"Die wissenschaftlichen Standards gelten auch für die islamische Theologie"
In Osnabrück funktioniert die Kooperation mit dem Runden Tisch des Landes Niedersachsen mittlerweile sehr gut, sagt die stellvertretende Universitätspräsidentin. An dem Runden Tisch ist auch die Schura Niedersachsen vertreten, der Zusammenschluss der sechs größten islamischen Verbände im Land, inklusive der Ditib, dem deutschen Ableger der türkischen Religionsbehörde Diyanet.
Zwei Professorenstellen für Religionspädagogik und Religionswissenschaft hat man auf diese Weise eingerichtet, ein Fortbildungslehrgang für Imame ist geplant, 2013 will man einen Bachelorstudiengang für islamische Theologie installieren. Am Zentrum für islamische Religionslehre der Universität Nürnberg-Erlangen arbeitet man mit den ortsansässigen Moscheegemeinden gut zusammen.
Die wohl spektakulärste Kooperation geht die Goethe-Universität in Frankfurt am Main ein. Die türkische Religionsbehörde Diyanet in Ankara hat bereits zwei religionswissenschaftliche Lehrstühle gestiftet, vor zwei Wochen wurde der Vertrag für die dritte Stiftungsprofessur unterschrieben.
Ob an diesem Lehrstuhl auch Religionslehrer ausgebildet werden, habe das hessische Kultusministerium noch nicht entschieden, sagt Uni-Vizepräsident Matthias Lutz-Bachmann. So viel stehe aber jetzt schon fest: Wenn das Land Religionslehrer ausgebildet haben wolle, dann müsse es dafür auch selbst eine Professur finanzieren. "Wir werden nicht die Ausbildung von Islamlehrern für hessische Schulen an Stiftungsprofessoren vergeben, die vom Ausland bezahlt werden", sagt Lutz-Bachmann. Man wolle nicht Gefahr laufen, dass die Türkei die Professuren streiche, weil ihnen der Unterricht nicht gefalle.
"Da die Aufbauarbeit in Deutschland nicht ganz aus eigenen Kräften geleistet werden kann, ist die Expertise aus den beiden wichtigsten Herkunftsländern deutscher Muslime, der Türkei und Bosnien-Herzegowina, hilfreich", sagt Hansjörg Schmid, der sich an der Katholischen Akademie in Stuttgart seit Jahren mit dem Islam beschäftigt. Aber die "Gratwanderung zwischen Unterstützung und Fremdbestimmung" sei nicht leicht. Um dem Verdacht der Einflussnahme zu entkräften, betonte Ali Bardakoglu, der Präsident der Religionsbehörde in Ankara kürzlich: "Selbstverständlich gelten die wissenschaftlichen Standards der Goethe-Universität auch für die islamische Theologie. Das theologische Denken sollte rational und kritisch sein."
Die verschiedenen Wege der einzelnen Universitäten sind ein Anfang, um angehende muslimische Theologen und Religionslehrer mit der historisch-kritischen Herangehensweise an die Religion und ihre Quellen vertraut zu machen. In den Ministerien hegt man die Hoffnung, dass diese Islamexperten dann auch in die Verbände hineinwirken, so dass auch dort ein neuer kritischer Geist heranwächst. "Bis dahin müssen sich muslimische Verbandsvertreter daran gewöhnen, dass eine wissenschaftliche islamische Theologie entsteht, mit der sie nicht immer im Konsens sein werden", sagt Hansjörg Schmid. Das sei nicht einfach in einer Situation, in der sie um Anerkennung werben und möglichst einheitlich auftreten wollen. Es brauche aber auch politischen Mut. Der sei bislang nur bei Schäuble und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) erkennbar.
Wulff hat den Muslimen einen Staatsvertrag in Aussicht gestellt. "Die Länderborniertheit wäre hier falsch", sagt Historiker Lutz Raphael, der Vorsitzende der Arbeitsgruppe "Theologie und Religionswissenschaften" beim Wissenschaftsrat. "Die Kooperationsfähigkeit der Länder muss weiterentwickelt werden."
(Erschienen im gedruckten Tagesspiegel vom 23.12.2009)
- Datum 23.12.2009 - 16:34 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE, Tagesspiegel
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soll ich jetzt lachen oder weinen?!?
"Der Koordinierungsrat der Muslime entzog Muhammad Kalisch, der den bundesweit ersten "Lehrstuhl für die Religion des Islam" innehat, das Vertrauen, weil Kalisch an der historischen Existenz des Propheten Mohammed zweifelt."
""Bis dahin müssen sich muslimische Verbandsvertreter daran gewöhnen, dass eine wissenschaftliche islamische Theologie entsteht, mit der sie nicht immer im Konsens sein werden", sagt Hansjörg Schmid."
Fraglich, wer da mehr Mut hat.
... der Westen hat sich nahezu ALLEN anachronistischen Glaubensrichtungen entledigt...
... aber NEIN!... Da gibt´s noch 1 Milliarde Steinzeitler...
... da kann man ja, bis einschliesslich zur Schächtung, in der EU etwas einklagen!...
Danke für´s Gespräch!...