Duale SportlerkarriereIm 19. Semester, aber kein Spiel verpasst

Eben noch im Stadion, dann schnell in die Uni: Wer im Handball nicht zu den Topstars gehört, muss für später vorsorgen. An den Universitäten wächst das Verständnis. von 

Die Handballerin Lone Fischer in Aktion

Die Handballerin Lone Fischer in Aktion  |  © Buxtehuder SV

Lone Fischer studiert, aber maximal bis 16.30 Uhr. Das Abendtraining geht vor. Ihr Handballteam, der Buxtehuder SV, hat in dieser Saison große Ambitionen und ist Tabellenführer der Bundesliga. Für die Spielerinnen bedeutet das 16 Stunden Training pro Woche; fünfmal abends und dreimal vormittags. Dazu kommen noch ein bis zwei Spiele, entweder am Wochenende oder sogar in der Woche. Bei Auswärtsfahrten quer durch die Republik sitzt das Team schon mal einen halben Tag im Bus, das heißt morgens um 6 Uhr aufstehen und mitten in der Nacht nach Hause kommen.

Langes Ausschlafen oder eine Partytour auf dem Hamburger Kiez: Ein normales Studentenleben ist für Lone Fischer mit dem Sport nicht zu vereinbaren – sowohl vertraglich, als auch durch ihren Anspruch als Leistungsträgerin. Grund zu hadern, gibt es für sie trotzdem nicht. "Der Handball ermöglicht mir besondere Momente und Erlebnisse, die andere Studenten nicht haben können."

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Die 24-jährige Sportstudentin macht ein duales Studium der etwas anderen Art. Nicht, weil sie nebenbei Praxiserfahrungen sammeln will. Sondern weil sie neben dem Handball auf eine Ausbildung angewiesen ist. Im Damenhandball gibt es keine Profis. Und damit kein Gehalt, von dem man Leben könnte. Also muss Lone Fischer dafür sorgen, dass sie ihr Geld später in einem anderen Beruf verdienen kann.

Kein einziges Training versäumt

Zwischen Hörsaal und Sporthalle pendelte jahrelang auch Matthias Flohr, Linksaußen und Kreisläufer beim HSV Hamburg. Nach dem Abitur stieg er in Ahlen zum Zweitliga-Spieler auf und schrieb sich für Mathe und Sport auf Lehramt an der Uni Münster ein. "Am Anfang haben wir nur abends trainiert und dementsprechend passte ein Studium gut", erzählt der 31-Jährige. Mit dem Wechsel zum HSV Hamburg veränderte sich die Situation. In der ersten Liga kam regelmäßiges Vormittagstraining und ein höherer Spielrhythmus dazu. "Unterbrochen habe ich mein Studium nie, nur etwas reduziert", sagt er und fügt lachend hinzu. "Ich habe in achteinhalb Jahren an der Uni kein einziges Training oder ein Spiel verpasst."

Das Verständnis der Dozenten für den studierenden Handballer und seine Fehlzeiten schwankte dabei oft zwischen Flexibilität und Ablehnung. "Für so manchen Schein und die passende Ersatzleistung musste ich hart kämpfen. Oft brauchte man viel Fingerspitzengefühl und Geduld", sagt Flohr. Das Staatsexamen hat er trotzdem bestanden, nach 19 Semestern. Der Neid auf die Profikollegen vom Fußball, die von ihrem Sport nicht nur in ihrer aktiven Zeit, sondern auch lange danach gut leben können, hält sich bei ihm in Grenzen. "Es geht sicherlich vielen Sportlern schlechter als uns Handballern. Außerdem habe ich durch mein Lehramtsstudium eine klare Perspektive für die Zeit nach dem Sport."

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