Könnte das auch ein Modell für Deutschland sein? Clarens und Schöler stellten bei ihren Umfragen in Schulen, bei Facebook und auf der Straße jedenfalls fest: Konsum ist vielen Menschen gar nicht so wichtig. Stattdessen stehen Umweltschutz und Nachhaltigkeit im Vordergrund. Und gerade die Jungen sprechen sich für mehr Freizeit aus. "Viele Schüler haben sich zum Beispiel eine Rückkehr zu G9 gewünscht", sagt Schöler. "Ihnen fehlt Zeit für Sport, für Natur, für ein Miteinander."

Ob nun mit Glücksministerium oder ohne – in der jungen Generation tue sich etwas, sagt Gina Schöler. Gerade die Generation der unter 30-Jährigen wünsche sich einen Wertewandel. "Wir wollen nicht mehr leben, um zu arbeiten."

Der jungen Generation geht es also weniger um Konsum und Karriere. Stattdessen wünscht sie sich eine bessere Work-Life-Balance und mehr Genuss. So fühlt sich vielleicht der Einzelne besser – aber macht das auch eine Gesellschaft glücklicher? Natürlich, finden Clarens und Schöler. "Wir arbeiten von innen nach außen: Wenn der Einzelne glücklich ist, strahlt das auch auf die Gesellschaft aus."

Doch eine Gesellschaft ist eben mehr als die Summe der Einzelnen. Einer Studie der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung zufolge ist das Gemeinwohl vor allem durch eines bedingt: Gleichheit (hier das PDF). Dass der Einzelne glücklich ist, macht ein System aber nicht zwangsläufig gerechter. Und ebenso wenig bedeutet ein gerechtes System, dass jeder darin maximal zufrieden sein kann.

Auch ein iPhone kann glücklich machen

Auch die Umfragen der Studenten lassen sich kritisieren. Denn Postmaterialismus ist ein Symptom der gebildeten Mittelschicht: Derjenigen, die sich den Konsum problemlos leisten können. Ob für einen Jugendlichen aus ärmeren Verhältnissen ein iPhone nicht auch eine Art Glück wäre? Gerade Menschen aus niedrigeren sozialen Schichten konsumieren, um soziale Benachteiligung zu kompensieren. Doch sie wurden für die Masterarbeit nicht explizit nach ihrem Glück befragt: Die Workshops hielten Clarens und Schöler nur an Gymnasien ab, die eher Akademikerkinder besuchen. Eine Umfrage fand auf dem Mannheimer Weihnachtsmarkt statt. Dabei hätten sicherlich auch Hauptschüler "Glücksgeschichten" beitragen können oder jene, die sich keinen Weihnachtsmarktbesuch leisten können. Schöler muss zugeben, dass das Glücksministerium nicht daran gedacht hat, alle sozialen Schichten anzusprechen.

Ob Glück ein sinnvolles Politikziel sein kann, ist ohnehin fraglich. Eine niedrige Arbeitslosigkeit führt beispielsweise nachweislich zu mehr Wohlbefinden. Ginge es nur nach dem Glück der Menschen, müsste der Staat also Jobs für alle schaffen.

"Wir möchten ja keine Zwangsbeglückung erreichen", sagt Clarens. Ihnen geht es erst einmal darum, möglichst viele Menschen für das Thema zu interessieren. Dass sie den Nerv der Zeit getroffen haben,  davon sind sie überzeugt. "Wir haben Hunderte Zuschriften bekommen", erzählen die Studenten.

Einen Favoriten für den Posten des Glücksministers gibt es auch schon. "In Umfragen wird Eckart von Hirschhausen oft genannt", sagt Gina Schöler. Warum die Menschen gerade ihn für kompetent halten? "Er strahlt einfach Lebensfreude aus."