Exzellente Lehre Keine reinen Forschungsprofessuren

Die Universität Potsdam wurde für ihre exzellente Lehre ausgezeichnet. Was macht die Hochschule besser als andere? Ein Interview mit Uni-Präsidentin Sabine Kunst

Studenten an der Uni Potsdam. Die Hochschule wurde für ihre gute Lehre ausgezeichnet

Studenten an der Uni Potsdam. Die Hochschule wurde für ihre gute Lehre ausgezeichnet

ZEIT ONLINE: Frau Kunst, die Universität Potsdam wurde gerade im Rahmen der Initiative "Exzellenz in der Lehre" ausgezeichnet. Welchen Stellenwert hat die Lehre an der Uni?

Sabine Kunst: Einen sehr großen. Das sieht man schon daran, wie die Lehre bei uns organisatorisch eingebunden ist. Als Präsidium betreiben wir ein systematisches Qualitätsmanagement für die Lehre und wollen so sicherstellen, dass alle dahinterstehen. Wir haben einen hauptamtlichen Vizepräsidenten für Lehre und Studium, bei dem ein Zentrum für Qualitätsentwicklung angesiedelt ist. Dieses wiederum gibt direkt Rückmeldungen an die Hochschulleitung.

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ZEIT ONLINE: Und inhaltlich?

Sabine Kunst
"Es ist ein Qualitätskriterium, dass neue Professoren die Lehre sehr wichtig nehmen."

"Es ist ein Qualitätskriterium, dass neue Professoren die Lehre sehr wichtig nehmen."

Kunst: Wir setzen auf ein Konzept forschungsbasierter Lehre. Die Uni Potsdam ist eine mittelgroße Uni und hat ausgeprägte Forschungsstärken, aber wir wollen uns reine Forschungsprofessuren nicht leisten. Wenn jemand berufen wird, ist immer die Bereitschaft Bedingung, dass er oder sie Zielvereinbarungen im Bereich Lehre eingeht. Elemente innovativer Lehre zahlen sich auch im Gehalt aus.

ZEIT ONLINE: Was heißt innovative Lehre konkret?

Kunst: Beispielsweise die internationale Ausrichtung von Bachelor-Studiengängen, forschendes Lehren und Lernen, Teilhabe an forschungsorientierten Graduiertenkollegs, die Einbindung von Kongressen in Lehrveranstaltungen oder die Zusammenarbeit zwischen Fakultäten. Ein besonderes Projekt ist die Graduiertenschule für Doktoranden, in der etwa 450 unserer rund 1400 Doktoranden organisiert sind. Wer lehren will, der wird eingesetzt in der forschenden Lehre für Bachelor-Studiengänge. In Praktika erklären Doktoranden dann den Studenten zum Beispiel anhand ihrer eigenen Doktorarbeiten, wie die eine oder andere Methodik funktioniert.

Leser-Kommentare
  1. Die University of Chicago ist stolz auf ihre achtzig Nobelpreisträger. Wenn Obama nach seiner Amtszeit auf den Campus zurückkehrt, wo er mehrere Jahre lehrte (sein Haus liegt gleich nebenan), dann könnten es sogar 81 werden. Die Exzellenz in der Lehre versteht sich dort übrigens von selbst.

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    • flows
    • 26.10.2009 um 18:40 Uhr

    Vielleicht lohnt sich ein Gedanke darüber, wie man die Exzellenz der Forschung überhaupt herstellen kann, denn von alleine wird niemand schlauer. Durch "Exzellenz in der Lehre" wäre doch ein weg - gut ausgebildete Studenten sind vielleicht eher in der Lage, auch ausgezeichnete Forschungsergebnisse zu erbringen.
    So sind Forschung und Lehre doch eigentlich zwei Seiten derselben Medaille- sie ergänzen sich gegenseitig. Warum also nicht mit bei der Lehre ansetzen und junge Talente fördern (auf die ja mit Klimawandel, Staatsverschuldung und wachsender Ungleichheit schwere Probleme zukommen) anstatt mit Millionen um berühmte Professoren zu kämpfen? Die Exzellenz der Forschung könnte sich von selbst ergeben.

    • flows
    • 26.10.2009 um 18:40 Uhr

    Vielleicht lohnt sich ein Gedanke darüber, wie man die Exzellenz der Forschung überhaupt herstellen kann, denn von alleine wird niemand schlauer. Durch "Exzellenz in der Lehre" wäre doch ein weg - gut ausgebildete Studenten sind vielleicht eher in der Lage, auch ausgezeichnete Forschungsergebnisse zu erbringen.
    So sind Forschung und Lehre doch eigentlich zwei Seiten derselben Medaille- sie ergänzen sich gegenseitig. Warum also nicht mit bei der Lehre ansetzen und junge Talente fördern (auf die ja mit Klimawandel, Staatsverschuldung und wachsender Ungleichheit schwere Probleme zukommen) anstatt mit Millionen um berühmte Professoren zu kämpfen? Die Exzellenz der Forschung könnte sich von selbst ergeben.

    • flows
    • 26.10.2009 um 18:40 Uhr

    Vielleicht lohnt sich ein Gedanke darüber, wie man die Exzellenz der Forschung überhaupt herstellen kann, denn von alleine wird niemand schlauer. Durch "Exzellenz in der Lehre" wäre doch ein weg - gut ausgebildete Studenten sind vielleicht eher in der Lage, auch ausgezeichnete Forschungsergebnisse zu erbringen.
    So sind Forschung und Lehre doch eigentlich zwei Seiten derselben Medaille- sie ergänzen sich gegenseitig. Warum also nicht mit bei der Lehre ansetzen und junge Talente fördern (auf die ja mit Klimawandel, Staatsverschuldung und wachsender Ungleichheit schwere Probleme zukommen) anstatt mit Millionen um berühmte Professoren zu kämpfen? Die Exzellenz der Forschung könnte sich von selbst ergeben.

  2. an meiner Uni in Deutschland hat sich nie irgendjemand dafür interessiert, was wir (Doktoranden/PostDocs) von der Lehre halten, und Verbesserungsvorschläge waren auch nicht erwünscht. Klare Vorgaben fehlten auch, z.B. was zu tun ist, wenn man einen Studenten beim Schummeln erwischt. Eine Evaluierung gab es nur für den gesamten Kurs, nicht für die einzelnen Lehrenden - und grade das hat mir in den USA sehr viel geholfen, weil man dort genau sehen konnte, wo man gut war und wo man sich verbessern mußte (was oftmals zu großen Überraschungen führte).

    • BerndL
    • 27.10.2009 um 23:01 Uhr

    Im Unterschied zu den USA hat die Qualität der Lehrveranstaltungen keine wirklichen auswirkungen für den Hochschullehrer. Vom Ergebnis der Evaluierungen hängen in den USA beträchtliche Gehaltssteigerungen ab- bei uns gar nichts.
    Ich habe selbst Evaluierungen bei uns erlebt- die meisten Fragen sind sinnlos und beschäftigen sich nur mir Nebensächlichkeiten (Sprechzeiten, Vorbereitungsmaterial etc). Die wichtigste Frage (ist die Vorlesung gut oder nicht?) wird meist gar nicht gestellt.
    Die msieten Aussagen im Interview sind Allgemeinplätze oder weltfremd.
    Ohne gute Forscher als Professoren kann es keine gute Uni geben.

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    wie wollen Leute, die üer keine Vergleichsmöglichkeiten verfügen, eine Vergleich vornehmen?

    Oder anders ausgedrückt: wie hätte in der DDR ein Ranking der Autos ausgesehen?

    Lada
    Skoda
    Wartburg
    Trabant

    Ok, da es ja auch einige Volvos (vom Politbüro) gab, hätte der Lada eine 3 bekommen, und der Trabbi eine 6, oder?

    Wenn es nur schlechte Vorlesungen gibt, dann verteilt man das Notenspektrum entsprechend... Nach meiner Zeit in den USA habe ich keiner Vorlesung in Deutschland mehr eine Note besser als 4 gegeben...

    wie wollen Leute, die üer keine Vergleichsmöglichkeiten verfügen, eine Vergleich vornehmen?

    Oder anders ausgedrückt: wie hätte in der DDR ein Ranking der Autos ausgesehen?

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    Wartburg
    Trabant

    Ok, da es ja auch einige Volvos (vom Politbüro) gab, hätte der Lada eine 3 bekommen, und der Trabbi eine 6, oder?

    Wenn es nur schlechte Vorlesungen gibt, dann verteilt man das Notenspektrum entsprechend... Nach meiner Zeit in den USA habe ich keiner Vorlesung in Deutschland mehr eine Note besser als 4 gegeben...

  3. wie wollen Leute, die üer keine Vergleichsmöglichkeiten verfügen, eine Vergleich vornehmen?

    Oder anders ausgedrückt: wie hätte in der DDR ein Ranking der Autos ausgesehen?

    Lada
    Skoda
    Wartburg
    Trabant

    Ok, da es ja auch einige Volvos (vom Politbüro) gab, hätte der Lada eine 3 bekommen, und der Trabbi eine 6, oder?

    Wenn es nur schlechte Vorlesungen gibt, dann verteilt man das Notenspektrum entsprechend... Nach meiner Zeit in den USA habe ich keiner Vorlesung in Deutschland mehr eine Note besser als 4 gegeben...

  4. Unis als kostengünstige Lehrprofessurmit erhöhten Deputat eingeführt werden soll, ist m.E. ziemlich bedenklich. Wer im Akkord lehrt, aber aus Zeitmangel nicht mehr forschen kann, wird (wie der Informatik-Lehrer in der Schule) auf lange Sicht nur noch längst überholte Ladenhüter-Inhalte bieten können. Wer exzellent forscht, sollte sich dagegen nicht zu fein sein, den wissenschaftlichen Nachwuchs an neuen Erkenntnissen teilhaben zu lassen.

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