HochschuletatsEuropa geizt bei den Unis

Viele europäische Länder kürzen ihre Hochschuletats. Vor allem sparen sie bei der Lehre. Nicht nur die Krisenstaaten streichen Geld. von 

Spanische Studenten protestieren gegen Kürzungen im Hochschulwesen (6. Juni 2013)

Spanische Studenten protestieren gegen Kürzungen im Hochschulwesen  |  © Heino Kalis/Reuters

Die Universitäten Europas gleichen einer Zweiklassengesellschaft. Auf der einen Seite die Hochschulen in einigen wenigen Ländern, die trotz der Finanzkrise in den letzten Jahren mehr Geld bekommen haben. Auf der anderen Seite die vielen Unis, deren staatliche Zuschüsse teils radikal zusammengestrichen wurden. Dieses Bild zeichnet ein aktueller Bericht der Europäischen Universitätsvereinigung (EUA). "Die Kluft zwischen den Universitäten in Europa wächst immer mehr", lautet das Fazit.

Viele Staaten müssen wegen der Finanzkrise seit Jahren sparen, und die Auswirkungen auch auf die Wissenschaft sind laut der EUA-Analyse groß.

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Zu den Verlierer-Universitäten gehören nicht nur die in den Krisenländern Südeuropas wie Portugal, Spanien und Italien. Auch Großbritannien und viele Staaten Osteuropas haben die staatlichen Zuschüsse für ihre Wissenschaftssysteme gekürzt. Gab Großbritannien im Jahr 2010 umgerechnet noch über elf Milliarden Euro für die Wissenschaft aus, sind es 2013 nur noch knapp neun Milliarden Euro.

Tschechien strich die Ausgaben für die Hochschulen zwischen 2008 – dem Beginn der weltweiten Probleme an den Finanzmärkten – und 2012 um 14 Prozent zusammen, Litauen in demselben Zeitraum um 19 Prozent, Ungarn sogar um 20 Prozent. Inflationsbereinigt haben in den vergangenen fünf Jahren 13 der von der Analyse erfassten 20 Staaten die Uniausgaben heruntergefahren. Die Analyse beruht auf Angaben der jeweiligen nationalen Rektorenkonferenzen.

Investitionen werden aufgeschoben

Düster sieht es auch in Südeuropa aus. Spanien kürzte zwischen 2008 und 2012 die Ausgaben für die Hochschulen um 9,5 Prozent, statt einst fast neun Milliarden Euro stehen inzwischen für die Wissenschaft nur noch etwas über sieben Milliarden Euro zur Verfügung. Italien strich in dem Zeitraum zwölf Prozent der Zuschüsse. Am meisten leiden die griechischen Unis: Sie verloren bis 2012 rund 25 Prozent ihrer staatlichen Mittel. Für dieses Jahr sind erneut große Einschnitte angekündigt.

Wo wird an den Unis gekürzt? Betroffen ist oft die Finanzierung der Lehre, vor allem in Großbritannien und Irland, die im Gegenzug die Studiengebühren massiv angehoben haben. Auch in Spanien müssen die Studierenden höhere Gebühren fürs Studium aufbringen. Investitionen in neue Gebäude werden vielerorts aufgeschoben: "Infrastrukturausgaben werden als Erstes gekappt." Staaten wie Italien, Griechenland und die Niederlande zahlen zudem ihren Wissenschaftlern geringere Gehälter.

Die Folgen der Einschnitte sind groß, nicht nur wegen des Brain Drains junger Akademiker. Die Unis geraten in eine Abwärtsspirale. Theoretisch könnten sie die Ausfälle durch Drittmittel aus EU-Programmen kompensieren. "Das wird aber ebenfalls schwerer", heißt es in der Analyse – denn viele Programme verlangen eine Ko-Finanzierung der beteiligten Hochschulen, die diese aber nicht mehr aufbringen können. "Die EU muss darauf künftig Rücksicht nehmen und neue Förderregeln aufstellen", fordert die Europäische Universitätsvereinigung.

Deutschland ist eines der wenigen Länder, das kontinuierlich mehr Geld für die Wissenschaft ausgibt. Laut EUA-Analyse stiegen die öffentlichen Mittel zwischen 2008 und 2012 um mehr als zwanzig Prozent auf inzwischen knapp 25 Milliarden Euro. Zuwächse verzeichnen auch Frankreich, Belgien, Österreich und einige skandinavische Länder.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. Kann sich noch jemand erinnern an den Sloagan vom "dynamischsten Wirtschaftsraum der Welt"? Wann war das nochmal? Von wem war das nochmal? Stimmt, EU!

    4 Leserempfehlungen
  2. jetzt also das dreifache für unsere Hochschulen aus, im Gegensatz zu England? Erstaunlich, dass der deutsche Staat so viel für das deutsche Hochschulwesen ausgibt, zumal man ständig liest, dass den Universitäten an allen Ecken und Enden Geld fehlt.
    Prinzipiell sehr gut, dass wir an der Bildung nicht sparen, allerdings kommt man schon ins Grübeln, ob unsere Universitäten womöglich ineffizient wirtschaften.

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    • Kauri
    • 13. Juni 2013 17:42 Uhr

    Behörden und Effizienz schließen einander aus! Im Augenblick stehen die UNI's dazu unter Schock. Erst die Umsetzung dieser dämlichen Bologna - Reform und dann weg. G8 und entfallender Wehrpflicht ganze Horden von Studenten. Wie soll eine Behörde das verkraften? Übrigens , die Bezeichnung Horde kommt nicht von mir, sondern von einem befreundeten UNI-Prof. der langsam an seinem Laden verzweifelt. Wie schwer so ein alter Behördenkasten auf Trab zu bringen ist, hat schon Herr Obermann bei der Telekom erfahren müssen. Ohne die vielen unterbezahlten Assistenten und wissenschaftl. Hilfskräfte stünde der Laden schon still.
    Ich weiß es genau: Die lehren Qualitätsmanagement und können es selbst nicht! Wer da aus der Wirtschaft einen (schlecht bezahlten) Lehrauftrag hat , bleibt nur, weil ihm/ihr der Prof.-Titel versprochen worden ist. Vielleicht stellen meine Freunde auch nur zu hohe Ansprüche ! Als ich neulich nach dem Befinden von zwei Bekannten fragte, bekam ich die Antwort: Die sitzen da im Institut und promovieren vor sich hin! Noch Fragen?

    Sie wissen schon, dass England weniger Einwohner und auch weniger Universitäten als Deutschland hat, oder? Dann wissen Sie doch bestimmt auch, dass der Universitätsbesuch in England jährlich ungefähr dem Preis eines Kleinwagens entspricht. In Deutschland zahlt man dagegen eher zwei Tankfüllungen Superbenzin.

    Natürlich muss der englische Staat seine Universitäten dann weniger unterstützen.

    Studiengebühren - bis zu 9.000 Pfund (= 12.000 Euro) pro Jahr. Bei uns waren nicht einmal 1.000 Euro pro Jahr durchsetzbar (siehe Bayern ...). Deutschland hat zudem weit mehr Einwohner.

    • Kauri
    • 13. Juni 2013 17:28 Uhr

    Es ist ist immer so einfach Geld von anderen zu fordern. Die, die das Geld fordern wissen oft gar nicht, dass es erstmal erarbeitet werden muss! Was wir seit Jahren erleben, ist ein immer größerer Zustrom an Unis. Insbesondere in Südeuropa geht man an die Uni und kommt als Bachelor heraus. Es werden regelmäßig mehr Akademiker ausgebildet, als der Arbeitsmarkt aufnehmen kann. Die Abkoppelung der Lehre von der Praxis führt zu echten Übernahmeschwierigkeiten. Bei uns ist das durch ein hervorragendes duales Ausbildungssystem nicht dieses Mengenproblem. Man könnte ja vielleichtnauch mal intelligent sparen. Online-Vorlesungen on Demand, Online-Klausuren - kurzum virtuelles Lernen, wo es geht. So etwas kann man auch während der Arbeit. Es reicht ja , reale Vorlesungen an Wochenenden oder nach dem Vorexamen zu realisieren.
    Ich bin fest davon überzeugt, dass es keinen linearen Zusammenhang zwischen Aufwendungen für Unis und Lernerfolg gibt. Es wird eben für > 50% eines Altersjahrganges an "Studenten" nie mehr das Studium geben, dass es für 10% eines Altersjahrganges vor 40 Jahren gab. Auch der akademische Wettbewerb wird zunehmen.
    Es ist, wie mit dem Verkehr: Wenn alle unterwegs sind, wird es eng und ungemütlich!
    PS. Meine Frau hat Ihr Diplom in BWL an der Fern-Uni in Hagen gemacht. Der Liebling aller Personalabteilungen: Praxis und Theorie gleichzeitig sowie Erfahrung im Arbeiten und Lernen unter Stress und Verzicht. Für den Staat war das ein preiswertes Studium.

    • Kauri
    • 13. Juni 2013 17:42 Uhr

    Behörden und Effizienz schließen einander aus! Im Augenblick stehen die UNI's dazu unter Schock. Erst die Umsetzung dieser dämlichen Bologna - Reform und dann weg. G8 und entfallender Wehrpflicht ganze Horden von Studenten. Wie soll eine Behörde das verkraften? Übrigens , die Bezeichnung Horde kommt nicht von mir, sondern von einem befreundeten UNI-Prof. der langsam an seinem Laden verzweifelt. Wie schwer so ein alter Behördenkasten auf Trab zu bringen ist, hat schon Herr Obermann bei der Telekom erfahren müssen. Ohne die vielen unterbezahlten Assistenten und wissenschaftl. Hilfskräfte stünde der Laden schon still.
    Ich weiß es genau: Die lehren Qualitätsmanagement und können es selbst nicht! Wer da aus der Wirtschaft einen (schlecht bezahlten) Lehrauftrag hat , bleibt nur, weil ihm/ihr der Prof.-Titel versprochen worden ist. Vielleicht stellen meine Freunde auch nur zu hohe Ansprüche ! Als ich neulich nach dem Befinden von zwei Bekannten fragte, bekam ich die Antwort: Die sitzen da im Institut und promovieren vor sich hin! Noch Fragen?

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wir geben"
  3. 5. Super!

    "Deutschland ist eines der wenigen Länder, das kontinuierlich mehr Geld für die Wissenschaft ausgibt. Laut EUA-Analyse stiegen die öffentlichen Mittel zwischen 2008 und 2012 um mehr als zwanzig Prozent auf inzwischen knapp 25 Milliarden Euro."

    Freut mich zu lesen - wenn das Geld jetzt auch noch in der Lehre ankommt, ist doch alles super.

  4. Sie wissen schon, dass England weniger Einwohner und auch weniger Universitäten als Deutschland hat, oder? Dann wissen Sie doch bestimmt auch, dass der Universitätsbesuch in England jährlich ungefähr dem Preis eines Kleinwagens entspricht. In Deutschland zahlt man dagegen eher zwei Tankfüllungen Superbenzin.

    Natürlich muss der englische Staat seine Universitäten dann weniger unterstützen.

    4 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Wir geben"
  5. Studiengebühren - bis zu 9.000 Pfund (= 12.000 Euro) pro Jahr. Bei uns waren nicht einmal 1.000 Euro pro Jahr durchsetzbar (siehe Bayern ...). Deutschland hat zudem weit mehr Einwohner.

    Antwort auf "Wir geben"
  6. Die Unis kriegen nach wie vor Geld ohne Ende, während die Azubis kaum gefördert werden und auf sich gestellt sind. Im Hand aufhalten sind sie immer gut, im Sparen weniger. Erinnert micht an ARD und ZDF, die krigen übrigens deutlich mehr als die Unis.

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  • Schlagworte Europa | Hochschule | Euro | Finanzkrise | Finanzmarkt | Gebühr
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