Der Wissenschaftsrat berichtete im November, dass im Prüfungsjahr 2010 fast 80 Prozent der Studierenden ihren Abschluss mit "gut" oder "sehr gut" bestanden haben. Deren Anteil sei im Vergleich zum Jahr 2001 um zehn Prozent gestiegen.

Eine erfreuliche Nachricht? Scheinbar nicht: Eine "Aufweichung der Bewertungsstandards" und "schleichende Noteninflation", diagnostiziert der Bericht des Wissenschaftsrats. Dieser Trend dürfe so nicht weiter gehen, wird Wolfgang Marquardt, der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, in verschiedenen Medien zitiert.

Ich sehe ganz andere Gründe für diese Entwicklung: Der Umstieg zum Bachelor/Master-System hat zu diesem überdurchschnittlichen Notenspiegel beigetragen. Aufgrund erhöhter Anforderungen und einer verkürzten Studienzeit ist die Abbrecherquote gestiegen. Den Abschluss erhalten nur noch die Besten. Dass diese auch einen guten bis sehr guten Abschluss erzielen, liegt auf der Hand.

Hinzu kommt die Wirtschaftskrise: Die Angst, trotz guter Ausbildung keinen Arbeitsplatz zu bekommen, ist hoch. Sie spornt Studierende zu Höchstleistungen an. Dieser erhöhte Arbeitsaufwand spiegelt sich in unseren Noten wider.

Statt Bequemlichkeit dank "Noteninflation" hat sich Leistungsdruck in den Köpfen der Studierenden manifestiert. Quantifizierbare, hart erarbeitete Ergebnisse sind die Maximen unserer Studien. Dass wir uns diesen Zwängen beugen, scheint aber auch nichts zu bringen: Unsere gute Leistung wird uns pauschal abgesprochen.