Im fünften Semester merkte Frank Köhnen, dass das Physikstudium nicht das richtige war. Es verlangte ihm zu viel Mathematik ab, es versprach ihm zu wenig handfeste Praxis. Köhnen verließ die Uni. Seine Kommilitonen brüten heute noch im Master, der 24-jährige Köhnen hat seit Anfang dieses Jahres eine unbefristete Arbeitsstelle. Dank seines Studienabbruchs. Das klingt paradox, aber die Karriere nach der gescheiterten Uni-Laufbahn liegt im Trend. Nur 18 Monate musste der Aussteiger in seine Berufsausbildung investieren, normalerweise ist der Abschluss erst nach drei Jahren möglich. 

Bundesweit kommen 28 Prozent aller Bachelor-Studenten nicht zum Abschluss, an Fachhochschulen gibt fast jeder vierte, an der Uni jeder dritte auf. Trotzdem gibt es mittlerweile weniger Berufsanfänger als junge Leute, die studieren. Es droht ein Mangel an Fachkräften mit Berufsausbildung. Genau da könnten die Studienaussteiger helfen, glaubt Bildungsministerin Johanna Wanka: "Studienabbrecher bringen häufig wichtige Vorqualifikationen mit." Die Arbeitgeber fischen sich gerne die Richtigen heraus. Diese "sollten die Chance ergreifen, bei der Zukunftssicherung des Handwerks eine Führungsrolle zu spielen", sagt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks.

Direkt nach dem Abi hatte Köhnen nur an ein Studium gedacht, überhaupt nicht an eine praktische Berufsausbildung. Als er sich in der theoretischen Physik aber sichtlich verstolperte, empfahl ihm ein Studienberater der Technischen Hochschule Aachen den Neustart, und zwar mit "Switch". Das ist eine Agentur der Stadt, die Studienaussteiger in eine verkürzte technische oder kaufmännische Berufsausbildung vermittelt.

Ein Unternehmen zur Softwareentwicklung bot Köhnen einen Ausbildungsplatz zum "Fachinformatiker" an, also zum Programmierer. Schon als Schüler hatte er ein Faible für Informatik und im Studium ein EDV-Praktikum absolviert. Nach dem Berufsabschluss Anfang dieses Jahres übernahm ihn seine Firma als festen Mitarbeiter. Nun stellt er komplizierte Produktionsabläufe grafisch dar, um sie möglichst noch zu optimieren. 

"Im Betrieb sind wir gut zwanzig Leute", erklärt Köhnen. "Funktion und Bezahlung hängen aber nicht davon ab, ob jemand  Akademiker ist." Sein Ausbildungsleiter ergänzt: "Die berufliche Fortbildung in unserem Bereich ist sogar laut Kultusministerkonferenz  gleichwertig  mit einem Studienabschluss!"