Studentenproteste

Uni-Rektoren geben Ländern die Schuld an Bachelor-Chaos

Vor der Tür protestierten die Studenten, drinnen tagten die Hochschulrektoren. Ihr Fazit in Leipzig: Schuld an den Mängeln der Bologna-Reform sind die Bundesländer.

Drei Wochen dauern die Studentenproteste in Deutschland bereits an. Nun haben auch die Hochschulrektoren auf die schweren Mängel bei der Studienreform hingewiesen und den für sie zuständigen Ländern schwere Vorwürfe bei der Einführung der Bachelor-Studiengänge gemacht.

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Die neuen Studiengänge seien unterfinanziert und zum Teil überreguliert, heißt es in einer auf der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) in Leipzig einstimmig angenommenen Resolution. Die Länder hätten es auch versäumt, für Hochschulen wie für Studenten in wesentlichen Punkten für "Rechtssicherheit und Verlässlichkeit" zu sorgen, heißt es in der schriftlich verbreiteten Erklärung.

Am Morgen hatte HRK-Präsidentin Margret Wintermantel den Protestlern teils mangelnde Umgangsformen und zu wenig Geduld vorgeworfen. Dass es Probleme bei der Umstellung der alten Diplom- und Magister-Studiengänge auf Bachelor- und Masterabschlüsse gibt, wolle sie nicht bestreiten. Doch zeige der Bologna-Prozess auch Erfolge wie die seit Jahrzehnten in Deutschland geforderte Verkürzung der Studiendauer. Die HRK sei überzeugt, dass die Akzeptanz der Bachelor-Absolventen auf dem Arbeitsmarkt wachse. "Wir sind dabei, diese Hochschulreform zum Erfolg zu führen und daran geht kein Weg vorbei."

Am Rande der Konferenz demonstrierten nach Polizeiangaben rund 4000 Studenten aus dem gesamten Bundesgebiet. Sie warfen der HRK vor, nicht die Interessen der Studenten zu berücksichtigen. Die Rektoren baten die Studenten bei der weiteren Reform des Bachelor-Studiums um mehr Geduld.

Einige Studenten stürmten in die Pressekonferenz der Rektoren. "Die HRK versteht sich als 'die Stimme der Hochschulen', ist aber weder demokratisch legitimiert, noch vertritt sie die Interessen der Studierenden", sagte eine Studentensprecherin.

Nach Agenturangaben gibt es unter den Rektoren deutliche Meinungsverschiedenheiten, wie mit den Studentenprotesten weiter umzugehen ist. An der Sitzung hatten zwei vom HRK-Präsidium ausgewählte Studentenvertreter teilgenommen. Das war von mehreren Rektoren als "Alibiveranstaltung" kritisiert worden.

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Leser-Kommentare

  1. Unter den Talaren - Muff von 1000 Jahren!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Um welchen Preis?   zoon politicon

    "Doch zeige der Bologna-Prozess auch Erfolge wie die seit Jahrzehnten in Deutschland geforderte Verkürzung der Studiendauer."

    Ja, aber um welchen Preis? Wenn das die einzige Priorität ist, die gesetzt wurde, dann herzlichen Glückwunsch. Aber verbessert wurde dadurch nichts, im Gegenteil.

  2. "Doch zeige der Bologna-Prozess auch Erfolge wie die seit Jahrzehnten in Deutschland geforderte Verkürzung der Studiendauer."

    Ja, aber um welchen Preis? Wenn das die einzige Priorität ist, die gesetzt wurde, dann herzlichen Glückwunsch. Aber verbessert wurde dadurch nichts, im Gegenteil.

    • 24.11.2009 um 19:59 Uhr
    • ofx83

    Der Bachelor wurde als Möglichkeit genutzt, die Kosten für Bildung zu senken.
    Statt wie bisher in 8-9 Semestern, soll ein Student jetzt in 6 Semestern die Hochschulen verlassen.

    Folge: Oberflächlicher Stoff, keine Zeit für Praktika und/oder Nebenjobs.
    Eine wertige akademische Ausbildung ist in 3 Jahren nicht vermittelbar. Den Master möchte man nicht mehr für alle anbieten um Geld zu sparen.
    Die Folge sind halbfertige Akademiker die auf dem Arbeitsmarkt schlechte Karten haben.
    Wir haben in Deutschland das System der dualen Berufsausbildung, einen Bachelor braucht in Deutschland kein Mensch.

    Der Master sollte weiterhin der Regelabschluss sein, das kostet jedoch Geld(warum auch in Bildung investieren?). Man hat Geld für Autoabwrackprämien, Shuttleservices für Politiker, Banken, Militär etc. doch für Bildung scheint kein Platz zu sein.

    Master für Alle oder Bachelor verlänger(8-9 Semester)...

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      wombatt

    Wer ein Bachelor-Studium mit einer dualen Berufsausbildung (Berufsakademie zumindest teilweise ausgenommen) vergleicht, hat wohl beides noch nicht gemacht.

    Eine Universtitätsausbildung ist teuer.
    Sie versetzt jene, die sie geniessen, in die Lage
    nach Abschluss deutlich mehr Geld zu verdienen,
    als jene, die diese Chance nicht nutzen.

    Seitdem es den Bachelor/Master gibt sind die Lesesäle
    der Unis deutlich besser besucht als früher.
    Woraus ich schließe, dass die heutigen Studenten
    ernsthafter studieren als zu Diplom/Magister-Zeiten.
    Das kann nur im Sinne des Steuerzahlers sein.
    Wie wäre es mit einer Lösung ähnlich der des
    Betreuungsgeldes: jene, die nicht studieren,
    erhalten eine Nichtstudierprämie. Ansonsten bezahlten
    sie ja die Ausbildung der Akademiker mit,
    ohne an den höheren Löhnen derselben zu partizipieren.

    >"Folge: Oberflächlicher Stoff, keine Zeit für Praktika >und/oder Nebenjobs. Eine wertige akademische Ausbildung ist >in 3 Jahren nicht vermittelbar."

    Eine Bachelor Ausbildung von 3 oder 4 Jahren reicht
    für viele Zwecke aus. Viele Konzerne
    haben Betriebsakademien, auf denen man diese
    Klientel gezielt weiterbilden kann.
    Jemand, der 3 Jahre Bachelor absolviert hat, hat dann
    16 Jahre die Schulbank gedrückt. Das sollte reichen.
    Das Ende des Studium sollte nicht mit dem Beginn
    des Rentenalters zusammenfallen.

    Es gibt unter einigen der heutigen Studenten ein gravierendes Missverhältnis zwischen der Erwartungshaltung an den Staat und der eigenen Leistungsbereitschaft.

  3. 4.

    Wenn man mal ehrlich ist, ist die Grundidee hinter dem Bologna-Prozess durchaus sinnvoll. Insb. die Möglichkeit eines Studienplatzwechsels nach dem Bachelor sowie die besseren Einstiegschancen im EU-Ausland sind gut und richtig. Momentan kommen diese aber noch gar nicht zum Tragen und sind den protestierenden Studenten häufig gar nicht bewusst.

    Zudem ist es so, dass frühere Diplom-/Magisterstudiengänge nur wenig auf beruflichen Alltag vorbereitet haben und eher wissenschaftlich als praxisorientiert waren. Ich bin der Meinung, dass ein gut ausgestalteter Bachelorstudiengang durchaus praxisrelevantes Wissen (Theorie) vermitteln kann ohne gleich ins wissenschaftliche abzugleiten. Im Master könnte dann entweder eine praxisorientierte Spezialisierung oder eine wissenschaftliche Orientierung (Research-Master) erfolgen. Hierbei muss aber klar sein, dass der Arbeitsmarkt nur eine bestimmte Anzahl an hochspezialisierten Arbeitskräften benötigt, viele Aufgaben also auch mit abgeschlossenem Bachelorstudium ohne Probleme zu meistern sind. Daher halte ich auch die Master-Quoten für richtig.

    Das Problem liegt meiner Erachtens in der falschen Ausgestaltung der Studiengänge und hier haben die Studenten vollkommen recht. Häufig wurden alte Diplom-/Magisterstudiengänge einfach umstrukturiert, ohne das Lehrangebot anzupassen. In einigen Fällen wurde sogar der gesamte Stoff im Bachelor zusammengefasst. Beides ist sinnlos! Ohne Reform der Inhalte macht die gesamte Reform keinen Sinn.

  4. Arbeitgebern erfolgen, Unternehmensberatern und anderen, die wissen, was gebraucht wird? Ist eine reine HRK nicht isoliert vom eigentlichen Bedarf? http://viereggtext.blogsp...

  5. ...wenn ich hörte,daß ein, in Berlin ansässiger Hochschulrektor,``alles`` kritisiert an dem Umstellungsprozess der Universitäten, und zu Gleich versucht eine Anstellung in der HH (Hansestadt Hamburg)zu bekommen, die bei den Protesten ebenfalls (im übrigen, seid geraumer Zeit) Schwarz-Grün regiert, nicht gerade glorreich davon
    kommt
    , dann frage ich mich allen Ernstes:``Wo seid ihr jungen hochbegabten/-intelligenten Menschen denn um eure, zu Recht erhobene Wut, auf nicht ausgestaltete und sinnvolle Umstruktuierungen geltent zu machen, und zwar in der Masse?

    Wo bleibt eure Wut und Zorn, diesen Akteuren klare Waterkant zu zeigen, und gleichzeitig klar zu machen, dass dies kein Phänomen von einer einzigen Partei, sondern scheinbar auch von Parteien ist, die sich gerne mit, vorallem, Hochbegabten schmückt und diese als ihr Klientel sieht, die vorallem den sozialen Ausgleich sucht!
    Das wusste ich bis zum Wochenende noch nicht.

  6. "Doch zeige der Bologna-Prozess auch Erfolge wie die seit Jahrzehnten in Deutschland geforderte Verkürzung der Studiendauer."

    Ist mir etwas entgangen?

    Diplom hat genau 4,5 Jahre gedauert, je nach Praktikumsordnung auch mal 5 Jahre.

    Bachelor und Master dauern zusammen auch 5 Jahre.

    Master braucht man, weil mit der Bachelor am Arbeitsmarkt unsinnig und unbrauchbar ist - es ist sogar schwierig gegen entablierte Ausbildungsberuf zu konkurrieren. Viele schaffn den Bachelor nicht in Regelstudienzeit.

    So gesehen dauert es sogar nun viel länger.

    HRK ist ein Fehlschlag. HRK ist Kompetenz die keiner braucht. HRK hat die Studenten dieser und der kommenden Generationen verratn und verkauft! Der Widerstand.

  7. Sehr geehrter Herr Hartung,

    wir kennen uns ja von der Managementakademie. Falls Sie Nachhilfe in Sachen Web 2.0 Journalismus benötigen sollten, stehe ich Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung.

    Mit freundlichem Gruß

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  • Datum 24.11.2009 - 18:47 Uhr
  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
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  • Schlagworte Student | Hochschule | Protest | Gesellschaft | Bildung
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