"Um ein guter islamischer Banker zu sein, muss man zuerst ein guter Banker sein." Der 36-jährige Philippe Sage, ein französischer Banker mit deutscher Studienerfahrung, ist ein Pionier: er gehört zum ersten Jahrgang des neuen Masterabschlusses islamische Finanzen, den die Straßburger Universität als erste in Frankreich eingeführt hat. "Die Wirtschaftskrise hat uns Zulauf gebracht", sagt der Jurist Michel Storck, der die etwa 30 Studenten an der Universität und der Hochschule für Management in Straßburg ausbildet.

Für den nächsten Jahrgang von Januar 2010 an haben sich bereits mehr als doppelt so viele Kandidaten beworben wie in das Programm mit 400 Stunden aufgenommen werden können. "Bank- und Versicherungsangestellte, die ihren Job verloren haben, satteln um auf islamische Finanzen. Da wächst der Bedarf", sagt Storck. Bei Sage war die Neugier Antriebskraft. "Ich habe davon in der Zeitung gelesen und wollte nach zehn Jahren Berufserfahrung in Straßburg, Frankfurt und Shanghai sowieso eine Studienpause einlegen", sagt er.

Gelehrt wird in dem einjährigen Studiengang der Umgang mit Finanzprodukten, die mit der Scharia, dem Gesetz des Islam, vereinbar sind. So muss beispielsweise das Zinsverbot beachtet werden. "Im Islam darf man nicht Geld mit Geld machen", sagt Sage. Tabu ist der Handel mit Derivaten oder Zertifikaten, die mit zu den Auslösern der Finanzkrise gehören. Was Sage besonders am islamischen Banking gefällt, sind die Politik der Investitionen in reale Projekte, häufig in Bauvorhaben, und die Risiko-Beteiligung des Kapitalgebers.

"Die Bank steigt in ein Projekt mit ein und trägt auch mit am Risiko, wenn die Sache nicht klappt", schildert er. Wo beispielsweise bei herkömmlichen Banken einem Kreditnehmer Strafzinsen aufgebrummt werden, wenn seine monatlichen Raten ins Stocken geraten, muss die islamische Bank in einem solchen Fall neu verhandeln und mit dem Kunden eine Lösung finden. Natürlich machen islamische Banken auch Profite: bei Immobilien etwa kauft die Bank das Haus, das der Kunde haben will, und verkauft es ihm zu einem erhöhten Preis weiter.