ZEIT ONLINE: Herr Professor Porombka, was dürfen die Leser der ZEIT in den kommenden Woche von Ihrer Kolumne erwarten?

Stephan Porombka: Im Chancen-Teil, in dem meine Kolumne erscheint, werden immer bestimmte Bildungsthemen verhandelt. Für mich ist es total schön, die Sachen, die ich mache, damit zu kombinieren. Ein Angebot zu machen heißt, sich selbst in Bewegung zu bringen. Man kann die Zeitung ja als etwas verstehen, wo man dauernd kleine Puzzlestücke nimmt – hier einen Artikel, da einen Artikel, da noch ein Bild – und diese als Leser zusammenpuzzelt, um selbst auf neue Ideen zu kommen. Ich gebe ein Puzzlestück dazu und so kann jeder selbst anfangen, Sachen zu verwandeln, zu transformieren. Wenn das gelingt, wäre das toll.

ZEIT ONLINE: Wie arbeiten Sie?

Porombka: Die Sachen, die ich vorführe, sind eine bestimmte Form der ästhetischen Praxis. Das ist dadurch gedeckt, dass ich an einer Kunsthochschule lehre. Ich gehe mit Kulturobjekten um, probiere sie aus, um bestimmte Effekte hervorzubringen. Das sind Sachen, von denen ich unmittelbar umgeben bin. Ein Beispiel: Wenn ich mich mit dem Einfluss der Computerkultur auf die Buchkultur beschäftige, sehe ich, dass die Bücher in neue Diskursformationen hineingeschoben werden. Wie sie anders betrachtet werden und wie man mit ihnen umgeht, das probiere ich aus. Was ich mache ist eine Art Experimentaljournal.

ZEIT ONLINE: Sie haben Blumendrohnen gebastelt, nutzen Bierflaschen als Buchstützen oder bauen Schweizer Taschenbuchmesser. Woher nehmen Sie Ihre Ideen?

Porombka: Ich beobachte mich selbst, aber auch andere Leute, die kreativ sind, Sachen schreiben oder malen. Es ist das, was ich Ökologie der Kreativität nenne: Man baut sich ein Netzwerk, in dem esoterisch gesprochen bestimmte Energien gut fließen, die Sachen in Bewegung gehalten werden. Meine Professur, die Räume und Personen um mich herum – das würde ich etwas platt ein inspirierendes Umfeld nennen. Die Umgebung macht es wahrscheinlicher, dass ich dauernd auf Ideen komme. Auf der praktischen Ebene heißt das: Ich habe hier viele Bücher und Farben und Stifte und Scheren, einen Tisch, an dem ich arbeiten kann. Ich habe den Computer, einen Beamer. Wenn man jetzt genau hinschaut, ist es ja so, dass ich die Dinge in Bewegung bringe oder zusammenbringe. Bei dem Schweizer Taschenbuchmesser zum Beispiel: Das sind Sachen, die rumliegen, kombinatorische Experimente, die ich zusammenklebe. Es sind keine bleibenden Werke, die ich schaffe. 

ZEIT ONLINE: Sie twittern seit fast drei Jahren, aber ab dem 19. März erscheint Ihre neue Kolumne in der ZEIT in gedruckter Form. Was macht für Sie den Reiz dieses Projektes aus? 

Porombka: Sehr viel von dem, was bei Twitter passiert, speist sich aus den Ideen des klassischen Feuilletons. Wenn ich meinen Newsfeed bei Twitter sehe, dann sehe ich die verschiedensten Sachen, die mit Kultur, mit Gegenwart, mit Reflexion zu tun haben. Ich werde auf Reportagen verlinkt, auf Essays, auf Blogs und so weiter. Ich finde es so interessant, weil mich dieses Projekt an Football is coming home erinnert: Tweets können in den Print zurückkommen. Damit kommen wir an den Punkt, von dem aus es seinen Ausgang genommen hat. Ich finde es schön, dass sich Professors Praxis jetzt wieder im Rahmen der Zeitung selbst findet und auch im Kontext der Themen wahrgenommen wird, die Ausgabe für Ausgabe dort entfaltet werden.