Deutsche UniversitätenAusländische Studierende kommen gerne nach Deutschland

Weltweit belegen deutsche Unis den dritten Platz auf der internationalen Beliebtheitsskala. Doch auch Brasilien und Südkorea werden immer attraktiver.

Die japanische Studentin Megumi Koike nimmt an einer Konferenz in der Ecole Nationale d'Administration (ENA) in Straßburg teil.

Die japanische Studentin Megumi Koike nimmt an einer Konferenz in der Ecole Nationale d'Administration (ENA) in Straßburg teil.  |  © Patrick Hertzog/AFP/Getty Images

Deutschland ist bei ausländischen Studierenden weiterhin beliebt. Von allen Studierenden weltweit, die außerhalb ihres Heimatlandes studieren, waren 2011 rund 6,3 Prozent an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Damit belegt Deutschland den dritten Platz bei der Zahl ausländischer Studierender, teilte der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) am Mittwoch mit. Zugleich warnte die Organisation vor sinkenden "Marktanteilen" gegenüber Ländern wie Brasilien oder Südkorea. Angesichts der internationalen Konkurrenz könne Deutschland seine Position nur halten, wenn die Zahl der ausländischen Studierenden in Deutschland bis zum Ende dieses Jahrzehnts um 100.000 Studierende gesteigert werde, erklärte DAAD-Präsidentin Margret Wintermantel.

2011 waren  insgesamt 272.696 ausländische Studierende an deutschen Hochschulen eingeschrieben. Dies entspricht einem Anteil von 6,3 Prozent an allen ausländischen Studenten weltweit (4,3 Millionen). Noch mehr Studierende aus dem Ausland lockten lediglich die USA (709.565 oder 16,5 Prozent) und Großbritannien (559.948 oder 13 Prozent) an, die durch ihre Landessprache einen Wettbewerbsvorteil gegenüber nicht englischsprachigen Ländern haben. Australien, das beim letzten Vergleich noch den dritten Platz belegte, liegt nun mit 262.597 ausländischen Studierenden (6,1 Prozent) knapp hinter Deutschland und Frankreich (268.212 oder 6,2 Prozent). Der DAAD beruft sich auf Zahlen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Der wichtigste Faktor für die Wahl eines Gastlandes sei die Qualität der angebotenen Programme.

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Im längerfristigen Trend sind die Anteile der bislang führenden Gastländer wie den USA, Deutschland oder Frankreich gesunken. So kamen 2005 noch zehn Prozent aller ausländischen Studierenden nach Deutschland. Zugleich erhöhten sich die "Marktanteile" von Ländern wie Russland, Brasilien, Südkorea oder Saudi-Arabien deutlich. Diese Länder würden von ihrer wachsenden wirtschaftlichen Stärke profitieren, heißt es. Saudi-Arabien etwa baue auch gezielt attraktive Programme auf, um internationale Studierende anzuwerben. 

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. an den nicht vorhandenen Studiengebühren liegen. Hab mal einen Australier kennengelernt, der hier seine Freundin besuchte. Als er feststellte, dass man hier umsonst studieren kann ist er hiergeblieben.

    3 Leserempfehlungen
  2. Der DAAD hat ja nun die Zielmarke von 350.000 ausländischen Studenten an deutschen Hochsschulen für das Jahr 2020 verlautbart.
    Das bedeutet praktisch, daß Deutschland dann 10 größere Universitäten allein für ausländische Studenten unterhält!
    Bei diesen Größenordnungen kann man sich schlicht nicht mehr mit diffusen Argumenten wie "Beitrag zur Völkerverständigung", "interkultureller Austausch" etc. begnügen, hier geht es um mehrere Milliarden Euro pro Jahr!
    Wofür also?
    Man könnte z.B. sagen, um die dringend benötigten Fachkräfte nach Deutschland zu holen.
    Dafür aber fahren der DAAD und die deutschen Universitäten die falsche Strategie. Die Universitäten bauen nämlich ihr englischsprachiges Programm ganz massiv aus, um aus Prestigegründen möglichst viele ausländische Studenten an die jeweiligen Universitäten zu locken. Der Hintergrund: in den internationalen "Rankings", das Goldene Kalb der Universitäten, gibt ein möglichst hoher Ausländeranteil Extrapunkte in der Bewertung.
    Leider können diese Studenten auch bei Abschluß ihres Studiums oft noch kein oder nur rudimentäres Deutsch, und haben auch kaum eine Bindung zu unserem Land. Das führt dazu, daß am Ende lediglich 25% der Absolventen tatsächlich hierbleiben, wie letztes Jahr eine umfangreiche Studie ergab:
    http://www.taz.de/Bildungsauslaender-wandern-aus/!91810/

    Zwischen 8 und 9 der oben genannten Universitäten sind also reiner Luxus, ans Ausland verschenktes Geld. Und die Kampagne des DAAD womöglich nur ein Selbstzweck.

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    Klar, der Fachkräftemangel ist in vieler Hinsicht übertrieben, und wird auch durch ausländische Studenten nicht wirklich kompensiert. Aber ein Zuzug von jungen, gebildeten, mobilen Menschen wird unser Wirtschaft und unserem Land nun wirklich nicht schaden, und bringt uns die internationale Expertise, die wir als Exportland brauchen.

  3. Klar, der Fachkräftemangel ist in vieler Hinsicht übertrieben, und wird auch durch ausländische Studenten nicht wirklich kompensiert. Aber ein Zuzug von jungen, gebildeten, mobilen Menschen wird unser Wirtschaft und unserem Land nun wirklich nicht schaden, und bringt uns die internationale Expertise, die wir als Exportland brauchen.

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  4. So egoistisch wie Kap Hoorn drauf ist, könnte man meinen, dass diese ausländischen Studenten uns hier alles wegessen. Wenn man aber sachlich und logisch darüber nachdenkt, ist es sogar etwas gutes. Die Studenten zahlen hier Miete, holen sich was zu essen, und einige von ihnen arbeiten hier auch und zahlen dann auch Steuern.

    Also ich sehe da keine Nachteile. Und dass sie "uns" die Studienplätze klauen ... die Politik klaut die Studienplätze. Sollen die den Unis mehr Geld geben, damit diese mehr bauen und mehr unterrichten können.

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  5. Wir haben an unserer Hochschule auch sehr viele ausländische Studierende, wir sind soweit ich weiß in unserem Bundesland sogar die unter ausländischen Studierenden beliebteste Hochschule.

    Nun habe ich mir die Zahlen mal etwas genauer angesehen. Ein großer Teil der ausländischen Studierenden zumindest bei uns kommt aus dem ganz exotischen Land Österreich.

    Das sollte man fairerweise auch kurz mit erwähnen, bevor man den Sprachvorteil der USA und Großbritanniens herausstellt. Ich vermute einmal, dass im deutschen Südwesten entsprechend die Schweizer, Elsässer und Luxemburger einen Großteil der Ausländerquote ausmachen.

    Mir ist eine gewisse Inkonsequenz schon klar: Was ist dann mit den Kandiern in den USA usw. Aber insgesamt wird klar, wir wenig diese reinen Rankingzahlen aussagen und vor allem wie wenig vergleichbar sie miteinander sind.

  6. byebye Zeit Online.

    via ZEIT ONLINE plus App

  7. @ dodgertc

    ich hoffe mal, dass das nicht als endgültiger Abschied von dodgertc gemeint ist. Danke für den Hinweis durch den mir auffällt, wie leichtfertig sich gut gemeinte, aber hässliche Sprachregelungen einschleichen.

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  8. Ist natürlich klar, dass in absoluten Zahlen vergleichsweise grosse Länder wie z.B. Deutschland trotz vergleichsweise niedrigen Quote an ausländischen Studierenden weit oben ist.

    Ob das also aussagekräftig ist? Eher nicht.

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  • Schlagworte Hochschule | OECD | Brasilien | DAAD | Student | Südkorea
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