Stipendiensystem "Der Ausbau des BAföG ist wichtiger"Seite 2/2
Auch die Grünen im Bundestag kritisieren das Stipendiensystem. "Exklusive Stipendien für wenige dürfen nicht zulasten des BAföGs gehen, sonst wird die soziale Auslese verschärft", sagte Kai Gehring, hochschulpolitischer Sprecher der Grünen. Viele Fragen seien ungeklärt: etwa, welchen Einfluss Firmen auf die Studienwahl gewinnen und wie konjunkturabhängig die Stipendienvergabe sein wird. Studierendenvertreter vom Freien Zusammenschluss der Studierendenschaften (fzs) nannten die CDU/FDP-Pläne "eine dramatische Fehlentwicklung": "Bevor man die Förderung von Hochbegabten weiter ausbaut, muss erst einmal die Grundversorgung aller StudentInnen sichergestellt werden."
Tobias Rossmann von der Studierendenvertretung der Humboldt-Uni kritisierte, bei den Stipendien handle es sich "weniger um eine Unterstützung von Begabten als um die zusätzliche Förderung von Kindern aus wohlhabenden Familien". OECD-Studien zeigten, "dass vor allem in Deutschland der Grad der Bildung maßgeblich von der sozialen Herkunft abhängt".
In der Koalition selbst umstritten ist der Vorschlag, jedem Neugeborenen 150 Euro vom Staat auf ein Bildungskonto zu zahlen – als Grundlage für weiteres Bildungssparen der Eltern. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Ernst Dieter Rossmann sieht darin zudem einen Einstieg in die "Privatisierung von Bildung": "Man darf die Bildungschancen von Kindern nicht abhängig machen vom Verhalten ihrer Eltern."
Welche Förderung gibt es und wie finde ich ein passendes Stipendium? Der ZEIT Stipendienführer gibt umfassenden Überblick.
- Datum 21.10.2009 - 10:28 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
- Kommentare 5
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







Vor 10 Jahren erhielt ich das letzte Mal BaföG. Ich erinnere mich, dass ich 43,50 DM monatlich bekam (meine Eltern sind beide ungelernte Fabrikarbeiter) und ich einen fast Vollzeitjob annehmen musste um mein Studium zu finanzieren, was mich zeitlich vollkommen aus der Bahn geworfern hat. Dagegen erhielt ein Komilitone von mir, den Vollsatz, da sein Zahnarztvater mit seinen Abschreibungsmöglichkeiten tricksen konnte. Und dies war kein Einzelfall.
Als Immigrantenkind kann ich ein Lied über soziale Auslese singen. Ich hatte glücklicherweise durch eine angeborene starke Neugier keine Probleme die Schule zu meistern. Aber von meinen Eltern kam keine Unterstützung um meine geistigen Fähigkeiten zu entwickeln. Und dies ist nicht böse gemeint, da sie erstens nicht die Fähigkeiten besaßen und zweitens nach einem langen Schichtarbeitstag zu erschöpft dafür waren.
Um später aber ein erfolgreiches Berufs- und Familienleben zu führen benötigt es vieler Eigenschaften die größtenteils nur durch Erziehung vermittelbar sind. Disziplin, Einfühlungsvermögen, Werte etc... Selbst bei Wohlbetuchten ist Kindererziehung ein schweres Unterfangen, bei Personengruppen die sozial unten stehen ein Ding der Unmöglichkeit.
Ein solch weitentwickelter Staat wie Deutschland versagt in der Fürsorge seiner schwächsten Bürger. Anstatt mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, legt er ihnen noch Steine in den Weg um die eigene "Brut" (und seien sie noch so große Versager) an die Futtertöpfe zu führen.
Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: "Halt du sie dumm, – ich halt' sie arm!"
Die letzten Jahre haben einige Vermögen umverteilt und "Exzellenz" als Maxime in der Bildung etabliert. Dass Hartz 4 sich vom Prinzip der Bedürftigkeit ("Jedem das seine") zu einem ganz anderen ("Jedem das gleiche [aber nur, wenn er auch arbeiten will und nur so viel, wie wir irgendwie für angemessen halten]") entwickelt hat, dürfte inzwischen offensichtlich sein. Ein ähnlicher Weg scheint in der Bildung eingeschlagen zu werden: Für die Masse gibt es ein wenig Einheitskost, genau so viel, dass es irgendwie zum überleben zu reichen scheint. Für die eigene Klientel hingegen gibt es immer mal wieder ein kleines Bonbon - Steuergeschenke oder finanzielle Förderung einzelner unabhängig deren Bedürftigkeit.
Nicht falsch verstehen: Jemandem Motivation zu geben sich anzustrengen, ist sicher nicht verkehrt. Aber der Staat muss eine gesunde Balance finden für alle. Und dabei darf man die Augen vor dem Bedarf nicht verschließen. Und genau letzteres, die Augen vor dem Bedarf verschließen, hat leider schon eine sehr lange Tradition beim Bafög: Oder wieso wurden über viele Jahre die Bafög-Sätze nicht an die Lebenshaltungskosten angepasst?
Dass Schwarz-Gelb nur weiter in diese Richtung gehen wird, war leider absehbar...
Weder Bafög noch der oben erwähnte Vorschlag bringen
uns weiter. Die Erfahrungen von lrt14174 (post 1)
bezüglich des Zahnarztvaters kann jeder bestätigen
und disqualifizieren das Bafög System.
Jeder befähigte Student soll für die Dauer
der Regelstudienzeit ein Stipendium erhalten,
von dem man leben kann. Dabei kann man sich an
den Hartz IV Sätzen orientieren. Es wäre auch
nicht schlimm, wenn der Student studienbegleitend
Leistungen nachweisen muss.
Finanziert werden kann das durch einen Soli,
der bei Jahres-Brutto-Gehältern von über
100 000 Euro progressiv erhoben wird.
Besonders begabten Studenten kann man helfen,
indem man ihnen Aufenthalte im Ausland an
renommierten Unis oder Studienreisen in den
Semesterferien finanziert.
Ich hatte mal einen Studenten aus Palestina
bei mir im Tutorium, der studienbegleitend
Transporter fuhr, um seinen Lebensunterhalt
zu sichern. Einmal traf ich ihn bei der Arbeit
eine Woche vor der Klausur: Unter dem Rückspiegel
baumelte ein Blatt Papier mit komprimiertem
Mathestoff, den er während der Rot-Phasen studierte.
Mit Erfolg, die Klausur hat er glänzend bestanden.
Bafög hat er wohl keines bekommen.
Für mich sind beide Ansätze am Ziel vorbeigeschossen.
Ein Stipendiensystem wird eh nur "Kleckerweise" verteilt. Aus dem Grund wird auch keine genaue Zahl der Stipendien angegeben. Was nützt es denn, wenn ein ganz geringer Bruchteil der Studenten ein Stipendium bekommt.
Andererseits ist die Anhebung des Bafög-Satzes auch keine Lösung. Meiner Meinung nach ist der aktuelle Bafög-Satz schon fast zu hoch (das sage ich als Student). Wer den maximalen Bafögsatz bekommt und dazu noch Kindergeld erhält kann sich ein angenehmes Leben machen - das alles ohne auch nur eine Stunde nebenher zu arbeiten.
Ich kenne auch nur wenige Studenten die Bafög bekommen, da die Bedingungen für Bafögleistungen niedrig angesetzt sind. Ich kenne aber einige, die kein Bafög bekommen weil ihre Eltern zu "reich" dafür sind aber zu arm um den Nachwuchs finanziell zu unterstützen. Diese Leute Arbeiten dann auch locker 20-30 Stunden pro Woche um ihren Lebensunterhalt zu sichern.
Ich denke ein genereller Bafögsatz von 200-300 Euro im Monat für ALLE Studenten wäre eine faire Lösung. Unter der Bedingung, dass die Studenten nebenher einem Job nachgehen und die Hälfte zurückzahlen müssen. So ähnlich machen es auch die Niederländer.
Für alle die auch jetzt Bafög bekommen würde der Betrag dann um Prozentsatz x aufgestockt.
"Um später aber ein erfolgreiches Berufs- und Familienleben zu führen benötigt es vieler Eigenschaften die größtenteils nur durch Erziehung vermittelbar sind. Disziplin, Einfühlungsvermögen, Werte etc..."
Und das soll der Staat leisten?
Ich habe übrigen Höchstsatz erhalten, auch ohne Zahnarztvater, sondern als Ex-Heimkind.
Und natürlich werde ich alles versuchen meine eigene Tochter so zu fördern, dass sie mehr Chancen hat als Andere und es leichter hat als ich selbst. Wie wollen Sie mich daran hindern? Durch Verbot von Erziehung, Disziplin und Einfühlungsvermögen? Durch Zwangsbessteuerung von selbst geleisteten Nachhilfestunden?
Ich mache aber auch nicht die Gesellschaft dafür verantwortlich, dass es für mich schwieriger war aufzusteigen als für meinen guten Freund, dessen Vater Notar war und der selber Anwalt geworden ist.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren