Hochschulpolitik Bachelor-Studium wird reformiert

Die Reform des Bachelors ist beschlossen. Kultusminister und Hochschulrektoren wollen die Lehrpläne entzerren und von den Studenten weniger Prüfungen verlangen.

Kultusminister und Hochschulrektoren wollen die umstrittenen Bachelor-Studiengänge ändern. Beide Seiten beschlossen nach gemeinsamer Tagung in Bonn, dass künftig Prüfungsbelastungen reduziert werden sollten. Außerdem solle die Arbeitsbelastung von Studenten überprüft und ein realistisches Maß gewährleistet werden.

Zudem solle die nationale und internationale Anerkennung von Prüfungen erleichtert werden und die Vorgaben für Bachelor- und Master-Studiengänge flexibler gestaltet werden.

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Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel, bekräftigte ihr Angebot zum Dialog mit den Studierenden. "Wir brauchen auch die Erfahrungen der Studenten", sagte sie: "Es geht hier um die Zukunftsfähigkeit des Landes. Wir sind daran interessiert, dass die Studenten ein qualitätsvolles Studium absolvieren können."  Auch werfe die Verlängerung der Studienzeit BAföG-Fragen auf.

 

Unterdessen demonstrierten in Bonn mehrere Tausend Studenten aus ganz Deutschland gegen die "Bildungsmisere" und für grundlegende Reformen. Die Studenten waren in Bussen, Bahnen und in einem "Bildungsboot" auf dem Rhein angereist. Sie sammelten sich im Stadtteil Bad Godesberg zu einem Demonstrationszug.

Seit zwei Jahren häufen sich die Klagen gegen die Bologna-Reformen bei Studierenden wie bei Lehrenden: Unnötige Stofffülle und Verschulung in den überwiegend nur sechssemestrigen Bachelor-Studiengängen, weniger Mobilität als zuvor, Leistungsdruck von Anfang an wegen der zusätzlichen Aufnahmehürden für das anschließende Master-Studium – und in vielen Berufen nach wie vor Zweifel an der Arbeitsmarkt-Tauglichkeit des Bachelor-Abschlusses. Jura und auch die medizinischen Studiengänge sind von der Reform bislang völlig ausgenommen.

Die Berliner Charité kündigte derweil an, dass sie sich vom Wintersemester 2010/11 an vom stark verschulten deutschen Medizinstudium verabschieden wolle. In einem Modellstudiengang für alle Erstsemester soll es kleinere Lerngruppen statt Massenseminaren geben, kündigte die Charité am Donnerstag an. Studenten sollen von Anfang an Praxis-Erfahrung bekommen und sich Wissen individueller aneignen können als bisher. Ein Studium generale soll ihnen auch den Blick über den Tellerrand der Medizin hinaus erlauben.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat das Einlenken der Kultusminister bei den umstrittenen Bachelor-Studiengängen begrüßt. Nun komme es aber auch darauf an, allen Studierenden den freien Zugang zum weiterführenden Masterstudium zu sichern, sagte GEW-Vorstandsmitglied Andreas Keller. Weder eine Quote noch die Note dürften den Zugang zum Master-Studium beschränken, forderte Keller.

In Deutschland nahmen in diesem Jahr so viele Menschen ein Studium auf wie noch nie: 423.400 Erstsemester zählten die Hochschulen insgesamt, sieben Prozent mehr als noch 2008, berichtete das Statistische Bundesamt. Davon starteten bereits 74 Prozent in einem Bachelor-Studiengang. Dies liege auch daran, dass es noch nie so viele Schulabgänger mit Hochschulberechtigung gab.

 
Leser-Kommentare
    • credo
    • 10.12.2009 um 19:26 Uhr

    Es ist ein guter Beschluss, der hier gefasst wurde - es kommt aber nun darf an, ihn schnell und konsequent vor Ort umzusetzen - das Bachelor-Studium muss bis zu acht Semester umfassen, ohne dass es im Gegenzug mit weiterem Stoff vollgepackt wird. Hoffentlich wird er nicht in den Ländern und an den Hochschulen blockiert.
    Das Masterstudium sollte durch Nachweis der Studienwilligkeit - ohne Notenabhängigkeit - ermöglicht werden. Schon der numerus clausus am Studienbeginn ist totaler Unsinn. Unsere Wirtschaft braucht keine Auswendiglerner, sondern kreative Gestalter und Querdenker...

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    Genau. Noten Abschaffen. Nieder mit dem Leistungsdruck. Promotion für alle. Sollen doch die Arbeitgeber nachher aussortieren. Hauptsache, wir sind kreative Gestalter.

    Die Umsetzung dürfte schwierig werden, da man, will man das Studium auf acht Semester verlängern, Probleme mit der Akkreditierung bekommt (mit freundlicher Unterstützung der Bertelsmann-Stiftung) - diese Akkreditierungen, die für jeden Studiengang gemacht werden müssen, umfassen gerne mal zwischen 500 und 800 Seiten und das dürfte in diesem Fall neu gemacht werden müssen.

    Genau. Noten Abschaffen. Nieder mit dem Leistungsdruck. Promotion für alle. Sollen doch die Arbeitgeber nachher aussortieren. Hauptsache, wir sind kreative Gestalter.

    Die Umsetzung dürfte schwierig werden, da man, will man das Studium auf acht Semester verlängern, Probleme mit der Akkreditierung bekommt (mit freundlicher Unterstützung der Bertelsmann-Stiftung) - diese Akkreditierungen, die für jeden Studiengang gemacht werden müssen, umfassen gerne mal zwischen 500 und 800 Seiten und das dürfte in diesem Fall neu gemacht werden müssen.

  1. statt Dozenten mit Background zu beschäftigen, die den Studenten im Dialog und anhand Beispielen Breitbandwissen vermitteln, soll Breitband über den Nürnberger Trichter hergestellt werden. Die Usability im Alltag wird in den USA, Kanada und anderen Ländern gelehrt, nicht bei uns. http://kallewestrichblogs...

  2. 423.400 Studienanfänger! Dies sind Prozentual sogar weniger Studienanfänger als in den letzten Jahren. Es ist nur die schiere Masse , die hier die täuschung erweckt , dass Schulabgänger ein Studium aufgrund des tollen neuen Systems wählen würden.
    Die Universitäten und Hochschulen werden demnächst noch Voller werden . Wenn G8 und G9 gleichzeit an die Universitäten strömen werden

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    So ganz kann ich da nicht folgen. Zunächst mal sind es laut Artikel mehr Studienanfänger als 2008. Wieso sind es Ihrer Ansicht nach prozentual weniger Studienanfänger? Mit welcher Bezugsgröße? Welchen Quellen?
    Ich hoffe, der Anteil derer, die nicht mal richtig fehlerfrei und mit einem roten Faden einen Text schreiben können, nimmt nicht auch noch weiter ab...
    Sonst hätten Sie völlig Recht: Die Masse alleine macht es auch nicht.

    So ganz kann ich da nicht folgen. Zunächst mal sind es laut Artikel mehr Studienanfänger als 2008. Wieso sind es Ihrer Ansicht nach prozentual weniger Studienanfänger? Mit welcher Bezugsgröße? Welchen Quellen?
    Ich hoffe, der Anteil derer, die nicht mal richtig fehlerfrei und mit einem roten Faden einen Text schreiben können, nimmt nicht auch noch weiter ab...
    Sonst hätten Sie völlig Recht: Die Masse alleine macht es auch nicht.

  3. Wichtig bleibt nun, dass den richtigen Worten auch die richtigen Taten folgen. Doch hier liegt wiederum das Problem: die Umsetzung der Korrekturen werden durch die Fakultäten und Institute vorgenommen. Diese müssen ausreichend darüber informiert werden, wie sich die bisher noch schwammigen Ziele operationalisieren lassen. Auch darf nicht mit einem Kamm über alle Studiengänge geschert werden. Es gibt einige Best-Practices die zeigen, wie erfolgreich und sinnvoll eine Umstellung auf das neue Studiengangsystem sein kann. Innovative Ansätze, seien es Prüfungsformen oder Seminarinhalte, dürfen bei der zweiten Reformwelle nicht untergehen. Vielfach müssen demnach Einzelfallprüfungen durchgeführt werden. Dies muss bei der Operationalisierung der jetzt gesteckten Ziele berücksichtigt werden.

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    Lassen Sie mich raten: Sie sind Unternehmensberater(?). Anders lassen sich die allgemeinen Phrasen nicht erklären, die Sie hier dreschen.

    Lassen Sie mich raten: Sie sind Unternehmensberater(?). Anders lassen sich die allgemeinen Phrasen nicht erklären, die Sie hier dreschen.

  4. Genau. Noten Abschaffen. Nieder mit dem Leistungsdruck. Promotion für alle. Sollen doch die Arbeitgeber nachher aussortieren. Hauptsache, wir sind kreative Gestalter.

  5. So ganz kann ich da nicht folgen. Zunächst mal sind es laut Artikel mehr Studienanfänger als 2008. Wieso sind es Ihrer Ansicht nach prozentual weniger Studienanfänger? Mit welcher Bezugsgröße? Welchen Quellen?
    Ich hoffe, der Anteil derer, die nicht mal richtig fehlerfrei und mit einem roten Faden einen Text schreiben können, nimmt nicht auch noch weiter ab...
    Sonst hätten Sie völlig Recht: Die Masse alleine macht es auch nicht.

    Antwort auf "Täuschung"
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    In dem ZeitOnline-Artikel vom 25.11.2009 nachzulesen: "Verzerrte Studienanfänger-Zahlen". Erhellender Artikel. Auf diese Statistiken und ihre Auswertung haben so ziemlich alle Blätter reagiert.

    Und ein bisschen weniger Agression wäre nett.

    In dem ZeitOnline-Artikel vom 25.11.2009 nachzulesen: "Verzerrte Studienanfänger-Zahlen". Erhellender Artikel. Auf diese Statistiken und ihre Auswertung haben so ziemlich alle Blätter reagiert.

    Und ein bisschen weniger Agression wäre nett.

  6. Lassen Sie mich raten: Sie sind Unternehmensberater(?). Anders lassen sich die allgemeinen Phrasen nicht erklären, die Sie hier dreschen.

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    Ich gehe zwar davon aus, dass die meisten LeserInnen meinen Beitrag richtig verstanden haben, aber wenn ich es allgemeinverständlicher ausdrücken soll:
    Diejenigen, welche die Reform direkt durchführen (Instituts- bzw. Fakultätsmitglieder) benötigen klare Beispiele für deren Umgestaltung. Beispielsweise muss verdeutlicht werden welche konkreten Möglichkeiten es gibt Studiengänge zu flexibilisieren, statt nur zu sagen, dass sie flexibilisiert werden müssen. In der unkonkreten Zielformulierung lag bisher ein Problem mit dem die Hochschulmitglieder an vielen Stellen allein gelassen wurden, trotz Akkreditierung und Bologna-Zentrum. Außerdem ist nicht jeder neue Studiengang gleich schlecht eingeführt worden. Es gibt viele gute Beispiele, die zeigen wie ein Studium flexibel gestaltet werden kann, ohne dass es zu starken Prüfungsbelastungen und Verschulung gekommen ist. Gute Ideen, die im Rahmen der ersten Reformwelle geschaffen wurden, dürfen durch die neuerlichen Bemühungen nicht zu nichte gemacht werden. Wenn ein Studiengang erfolgreich neue Veranstaltungsformate in die Praxis umgesetzt hat, dürfen diese Ideen nun nicht verschwinden, weil diejenigen, welche die Vorgaben machen, nicht daran gedacht haben. Deshalb muss ein klarer Leitfaden für die Praxis entstehen, welcher es auch erlaubt besondere Einzelfälle den neuen Gegenbenheiten anzupassen.

    Ich gehe zwar davon aus, dass die meisten LeserInnen meinen Beitrag richtig verstanden haben, aber wenn ich es allgemeinverständlicher ausdrücken soll:
    Diejenigen, welche die Reform direkt durchführen (Instituts- bzw. Fakultätsmitglieder) benötigen klare Beispiele für deren Umgestaltung. Beispielsweise muss verdeutlicht werden welche konkreten Möglichkeiten es gibt Studiengänge zu flexibilisieren, statt nur zu sagen, dass sie flexibilisiert werden müssen. In der unkonkreten Zielformulierung lag bisher ein Problem mit dem die Hochschulmitglieder an vielen Stellen allein gelassen wurden, trotz Akkreditierung und Bologna-Zentrum. Außerdem ist nicht jeder neue Studiengang gleich schlecht eingeführt worden. Es gibt viele gute Beispiele, die zeigen wie ein Studium flexibel gestaltet werden kann, ohne dass es zu starken Prüfungsbelastungen und Verschulung gekommen ist. Gute Ideen, die im Rahmen der ersten Reformwelle geschaffen wurden, dürfen durch die neuerlichen Bemühungen nicht zu nichte gemacht werden. Wenn ein Studiengang erfolgreich neue Veranstaltungsformate in die Praxis umgesetzt hat, dürfen diese Ideen nun nicht verschwinden, weil diejenigen, welche die Vorgaben machen, nicht daran gedacht haben. Deshalb muss ein klarer Leitfaden für die Praxis entstehen, welcher es auch erlaubt besondere Einzelfälle den neuen Gegenbenheiten anzupassen.

  7. Die Umsetzung dürfte schwierig werden, da man, will man das Studium auf acht Semester verlängern, Probleme mit der Akkreditierung bekommt (mit freundlicher Unterstützung der Bertelsmann-Stiftung) - diese Akkreditierungen, die für jeden Studiengang gemacht werden müssen, umfassen gerne mal zwischen 500 und 800 Seiten und das dürfte in diesem Fall neu gemacht werden müssen.

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    Die Akkreditierung eines Studienganges kostet in der Größenordnung von 10.000 €. Nicht eingerechnet die Arbeitszeit, die für die Erstellung der erforderlichen Papierberge notwendig ist. Dieser Aufwand wäre woanders besser angelegt...

    Die Akkreditierung eines Studienganges kostet in der Größenordnung von 10.000 €. Nicht eingerechnet die Arbeitszeit, die für die Erstellung der erforderlichen Papierberge notwendig ist. Dieser Aufwand wäre woanders besser angelegt...

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