Numerus ClaususWer kein Einser-Abi hat, muss flexibel sein

Ohne Einser-Abi stehen die Chancen auf begehrte Studienplätze schlecht. Kein Grund, die Hoffnung aufzugeben, schreibt Kristin Schmidt. Wer flexibel ist, findet einen Weg. von Kristin Schmidt

Abitur Numerus Clausus Studium

Wenn der Abiturdurchschnitt nicht für den Wunschstudiengang reicht, sollten Studienbewerber nicht gleich aufgeben. Es gibt durchaus Alternativen.  |  © DPA/ Felix Kästle

Angenommen, Sie wollten Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Universität Frankfurt studieren. Dann musste im vergangenen Wintersemester die Abitur-Note besser als 2,0 sein. Für Kommunikationswissenschaften in Münster brauchten Bewerber 1,9. Biologie in Saarbrücken war mit 1,8 möglich. Psychologie in Dresden konnten nur Abiturienten mit einem Schnitt von 1,3 und besser belegen. Aber das ist noch gar nichts: Wollen Sie direkt nach dem Abitur Medizin studieren, brauchten Sie in den meisten Bundesländern einen Notendurchschnitt von mindestens 1,1. 

Und das wird sich auch in diesem Jahr nicht ändern. "Mit den doppelten Abiturjahrgängen in Nordrhein-Westfalen und Hessen wird sich die Situation weiter verschärfen", sagt Dirk Naumann zu Grünberg, Rechtsanwalt mit dem Spezialgebiet Studienplatzklagen. Bislang gilt das Jahr 2011 als Rekordjahr bei den Studienanfängern. Damals begannen etwa 518.000 Erstsemester ihr Studium. Die Beratungsgesellschaft für Hochschulen CHE Consult rechnet für 2013 mit ähnlich hohen Anfängerzahlen. Doch keine Angst: Auch mit einem Abischnitt von 3,0 ist es möglich, einen Studienplatz zu bekommen.

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Denn ungefähr die Hälfte der Studiengänge ist weiterhin frei zugänglich – egal mit welcher Abiturnote. Und diese simple Tatsache übersehen viele Studienanfänger. Sie legen sich von vorne herein auf einen Studienort fest. Und das sind meist die großen Städte wie Berlin, Köln oder München

Studienbewerber müssen flexibler werden

Das erlebt auch Patrick Ruthven-Murray ständig. Der Gründer der Berliner Studienberatung Plan Z weiß: "Manchen angehenden Studenten muss ich erst mal erklären, dass es noch andere interessante Uni-Städte gibt." Und dort ist es häufig einfacher. "In Wirtschaftswissenschaften und in Jura finden Abiturienten auch mit einem Notendurchschnitt von schlechter als 3,0 einen Studienplatz", sagt Ruthven-Murray. Während an der Ludwig-Maximilians-Universität München im  vergangenen Wintersemester der Grenzwert für Jura 2,1 war, kann man in Trier zulassungsfrei studieren. An der Humboldt-Universität Berlin konnten Studienanfänger mit einem Durchschnitt von 1,8 das BWL-Studium aufnehmen. Im Gegensatz dazu reichte im hessischen Marburg ein Schnitt von 2,8 aus, um angenommen zu werden. "Sie müssen nur richtig suchen und dürfen nicht davon ausgehen, dass sie an einem Nachmittag das richtige Studienangebot finden", sagt der Studienberater. Die örtliche Flexibilität erhöht die Chancen auf den Wunschstudienplatz also enorm. Bei sehr speziellen Studiengängen, die nur an wenigen Hochschulen angeboten werden, reicht dieser einfache Trick allerdings nicht aus.

Eine weitere Möglichkeit an den gewünschten Studienplatz zu kommen, sind Wartesemester. Gerade bei Studiengängen wie Humanmedizin oder Zahnmedizin, die über die zentrale Vergabestelle Hochschulstart besetzt werden, sind sehr gute Abiturnoten Voraussetzung und die  Wartezeit entsprechend hoch. Sie kann bis zu sechs Jahre betragen. Von so langen Überbrückungszeiträumen rät Ruthven-Murray ab. "Zwei Semester auf einen Studienplatz zu warten, ist okay. Aber auf keinen Fall länger", sagt der Studienberater. Der finanzielle Ausfall sei zu hoch. Zwei Semester hingegen kann der Abiturient sinnvoll überbrücken – zum Beispiel mit einem Freiwilligendienst. Das bringt nicht nur die ersehnten Wartesemester ein, sondern Erfahrungen aus dem Leben und dem Berufsalltag. Auch im Lebenslauf macht sich soziales Engagement gut.

Leserkommentare
    • persef
    • 29. April 2013 15:41 Uhr

    ..sind noch Diplom-Erfahrungen (~6 Jahre alt), aber sollten nicht viel anders sein beim Bachelor..

    Wer BWL studieren will aber nicht den NC erfüllt, einfach für VWL einschreiben, da die Prüfungen im Grundstudium die selben sind (eigene Erfahrung). Dann nach ca 1,5 Semestern zum Studienbüro gehen und fragen ob es möglich ist, sich zu BWL umschreiben zu lassen.
    Das hat im Fall eines Kommilitonen ganze 5 Minuten gedauert.

    Wer VWL^deluxe studieren will, aber nicht in Mannheim genommen wird (oder einer anderen Elite-Klitsche), der beginnt sein Grundstudium an einer weniger gefragten Hochschule und wechselt dann im Laufe des Grundstudiums als Hochschulwechler dorthin. Da die Abbruchquoten dort relativ hoch sind stehen die Chancen gut genommen zu werden. Hinweis: Die notorischen Durchfallprüfungen der Zieluni einfach schon an der weniger tollen Uni bestehen, das ist die halbe Miete.

    Da die Prüfungsinhalte (zu meiner Diplom-Zeit) zu sehr differiert wurden bei meinem Wechsel alle Prüfungen pauschal mit "Note 4 bestanden" anerkannt. Vorsicht: Am Ende des Studiums nochmal nachfragen und die Noten nachtragen lassen, sonst stehen da einige unverdiente 4er. Ist aber auch kein Stress, da die Leute auf dem Prüfungsamt auch keinen Stress wollen;p

    Im Fall eines Freundes war der Wechsel von der Nonname (=NoAnforderungs-) Uni mit einem Bachelorabschluss 1,2 nach St. Gallen zur Kaderschmiede auch kein Problem. Seltsamerweise.

    Unterm Strich: Censura non olet.

    Eine Leserempfehlung
  1. Mal davon abgesehen, dass dieses Wort mittlerweile vollkommen pervertiert ist, sollte man einfach zu anständigen Fächern raten, da bekommt man auch mit schlechteren Schnitten einen Platz.

    4 Leserempfehlungen
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    mir aus der Seele.

    Ich darf noch um "mobil" und "geländegängig" ergänzen. ;-)

    ... weil Medizin sowas von unanständig ist ;)

  2. mir aus der Seele.

    Ich darf noch um "mobil" und "geländegängig" ergänzen. ;-)

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Flexibel"
    • anin
    • 29. April 2013 16:51 Uhr

    Früher war das auch nicht anders, da machten 10% eines Jahrgangs "Abitur" und fast alle fanden den gewünschten Studienplatz.

    Heute machen fast 50% "Abi", die begehrten Plätze bleiben aber immer noch bei den 10%.

    3 Leserempfehlungen
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    • anin
    • 29. April 2013 16:54 Uhr

    Übrigens kann ich nur zu einem Physikstudium raten! Meistens gibt es da keinen NC und die Berufsaussichten sind nachhaltig sehr gut!

    wenn ein studienfach überlaufen ist, die plätze an die besten zu geben.
    vergibt amn noch mehr plätze, verlegt man diesen wettbewerb lediglich auf den berufsstart nach dem studium.
    es gibt auch noch andere fächer als bwl, jura und medizin.

    • L0rdi
    • 29. April 2013 16:53 Uhr

    dürfte sich in manchen Fällen trotz offizieller Anerkennung doch als eher schlechte Idee erweisen, wenn für den Master nach Dtl gewechselt werden soll. Zumindest sollte man sich genau erkundigen, was Studieninhalte und vor allem Niveau angeht, sonst langweilt man sich im deutschen Master nur oder - schlimmer - hat absolut keine Chance, ohne großen Mehraufwand mitzukommen (Bsp: mit einem Physikbachelor aus England in Dtl auf Masterniveau anfangen zu wollen, würde zu einem starken Realitätsschock führen ...).

  3. Natürlich kann man tricksen, den Fokus erweitern, ein bisschen warten.

    Aber es gibt nunmal Studiengänge und daran hängende Traumberufe, wo um extrem gute Noten oder endloses Warten kein Weg herum führt.

    Humanmedizin, Tiermedizin, Psychologie. Man wartet endlos, hat sehr gute Noten + sehr gute Ergebnisse in Auswahltests oder geht ins Ausland, anders geht's nicht.

    Und einfach etwas anderes zu studieren hilft auch nicht jedem. Medizin oder Psychologie sind in einem Maße einzigartig, dass sie mit keinem anderen Studiengang vergleichbar sind.

    Ich hatte ein gutes, aber nicht ausreichendes Abitur und studiere Psychologie jetzt in Schottland. Da gibt es auch NCs, aber die sind nicht ganz so krass wie in Dtl. und die Unis legen dafür noch mehr Wert auf Motivationsschreiben, Empfehlungsschreiben, Einzelnoten und nicht-akademisches Engagement.

    2 Leserempfehlungen
    • anin
    • 29. April 2013 16:54 Uhr

    Übrigens kann ich nur zu einem Physikstudium raten! Meistens gibt es da keinen NC und die Berufsaussichten sind nachhaltig sehr gut!

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Mogelpackung Abitur!"
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    Dumm nur, dass es den meisten einfach an den Fähigkeiten fehlt solch ein Studium zu bewältigen.

  4. Der Artikel ist für Studienanfänger nicht hilfreich! Im schlimmsten Fall führt er sogar auf die falsche Spur.
    Es gibt für Medizin keine Wartesemester mehr. Wenn man ein anderes Fach studiert, wird diese Zeit NICHT als Wartesemester angerechnet. Das ging mal vor 15 Jahren, hat sich aber schon lange geändert. Als Wartezeit gelten nur eine Ausbildung, ein praktisches Jahr oder auf dem Sofa rumsitzen.
    Die Unis im Osten erheben alle eine Studiengebühr um die 10.000 Euro. Einige haben mittlerweile auch gediegene Aufnahmeprüfungen, vor alle die in Tschechien.
    Wenn man ein NC-freies Fach in Deutschland studiert, muss man damit rechnen, dass es total überlaufen ist. Deshalb werden in diesen Fächern in den ersten Semestern die Studenten brutal rausgeprüft. "Studium für Alle" führt zu dem absurden Ergebniss, dass ein großer Teil der Anfänger nach eins bis zwei Semestern wieder auf der Straße steht.
    Der Erfolg beim Einklagen ist undurchsichtig, da legt kein Rechtsanwalt die Karten auf den Tisch, um keine zukünftige Kundschaft zu verschrecken. Da zur Zeit sehr viele Klagen auf die Unis zukommen, schrumpft die Erfolgsquote noch mehr.
    Unsere Abiturienten haben es zur Zeit nicht einfach.

    4 Leserempfehlungen
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    ist auch der Rat , erstmal Pharmazie zu studieren um dann nach Medizin zu wechseln. Man braucht sich nur mal die Auswahlgrenzen für Pharmazie angucken.. mit 2,0 ist da auch nichts mehr zu holen..

    ... mit hohem NC später besonders gute Berufsaussichten hat. Vielfach sind die Fächer einfach überlaufen, man konkurriert mit lauter guten Leuten, mit denen man dann später noch um die wenigen Stellen als Medienpsychologe oder im Gender Management konkurriert. Manch einer hätte da lieber ein schlechteres Abitur gemacht und etwas "vernünftiges" studiert.

    Eine Ausnahme ist freilich die Medizin: Hier sind die Studienplätze rar, weil sie einfach teuer sind. Trotzdem haben wir zu wenig Ärzte, die Jobaussichten sind also prima, weniger die Arbeitsbedingungen.

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  • Schlagworte Auslandsstudium | Bachelor | Bewerbungsfrist | Jura | Master | Medizin
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