ReligionsunterrichtDer Islam kommt an die Universitäten

Sechs Unis haben bereits Professuren für Islamische Theologie, um den Lehrermangel für Islamunterricht zu beheben. Sie bauen auf das Vertrauen der muslimischen Verbände. von Claudia Keller

Viele Moscheegemeinden in Deutschland wünschen sich hier ausgebildete Imame, immer mehr Bundesländer öffnen die Türen ihrer Schulen für den Islamunterricht. Aber es fehlen qualifizierte Lehrer. Um den Mangel zu beheben, ist erstaunlich viel Bewegung in die deutsche Universitätslandschaft gekommen. Der Stuttgarter Islamexperte Hansjörg Schmid spricht von einem "totalen Quantensprung". Er meint die sechs Professorenstellen für islamische Theologie, die mittlerweile in Frankfurt am Main, Münster, Osnabrück und Nürnberg-Erlangen eingerichtet wurden.

Ein Quantensprung im Vergleich zu vor sechs Jahren. Damals gab es noch keine einzige dieser Stellen. Gegenüber bundesweit 39 evangelischen oder katholischen Fakultäten sind die sechs Stellen immer noch wenig. Aber in diesem Jahr hat sich eine Menge getan, drei Universitäten haben angekündigt, weitere Islamprofessuren einzurichten. Auch das Land Berlin denkt über einen Lehrstuhl für islamische Theologie nach. Im Januar will zudem der Wissenschaftsrat eine Empfehlung abgeben, wie man die islamische Theologie an deutschen Universitäten weiterentwickeln könnte, "um der multireligiösen Gesellschaft besser Rechnung zu tragen". Die Islamkonferenz, die der frühere Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) ins Leben gerufen hat, bestärkte Länder und Hochschulen darin, den Islam zu integrieren.

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Lehrstühle und Fakultäten für islamische Theologie einzurichten, ist nicht einfach, weil im säkularen Staat die staatliche Universität die theologischen Lehrinhalte nicht alleine bestimmen darf. Schon gar nicht, wenn in diesem Studiengang Lehrer ausgebildet werden, die bekenntnisorientierten, also konfessionellen Religionsunterricht geben sollen.

Doch wie soll man mit einer Konfession zusammenarbeiten, wenn es die eine Konfession im Islam gar nicht gibt? Sondern viele verschiedene Richtungen, Sunniten und Schiiten, Aleviten und Ahmadiyya, um nur einige zu nennen. Jahrelang argumentierten Politiker, man müsse eben abwarten, bis sich diese verschiedenen Richtungen zu einer Konfession zusammengefunden haben, bis der Islam sozusagen Kirche geworden ist. Wie Insider vermuten, will der Wissenschaftsrat im Januar zur Gründung eines Trägerverbundes raten, in dem sich ähnlich wie in Schäubles Islamkonferenz Wissenschaftler, Vertreter muslimischer Verbände und muslimische Einzelpersönlichkeiten zusammenschließen und als Kooperationspartner für die Universitäten fungieren könnten.

Immer mehr Universitäten wollen nicht mehr auf eine endgültige Lösung warten und suchen eigene, gleichwohl provisorische Wege, um mit islamischen Gruppierungen zusammenzuarbeiten. In Münster ist diese Zusammenarbeit allerdings vor einem Jahr vorübergehend gescheitert. Der Koordinierungsrat der Muslime entzog Muhammad Kalisch, der den bundesweit ersten "Lehrstuhl für die Religion des Islam" innehat, das Vertrauen, weil Kalisch an der historischen Existenz des Propheten Mohammed zweifelt.

Ohne das Vertrauen der Verbände kann Kalisch keine Religionslehrer mehr ausbilden. Für diese Aufgabe will die Universität nächstes Jahr einen zweiten Lehrstuhl einrichten – in Absprache mit dem Koordinierungsrat. Nach außen will die Universität vermeiden, dass der Eindruck entsteht, sie würde sich durch die islamische Verbände in ihrer Autonomie einschränken lassen. Der Wissenschaftsminister höre sich die Meinung der Verbände an, sagt der Unisprecher, die Universität sei aber in ihren Entscheidungen autonom.

Leserkommentare
  1. 1. Hmmmm,

    soll ich jetzt lachen oder weinen?!?

  2. "Der Koordinierungsrat der Muslime entzog Muhammad Kalisch, der den bundesweit ersten "Lehrstuhl für die Religion des Islam" innehat, das Vertrauen, weil Kalisch an der historischen Existenz des Propheten Mohammed zweifelt."

    ""Bis dahin müssen sich muslimische Verbandsvertreter daran gewöhnen, dass eine wissenschaftliche islamische Theologie entsteht, mit der sie nicht immer im Konsens sein werden", sagt Hansjörg Schmid."

    Fraglich, wer da mehr Mut hat.

  3. ... der Westen hat sich nahezu ALLEN anachronistischen Glaubensrichtungen entledigt...

    ... aber NEIN!... Da gibt´s noch 1 Milliarde Steinzeitler...
    ... da kann man ja, bis einschliesslich zur Schächtung, in der EU etwas einklagen!...

    Danke für´s Gespräch!...

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