Überall hängen Soldaten. Das Treppenhaus ist voll von ihnen. Ihre Gesichter sind dunkelgrün und braun, einige tragen Gewehre, manche winken und lächeln freundlich. Ulrich Karsch will sie bald abhängen.

Die Bilderrahmen gefallen ihm nicht, ebenso wie die grauen Betonwände, die vergilbten Lamellenvorhänge und die grelle Beleuchtung. "Bestandsinfrastruktur", sagt er. Am liebsten würde er sie erneuern. Dafür fehlt Geld. Neu ist bislang nur der Name: "Karrierecenter der Bundeswehr". So heißen die ehemaligen "Kreiswehrersatzämter" und "Zentren für Nachwuchsgewinnung", seit es keine Wehrpflicht mehr gibt.

Seit einigen Monaten leitet Karsch das Karrierecenter in Berlin-Grünau. Er ist fast zwei Meter groß, hat wildes, graues Haar und eine Harry-Potter-Brille. Ein zuvorkommender Typ. Er könnte auch Kundenberater einer Bank sein. Den Werbe-Sprech zumindest beherrscht er schon gut.  

Nett wirken – nicht leicht für eine Armee

"Die veränderten Rahmenbedingungen stellen uns vor eine sportliche Herausforderung", sagt Karsch. Auf seinem iPad ruft er eine Präsentation auf. Die Diagramme zeigen: Die Bundeswehr hat Nachwuchssorgen. "Wir müssen als Arbeitgeber attraktiv sein", sagt er.

Zur Attraktivität gehört ein freundlicher Umgangston. Nicht leicht für eine Armee. Karsch hat ihn schon drauf. Nicht alle seiner Mitarbeiter haben den Kulturwandel bislang verinnerlicht. "Die kommen aus einer anderen Denkschule." Eine Denkschule, die lehrt, dass Befehle zu befolgen sind; wer die meisten Streifen auf der Schulter trägt, hat das Sagen.

Karsch will dieses Image loswerden. Die Armee hat sich natürlich nicht verändert; im Krieg herrscht nun mal keine Basisdemokratie. Doch nach Außen muss sie jetzt anders wirken, nett und spannend. Früher konnte die Bundeswehr die jungen Männer einberufen, heute kann sie nur noch rufen und warten, dass jemand kommt. Mitarbeiter, deren Ton ihm zu ruppig ist, lädt Karsch in sein Büro und erklärt ihnen noch einmal sein Motto: "Straight, aber freundlich."

Doch manchmal kriegt Karsch den auch nicht richtig hin. Als junger Corvettenkapitän musste er für ein halbes Jahr nach Bosnien-Herzegowina. Im Dezember 1998 war das, kurz vor Weihnachten. Zu Hause blieben seine Frau und sein zweieinhalbjähriger Sohn. "Da hat man schon seine Beklemmungen. Das macht man nicht mit Euphorie und Jubelstürmen", flüstert Karsch. Schnell schaltet er wieder um: "Aber das ist eine dienstliche Notwendigkeit, und dann tut man das."