Numerus ClaususDer beste Weg zum Studienplatz

Bis Montag laufen die Bewerbungen für NC-Fächer. Wie überspringt man die Zulassungsbeschränkung? Wo sind die Chancen für einen Platz höher? Lohnen sich Wartesemester? von Susanne Vieth-Entus und

Es geht in den Endspurt für alle, die zum Wintersemester ihr Studium aufnehmen wollen. Noch bis kommenden Montag nehmen die Hochschulen Bewerbungen für zulassungsbeschränkte Fächer entgegen. Viele Abiturienten überlegen bis zum Schluss, für welchen Studiengang sie sich entscheiden sollen. "Der größte Schwung der Bewerbungen kommt erfahrungsgemäß in den letzten zwei Wochen", sagt Michael Kramp, Vizepräsident für Studium an der Beuth-Hochschule im Wedding. Die Konkurrenz um Studienplätze in Berlin ist besonders groß, ist die Hauptstadt doch bei Bewerberinnen und Bewerber aus der gesamten Republik außerordentlich beliebt.

Könnte sich die Lage im Vergleich zum vergangenen Jahr dennoch etwas entspannen? Schließlich drängte 2012 in Berlin ein doppelter Abiturjahrgang an die Unis. Dieses Jahr ist es wieder nur eine Kohorte. Auf diesen Effekt sollten Bewerber aber kaum hoffen. "Wir rechnen mit einer Konsolidierung auf hohem Niveau", heißt es etwa aus der TU. So seien viele Abiturienten des vergangenen Jahres erst einmal ins Ausland gegangen oder hätten ein freiwilliges soziales Jahr eingelegt – und würden sich daher erst jetzt bewerben. Zudem kommt in diesem Jahr aus dem großen Nordrhein-Westfalen ein doppelter Abiturjahrgang. Wir geben Tipps für die heiße Bewerbungsphase.

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Was für die Fachwahl ausschlaggebend ist

Die eigenen Stärken entscheiden

Studienbewerber sollten die verbleibende Zeit nutzen, sich sorgfältig über mögliche Studiengänge zu informieren, sagt TU-Studienberaterin Anne Käther: "Bei der Studienwahl ist es ein bisschen wie mit einer Beziehung – man wählt auch nicht die erstbeste Person." Entscheidend seien die eigenen Stärken und Interessen. Wer sich darüber nicht ganz im Klaren ist, kann in onlinebasierten Tests herausfinden, welches Fach passen könnte. Die FU bietet "Online-Studienfachwahl-Assistenten" für Politik- und Sozialwissenschaften, Jura, BWL und Geowissenschaften an. Auf der Webseite der RWTH Aachen können Bewerber ein "Self Assessment" durchlaufen, das Stärken und Schwächen offenlegt und über die Anforderungen verschiedener Studienfelder aufklärt. Von Arbeitsmarktperspektiven sollten sich Bewerber dagegen weniger stark leiten lassen, rät Klaus Scholle, der das Büro "Studieren in Berlin und Brandenburg" an der FU leitet: "Wie der Arbeitsmarkt aussieht, wenn heutige Erstsemester mit dem Studium fertig sind, kann keiner seriös vorhersagen."

Einen guten Abiturschnitt mitbringen

Die Hürde Numerus clausus (lateinisch für "geschlossene Zahl") haben die Berliner Hochschulen immer noch vor fast allen Fächern aufgebaut. Sie vergeben dort eine begrenzte Zahl an Studienplätzen. Dabei entscheidet der Abiturschnitt über die Auswahl. Im vergangenen Jahr war etwa an der HU für Jura mindestens eine 1,7 erforderlich, für Germanistik eine 1,6. Der NC steht nicht vorher fest, sondern richtet sich nach der Zahl der Bewerber und deren Noten. Wollen also viele Abiturienten mit sehr guten Noten in ein Fach, ist der NC entsprechend scharf.

An vielen Hochschulen können Bewerber Pluspunkte sammeln, wenn sie weitere Kriterien vorweisen. Es zählen zum Beispiel bestimmte Leistungskurse oder eine Berufsausbildung. Zu große Hoffnungen sollten Bewerber aber nicht auf diese Kriterien setzen. "Ein mittelmäßiges Abitur wird dadurch vielleicht etwas weniger mittelmäßig, aber nicht gut", sagt Klaus Scholle. Denn den Abiturschnitt müssen die Unis bei der Auswahl ihrer Bewerber am stärksten gewichten.

Vorabquoten erfüllen

Einen Vorteil haben in Berlin alle Abiturienten, die zum Ende der Bewerbungsfrist noch keine 18 sind und in Berlin oder Brandenburg bei ihren Eltern oder anderen Sorgeberechtigten wohnen. Für sie müssen laut Hochschulzulassungsverordnung fünf Prozent der zulassungsbeschränkten grundständigen Studienplätze unabhängig von den Noten reserviert werden.

Die Minderjährigen werden allerdings nicht in allen Studiengängen bevorzugt. So weist die Fachhochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) darauf hin, dass die Quote nicht für die dualen Studiengänge gilt. Denn hier haben die jeweiligen Betriebe und Behörden das Recht, die Bewerber nach eigenen Kriterien auszuwählen. Zudem gibt es Studiengänge, die auf einer Kooperation mit anderen Hochschulen beruhen, wie der Studiengang International Business, den die HWR zusammen mit Cambridge anbietet. Auch hier gilt die Vorabquote nicht.

Bewerber berichten, dass sie nicht an allen Hochschulen gut über die Minderjährigenquote beraten werden – offensichtlich, weil diese noch relativ neu ist. Die TU betont aber, dass sie in den Onlinebewerbungsformularen auf Vorabquoten hinweist. Vorabquoten gibt es für weitere Studierendengruppen wie Härtefälle oder Zweitstudienbewerber.

Leserkommentare
  1. 1. Absurd

    Das dezentralisierte Zulassungsverfahren für die extrem nachgefragten Fächer ist wirklich absurd. Man bewirbt sich an 100 Hochschulen (allein der Aufwand!) und bekommt vielleicht 20 Zusagen, wartet aber so lange wie möglich mit der Entscheidung, weil man an der Wunschuni vielleicht noch nachrutscht. Das hat zur Folge, dass jedes Jahr Studienplätze nicht oder erst so spät vergeben werden können, dass der letztendliche Glückspilz das erste Semester weitgehend abschreiben kann (und damit ja auch das zweite).

    2 Leserempfehlungen
  2. Die hundertfachen Bewerbungen verhundertfachen die Bewerberzahlen. Was dazu führt, dass die Anforderungen ins Uferlose steigen und nur noch Kandidaten mit Extrem-Noten eine Chance haben, einen Studienplatz zu bekommen.

    Die nicht angenommenen Plätze werden im Anschluss verlost. Dabei helfen gute Noten nicht mehr. Also entweder 1,0 (oder in der Nähe davon) oder die Note ist völlig egal.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Das ist ja nicht richtig, was Sie sagen. Die Bewerber verhundertfachen sich doch nicht, sondern die Anzahl der Bewerbungen an einer Hochschule. Und selbstverständlich bekommen Sie auch nach wie vor mit einem nicht-1.0-Schnitt einen Studienplatz, nur vielleicht nicht gerade in Psychologie an der Humboldt-Uni. Die nicht angenommenen Studienplätze werden zunächst an die Nachrücker vergeben, erst nach mehreren Nachrückverfahren werden die wenigen übrigen Plätze verlost. Das kann dann auch gerne mal im November sein.

    http://studienplatz-klage...

    2012 hat man noch mit 1,6 einen Platz in Psychologie bekommen...

  3. ich muss ehrlich gestehen, dass mir die Regelung mit der Minderjährigenquote bis dato unbekannt war, ich diese jedoch wie den NC kritisiere.

    Studienplätze nach dem Abiturabschnitt zu vergeben ergibt für mich insofern keinen Sinn, da ich am eigenen Leib erfahren durfte, dass die Noten natürlich auch sehr stark vom Lehrorgan abhängen und nur in wenigen Fällen wirklich objektiv sind. Wenn, wie zum Beispiel in meinem Fall, der Lehrkörper nur sehr schlecht unterrichtet, jedoch jedem gute bzw. sehr gute Noten gibt, so kommt zwar dadurch evtl. in das gewünschte Studienfach, die Vorbildung die man genossen hat ist aber mangelhaft.

    Insofern finde ich Studieneingangsphasen und/oder Zulassungsprüfungen wesentlich effektiver, auf Grund dessen, dass dadurch auch wirklich jene Personen zum Zug kommen, welche bereits über ein fundiertes Basiswissen bezüglich des Studienfaches verfügen.

    So gesehen ergeben meines Erachtens auch Regelungen wie eben die Minderjährigen- oder irgendeine andere Quote nur wenig bis gar keinen Sinn. Diese Quoten dienen in meinen Augen lediglich der Kaschierung von Zahlen die medial präsentiert werden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ihre Kritik an der Abinote in Ehren, aber wie stellen Sie sich das vor? Rein organisatorisch würden die Hochschulen nur noch Bewerbungsverfahren durchführen und den restlichen Betrieb weitgehend einstellen müssen. Psychologie ist z.B. meist so um den Faktor 10 überbucht bei den Bewerbungen, also an einer Uni mit 100 Studienplätzen 1000 Bewerber. Wer soll mit denen Auswahlgespräche führen, wer irgendwelche Mappen sichten, usw.?

    wie gesagt wären studieneingangsphasen bzw. zulassungsprüfungen wesentlich einfacher zu handhaben. so wären keine mappen zu sichten, sondern die prüfungsbögen werden elektronisch erfasst, mit dem Musterbogen abgeglichen - und so liegt das ergebnis sehr schnell und eindeutig vor (beispiel: EMS-Test http://de.wikipedia.org/w...)

    auch wenn die sogenannten "knock-out"-prüfungen für ein hohes ausmaß an stress sorgen (vor allem wenn die durchfallquoten um die 90% betragen), so sind sie doch eine gute option um die qualität zu erhöhen.

    allerdings muss ich anfügen, dass es generell einer novellierung einiger hochschul-/universitäts-/bildungsgesetze bedarf um der qualität der auszubildenden und ausbilder an den universitäten zu gewährleisten.
    so sehe ich als student einer naturwissenschaftlichen fachrichtung (allerdings in österreich - idF jedwede abweichungen meiner aussagen von der lage in deutschland bitte außer acht stellen) beispielsweise kritikwürdige punkte des gelehrten stoffes, da ich nicht denke, dass ich jemals die gesetze des 17Jhdts, welche mittlerweile bereits obsolet sind, benötigen werde in meinem weiteren Werdegang - auswendig lernen musste ich sie dennoch

    der fokus sollte mehr auf die fachrichtung selbst gelegt werden, die streuung/breite des stoffes verringert und eher in die tiefe gedacht werden, was auch in den gesetzen verankert gehört.

  4. Das ist ja nicht richtig, was Sie sagen. Die Bewerber verhundertfachen sich doch nicht, sondern die Anzahl der Bewerbungen an einer Hochschule. Und selbstverständlich bekommen Sie auch nach wie vor mit einem nicht-1.0-Schnitt einen Studienplatz, nur vielleicht nicht gerade in Psychologie an der Humboldt-Uni. Die nicht angenommenen Studienplätze werden zunächst an die Nachrücker vergeben, erst nach mehreren Nachrückverfahren werden die wenigen übrigen Plätze verlost. Das kann dann auch gerne mal im November sein.

    http://studienplatz-klage...

    2012 hat man noch mit 1,6 einen Platz in Psychologie bekommen...

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Überschrift."
  5. Ihre Kritik an der Abinote in Ehren, aber wie stellen Sie sich das vor? Rein organisatorisch würden die Hochschulen nur noch Bewerbungsverfahren durchführen und den restlichen Betrieb weitgehend einstellen müssen. Psychologie ist z.B. meist so um den Faktor 10 überbucht bei den Bewerbungen, also an einer Uni mit 100 Studienplätzen 1000 Bewerber. Wer soll mit denen Auswahlgespräche führen, wer irgendwelche Mappen sichten, usw.?

    Eine Leserempfehlung
  6. wie gesagt wären studieneingangsphasen bzw. zulassungsprüfungen wesentlich einfacher zu handhaben. so wären keine mappen zu sichten, sondern die prüfungsbögen werden elektronisch erfasst, mit dem Musterbogen abgeglichen - und so liegt das ergebnis sehr schnell und eindeutig vor (beispiel: EMS-Test http://de.wikipedia.org/w...)

    auch wenn die sogenannten "knock-out"-prüfungen für ein hohes ausmaß an stress sorgen (vor allem wenn die durchfallquoten um die 90% betragen), so sind sie doch eine gute option um die qualität zu erhöhen.

    allerdings muss ich anfügen, dass es generell einer novellierung einiger hochschul-/universitäts-/bildungsgesetze bedarf um der qualität der auszubildenden und ausbilder an den universitäten zu gewährleisten.
    so sehe ich als student einer naturwissenschaftlichen fachrichtung (allerdings in österreich - idF jedwede abweichungen meiner aussagen von der lage in deutschland bitte außer acht stellen) beispielsweise kritikwürdige punkte des gelehrten stoffes, da ich nicht denke, dass ich jemals die gesetze des 17Jhdts, welche mittlerweile bereits obsolet sind, benötigen werde in meinem weiteren Werdegang - auswendig lernen musste ich sie dennoch

    der fokus sollte mehr auf die fachrichtung selbst gelegt werden, die streuung/breite des stoffes verringert und eher in die tiefe gedacht werden, was auch in den gesetzen verankert gehört.

  7. Ich kann aus eigener Erfahrung nur davon abraten, sich als Studienbewerber von NCs abhalten zu lassen. Ich habe zwei NC-Fächer studiert (damals 1,6 und 1,4) und hatte mein Abitur mit 2,7 abgeschlossen. Das ist glücklich, zeigt aber, dass es nicht ausgeschlossen ist, das gewünschte Studienfach trotz weniger stolzem Abitur zu bekommen - bei ZVS-NCs ist das aber natürlich weit schwieriger.
    Hinzukommt, was sich bereits in hafensonnes Kommentar andeutet: viele Bewerber nehmen ihre Plätze letztendlich gar nicht an. Also nicht von NCs (die, wie der Artikel ja erklärt, immer die des Vorjahres sind) zurückhalten lassen!

    Eine Leserempfehlung
  8. Ja, damals. Bis vor kurzer Zeit gab es die beliebten Nachrückverfahren. Und wenn man im ersten Rundgang leer ausging, klappte es später. Heute aber nur noch per Losverfahren. Damit natürlich auch gerne mit 4,3 einen Studienplatz in Psychologie.

    Irgendeinen Studienplatz kriegt man natürlich immer.

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