Bachelor-Reform Wissenschaftsrat fordert mehr Geld und Personal
Die Bologna-Reform und ihre Auswirkungen wurden im Bildungsausschuss des Bundestages diskutiert. Angehört wurden Studenten, Wissenschaftler und Vertreter der Hochschulen.
Der Erfolg des Bachelor-Studiums in Deutschland ist aus Expertensicht vor allem abhängig von der Akzeptanz der Absolventen auf dem Arbeitsmarkt. Vor dem Bildungsausschuss des Bundestages in Berlin sagte der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Peter Strohschneider, auch die Arbeitgeber des öffentlichen Dienstes müssten sich entscheiden, ob sie Bachelor- Absolventen künftig als Voll-Akademiker betrachten und sie gleich in den höheren Dienst einstellen – oder wie Fachhochschul-Absolventen, die im gehobenen Dienst ihre Laufbahn starten.
Strohschneider unterstrich die Forderung des Wissenschaftsrates nach einer besseren Lehre und mehr Personal für die Betreuung der Studierenden. Der Wissenschaftsrat hält dafür Mehrzuwendungen an die Hochschulen im Umfang von 1,1 Milliarden Euro pro Jahr für erforderlich. In diesem Betrag seien die 275.000 zusätzlichen Studienplätze, die Bund und Länder bis 2020 schaffen wollen, noch nicht eingerechnet.
Der Wissenschaftsrats-Vorsitzende kritisierte zugleich mangelnde Flexibilität der deutschen Hochschulen bei der Anerkennung von im Ausland erbrachten Studienleistungen. So schreibe die Studienordnung der Universität München für alle 4500 Anglistik-Studenten einen Aufenthalt im englischsprachigen Ausland verbindlich vor. Zugleich habe die Hochschule aber nur 20 Erasmus-Stipendien zu vergeben. Schaffe es ein Student trotz hoher materieller Hürden dann doch noch, an einer Hochschule im Ausland auch Scheine zu erwerben, tue sich anschließend die Heimathochschule mit der Anerkennung schwer.
Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Margret Wintermantel, forderte deutliche Verbesserungen der Studienfinanzierung. In den Bachelor-Studiengängen hätten die Studenten oft eine "volle Arbeitswoche" zu absolvieren. Es bleibe wenig Zeit zum Arbeiten nebenher.
Der Bildungsausschuss des Bundestages hatte vor dem Hintergrund der massiven Studentenproteste im vergangenem Jahr Experten zu einem "Kleinen Bildungsgipfel" eingeladen. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) will im April einen runden Tisch zu den Problemen bei der Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge organisieren. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesbildungsministerium, Thomas Rachel (CDU), sagte, der Bund prüfe derzeit unter anderem ein bundesweites Tutorenprogramm zur besseren Betreuung der Studierenden.
Nach den Worten der Ausschussvorsitzenden Ulla Burchardt (SPD) müssen die Proteste Konsequenzen haben. "Die Politik kann die Augen vor den offenkundig gewordenen Missständen in den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen nicht verschließen", sagte die SPD-Politikerin in einem Gespräch mit der dpa. Die anstehenden Haushaltsberatungen würden zeigen, ob es der Bund mit seiner groß angekündigten Bildungsoffensive tatsächlich ernst meine. Bisher seien im schwarz-gelben Haushaltsentwurf für das Bundesbildungsministeriums nur 6,9 Prozent mehr Geld vorgesehen – während der Bundesetat insgesamt um 7,3 Prozent steige. Nach den Worten von Burchardt müssen für Bildung und Forschung jedes Jahr insgesamt zehn Milliarden Euro mehr ausgegeben werden.
- Datum 27.01.2010 - 20:25 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa
- Kommentare 1
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:








Die Forderungen des Bildungsstreiks sollten doch schon im kommenden Sommersemester umgesetzt werden. In Bayern hat auch der Kultusminister Ludwig Spänle viel palavert, dass es bereits im SS10 anders wird. HA! Nichts passiert. An meiner Uni wird erst eine Juristin eingestellt, die dann 2 Jahre (!) die Studiensituation prüft... der Bildungsstreik war quasi für die Katz'.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren