als eindeutige politische Meinungsäußerung ansehen - das Tragen einer bestimmten Uniform allerdings schon, denn die steht für eine klar definierte Gruppe.

Das mögen Sie vielleicht so sehen..

.. ist aber nicht der Fall.

Tatsache ist - und das möchten weder der Artikel, noch die meisten Kommentare hier anerkennen - dass es ganz und gar unterschiedliche Ausprägungen von Studentenverbindungen gibt.

Frei von jeder Wertung ist zumindest einmal als Minimaltatsache festzustellen:

Auch diese Verbindungen, die mit Hut und Schärpe in der Öffentlichkeit auftreten sind nicht zwangsläufig Burschenschaften, noch gehört jede Burschenschaft der DB an. Der Artikel ignoriert diese Fakten. Eine derart einseitige und schlecht recherchierte Berichterstattung habe ich bei der Zeit selten gelesen.

Gilt übrigens auch für die ostentativen Redaktionsempfehlungen gegenüber beipflichtenden Kommentatoren, die diese Tatsachen auch gerne ignorieren.

Insgesamt eine ziemlich schwache Vorstellung.

Nun, sie konnten sich zumindest

denken, welche Wirkung ihr Auftreten haben würde. Ich persönlich frage mich ja, warum Burschenschafter überhaupt meinen, in Uniform auftreten zu müssen - evtl. steckt dahinter, das so langsam als normales Auftreten einzuführen. Wenn sich dann keiner aufregt, ist das Auftreten in Uniform irgendwann völlig normal - natürlich nur für Burschenschafter. Ich möchte doch mal sehen, wie diese Herrschaften reagieren, wenn z.B. Attac-Anhänger in Palästinenseruniform auftreten (wollen) und ich frage mich auch, wie wohl in diesem Fall der Dekan reagieren würde.

......

1. Ich will in den Frauenfussballklub.....darf ich nicht?!

wie sexistisch....

es ist keine Pflicht beide Geschlechter aufzunehmen und es gibt auch Damenverbindungen die nur Frauen aufnehmen und keine Männer zulassen.

2. Diese Aufregung um den Arierparagraf ist etwas lächerlich der aller grösste Teil der DB unterstützte diesen Beitrag nicht im Gegenteil es gab Ansagen das wenn er durchgeht tausende Leute und zig Verbindungen aus dem Verband aussteigen.

Die entsprechende Burschenschaft erntete scharfe Kritik von anderen Burschenschaften ihres Verbandes.

Kleinlich

Was ist das denn fuer ein Einwand? Und dieses Duckmaeusertum des Dekan der Uni, dem es nur darum ging seine Veranstaltung durchzuziehen und deshalb eine Meinungsauesserung zu unterbinden, erinnert mich auch eher an Repressionsstaaten als an eine Demokratie, oder ist jetzt schon eine Stoerung, wenn dem Faschismus Nahestehende kritisiert werden? Es ist zum schaemen. Und ginge es nach mir, duerfte der Dekan demnaechst bei der ARGE ueber seine eigene Gesinnung nachdenken. Es ist so wunderbar, wie Politiker Buerger zu Selbstcourage aufrufen, aber wehe das nimmt jemand woertlich, dann stoesst er bei diesem Staat, hier in Form des Dekans, auf staerksten Widerstand. Ja Courage zeigen, aber offensichtlich erst, wenn es Tote gegeben hat und nur im Rahmen von Trauerfeiern. Dann gibt es wieder schoene Worte. Es ist jaemmerlich in DE.

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Verallgemeinerungen und bitte achten Sie auf Ihre Wortwahl. Danke, die Redaktion/jz

Ich nehme Ihnen ...

... Ihre Unwissenheit nicht ab. Ich gehe davon aus, dass Sie ganz genau wissen, dass die Gothia die einzige Berliner Burschenschaft ist, die der 'Burschenschaftlichen Gemeinschaft' angehört - und auch, dass Sie das wissen:

"Die Burschenschaftliche Gemeinschaft (BG) ist ein Zusammenschluss von 45, teils als rechtsextrem eingestuften Burschenschaften aus Deutschland und Österreich, die jeweils einem der Verbände Deutsche Burschenschaft (DB), Deutsche Burschenschaft in Österreich (DBÖ) und Conservativer Delegierten Convent (CDC) angehören."

http://de.wikipedia.org/w...