Sie kommen, studieren und gehen dann wieder: Deutschland kann ausländische Studenten nicht halten. Dabei wären sie so wichtig für den Arbeitsmarkt.

Deutschland macht zu wenig aus seiner Beliebtheit bei ausländischen Studenten. Wie eine Studie ergab, brechen zu viele das Studium ab oder kehren nach erfolgreichem Abschluss in die Heimat zurück. So gehen sie dem deutschen Arbeitsmarkt als Fachkräfte verloren. 

41 Prozent der Ausländer brechen ihr Studium ab, und von den Erfolgreichen bleiben nach Studienabschluss nur rund 44 Prozent in Deutschland, heißt es in dem Hochschul-Bildungs-Report, den der Stifterverband und McKinsey gemeinsam erstellten. Bei gleichbleibenden Bildungsausgaben könnten dem deutschen Arbeitsmarkt jährlich etwa 10.000 Fachkräfte mehr zur Verfügung stehen – dazu müsse aber die Studienabbrecherquote auf das Niveau der deutschen Studienanfänger (unter 30 Prozent) gesenkt werden, heißt es. Die Verbleibequote für alle Ausländer müsste sich auf das Niveau von EU-Ausländern in Deutschland (52 Prozent) steigern.

McKinsey hatte 320 repräsentative ausgewählte Unternehmen befragt. Die Unternehmensberater äußerten sich besorgt: "Diese Zahlen sind alarmierend, denn für jedes zweite Unternehmen in Deutschland sind ausländische Studierende mittlerweile wichtig, um den eigenen Fachkräftebedarf zu decken", sagte McKinsey-Direktor Jürgen Schröder.

Auch der Stiftungsverband, der der Wirtschaft nahesteht und damit eher die Interessen der Unternehmen widerspiegelt, warnte vor den Folgen dieser Entwicklung: "Deutschland ist ein Bildungstransitland", sagte der stellvertretende Generalsekretär des Stifterverbandes, Volker Meyer-Guckel. "Wir investieren viel Geld in ausländische Studierende, tun aber zu wenig, um diese erfolgreich zum Studienabschluss zu führen und sie zum Verbleib in Deutschland zu motivieren." Der Handlungsbedarf sei dringend, da aktuellen Prognosen zufolge im Jahr 2025 vier von zehn Studienanfängern einen ausländischen Pass haben würden.

Stifterverband und McKinsey schlugen ein neues Finanzierungsmodell vor, mit dem der Bund Hochschulen "dauerhafte Anreize für eine qualitätsorientierte Gewinnung ausländischer Studierender und einen erfolgreichen Studienabschluss" setzt.

Studierendenzahl verdoppelt

Nach vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes lag die Zahl aller ausländischen Studierenden im Wintersemester 2014/15 bei fast 320.000 – mehr als eine Verdoppelung seit 1996. Die für 2020 von der Politik gesetzte Zielmarke liegt bei 350.000. Den Statistikern zufolge gab es 2014 gut 107.000 ausländische Studienanfänger an deutschen Hochschulen, so viele wie nie zuvor.

Der Hochschul-Bildungs-Report erscheint seit 2013 jährlich. Die Initiatoren hatten sich zur Aufgabe gemacht, Empfehlungen für das Jahr 2020 zu liefern. Sie erarbeiten sie im Dialog mit Experten aus den Mitgliedsunternehmen des Stifterverbands, Wissenschaftsorganisationen und Vertretern der Zivilgesellschaft.