Die Staatsanwaltschaft Kiel hat Ermittlungen gegen die schleswig-holsteinische Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) eingeleitet. Es lägen hinreichende Anhaltspunkte dafür vor, dass sich Wende und der Universitätskanzler Frank Kupfer eventuell der Bestechung und Bestechlichkeit schuldig gemacht haben könnten. Wie die Behörde mitteilte, geht es auch um Betrugsverdacht.

Hintergrund ist die Rückkehroption Wendes als Professorin an die Universität Flensburg – dafür hätte extra eine Professur geschaffen werden müssen. Im Gegenzug für das ihr zugesicherte Rückkehrrecht habe Wende Frank Kupfer dem Senat der Hochschule zur Wiederwahl vorgeschlagen. Sie war von 2010 bis 2012 Präsidentin der Universität gewesen. Kupfer ist bereits seit 2007 in dieser Position an der Uni beschäftigt. Wende hatte nach heftiger Kritik auf die Rückkehroption verzichtet.      

Nach Angaben der Kieler Staatskanzlei wurden Räume im Gebäude der Ministerin sowie im Bildungsministerium durchsucht. Auch Wendes private Wohnung in Flensburg soll auf belastendes Material hin durchsucht worden sein. Die Landesministerin erklärte, sie kooperiere mit der Staatsanwaltschaft und halte sich für unschuldig. "Es wird sich herausstellen, dass schon die Annahme des Anfangsverdachts zu Unrecht erfolgt ist", sagte sie. Sie sehe den Ermittlungen gelassen entgegen.

In einer schriftlichen Stellungnahme lehnte Wende den von der Opposition erneut geforderten Rücktritt ab. Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) sagte: "In diesem Fall gilt – wie in anderen solchen Fällen auch – die Unschuldsvermutung. Wir haben keinen Hinweis, zu glauben, dass sich der Anfangsverdacht erhärten wird." Auch CDU-Fraktionschef Johannes Callsen sagte, es gelte die Unschuldsvermutung. Dennoch forderte er Wende dazu auf, ihr Amt bis zur Klärung der Vorwürfe ruhen zu lassen. Angesichts der im Raum stehenden Vorwürfe könne sie ihr Amt während der Untersuchung nicht ausüben. FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki dagegen sagte, es sei zu früh für Rücktrittsforderungen. Wende müsse sich aber selbst die Frage stellen, ob sie im Amt tragbar sei.

Die Staatsanwaltschaft ist nach eigenen Angaben bei der "Prüfung der öffentlichen Berichterstattung" über den Fall zu der Auffassung gelangt, ein Ermittlungsverfahren einzuleiten.