Studiengänge : 17.000 Wege zum Examen

Seit der Bologna-Reform steigt die Zahl der Studiengänge an deutschen Hochschulen immer weiter. Wie kommt das? Von Ferdinand Knauß

Wie viele Studiengänge es in Deutschland genau gibt, weiß offenbar niemand so genau. 16.286 Studiengänge bieten Hochschulen in Deutschland laut hochschulkompass.de an, schaut man auf die Website www.studieren.de, sieht man die Zahl 17.165. In einer Tabelle desselben Dienstleisters steht 16.563. 

Sicher ist nur: Es werden immer mehr. Noch 2004 gab es laut Hochschulkompass insgesamt nur rund 11.000 Studiengänge. Allein seit Jahresanfang kamen laut studieren.de mehr als 250 Studiengänge hinzu.

Woher kommt diese Inflation der Studiengänge? In erster Linie geht sie mit der Bologna-Reform einher. Vor Bologna sorgte eine "Gemeinsame Kommission für die Koordinierung der Ordnung von Studium und Prüfungen" der Bundesländer und der Hochschulrektorenkonferenz für die Zulassung von Studiengängen und dafür, dass sich diese innerhalb der Fachrichtungen strukturell nicht allzu sehr unterschieden. Im Bologna-Jahr 1999 konstituierte sich dann ein Akkreditierungsrat, der seither Agenturen zulässt, die wiederum neue Master- und Bachelor-Studiengänge akkreditieren. De facto war das das Ende einer zentralen Aufsicht, die Studiengangsflut konnte losbrechen. Die deutschen Bildungspolitiker wollten es so.

Hinter dem Wachstum steht einerseits die wissenschaftsimmanente Tendenz der Spezialisierung, vor allem in den Natur- und Ingenieurwissenschaften. Ein Studiengang wie "Biomedical Computing" an der Technischen Universität München wäre vor dreißig Jahren nicht sinnvoll gewesen, da die Informationstechnologie und bildgebende computergestützte Diagnoseverfahren in der Medizin damals noch keine Rolle spielten. Einen Teil des Anstiegs der Studiengangzahlen kann auch die Aufteilung früherer Magister- und Diplomstudiengänge in zunächst einen Bachelor- und dann einen separat aufgeführten Masterstudiengang erklären.

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Kommentare

21 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Diplom und Master

Die Rede von dem alten MINT-Diplom muss man sich als Bachelorstudent erheblich zu oft anhören und klingt in meinen Ohren vor allem nach festhalten an den "guten, alten Tagen" als die Welt noch einfach war...

Ein Diplom ist übrigens dem Master gleichgesetzt und von daher natürlich mehr "wert" als ein Bachelorabschluss. Vom Aufwand und von der Arbeitsintensität lässt sich mit Sicherheit kein Vergleich zwischen allgemein Diplom und allgemein Master machen... aber vermutlich beruhigt es einen selbst.

Natürlich arbeiten das Gros der

Wirtschaftsingenieure im Vertrieb, dass ist doch das Ziel der Ausbildung. Man hat einen kleinen Plan was Ingenieure eigentlich so machen, kann damit auch auf techn. Fragen eine halbwegs kompetente Anwort geben und der Rest ist Vertrieb, also klassiche BWL Ausbildung.
Die meisten Firmen mussten sich da doch den Zahn ziehen lassen, dass sie vollausgebildete Ingenieure bekommen, die auch noch die kaufmännische Seite und auch noch HR zu 100% abdecken können.

@Thema
Jede Uni/HS muss um Studenten buhlen, da davon besonders bei kleineren Standorten das Überleben und die Finanzierung abhängt. Da werden dann halt regelmäßig neue Studiengänge aus dem Boden gestampft, die Felder abdecken, die gerade en vogue sind. Da der Lehrkörper der gleiche ist, wird da meist nur das Selbe neu verpackt.
Ein weiterer Pkt. ist das im Moment in D gerade Lobbyvereine im Auftrag ihre Lobby (vornehmlich im Ing. Bereich) versuchen Studiengänge zu implementieren, die sie gerade brauchen, das geht bis zur Erstellung des gesamten Curriculums.