Bologna ist längst nicht so schlecht wie sein Ruf
In der Bildungspolitik kennen alle die seriösen Berechnungen, denen zufolge die Einführung der neuen Studienabschlüsse am Ende nur dann gelingen kann, wenn die Ausgaben pro Student um mindestens 15 Prozent hochgefahren werden.
Das ist der Schlüssel, die einzige Lösung, wie die Dramatik an den Hochschulen doch noch zu einem Happy End gebracht werden kann. Und zwar zu einem echten und nicht einem vermeintlichen, wie es die symbolischen Maßnahmen der Kultusminister versprechen – die alle richtig sind, aber eben nicht am Kern des Problems rühren. So ist es auch kein Zufall, dass der einzige Punkt, am dem die Kultusminister das Nachgeben verweigern, der offene Zugang zum Masterstudium ist. Denn der könnte – zumindest für den Fall, dass dann wirklich so viele ihn nutzen wollen – richtig viel Geld kosten.
Nein, Bologna ist längst nicht so schlecht wie sein Ruf, die Reform läuft sogar ziemlich gut, wenn man sieht, wie entschlossen die Universitäten schon jetzt auf die berechtigten Kritikpunkte eingehen. Sie läuft ziemlich gut, wenn man sich überlegt, unter welchen finanziellen Bedingungen die Reformer versuchen, den in Wirklichkeit seit Jahrzehnten fest steckenden Unikarren aus dem Dreck zu ziehen.
Im Augenblick aber läuft der Bildungsstreik nach dem Prinzip Sündenbock: Alles ist schlecht, und schuld an allem ist Bologna und das, was dann abstrakt als "Ökonomisierung der Hochschulen" beschrieben wird. Wie gern lassen sich die Kultusminister auf dieses Spiel ein und geben, Entschuldigung, den Affen Zucker. Es ist an der Zeit, dass die protestierenden Studenten sich emanzipieren und sich den wahrhaft Verantwortlichen zuwenden. Den Finanzministern und Ministerpräsidenten. Beim Bildungsgipfel kommende Woche wird sich die Gelegenheit bieten.
- Datum 11.12.2009 - 11:09 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Schließlich bezieht sich die Stufe auf DIE Politik, nicht DEN Politiker oder DAS Symbol.
Genau das Angesprochene ist einer der wesentlichen Punkte an der ganzen Sache. Was die Entschlackung der Prüfungsordnungen angeht, sind im Moment allein die jeweiligen Universitäten mit ihren Fakultäten und deren Instituten verantwortlich und in der Tat ist da im Moment viel los. Da kann die KMK wirklich nicht mehr machen, als Dinge versprechen, die sich nicht einlösen kann, weil sie es gar nicht erst muss, weil die Universitäten das regeln müssen. Doch warum tun sie das nicht bzw. nur sehr schleppend? Ich weiß mittlerweile aus eigener Erfahrung, dass diejenigen, die verantwortlich sind, entweder gar nicht erst davon wissen, Angst haben, es mit dem nächsthöheren Würdenträger zu tun zu bekommen, oder einfach zu faul sind, selbst dazu, im rechten Moment einfach mal den Arm zu heben. Die Informationswege laufen über so viele Ecken, dass man es ihnen oft nicht einmal verdenken kann. Dort muss noch viel Arbeit geleistet werden und schon alleine deshalb sind solche Zugeständnisse, wie die der KMK, die formal und inhaltlich im Grunde redundant sind, so wichtig, weil dadurch das Bewusstsein geschaffen wird bei den jeweiligen Verantwortlichen, eben nicht ALLEINE dazustehen und nicht gegen irgendwelche Richtlinien zu handeln, sondern im Gegenteil, gerade durch die Unterstützung der eigenen Forschung und Lehre und damit zwangsläufig auch der Qualität des Studiums MIT den Richtlinien zu handeln.
Das alles heißt nicht, dass es keinen Grund mehr gäbe, auf die Straße zu gehen, siehe Master
Vielen Dank für den Artikel, auch wenn dieser wie die meisten Artikel zum Thema Bildungsstreik, KMK, HRK, u.ä. einen großen Fehler macht, nämlich leider bei den studetischen Forderungen und der Ausgangslage nicht genau hin zu sehen. Zwar sind die Universitäten, wie hier richtig aufgezeigt wird, weitestgehend unabhängig dennoch gibt es auf Landesebene weiterhin Hochschul(freiheits)rahmengesetze und in denen ist auch die Maximalstudiendauer in Form von ECTS-Punkten festgeschrieben. Heißt wenn die Kultusminister die 300 Punkte Grenze nicht aufheben, dann ist es zwar möglich acht Semester Bachlor anzubieten aber nur wenn danach nur ein zwei Semester Master folgt.
Weiterhin steht in den studentischen Forderungen sehr wohl die Forderung nach mehr Geld und nicht nur nach Umgestalltung diverser Systeme (Studiengebühren und Bachlor/Master). Es ist den Studenten also sehr wohl bewusst, dass Geld der Schlüssel ist, nur brauchen auch Studenten dafür die Hilfe der Minister, denn Geld fällt nicht vom Himmel. Also müssen die Kultusminister mehr als Lippenbekenntnisse aussprechen und sich hinter die Studenten und gegen ihre jeweiligen Finanzminister stellen. Es wäre schön, wenn sich die Kultusminister die Aussagen des Bundesrechnungshofes ansehen würden und die benötigten Milliarden für die Universitäten fordern würden. Sie wären sicher nicht allein und könnten sich des Drucks der Straße sicher sein. In diesem Sinne:
"Bildung ist uns zu teuer, was kostet Dummheit?"
Wenn 5000 demonstrierende Studenten an einem Tag, mehrere Zehntausend demonstrierende Studenten über die egsamte Protestzeit hinweg, die Politik nicht zu einer humanen Bildungspolitik treibt, dann ist dieser Politik der einzelne nichts Wert. Dann hat die Demokratie sich zu einer scheindemokratie gewandelt. Dann geht es nur noch darum was alle 4 jahre die Mehrheit will, und nicht darum was Minderheiten, wie es ja Studenten sind, für sich selbst wollen. Eine Demokratie ohne Volksentscheide ist keine Demokratie.
Sie schreiben "Während die [Studenten] sich auf die Bologna-Reform eingeschossen haben,"
Dazu mein Kommentar: Es ist nicht richtig, dass wir uns auf Bologna eingeschossen haben. Wir fordern ebenso die Abschaffung aller Bildungsgebühren, die Aufstockung der Landesmittel für Schulen und Hochschulen, die Einführung bzw. Erweiterung der studentischen Mitbestimmung (in Bayern und Baden-Württemberg: "Verfasste Studierendenschaft"), den Abbau der Sanierungsrückstände an Schulen und Hochschulen uvam.
Leider nehmen die meisten Medien das nicht wahr und es kommt daher auch nicht in der Öffentlichkeit an. (Sicherlich auch deshalb, weil Uni-Leitungen und KultusministerInnen uns permanent auf die Schultern klopfen und mit Pressemitteilungen des Tenors "Wir sind beim Thema Bachelor/Master ganz Eurer Meinung" "stärken")
Ich würde mich daher sehr freuen, wenn die Zeit sich dieser Themen annehmen könnte. Zur Information verlinke ich hier mal unseren lokalen Forderungskatalog der Bildungsstreikinitiative Karlsruhe: http://kitbrennt.unserebi... - der leider noch nicht vollständig ausformuliert ist, wir arbeiten daran.
MfG, Parkwaechter
Disclaimer: Ich schreibe hier als Privatperson aus dem besetzten Hörsaal am KIT/ehemals Universität Karlsruhe. Ich bin nicht der Sprecher unserer Initiative.
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