ZEIT ONLINE: Frau Mateus, welche Frage stellen Sie Studieninteressierten als Erstes?

Christiane Mateus: Wollen Sie wirklich ein Studium absolvieren oder passt eine Ausbildung vielleicht viel besser zu Ihnen? 

ZEIT ONLINE: Nehmen wir an, ich will unbedingt studieren.

Mateus: Dann sollten Sie sich fragen, was Sie sich von einem Studium erhoffen und was Sie von der Universität erwarten.

ZEIT ONLINE: Wissen das die Abiturienten denn schon so genau, die bei Ihnen in die Beratung kommen?

Mateus: Unterschiedlich. Es gibt einige, die sich schon alles ganz genau durchgelesen haben und komplett mit allem auseinandergesetzt haben, bevor sie zu uns kommen. Es erstaunt mich immer, wenn jemand schon so genau informiert ist. Viele schauen hier eher planlos vorbei.

ZEIT ONLINE: Sollten Studieninteressierte sich eher nach den eigenen Interessen oder nach dem Arbeitsmarkt richten?

Mateus: Wichtig ist, dass man hinter seiner Entscheidung steht. Wenn Sie eine sehr unsichere Person sind und BWL studieren wollen, weil Sie wissen, dass Sie damit auf jeden Fall einen Job kriegen, kann das eine richtige Entscheidung sein. Meist ist es aber so, dass Studenten Motivationsprobleme haben, wenn das Interesse am Fach fehlt. Außerdem ist oft schwer abzusehen, wie der Arbeitsmarkt aussehen wird, wenn man mit dem Studium fertig ist.

ZEIT ONLINE: Für viele Studiengänge gelten NCs. Sollte ich ein Psychologie- oder Medizinstudium lieber abschreiben, wenn meine Noten eher mau sind?

Mateus: Es gibt immer die Möglichkeit, über Wartesemester in einen Studiengang zu kommen, aber für manche Studiengänge sind diese Wartezeiten immens. Das kann schon mal sechs bis acht Jahre dauern. Wenn jemand aber trotzdem genau dieses Studium will und bereit ist zu warten, stellt sich die Frage, was er Sinnvolles in der Zwischenzeit machen kann: Gibt es Praktika oder eine Ausbildung, die später helfen? Oft empfiehlt sich allerdings, genau zu überlegen, wie man sein Berufsziel anders erreicht. Für Psychologie zum Beispiel kann Pädagogik eine Alternative sein, wenn man später mit Kindern arbeiten will. Fragen Sie sich immer: Was ist mein Plan B?