Bologna-Reform Der Bachelor soll besser werden

Die Kultusminister der Länder wollen sich auf eine gemeinsame Strategie einigen, um den Bachelor zu reformieren. Ziel ist vor allem mehr Flexibilität

Den Bachelor zu verbessern haben Unileitungen und Wissenschaftsminister im Sommer den Studierenden versprochen, die im "Bildungsstreik" gegen überfrachtete Lehrpläne und Prüfungsstress protestiert hatten. Am heutigen Donnerstag will sich die Kultusministerkonferenz (KMK) in Waren an der Müritz auf eine gemeinsame Strategie in den Ländern einigen. "Wir wollen die Kritik der Studierenden wirklich ernst nehmen, ohne allerdings Bachelor und Master grundsätzlich in Frage zu stellen", sagt Doris Ahnen (SPD), Wissenschaftsministerin in Rheinland-Pfalz, dem Tagesspiegel. Verbessert werden solle vor allem die Studierbarkeit der Bachelorprogramme.Welchen Einfluss haben dabei die Länder – angesichts der weitgehenden Autonomie der Hochschulen? In Rheinland-Pfalz etwa sehe die Novelle des Hochschulgesetzes vor, dass Module im Bachelor- und Masterstudium in der Regel nur noch mit einer Prüfung statt mit mehreren Teilprüfungen abgeschlossen werden, sagte Ahnen. Die KMK wolle die Hochschulen zudem auffordern, die Spielräume für die Studiendauer auszuschöpfen und in begründeten Fällen auch sieben- oder achtsemestrige Studiengänge anzubieten sowie einzelne Module nicht starr miteinander zu verknüpfen, sondern Flexibilität zuzulassen. Dies sei Konsens zwischen SPD- und unionsregierten Ländern. Die Curricula der Studiengänge zu entschlacken, sei allerdings Aufgabe der Hochschulen.

Der Hochschulverband (DHV), die konservative Standesvertretung der Professoren, warnt die KMK indes vor "betulicher Nachbesserungsrhetorik". "Nur durch massives Gegensteuern kann das weitgehend verspielte Vertrauen in den Bologna-Prozess zurückgewonnen werden", erklärte DHV-Präsident Bernhard Kempen. Der Verband bleibt bei seinen Vorbehalten gegen die Studienreform. Nach einem jetzt vorgelegten Forderungskatalog soll nicht der Bachelor Regelabschluss sein, sondern der Master. Nur er gewährleiste eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung. Damit künftig statt einem Drittel jeder Studierende zum Master zugelassen werden könne, müssten zusätzliche Stellen geschaffen werden. Dafür benötigten die Hochschulen über die Mittel aus dem Hochschulpakt hinaus zusätzlich drei Milliarden Euro pro Jahr. 

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Kempen sprach sich erneut dafür aus, die Umstellung von Diplom- in gestufte Studiengänge zu stoppen. Es müsse der Beweis erbracht werden, dass die Reformstudiengänge den herkömmlichen überlegen seien. An der "weltweit anerkannten Marke Dipl. Ing." soll ohnehin festgehalten werden, in den Ingenieurwissenschaften müsste der Masterabschluss zugleich als "Diplom" bezeichnet werden.

 
Leser-Kommentare
    • Buker
    • 15.10.2009 um 13:31 Uhr

    ...hätten unsere Herren Politiker die Kritik der Betroffenen einfach schon vor der Umstellung auf Bachelor/Master mal hören sollen.
    Alle jetzt geneannten Probleme wurden von der Studenten und Teilen der Universitätsleitungen schon lange vorher benannt, allein sie wurden ignorant ignoriert und so wird es auch bei der kommenden Reform sein.
    Politik vom Elfenbeinturm aus. Und dabei wird das sonst nur uns Wissenschaftlern unterstellt...

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    • OneDay
    • 15.10.2009 um 17:28 Uhr

    dafür ein paar Beispiele aus der Zeit vor 1999 nennen?

    Es ist traurig dass sich die politisch gestaltenden Personen Luftschlössern hingeben und es vorziehen den Soll-Zustand als Ist zu verkaufen. Ich bin selbst an einer Hochschule Student gewesen und nun dort Tätig. Aus meiner Erfahrung bringt der Bolognia Prozess keinerlei Vorteile. Europaübergreifend studieren war schon lange davor möglich. Es ist versäumt worden in Europa einheitliche Termine für den Semesteranfang einzuführen. Statt dessen sind die Studenten hoffnungslos überfordert an ihrer Heimatuniversität den Stoff zu lernen.
    Wir leben in einer komplizierten Welt die nach aufwendigen Lösungen sucht, bei der Ingenieurausbildung hat das Deutschland Jahrzehntelang vor gemacht. Ich selbst hatte im Jahr 2006 eine Podiumsdiskussion mit Politikern besucht, jedoch stellte ich nur ein ignorantes Desinteresse an den praktischen Fragen fest. Ein kausales System ist berechenbar und damit vorhersehbar nur man muss eben sehen wollen!
    Es ist traurig das so ein wichtiges Feld wie die Bildung einen so geringen Stellenwert einnimmt, das Wahlvolk lebt in einen globalen Wettbewerb den es auch die nächsten Jahrzehnte zu gewinnen gilt. Nur mit bunten Fahnen und positiver Stimmung klappt das leider nicht, das wurde eindrucksvoll vor ca. 20 Jahren in der DDR bewiesen.

    • OneDay
    • 15.10.2009 um 17:28 Uhr

    dafür ein paar Beispiele aus der Zeit vor 1999 nennen?

    Es ist traurig dass sich die politisch gestaltenden Personen Luftschlössern hingeben und es vorziehen den Soll-Zustand als Ist zu verkaufen. Ich bin selbst an einer Hochschule Student gewesen und nun dort Tätig. Aus meiner Erfahrung bringt der Bolognia Prozess keinerlei Vorteile. Europaübergreifend studieren war schon lange davor möglich. Es ist versäumt worden in Europa einheitliche Termine für den Semesteranfang einzuführen. Statt dessen sind die Studenten hoffnungslos überfordert an ihrer Heimatuniversität den Stoff zu lernen.
    Wir leben in einer komplizierten Welt die nach aufwendigen Lösungen sucht, bei der Ingenieurausbildung hat das Deutschland Jahrzehntelang vor gemacht. Ich selbst hatte im Jahr 2006 eine Podiumsdiskussion mit Politikern besucht, jedoch stellte ich nur ein ignorantes Desinteresse an den praktischen Fragen fest. Ein kausales System ist berechenbar und damit vorhersehbar nur man muss eben sehen wollen!
    Es ist traurig das so ein wichtiges Feld wie die Bildung einen so geringen Stellenwert einnimmt, das Wahlvolk lebt in einen globalen Wettbewerb den es auch die nächsten Jahrzehnte zu gewinnen gilt. Nur mit bunten Fahnen und positiver Stimmung klappt das leider nicht, das wurde eindrucksvoll vor ca. 20 Jahren in der DDR bewiesen.

    • OneDay
    • 15.10.2009 um 17:28 Uhr

    dafür ein paar Beispiele aus der Zeit vor 1999 nennen?

    Antwort auf "Vielleicht..."
  1. Es ist traurig dass sich die politisch gestaltenden Personen Luftschlössern hingeben und es vorziehen den Soll-Zustand als Ist zu verkaufen. Ich bin selbst an einer Hochschule Student gewesen und nun dort Tätig. Aus meiner Erfahrung bringt der Bolognia Prozess keinerlei Vorteile. Europaübergreifend studieren war schon lange davor möglich. Es ist versäumt worden in Europa einheitliche Termine für den Semesteranfang einzuführen. Statt dessen sind die Studenten hoffnungslos überfordert an ihrer Heimatuniversität den Stoff zu lernen.
    Wir leben in einer komplizierten Welt die nach aufwendigen Lösungen sucht, bei der Ingenieurausbildung hat das Deutschland Jahrzehntelang vor gemacht. Ich selbst hatte im Jahr 2006 eine Podiumsdiskussion mit Politikern besucht, jedoch stellte ich nur ein ignorantes Desinteresse an den praktischen Fragen fest. Ein kausales System ist berechenbar und damit vorhersehbar nur man muss eben sehen wollen!
    Es ist traurig das so ein wichtiges Feld wie die Bildung einen so geringen Stellenwert einnimmt, das Wahlvolk lebt in einen globalen Wettbewerb den es auch die nächsten Jahrzehnte zu gewinnen gilt. Nur mit bunten Fahnen und positiver Stimmung klappt das leider nicht, das wurde eindrucksvoll vor ca. 20 Jahren in der DDR bewiesen.

    Antwort auf "Vielleicht..."
    • chrisi
    • 17.10.2009 um 11:52 Uhr

    Was wollt Ihr eigentlich? Ich gehörte in meiner Uni zu den ersten Bachelorn in Maschinenbau, und fand es nicht schlecht. Alle haben früher gemeckert das in Deutschland die Ausbildung so lange dauert. Immer wurde gesagt, dass in anderen Ländern es möglich sei, mit 23 fertig studiert zu haben. Jetzt ist die Möglichkeit da und allen geht es zu schnell.
    Ein Auslandsemester war früher möglich und ist es auch immer noch.
    Außerden: weltweit werden die Deutschen nicht wegen ihres Diploms beneidet sondern wegen der Technologie unseres Landes. Keiner hat im Ausland von Diplom gehört!!! Hört doch auf immer die Vergangenheit zu glorifizieren!

  2. wenn man bedenkt wieviel Zeit in einer Bildungsbiographie verschwendet wird (Wartezeiten zwischen Abi bis Studium fast 6 Monate, Wehr- oder Zivildienst 9 Monate, bis zu 12 Monate Arbeitssuche bis zum ersten Job etc.) verstehe ich nicht, warum es unbedingt notwendig sein soll, die Lehrinhalte des Berufs, den man ein ganzes Leben lang ausübt, unbedingt auf 3 Jahre zusammenzukürzen. Dort, wo es den Bachelor schon gibt und von der Wirtschaft sehr junge Leute auch wirklich nachgefragt werden, kann man ihn ja durchaus beibehalten (z.B. Ingenieurswissenschaften, wobei man den Master dort ja auch gern wieder Dipl.-Ing. nennen kann). Ansonsten sollte man bei den Reformen (der Reform willen) mal lieber auf die Bremse drücken. Ganz nebenbei könnte man ja auch mal hinterfragen, ob jeder Studiengang wirklich eine englische Bezeichnung tragen muss. Klingt ein in Greifswald erworbener "Master of Romanistic Studies" auf dem int. Arbeitsmarkt wirklich seriöser als der gute alte Magister Artium?

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