Hochschulpolitik"Studierende haben kein Drohpotenzial"

Den Hochschulen geht es nicht gerade blendend. Warum sie im Wahlkampf trotzdem keine Rolle spielen, erklärt der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte im Interview. von 

ZEIT ONLINE: Hochschulpolitische Themen spielen im Wahlkampf kaum eine Rolle. Woran liegt das?

Karl-Rudolf Korte: Mit diesen Themen lassen sich keine Schlachten schlagen. Jeder Politiker fordert mehr Bildung und will mehr Geld in die Bildung investieren. Politiker brauchen Kontroversen, um damit zu polarisieren. Dafür ist Bildungs- und Hochschulpolitik aber in der Gesamtausrichtung zu unstrittig.

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ZEIT ONLINE: Sie behaupten, in der Hochschulpolitik gäbe es keine strittigen Themen? 

Korte: Im Gegenteil. Aber Bildungspolitik ist erst einmal Ländersache. Das heißt auf Bundesebene wird wie beim Hochschulpakt eine Zuständigkeit immer nur indirekt abgeleitet. Trotzdem gibt es viele Fragen, die in den kommenden Jahren beantwortet werden müssen. Die wichtigste davon ist die Frage, wie Universitäten in Zukunft in der Grundfinanzierung abgesichert werden sollen. Das ist ein Thema, das auch auf Bundesebene diskutiert wird. Es steht zur Diskussion, das Grundgesetz zu ändern und Kompetenzen im Bildungsbereich auch für den Bund wieder deutlicher einzuräumen.

Karl-Rudolf Korte
Karl-Rudolf Korte

ist Direktor der NRW School of Governance an der Universität Duisburg-Essen. Sein Forschungsschwerpunkt ist das politische System Deutschlands.

ZEIT ONLINE: Ein weiteres Thema dürfte die Reform des Bafögs sein.

Korte: Ja, für die Studenten ist die Finanzierung des eigenen Studiums eine wichtige Frage. Seit jeher sind Stipendien und das Bundesausbildungsförderungsgesetz bewährte Instrumente der Studienfinanzierung. Aber auch hier zeigt sich das Dilemma der Hochschulpolitik im Wahlkampf: Eigentlich sind alle Parteien für den Ausbau des Bafögs. Die Frage wird sein, welche Partei die Förderung wirklich gerechter machen kann.

ZEIT ONLINE: Wieso verschaffen sich die Studenten nicht mehr Gehör? 

Korte: Das Problem ist, dass Studierende keine wirklichen Sanktionen haben, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen. Wenn Bauern mit Traktoren durch die deutschen Innenstädte fahren und den Nahverkehr lahmlegen oder die Müllabfuhr nicht mehr die Tonnen abholt, dann sorgt das für Aufregung. Dann wird darüber überall berichtet. Proteste der Studierenden, wie zum Beispiel dem Bildungsstreik, erreichen die Gesellschaft nur sehr kurzzeitig. Dafür ist das Drohpotenzial der Studenten zu gering.

ZEIT ONLINE: Empfinden Sie die Studenten als unpolitisch?

Korte: Nein. Studierende engagieren sich, aber sie engagieren sich nicht mehr in Parteien. Das politische Engagement findet über andere Kanäle statt. Über das Internet beispielsweise. Es wäre wichtig, dass sich die Parteien überlegen, wie sie die jungen Menschen in die etablierten Formate einbinden. Bisher geschieht das leider kaum. Dass es nicht mehr so viele politische Aktivitäten an der Universität gibt wie früher, dass liegt nicht zuletzt eher am universitären Betrieb als an den Studenten. Die verhalten sich, wie das System es von ihnen verlangt. Bereits an Gymnasien lernen sie, dass es wichtig ist, Punkte zu sammeln um ein gutes Abitur und damit eine Hochschulzugangsberechtigung zu erlangen. An der Universität geht es dann so weiter. Es geht immer nur um die Credit Points. Dadurch gewöhnen sich die Studenten an Dienst nach Vorschrift. Das Studium entwickelt sich immer mehr zu einem Job. Der leidenschaftliche Enthusiasmus geht dabei leider häufig verloren.

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Leserkommentare
  1. "Es geht immer nur um die Credit Points. Dadurch gewöhnen sich die Studenten an Dienst nach Vorschrift. Das Studium entwickelt sich immer mehr zu einem Job. Der leidenschaftliche Enthusiasmus geht dabei leider häufig verloren."

    Das paradoxe daran ist, dass ich als Student, noch niemanden getroffen habe, der diese Entwicklung sieht und will.

    Lehrer nicht, angehende Lehrer nicht, meine Kommilitonen nicht, meine Profs nicht, deren Mitarbeiter nicht, der Verwaltung scheint sowieso alles egal und einen Politiker habe ich das auch noch nie sagen hören.

    Warum durchzieht dann dieses willenlos machende ökonomische Prinzip unsere Bildung?

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    behaupten, so seien sie eben, die jungen Leute von Heute: mit einer Egozentrik ausgestattet, die Solidarität verhindert.
    Selbst wenn dies die richtige Erklärung wäre, müßte man nach den Bedingungen für diese Egozentrik suchen. Die könnte man in einer Angst verorten, die das System produziert: es wird einem schon frühzeitig beigebracht, daß nur die Ersten und Besten eine Chance haben.

    Dummerweise wird dieses Prinzip immer eher relevant: frühe Bildung, Auslese (soziale Schranken, Marginalisierung von Minderheiten), NC, "Exzellenz": all dies führt zur Überzeugung, daß man keine Möglichkeit hat, mit dem Rudel zu leben, weil dies nicht mehr beschützt, sondern nur noch konkurrierende andere Individuen sind.

    Resultat: eben keine Solidarität, sondern jederzeit der Versuch, auch auf Kosten anderer Studierender vorwärts zu kommen.

    • dp80
    • 17. September 2013 20:00 Uhr

    Jeder in der Bevölkerung hat das Gefühl, die Zeiten könnten härter werden. Daher nimmt die Entsolidarisierung zu. Hier konkret:

    - Zwischen Studierenden und nicht Studierenden ("Warum soll ich mit meinen Steuergeldern die langschlafenden Studierenden im 15. Semester finanzieren?")

    - Zwischen Generationen ("Studierende sollen möglichst schnell auf den Arbeitsmarkt, um meine Rente zu finanzieren.")

    Und genau aus diesen Gründen ist Hochschulpolitik meines Erachtens nach im Wahlkampf kein gutes Thema. Leider wird dieser Grund nicht im Artikel erwähnt, aber ich finde ihn wichtig. Wer "mehr Geld für Studierende" fordert, legt sich mit den Rentnern und nicht Studierenden an. Das merkt man bei Diskussionen hier im Forum zum Thema Studiengebühren.

    Ich unterrichte an einer Uni und finde dass in 20 Jahren die Studenten meistens nur interessiert sind den Abschluss zu bekommen......und leider nicht mehr. Weil der BA in 6-8 Semestern zu schaffen sein muss, geht es meistens nur darum. Dazu ist die Tendenz auf ME ME ME und sich vor der ganze Welt zu entfalten.....per Facebook. Da gibt es wenig Zeit für Nachrichten lesen (oder hören) und sich für die Politik (oder ???) zu engagieren.

    • Jolo
    • 18. September 2013 18:03 Uhr

    Der Liberalismus, dem insbesondere die Wirtschaftswissenschaften frönen setzt sich durch! Versuchen Sie in einem BWL Studium mal etwas über kritische Theorien zu erfahren. Ihr Professor wird sie anschauen, als ob Sie einer Verschwörungstheorie anhängen. Leider sind die Dozenten, die heute an den Universitäten Wirtschaftswissenschaften lehren in Verhältnissen aufgewachsen, in denen Sorgen wie wir sie heute haben keine Rolle spielen. Wer studiert hat, bekommt einen Job, gar keine Frage und zwar einen gut bezahlten. Wenn sich also für diese Generation die liberale Lebensweise bewährt hat, natürlich werden diese dann auch heute an den Universitäten gelehrt. Wenn ich nicht noch ein Studium in Politikwissenschaften angefangen hätte, wüsste ich heute auch nicht, dass es noch Theorien neben dem Liberalismus gibt. Man hat mir beigebracht, der Shareholder-Value sei effizient und nütze allen, fast hätte ich es geglaubt. Deswegen sollte man nicht so sehr den Studenten die Schuld geben, auch die Professoren tragen große Verantwortung aber leider auch ein genauso großes Ego.

    Dass in der BRD der Bachelor zum Lehrberuf wurde ist vielen klar, deswegen sind auch andere Fakultaetet zurueck zum Diplom gegangen.

  2. behaupten, so seien sie eben, die jungen Leute von Heute: mit einer Egozentrik ausgestattet, die Solidarität verhindert.
    Selbst wenn dies die richtige Erklärung wäre, müßte man nach den Bedingungen für diese Egozentrik suchen. Die könnte man in einer Angst verorten, die das System produziert: es wird einem schon frühzeitig beigebracht, daß nur die Ersten und Besten eine Chance haben.

    Dummerweise wird dieses Prinzip immer eher relevant: frühe Bildung, Auslese (soziale Schranken, Marginalisierung von Minderheiten), NC, "Exzellenz": all dies führt zur Überzeugung, daß man keine Möglichkeit hat, mit dem Rudel zu leben, weil dies nicht mehr beschützt, sondern nur noch konkurrierende andere Individuen sind.

    Resultat: eben keine Solidarität, sondern jederzeit der Versuch, auch auf Kosten anderer Studierender vorwärts zu kommen.

    5 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Paradox"
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    die Erfahrung, die ich bereits mehrmals machen musste.
    Sei's drum. Ich bin trotzdem einer der Menschen, der lieber gibt als nimmt und hofft, dass irgendwann auch die Kollegen zu dem Schluss kommen, (wieder) ähnlich zu handeln, wenn sie solch ein Verhalten von mir sehen.
    Der Vorteil bei mir: Ich habe nicht den Ansporn, 100% von dem zu schaffen, was vielleicht möglich wäre, wenn ich alle Winklichkeiten ausnutzen würde - mir tut es also nicht weh, den anderen im Zweifelsfall den "Vortritt" zu lassen.

    • Ninnano
    • 17. September 2013 22:54 Uhr

    Selbst die engagiertesten, motiviertesten Studenten sind spätestens in Richtung Thesis komplett abgestumpft von auslutschender Bürokratie, nervtötender Regularien, Massenabfertigung und massivem Leistungsdruck.
    Der Begriff Studium ist ein kompletter Fehlgriff - studiert wird gar nichts, sondern im Endeffekt wird nur marktkonformes "Wissen" eingetrichtert.
    Dann bleibt vom weltverbessernden Ehrgeiz logischerweise nicht mehr viel über - soll auch nicht, frei denkende Menschen sind ja auch nicht gewünscht.

    Und auf die künstlerischen und gestalterischen Studiengänge brauche ich hier gar nicht eingehen, da die bei der Zeit ja sowieso gänzlich unter den Tisch fallen ;)

    • malox
    • 18. September 2013 11:26 Uhr

    Ich sehe das Problem auch eher in den universitären bzw. vielleicht sogar eher den schulischen Strukturen.

    Ich habe selbst vor Bologna studiert, dann folgten mehrere Jahre Arbeit plus Familie und bin aktuell wieder als Studentin an der Hochschule.

    Die Unterschiede sind eklatant!

    So empfinde ich das jetztige System als begrenzend, (geistig) einengend, auf Leistung und Zeit und ECTS getrimmt.

    Studenten, die über den Tellerrand blicken wollen, können/wollen(?) es oftmals nicht, weil sie ja ein Semester mehr Zeit bräuchten.

    Die Regelstudienzeit oder ob man dafür irgendwelche Scheine bekam, hat mich damals nicht interessiert - auch nicht die Wirtschaft.

    Und jetzt gibt es auffallend viele (gerade die sehr jungen Studenten), die zwar immer da sind, aber sich wahlweise vom Professor oder ihrem Tablet "berieseln" lassen.
    Mir fehlt bei Ihnen das Interesse am Fach und eine gewisse Selbständigkeit (die aber auch nicht gefordert bzw. gefördert wird) - und ich frage mich, warum manche überhaupt *dieses* Fach studieren.

    Einige wären zudem sicher in einer Ausbildung besser aufgehoben.
    Auch das haben wir einer Politik, die die Ausbildung immer mehr "degradiert" und höhere Akademikerquoten anstrebt, zu verdanken.

    Kurz: Die Schule ist in den Hochschulen angekommen.
    (Politisches) Engagement findet immer öfter nur noch gegen eine Punktevergabe statt.

  3. Früher sollten die höheren Schulen/Gymnasien und die Universitäten eine ganzheitliche Bildung vermitteln, die ihre Absolventen befähigt, selbstständig zu lernen, zu forschen, Bestehendes zu hinterfragen, neue Wege zu gehen und eigene Ideen zu entwickeln.

    Jetzt geht es nur noch darum einen bestimmten Lehrstoff einzupauken, Prüfungen zu schaffen und "berufsvorbereitend" zu sein.
    Angepaßte Konformisten für die kapitalistische Arbeitswelt, Bestehendes zu hinterfragen ist in höchstem Maße unerwünscht!

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    Das würde mich mal wirklich interessieren. Wo sind den die Generationen von Menschen, welche kritisch und selbstständig denken können?
    Irgendwie sehe ich sie nicht. Wenn man sich die Zusammensetzung der Politiker im Bundestag anschaut, sind dort die meisten Akademiker und schon etwas älter, sodass sie das angeblich bessere frühere Bildung genossen haben. Dennoch stimmen sie häufig über Fragen ab, wo sie selbst zugeben, dass sie absolut keine Ahnung haben.
    Und was sind aus den kritischen 68er geworden? Beamte. Selbständig neue Wege gehen ist irgendwie zu anstrengend. Und nebenbei: Warum kommen bei den meisten Menschen, welche für sich den Anspruch erheben, kritisch zu denken, immer das gleiche raus?

    Wirklich kritisch denken tuen nur die wenigsten. Das meiste, was als neue Wege und Ideen verkauft werden, sind eigentlich häufig schon alt bekannt (unter einem neuen Gewand). Fortschritt setzt sich eben aus den vielen kleinen Verbesserungen und Entdeckungen zusammen.

    Das humanistische Bildungsideal ist eigentlich eine Illusion. Wer von den klassisch humanistisch gebildeten Intellektuellen hat den Ahnung über Informatik, Chemie oder Maschienenbau?

  4. Studenten früherer Jahrzehnte hatten eine Abschlussprüfung, und dazwischen doch immer wieder mal freie Zeit, um das zu tun, was getan werden sollte.

    Studenten heute brauchen jeden Credit, und zu jedem Credit eine gute Note, denn alles fliesst in die Endbewertung ein. Das schafft totale Unfreiheit!

    Ich glaube nicht, dass das das bessere Prinzip ist. Und wie ändern wir das jetzt wieder? aj

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  5. die Erfahrung, die ich bereits mehrmals machen musste.
    Sei's drum. Ich bin trotzdem einer der Menschen, der lieber gibt als nimmt und hofft, dass irgendwann auch die Kollegen zu dem Schluss kommen, (wieder) ähnlich zu handeln, wenn sie solch ein Verhalten von mir sehen.
    Der Vorteil bei mir: Ich habe nicht den Ansporn, 100% von dem zu schaffen, was vielleicht möglich wäre, wenn ich alle Winklichkeiten ausnutzen würde - mir tut es also nicht weh, den anderen im Zweifelsfall den "Vortritt" zu lassen.

  6. Studiert, weil Papa es will und bezahlt - wählt Schwarz
    Studiert, weil man später mit seinem MBA so richtig fett Geld kassieren will - wählt gelb
    Studiert Informatik - wählt Pirat
    Studiert und finanziert Studium selbst - wählt links.

    Niemand, der sich mit kleinen Nebenjobs während des Studiums über Wasser halten muss wird je FDP wählen und du kriegst niemals ein rechtskonservatives Bonzenkind dazu, die Piraten zu wählen.
    Dafür sind die einfach alle zu gut informiert.

    Wahlkampf geht auf Emotionen und Ignoranz, und dementsprechend zielt der Wahlkampf auf die Leute, die eigentlich gar nicht wissen, was da oben getrieben wird.

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    Ich kenne einige bei den jungen Liberalen, welche sich ihr Studium finanziert haben (kein Bafög, keine Unterstützung der Eltern). Sie argumentieren halt mit dem Aspekt Eigenverantwortung und Freiheit. Die Wirtschaftwissenschaftler sind in meiner Sicht nicht wirklich stark vertreten (die größten Gruppe stellen die Juristen dar, danach kommen die Geisteswissenschaften (Philosophen, Politologen etc.)
    Wie es z.B. bei der Jugendorganisation der Linkspartei aussieht, weiß ich nicht. Da die politische Arbeit relativ viel Zeit benötigt, würde ich mal vermuten, dass auch dort viele Studenten ihr Studium nicht selbst finanzieren.

    • Anno86
    • 17. September 2013 22:45 Uhr

    Genau. Italiener essen lediglich Pasta, Deutsche nur Kartoffeln und die Welt ist eine Scheibe. Ich finde ihre Ansicht ganz schön unsachlich. Es gibt doch nicht nur schwarz oder weiß. Es wird sicherlich Studenten geben, welche privilegiert von Mutter und Vater finanziert werden und dennoch kann es sich hier um einen Grüne-Wähler handeln, weil ihm der Schwerpunkt Umweltschutz besonders am Herzen liegt. Oder vielleicht will jener Student, der sich selbst finanziert und arbeiten geht, schon mal seine Zukunft sichern und setzt auf die FDP, weil er der Meinung ist, nach seinem Studium verdient er besonders viel Geld. … Ich könnte dies jetzt noch weiter führen, aber ich glaube mein Standpunkt wird klar.

    Wie wäre es mit "Studiert und finanziert sich durch eigene Arbeit und weiß (unter anderem) daher, dass man den eigenen Erfolg selbst beeinflussen kann und dass niemand anders verpflichtet ist, einem den zukünftigen Wohlstand zu finanzieren"? Nur ein Gedanke ;-)

    • Hadrius
    • 18. September 2013 7:13 Uhr

    Wenn CSU und CDU nur von sogenannten Bonzen und deren Kindern gewählt würde, lägen sie bei? Hmmm 5 Prozent? Der Quatsch kann also so nicht stimmen. ZU solchen Ideen kann man nur kommen, wenn man ausschließlich im eigenen Saft schmort

    • dp80
    • 17. September 2013 20:00 Uhr

    Jeder in der Bevölkerung hat das Gefühl, die Zeiten könnten härter werden. Daher nimmt die Entsolidarisierung zu. Hier konkret:

    - Zwischen Studierenden und nicht Studierenden ("Warum soll ich mit meinen Steuergeldern die langschlafenden Studierenden im 15. Semester finanzieren?")

    - Zwischen Generationen ("Studierende sollen möglichst schnell auf den Arbeitsmarkt, um meine Rente zu finanzieren.")

    Und genau aus diesen Gründen ist Hochschulpolitik meines Erachtens nach im Wahlkampf kein gutes Thema. Leider wird dieser Grund nicht im Artikel erwähnt, aber ich finde ihn wichtig. Wer "mehr Geld für Studierende" fordert, legt sich mit den Rentnern und nicht Studierenden an. Das merkt man bei Diskussionen hier im Forum zum Thema Studiengebühren.

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    Antwort auf "Paradox"
  7. Das würde mich mal wirklich interessieren. Wo sind den die Generationen von Menschen, welche kritisch und selbstständig denken können?
    Irgendwie sehe ich sie nicht. Wenn man sich die Zusammensetzung der Politiker im Bundestag anschaut, sind dort die meisten Akademiker und schon etwas älter, sodass sie das angeblich bessere frühere Bildung genossen haben. Dennoch stimmen sie häufig über Fragen ab, wo sie selbst zugeben, dass sie absolut keine Ahnung haben.
    Und was sind aus den kritischen 68er geworden? Beamte. Selbständig neue Wege gehen ist irgendwie zu anstrengend. Und nebenbei: Warum kommen bei den meisten Menschen, welche für sich den Anspruch erheben, kritisch zu denken, immer das gleiche raus?

    Wirklich kritisch denken tuen nur die wenigsten. Das meiste, was als neue Wege und Ideen verkauft werden, sind eigentlich häufig schon alt bekannt (unter einem neuen Gewand). Fortschritt setzt sich eben aus den vielen kleinen Verbesserungen und Entdeckungen zusammen.

    Das humanistische Bildungsideal ist eigentlich eine Illusion. Wer von den klassisch humanistisch gebildeten Intellektuellen hat den Ahnung über Informatik, Chemie oder Maschienenbau?

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    • Antigen
    • 17. September 2013 21:21 Uhr

    Also, Ahnung kann man höchstens "von" etwas, aber nicht "über" etwas haben. Dies nur am Rande.

    Ansonsten ist Ihre Argumentation unlogisch. Sie meinen ja, dass die heutige Politikergeneration noch das "alte" Bildungssystem erlebt hat, aber dennoch in vielen Dingen ahnungslos und ignorant ist. Dazu ist zu sagen, dass klassische Bildung keineswegs bedeutet, dass man "alles" weiss. Auch der Absolvent eines humanistischen Gymnasiums alten Schlages wird Bildungslücken aufweisen. Humanistische Bildung bedeutet eher "Menschenbildung" und weniger, dass man besondere Kenntnisse in Chemie, Informatik oder Maschinenbau erwirbt. Man soll, so das klassische Ideal, zu einer unabhängigen und frei denkenden Persönlichkeit heranreifen, die in der Lage ist, ihr Tun zu reflektieren. Oder anders ausgedrückt: Angela Merkel hilft ihre Kenntnis der drei Hauptsätze der Thermodynamik überhaupt nicht im politischen Alltagsgeschäft, aber philosophische und historische Bildung könnten ihr politisches Handeln bereichern.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bildungspolitik | Abitur | Bafög | Bildung | Grundgesetz | Gymnasium
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