University of MississippiBürgerkrieg um einen Studenten

Vor 50 Jahren machte James H. Meredith, der erste Schwarze an der University of Mississippi, sein Examen. Politiker und der Ku-Klux-Klan hetzten Menschen gegen ihn auf. Doch er wusste, was er tat. von Susanne Kippenberger

James H. Meredith neben Martin Luther King beim Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit am 28. August 1963

James H. Meredith neben Martin Luther King beim Marsch auf Washington für Arbeit und Freiheit am 28. August 1963  |  © Hulton Archive/Getty Images

Er hatte es geschafft. Er, James H. Meredith, siebtes von 13 Kindern eines Kleinbauern aus Kosciusko im tiefsten Mississippi, war der erste Schwarze, der von der University of Mississippi einen Abschluss erhielt. Seine Eltern, seine Frau und sein kleiner Sohn saßen voller Stolz im Publikum. Und doch war dieser Moment am 18. August 1963 weit weniger erhaben, als man hätte erwarten können. Meredith stand unter 400 weißen Kommilitonen Schlange, bis der Unikanzler ihm sein Zeugnis überreichte und einen Glückwunsch murmelte, das war’s. Keine Schlägereien, keine Schießereien, kein Gebrüll. Weder laute Buhs noch große Hurras. Aber dem 30-Jährigen war sowieso nicht besonders nach Feiern zumute: Zwei Monate zuvor war sein Freund Medgar Elvers, ein schwarzer Bürgerrechtler, ermordet worden.

Wer den historischen Augenblick am Abend im Fernsehen verpasst hatte, konnte es am nächsten Morgen in der New York Times auf Seite eins nachlesen: James H. Meredith hat seinen Bachelor in Politikwissenschaften gemacht. Ein kleiner Schritt auf seiner akademischen Laufbahn – sein Examen als Jurist legte er später an der Columbia University ab – aber ein riesiger für das Land.

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Sein Studium hatte den Staat Millionen Dollar gekostet. 31.000 Soldaten wurden mobilisiert, um ihm den Weg zum Studienplatz, zu seinem Recht als Amerikaner zu ebnen. Oxford, das pittoreske Unistädtchen im Südstaatenlook, dessen berühmtester Bewohner bis dahin William Faulkner war, wurde zum Schauplatz "der letzten Schlacht des Bürgerkriegs". 100 Jahre nachdem dieser offiziell vorüber war.

Fast alle hatten ihn für verrückt erklärt. Er musste verrückt sein: als Schwarzer ins Allerheiligste eindringen zu wollen. Der letzte Schwarze, der versucht hatte, sich an Ole Miss, wie die Uni liebevoll genannt wird, zu immatrikulieren, war tatsächlich in die Irrenanstalt eingewiesen worden. Aber James Meredith wusste genau, was er tat. Und er hatte Protektion von ganz oben: "A Mission from God", so nannte er seine Erinnerungen. Geschrieben hat er sie zusammen mit William Doyle, der selber schon ein hoch spannendes, preisgekröntes Buch über den Aufstand in Mississippi verfasst hatte.

Als Soldat hatte Meredith Gleichberechtigung erlebt

Meredith hatte sich nicht wegen der akademischen Meriten der Uni beworben, die vor allem für ihr Footballteam bekannt war, die Rebels. Aber hier studierte die Elite. Ole Miss war der ganze Stolz von Mississippi, dem brutalsten unter den rassistischen Apartheidsstaaten im Süden, außerdem das ärmste Bundesland der USA und das mit dem höchsten schwarzen Bevölkerungsanteil.

Meredith brauchte die Uni nicht. Er hatte schon anderswo studiert und alle für den Bachelor nötigen Scheine zusammen. Aber er war wollte nach Oxford, seit er aus dem Dienst der Air Force in Asien zurückgekehrt und Kennedy Präsident geworden war. Seine Eltern hatten Meredith Stolz und Bildungsdrang mitgegeben, als Soldat der Air Force hatte er relative Gleichberechtigung erlebt. Und in den drei Jahren in Japan hatte er erfahren, was es heißt, Mensch zu sein. Nicht als Schwarzer, sondern einfach als Amerikaner behandelt zu werden. Das wollte er jetzt auch zu Hause. Nicht nur für sich.

Meredith war ein Einzelgänger mit einem Schuss Größenwahn. Mit Vehemenz betont er seine Distanz zur Bürgerrechtsbewegung, die Anfang der Sechziger in ihre heiße Phase trat. Vom gewaltlosen Widerstand hielt er nichts. Er wollte das System knacken: die Doktrin der "white supremacy", der vermeintlichen weißen Überlegenheit und Vorherrschaft. Unter der euphemistischen Devise "separate but equal" herrschte in den Südstaaten ein Apartheidssystem, das Schwarze wie Menschen dritter Klasse behandelte, ihnen so grundlegende Rechte wie das auf Bildung verweigerte. Selbst als der Oberste Gerichtshof 1954 die Rassentrennung in Schulen für verfassungswidrig erklärte.

Leserkommentare
    • Saciel
    • 20. August 2013 12:23 Uhr

    wieder einmal so vor Augen geführt zu bekommen, was für Bestien Menschen doch sein können.

    Da muss ein einzelner Mensch mit Hubschraubern und zig Bodentruppen verteidigt werden, weil der Rest keinen Funken Herz besitzt. Es ist beängstigend, dass diese Menschen die sonst wahrscheinlich ein normales Familienleben geführt haben und sogenannte "ehrbare" Bürger waren beim kleinsten Anzeichen eines passablen Opfers zu Monstern werden.

    Und genau darum ist Ausgrenzung und Segregation schlecht. Umso mehr die Gruppen (Rassen, Ethnien, Geschlechter) getrennt sind, desto einfacher ist es, den anderen blind zu hassen ohne sein Hirn einzuschalten.

  1. vor 47 Jahren über Meredith zu berichten wusste:
    http://www.zeit.de/1966/2...

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