Stress an der Uni "Vielen Studenten ist das Tempo zu schnell"

Michael Egeri arbeitet seit 30 Jahren als psychologischer Studienberater an der Ruhr-Uni Bochum. Mit welchen Problemen Studenten zu ihm kommen, erklärt er im Interview.

Viele Studenten sind einfach nur aus der Spur geraten, andere brauchen professionelle Hilfe

Viele Studenten sind einfach nur aus der Spur geraten, andere brauchen professionelle Hilfe

ZEIT ONLINE: Herr Egeri, das Deutsche Studentenwerk hat gerade Zahlen genannt, nach denen die psychologischen Beratungsstellen an den Unis 20 Prozent mehr Studierende zu betreuen haben als noch 2007. Haben Sie das auch festgestellt?

Michael Egeri: Ich denke, der Anstieg bei uns in der psychologischen Beratung der Uni Bochum liegt zwischen 10 und 20 Prozent.

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ZEIT ONLINE: Haben sich die Gründe verändert, aus denen die Studierenden Hilfe suchen?

Egeri: Ja. Es fällt auf, dass ganz viele kommen, die es nicht schaffen, diesen schnellen Takt zu halten. Früher hatten wir eher Studierende, die wussten, dass sie geschlampt haben oder dass ihnen die Motivation fehlt. Nun kommen viele völlig verzweifelt an und sagen: "Wir kommen einfach nicht mehr hinterher." Aber die alten Gründe bestehen weiterhin.

ZEIT ONLINE: Welche sind das?

Egeri: Die häufigsten Gründe sind Angststörungen in allen Formen und leichte bis mittelschwere Depressionen. Hinzu kommen Zukunftsängste und Erschütterungen, ausgelöst etwa durch nicht bestandene Prüfungen. Das sind klassische Probleme, die für die Adoleszenz-Phase typisch und auch wichtig sind: Wer bin ich? Was soll aus mir werden? Das sind die Fragen, die sich junge Menschen stellen. Problematisch ist, dass sich die Studierenden durch die schnelle Taktung des Bachelor-Systems keine Versagenszeiten im Semester mehr erlauben dürfen.

ZEIT ONLINE: Das war früher anders?

Egeri: Früher konnte man auch mal nicht in die Vorlesung gehen und etwas zu Hause nachlesen. Das ist nicht mehr möglich, es gilt Anwesenheitspflicht. Wer einmal im Semester aus dem Tritt gekommen ist, der hat es jetzt viel schwerer wieder aufzuholen. Viele suchen die Schuld bei sich selbst, sie sehen ja, dass andere es schaffen. Sie denken: "Ich bin wohl nicht gut genug, da muss ich noch härter arbeiten!" Es kommen junge Menschen zu uns mit einem klassischen Burn-out-Syndrom.

ZEIT ONLINE: Nehmen Studierende heutzutage ihr Studium zu ernst?

Egeri: Es liegt an den Rahmenbedingungen. Studieren ist in der Regel ein großer finanzieller Kraftakt – wenn man nicht gerade vermögende Eltern hat. Und die Studiengebühren zahlt man ja auch, wenn man etwas wiederholen muss. Studierende haben heute sehr wenig Zeit, Dinge im Studium auszuprobieren, ohne dass es gleich negative Konsequenzen hat. Dann sind da noch die familiären Zwänge. Häufig übt die Familie Druck aus, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Außerdem gibt es den Druck vom Fach. Man darf zweimal fehlen, sonst gilt das Modul als nicht bestanden. Und wie eine große, dunkle Wolke hängt über allem die Sorge um den Arbeitsplatz.

ZEIT ONLINE: Die kommt noch hinzu?

Egeri: Natürlich! Viele fragen sich, ob sie überhaupt eine Stelle nach dem Studium finden.

ZEIT ONLINE: Ist die Bachelor- und Masterreform die Hauptursache für die zahlreichen Probleme?

Egeri: Hauptursache nicht, aber sie trägt sicherlich dazu bei, die Situation zuzuspitzen.

ZEIT ONLINE: Wie geht es in der Beratung weiter, wenn sich herausstellt, dass jemand ernsthaft erkrankt ist?

Egeri: 30- bis 40-stündige Therapien können wir nicht anbieten, denn wir haben in jeder Woche neue Erstgespräche. Wenn es angezeigt ist, verweisen wir an die niedergelassenen psychologischen Psychotherapeuten, psychiatrisch ausgebildeten Ärzte und Psychiatriezentren.

ZEIT ONLINE: Psychotherapeutische Behandlung dürfen sie selbst nicht durchführen?

Egeri: Wenn ein Patient zu einem niedergelassenen Kollegen in Behandlung geht, dann muss er krank sein, weil die Behandlung über die Krankenkassen abgerechnet wird. Zwischen der Feststellung, dass jemand psychisch krank ist und der, dass jemand ein Problem hat, gibt es eine Art Grauzone. In diesem Bereich können wir als Team von psychologischen Psychotherapeuten sehr viel tun. Wir schauen, was wir in fünf bis zehn Stunden Beratung machen können, damit jemand wieder in die Spur kommt. Wenn wir feststellen, dass jemand eine massive Depression hat und vielleicht sogar ein stationärer Aufenthalt nötig ist, überweisen wir natürlich.

ZEIT ONLINE: Wie viele dieser Fälle gibt es denn?

Egeri: Ungefähr ein Drittel derjenigen die zu uns kommen, überweisen wir an die Ambulanz. Dass jemand stationär behandelt werden muss, kommt nur ganz selten vor, vielleicht bei jedem Zwanzigsten. Ein Kriterium ist, ob jemand noch für sich selbst sorgen kann. Wenn jemand von sich aus zu uns kommt, zeigt er ja, dass er noch handeln kann.

Die Fragen stellte Stephan Knieps

 
Leser-Kommentare
  1. An welchen Uni/FH- Standorten gibt es denn in größerem Maße Anwesenheitspflicht? Ist übrigens eine ernstgenmeinte Frage, da ich das so als BA- Student nicht kenne.

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    • Leusis
    • 10.11.2009 um 18:10 Uhr

    Die Anwesenheitspflicht hängt vor allem vom Fach ab. Bekannte, die Wirtschaftsingenieurwesen studieren, haben fast keine Anwesenheitspflicht, da sie fast nur Vorlesungen haben die bei z.T. bis zu 1000 Hörern nicht kontrolliert werden (können).

    In Fächern mit vielen Seminaren besteht die Anwesenheitspflicht jedoch auf jeden Fall, maximal zwei- oder dreimal fehlen pro Semester pro Kurs sind wohl die Norm.

    Und noch ein weiterer Kommentar: Ich freu mich immer über Situationen wie folgende: Dozent stellt ein kontroverses Thema in den Raum, und die erste Nachfrage ist nicht "ist das wirklich so?/kann man das nicht anders sehen?" sondern "wie kann ich das denn lernen?".

    Ist nicht immer so, und auch erfahrungsgemäß von Fach zu Fach verschieden (in manchen sammeln sich nun mal die Schafe), aber doch eine Tendenz die mir aufgefallen ist.

    • Komabe
    • 10.11.2009 um 18:16 Uhr

    Ich kann nur für Unis sprechen: Grundsätzlich überall, wo Bachelor- und Mastermodule angeboten werden, da Anwesenheit integrierter Bestandteil der Prüfungsleistungen ist. Hier und da sperren sich einige Fakultäten, aber um so mal eine Prozentzahl anzupeilen würde ich real 80-90% schätzen.

    Ich muss nur auf den Seminaren anwesend sein. Allerdings ist meine Uni nicht in der BRD. Eine Anwesenheitspflicht fände ich strunzdumm - viele meiner Kommillitonen müssen für ihre(n) Nebenjob(s) flexibel sein und hätten keine Chance, gleichzeitig immer anwesend und liquide zu sein.

    • 2eco
    • 11.11.2009 um 9:27 Uhr

    Um deiner Frage jetzt mal eine konkrete Antwort zu geben.

    An der Ruhr-Uni Bochum - woher ja auch der Herr Egeri kommt - ist es wirklich extrem mit der Anwesenheitspflicht und es gibt kaum Module ohne Anwesenheitspflicht und das Fachbereichsübergreifend.

    Ich studiere an der nicht weit entfernten FH und bei uns gibt es nirgends Anwesenheitspflichten in Vorlesungen.

    Ich kenne daher auch viele Studenten, aus verschiedenen Fachbereichen, von der Ruhr-Uni die sich immer darüber beklagen.

    • Leusis
    • 10.11.2009 um 18:10 Uhr

    Die Anwesenheitspflicht hängt vor allem vom Fach ab. Bekannte, die Wirtschaftsingenieurwesen studieren, haben fast keine Anwesenheitspflicht, da sie fast nur Vorlesungen haben die bei z.T. bis zu 1000 Hörern nicht kontrolliert werden (können).

    In Fächern mit vielen Seminaren besteht die Anwesenheitspflicht jedoch auf jeden Fall, maximal zwei- oder dreimal fehlen pro Semester pro Kurs sind wohl die Norm.

    Und noch ein weiterer Kommentar: Ich freu mich immer über Situationen wie folgende: Dozent stellt ein kontroverses Thema in den Raum, und die erste Nachfrage ist nicht "ist das wirklich so?/kann man das nicht anders sehen?" sondern "wie kann ich das denn lernen?".

    Ist nicht immer so, und auch erfahrungsgemäß von Fach zu Fach verschieden (in manchen sammeln sich nun mal die Schafe), aber doch eine Tendenz die mir aufgefallen ist.

    • Komabe
    • 10.11.2009 um 18:16 Uhr

    Ich kann nur für Unis sprechen: Grundsätzlich überall, wo Bachelor- und Mastermodule angeboten werden, da Anwesenheit integrierter Bestandteil der Prüfungsleistungen ist. Hier und da sperren sich einige Fakultäten, aber um so mal eine Prozentzahl anzupeilen würde ich real 80-90% schätzen.

    Ich muss nur auf den Seminaren anwesend sein. Allerdings ist meine Uni nicht in der BRD. Eine Anwesenheitspflicht fände ich strunzdumm - viele meiner Kommillitonen müssen für ihre(n) Nebenjob(s) flexibel sein und hätten keine Chance, gleichzeitig immer anwesend und liquide zu sein.

    • 2eco
    • 11.11.2009 um 9:27 Uhr

    Um deiner Frage jetzt mal eine konkrete Antwort zu geben.

    An der Ruhr-Uni Bochum - woher ja auch der Herr Egeri kommt - ist es wirklich extrem mit der Anwesenheitspflicht und es gibt kaum Module ohne Anwesenheitspflicht und das Fachbereichsübergreifend.

    Ich studiere an der nicht weit entfernten FH und bei uns gibt es nirgends Anwesenheitspflichten in Vorlesungen.

    Ich kenne daher auch viele Studenten, aus verschiedenen Fachbereichen, von der Ruhr-Uni die sich immer darüber beklagen.

    • Leusis
    • 10.11.2009 um 18:10 Uhr

    Die Anwesenheitspflicht hängt vor allem vom Fach ab. Bekannte, die Wirtschaftsingenieurwesen studieren, haben fast keine Anwesenheitspflicht, da sie fast nur Vorlesungen haben die bei z.T. bis zu 1000 Hörern nicht kontrolliert werden (können).

    In Fächern mit vielen Seminaren besteht die Anwesenheitspflicht jedoch auf jeden Fall, maximal zwei- oder dreimal fehlen pro Semester pro Kurs sind wohl die Norm.

    Und noch ein weiterer Kommentar: Ich freu mich immer über Situationen wie folgende: Dozent stellt ein kontroverses Thema in den Raum, und die erste Nachfrage ist nicht "ist das wirklich so?/kann man das nicht anders sehen?" sondern "wie kann ich das denn lernen?".

    Ist nicht immer so, und auch erfahrungsgemäß von Fach zu Fach verschieden (in manchen sammeln sich nun mal die Schafe), aber doch eine Tendenz die mir aufgefallen ist.

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    Dozent stellt ein kontroverses Thema in den Raum, und die erste Nachfrage ist nicht "ist das wirklich so?/kann man das nicht anders sehen?" sondern "wie kann ich das denn lernen?"

    Haben Sie es gut. Meine Studenten haben immer als ersten gefragt: "Kommt das im Examen dran?" ;-)

    Dozent stellt ein kontroverses Thema in den Raum, und die erste Nachfrage ist nicht "ist das wirklich so?/kann man das nicht anders sehen?" sondern "wie kann ich das denn lernen?"

    Haben Sie es gut. Meine Studenten haben immer als ersten gefragt: "Kommt das im Examen dran?" ;-)

    • Komabe
    • 10.11.2009 um 18:16 Uhr

    Ich kann nur für Unis sprechen: Grundsätzlich überall, wo Bachelor- und Mastermodule angeboten werden, da Anwesenheit integrierter Bestandteil der Prüfungsleistungen ist. Hier und da sperren sich einige Fakultäten, aber um so mal eine Prozentzahl anzupeilen würde ich real 80-90% schätzen.

  2. Also ich studiere WIng an einer FH und habe in keinem Fach Anwesenheitspflicht, obwohl es bei max 120 Studenten durchaus kontrollierbar wäre. Daher bin ich ein wenig überrascht.

  3. Studiere z.Z. in einem Masterstudiengang. Habe 5 Seminare (Vorlesungen gibt es bei uns in diesem Studiengang so gut wie gar keine). Haben alle besagte Anwesenheitspflicht, bei der man maximal 2x fehlen darf. Neben der sehr umfangreichen Vor- und Nachbereitung muss ich nicht nur den Haushalt alleine meistern, sondern sollte auch zusätzlich gewisse Lücken meinen Bildungsstand betreffend selbstständig schließen. Teilweise ist es schon sehr sehr hart und ich kann es ohne Weitres nachvollziehen, dass bei den Bedingungen, wie ich sie auch hier an der Uni erlebe, viele einfach nicht mehr mitkommen (mich eingeschlossen).
    Zeit, mich mit Inhalten intensiv zu befassen, die mich ernsthaft interessieren würden, habe ich eigentlich keine mehr (leider).

    • zagy
    • 10.11.2009 um 18:47 Uhr

    Ich hätte mit Anwsenheitspflicht garnicht studieren können. V.a. ist es doch
    wirklich dämlich sich Vorlesungen antun zu müssen deren Stoff man eh kennt oder die so schlecht/langweilig sind, dass Nachlesen zu besseren Ergebnissen führt.

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    Nun, zumindest an der Göttinger Uni (an der ich gerade im MA studiere) wurde mit dem BA/MA 2005 auch eine Anwesenheitspflicht in Vorlesungen eingeführt. Allerdings seit einigen Semestern auch wieder kassiert, was auch nicht unsinnig ist.
    Eine Anwesenheitspflicht in Seminaren, die es ja auch früher gab, besteht jedoch weiterhin. Wie man ein sinnvolles Studium durchziehen können soll (zumindest in den Kulturwissenschaften), ohne in den Seminaren, die immerhin den Kern des Studiums ausmachen, kontinuierlich anwesend zu sein, ist mir nicht klar.

    Nun, zumindest an der Göttinger Uni (an der ich gerade im MA studiere) wurde mit dem BA/MA 2005 auch eine Anwesenheitspflicht in Vorlesungen eingeführt. Allerdings seit einigen Semestern auch wieder kassiert, was auch nicht unsinnig ist.
    Eine Anwesenheitspflicht in Seminaren, die es ja auch früher gab, besteht jedoch weiterhin. Wie man ein sinnvolles Studium durchziehen können soll (zumindest in den Kulturwissenschaften), ohne in den Seminaren, die immerhin den Kern des Studiums ausmachen, kontinuierlich anwesend zu sein, ist mir nicht klar.

  4. Die Studenten kommen nicht mit dem Lerntempo an der Uni klar, weil sie in der Schule nicht darauf vorbereit wurden. Statt dessen herrscht dort inzwischen das 68er Kuschelklima, das es jedem Schüler ermöglichen soll, sein Abitur zu machen, wenn nötig mit Sport und Sozialpädagogik als Prüfungsfach.
    Der Druck auf die Universitäten - bei den FH ist es schon länger so- wächst, das Niveau zu senken. Sollen ja schließlich 50% aller Abiturienten einen Hochschulabschluss bekommen, so wollen es linksgrün. Das Ergebnis: Es wird Privatuniversitäten wie in den USA geben, die ihren Ruf haben, die sich aber die Wenigsten werden leisten können. Und damit werden sozial Benachteiligte noch weniger Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Die Linken werden mit Ignoranz und Naivität genau das Gegenteil von dem erreichen, was sie überall lautstark plakatieren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Zum einen haben Bildungsentscheidungen der Individuen nichts (oder nur extrem wenig) mit politschen Einstellungen zu tun und zum anderen ist es mehr als Fraglich, ob die Anforderungen im Vergleich zu früher GESUNKEN sind, wie Sie dies behaupten.

    Aber es ist natürlich wesentlich simpler die Versäumnisse im Bildungssystem, dessen Unterfinanzierung und sonstige Probleme prior der Studentenschaft zuzuschreiben bzw. auch auf irgendwelche Idiologien zu schimpfen.

    Im Übrigen glaube ich, dass Sie keinen blassen Schimmer von einer sozialpädagogischen Ausbildung haben, sonst würden Sie diese nicht auf so herablassend-verächtliche Art und Weise abwerten.

    Sie kennen den berühmten Satz von Dieter Nuhr?

    von der aktuellen Situation der Bildungseinrichtungen unseres Landes, lässt Ihr Kommentar vermuten...
    Ob Reformen wie G8 und Konsorten wirklich Kuschelklima verströmen, wage ich stark zu bezweifeln zumal hier SchülerInnen der Unterstufe schon 4 Tage die Woche Schule (und zwar nur Pflichtfächer) von 8 Uhr bis 17 Uhr haben.
    Eigentlich sollten sie also auf Belastungen wie unorganisierte Bachelor und Masterstudiengänge vorbereitet sein. Sind sie aber nicht?
    Hmmm komisch... Woran das wohl liegen mag?
    - Vielleicht daran, dass man im Bachelor Stoff von einer Diplom-Regelstudienzeit von 8-10 Semestern in 6 Semester quetscht?
    - Fh Studiengänge um wichtige Praxiserfahrung kürzt?
    - Oder überhaupt Studiengänge konzipiert werden, von denen niemand weiß, was danach damit zu tun ist und wer einen danach anstellt (Frankomedia, Bildungsplanung und Instrucional Design, Creating Cultures, Iberokultura, um nur eine Auswahl zu nennen, Erziehung und Bildung im Kindesalter)?
    - ... etc.
    Davon wie man den ganzen "Spaß" finanzieren soll, wollen wir mal gar nicht sprechen.

    Und: Ja, liebe DozentInnen- es tut uns leid, dass wir in unserer gesamten Ausbildung nur auf funktionierendes Humankapital getrimmt werden und das selbstständige Denken dabei zurückbleibt. Aber daran seid IHR mit Schuld!

    Das Niveau an den Gymnasien ist in den letzten 20 Jahren rapide gesunken.
    Das hat drei Gründe:

    1. Die Schüler kommen schon schlecht vorbereitet aufs Gymnasium, die Schüler sind schlechter erzogen...
    2. Die Jung-Leher(innen) sind wesentlich schwächer als ihre Vorgänger.
    3. Die Standards wurden kontinuierlich gesenkt und erst ab 2004 wieder langsam angehoben.

    • ribera
    • 11.11.2009 um 21:07 Uhr

    Als Vater einer Tochter,
    -die in Deutschland die grundschule und das Gymnasium besuchte,
    -danach das französische Collège zu absolvierte,
    -danach in einem anderen Land die englische Oberstufe bis zum Abitur,
    -danach in England, Frankreich und Spanien studiert hat, kann ich diese Analyse nur bestätigen. Abgerundet durch 8 Neffen und Nichten im deutschen Bildungssystem.
    Jahrelang wurde das Niveau in Deutschland heruntergefahren und jeder ideologisch verblendete Politiker durfte sich in der Bildungspolitik zum Schaden der Gesellschaft austoben. Nach dem Abitur für alle nun Studium für alle, aber bitte ohne jede Leistungsanforderungen, schön verpackt in viel Freizeit und Muße zur Selbstverwirklichung. Erst mit Schülerbafög mit 22 zum Abitur, dann 20 Semester studieren, natürlich mit deutlich höherem Bafög als heute und ohne Studiengebühren. Heraus kommen dann Politiker wie Nahles.
    Vermutlich rede ich für meine Kritiker wirres Zeug, aber ich leide unter den Spätfolgen der Kurzschuljahre in den 60igern und konnte mir auch nicht meine Abiturfächer zusammenstellen. Auch mag mich meine Zeit in Frankreich geprägt haben, all die psychisch gestreßten Franzosen, die in 4 Jahren Ganztagscollège das schaffen mußten, wofür in Deutschland 6 Jahre vorgesehen sind! Aber das reiht sich nahtlos ein: Deutschkurse für Ausländer=Zwangsgermanisierung! Standards für Bildungsabschlüsse=nein danke! So wurden aus den Privatschulen, ehemals Klitschen für Schulversager Leistungsschmieden!

    Zum einen haben Bildungsentscheidungen der Individuen nichts (oder nur extrem wenig) mit politschen Einstellungen zu tun und zum anderen ist es mehr als Fraglich, ob die Anforderungen im Vergleich zu früher GESUNKEN sind, wie Sie dies behaupten.

    Aber es ist natürlich wesentlich simpler die Versäumnisse im Bildungssystem, dessen Unterfinanzierung und sonstige Probleme prior der Studentenschaft zuzuschreiben bzw. auch auf irgendwelche Idiologien zu schimpfen.

    Im Übrigen glaube ich, dass Sie keinen blassen Schimmer von einer sozialpädagogischen Ausbildung haben, sonst würden Sie diese nicht auf so herablassend-verächtliche Art und Weise abwerten.

    Sie kennen den berühmten Satz von Dieter Nuhr?

    von der aktuellen Situation der Bildungseinrichtungen unseres Landes, lässt Ihr Kommentar vermuten...
    Ob Reformen wie G8 und Konsorten wirklich Kuschelklima verströmen, wage ich stark zu bezweifeln zumal hier SchülerInnen der Unterstufe schon 4 Tage die Woche Schule (und zwar nur Pflichtfächer) von 8 Uhr bis 17 Uhr haben.
    Eigentlich sollten sie also auf Belastungen wie unorganisierte Bachelor und Masterstudiengänge vorbereitet sein. Sind sie aber nicht?
    Hmmm komisch... Woran das wohl liegen mag?
    - Vielleicht daran, dass man im Bachelor Stoff von einer Diplom-Regelstudienzeit von 8-10 Semestern in 6 Semester quetscht?
    - Fh Studiengänge um wichtige Praxiserfahrung kürzt?
    - Oder überhaupt Studiengänge konzipiert werden, von denen niemand weiß, was danach damit zu tun ist und wer einen danach anstellt (Frankomedia, Bildungsplanung und Instrucional Design, Creating Cultures, Iberokultura, um nur eine Auswahl zu nennen, Erziehung und Bildung im Kindesalter)?
    - ... etc.
    Davon wie man den ganzen "Spaß" finanzieren soll, wollen wir mal gar nicht sprechen.

    Und: Ja, liebe DozentInnen- es tut uns leid, dass wir in unserer gesamten Ausbildung nur auf funktionierendes Humankapital getrimmt werden und das selbstständige Denken dabei zurückbleibt. Aber daran seid IHR mit Schuld!

    Das Niveau an den Gymnasien ist in den letzten 20 Jahren rapide gesunken.
    Das hat drei Gründe:

    1. Die Schüler kommen schon schlecht vorbereitet aufs Gymnasium, die Schüler sind schlechter erzogen...
    2. Die Jung-Leher(innen) sind wesentlich schwächer als ihre Vorgänger.
    3. Die Standards wurden kontinuierlich gesenkt und erst ab 2004 wieder langsam angehoben.

    • ribera
    • 11.11.2009 um 21:07 Uhr

    Als Vater einer Tochter,
    -die in Deutschland die grundschule und das Gymnasium besuchte,
    -danach das französische Collège zu absolvierte,
    -danach in einem anderen Land die englische Oberstufe bis zum Abitur,
    -danach in England, Frankreich und Spanien studiert hat, kann ich diese Analyse nur bestätigen. Abgerundet durch 8 Neffen und Nichten im deutschen Bildungssystem.
    Jahrelang wurde das Niveau in Deutschland heruntergefahren und jeder ideologisch verblendete Politiker durfte sich in der Bildungspolitik zum Schaden der Gesellschaft austoben. Nach dem Abitur für alle nun Studium für alle, aber bitte ohne jede Leistungsanforderungen, schön verpackt in viel Freizeit und Muße zur Selbstverwirklichung. Erst mit Schülerbafög mit 22 zum Abitur, dann 20 Semester studieren, natürlich mit deutlich höherem Bafög als heute und ohne Studiengebühren. Heraus kommen dann Politiker wie Nahles.
    Vermutlich rede ich für meine Kritiker wirres Zeug, aber ich leide unter den Spätfolgen der Kurzschuljahre in den 60igern und konnte mir auch nicht meine Abiturfächer zusammenstellen. Auch mag mich meine Zeit in Frankreich geprägt haben, all die psychisch gestreßten Franzosen, die in 4 Jahren Ganztagscollège das schaffen mußten, wofür in Deutschland 6 Jahre vorgesehen sind! Aber das reiht sich nahtlos ein: Deutschkurse für Ausländer=Zwangsgermanisierung! Standards für Bildungsabschlüsse=nein danke! So wurden aus den Privatschulen, ehemals Klitschen für Schulversager Leistungsschmieden!

    • Yadgar
    • 10.11.2009 um 19:27 Uhr

    ...aber schon 1995 wunderte sich ein fünf Jahre älterer Freund (Iranist) von mir über das irrwitzige Tempo, in dem mir am Kölner Orientalischen Seminar Persisch beigebracht wurde - während zu "seiner Zeit", also in den späten 80ern, für den kompletten "Alavi/Lorenz" noch drei Semester veranschlagt wurden, bekam ich den Stoff in einem Semester reingedrückt... aber immerhin hatte man auch damals noch Zeit für fachfremde Veranstaltungen.

    2027 wird es wohl so aussehen: es gibt überhaupt keine Universitäten mehr, sondern stattdessen betreiben die Bio- und Neurotech-Konzerne Kliniken, die ausschließlich proprietäre Wissensmodule implantieren (oder bei Bedarf entfernen); die Operationen kosten mehrere Jahreseinkommen eines Durchschnittsverdieners (sofern die Module zum nicht genoptimierten Homo-sapiens-Wildtyp (vulgo Proll) überhaupt noch kompatibel sind), anschließend werden je nach Art des Moduls noch monatlich drei- oder vierstellige Lizenzgebühren fällig - bei Zahlungsunfähigkeit erfolgt dauerhafte Zerstörung per Funkbefehl...

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