Für Unis gibt es keinen Weg zurück ins analoge Zeitalter. Sie sind gezwungen, die Art und Weise des herkömmlichen Lehrens zu überdenken. Ihre grundlegenden Strukturen haben seit dem Entstehen der ersten Universitäten im elften Jahrhundert die radikalsten Umwälzungen überlebt: die Erfindung der Druckerpresse, die Industrielle Revolution, Telefon, Radio, Fernsehen und zuletzt das Internet. Das alles konnte der grundlegenden Art und Weise nichts anhaben, wie Hochschulen Wissen produzieren und verbreiten, wie sie Studenten lehren und beurteilen.

Und nun versprechen  Massive Open Online Courses (MOOCs) nicht weniger als Demokratisierung und Personalisierung der Bildung: Jeder soll Zugang zu Hochschulangeboten erhalten – kostenlos und ohne Zugangsbeschränkungen, jeder kann dabei nach seiner Fasson glücklich werden. Lernen wird orts- und zeitunabhängig und maßgeschneidert nach individuellen Bedürfnissen.

In den USA haben MOOCs einen Hype entfacht, aber auch in Deutschland experimentieren immer mehr Hochschulen mit dem neuen Format. Doch können MOOCs ihre Versprechen bislang nicht gänzlich einlösen. Zwar ziehen sie Lernende an, doch bleibt das Ziel der Demokratisierung auf der Strecke: Tatsächlich sind es nicht die Bildungsarmen mit Laptop und Internetanschluss, denen ein Tor zu höherer Bildung geöffnet wird, vielmehr sind MOOCs-Nutzer überwiegend im akademischen System bereits zu Hause und verfügen über einen Hochschulabschluss. 

Die Verlockung, Kosten zu sparen

Zudem sind MOOCs heute selten mehr als digitale Kopien traditioneller Bildungsvermittlung. In Form von Videosequenzen mit Multiple Choice Tests ermöglichen sie zwar selbstgesteuertes Lernen, echte Personalisierung bleibt aber aus.  

Bisher scheint es vor allem verlockend zu sein, die Online-Massenvorlesungen als Videokonserven zu nutzen, um Kosten zu sparen. Die Herausforderung besteht aber darin, nicht einfach alte Inhalte in einem neuen Medium zu präsentieren. Es geht um eine gezielte Verzahnung. Es könnten Offline- und Online-Unterricht, lehrergeleiteter und selbstgesteuerter Unterricht, One-on-one und gemeinschaftlicher Unterricht nebeneinander stehen. 

Es geht nicht um ein Entweder-oder, sondern um ein Sowohl-als-auch. MOOCs entfalten ihren größten Nutzen, wenn sie die Präsenzlehre sinnvoll ergänzen. Eine Reihe von Studien legt nahe, dass Blended Learning, also die Mischung aus Online- und Offline- Lernelementen, nicht nur zu höherer Zufriedenheit der Lernenden, sondern auch zu besseren Noten führen kann.