Stipendiensystem Mit dem Rotary-Club an die Uni
Seite 3/3:

 300 Euro decken nicht die Hälfte der monatlichen Kosten eines Studenten

Bis auf das Ziel, zehn Prozent der Studenten zu fördern, fehlen Antworten. Soll wie beim NRW-Programm nur Leistung zählen, nicht aber Bedürftigkeit? Das Hochschul-Informationssystem hat nachgewiesen, dass die Stipendien der elf Begabtenförderungswerke derzeit vor allem jene erreichen, die ohnehin bessere Startchancen haben: Studierende aus Akademikerfamilien. Andere bewerben sich erst gar nicht um die Stiftungsprogramme. Die Lehre daraus: Das Stipendium müsste vor der Entscheidung für ein Studium erreichbar sein, also in der Schule. Damit es jenen Lust aufs Studieren machen kann, die sich aus Geldsorgen sonst nicht einschrieben.

Und selbst dann deckten die 300 Euro Förderung nicht einmal die Hälfte der monatlichen Kosten eines Studenten, die das Studentenwerk auf 770 Euro beziffert. Es mahnt darum, ein Stipendiensystem dürfe nicht zulasten des Bafög gehen. Der Freie Zusammenschluss von Studentenschaften hält leistungsabhängige Stipendienmodelle grundsätzlich für falsch. Er will über die Förderung ungleiche Einkommen ausgleichen. Gegen rein leistungsfixierte Stipendien steuern auch Akteure, die weniger im Ideologieverdacht stehen: Die Uni Köln baut eine Stiftung auf, um Punkte wie Kinderbetreuung, Internationalität oder Bedürftigkeit besser berücksichtigen zu können. Davon verspreche man sich mehr als vom Modell des Landes, sagt ein Sprecher.

Anzeige

Dabei helfen könnte ein Trend, den die Uni Karlsruhe bei Geldgebern ausgemacht hat. Während Unternehmen mit Blick auf Job-Kandidaten gern die Besten fördern, helfen Alumni und andere Einzelspender lieber Bedürftigen. Die Uni Mannheim versucht es mit einer Mischform: Sie verleiht den Besten Stipendien – und fordert die Stipendiaten auf, das damit verbundene Geld Bedürftigen zu geben, wenn sie es nicht selbst brauchen. So bleibt den einen der Ruhm im Lebenslauf, den anderen die Wohltat. Immerhin 13 Stipendiaten wählten vergangenes Semester den Weg des Verzichts.

Der Artikel ist zuerst erschienen im Tagesspiegel

 
Leser-Kommentare
  1. Seit langem muss ich feststellen, dass die Berichterstattung der ZEIT über Hochschulpolitik einseitig im Sinne der neoliberalen Wirtschaftslobby berichtet. Skandalös ist vor allem, dass die Zeit dabei immer wieder auf Aussagen und Standpunkte des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) zurückgreift. Das CHE ist eine reine Wirtschaftslobbystiftung von Bertelsmann, deren Politik auf öknomischen Einfluss im Bildungssektor abzielt. Doch in der Zeit wird nicht nur das CHE-Hochschulranking abgedruckt, sondern CHE-Aussagen unkritisch ständig wiedergegeben, sogar der CHE-Chef darf ab und zu mal einen Beitrag für die Zeit schreiben. Wo ist das bitte objektive Berichterstattung? Aber dann in diesem Artikel mehrfach das CHE als scheinbar seriöse Quelle zu zitieren und dem freien zusammenschluss von studierendenschaften, der größten bundesweiten demokratisch legitimierten Studentenvertretung zu unterstellen unter Ideologieverdacht zu stehen, beweist nur wie einseitig gefärbt dieser Artikel mal wieder ist! Bei solcher Berichterstattung überlege ich mir ernsthaft mein Zeit-Abo zu kündigen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Denn letztlich haut die Zeit JEDEN Artikel der Printausgabe ins Netz.
    Für was soll ich mir da noch die gedruckte Ausgabe kaufen...

    Liebe/-r rotgrün,
    in der Tat gab es zuletzt eine gewisse Über-Repräsentation von CHE-Referenzen in hochschulpolitischen Beiträgen der ZEIT. Das fiel mir auch auf und ist schade, zeigt aber vielleicht doch auch, dass viele zivilgesellschaftliche Institutionen mit belastbaren Haltungen zu diesem Thema noch immer nicht hinreichend im Wahrnehmungsfokus der Journalisten sind. Das ist natürlich schade. Schade ist aber auch, dass Sie und viele andere Kommentatorinnen und Kommenatoren ähnlicher Artikel den gleichen Fehler machen, den Lieb und Konsorten aufgedeckt zu haben meinen: das CHE sei dogmatisch und undifferenziert (neoliberal und Ökonomisierung des Bildungssystems und weitere Folklore), deswegen dürfe man es keineswegs hören. Diese Aufforderung ist selbst aber ebenso dogmatisch und undifferenziert, weswegen man sie streng genommen gerade nicht befolgen sollte. Vermutlich würden Sie sich sogar dann in Ihrer Einschätzung des CHE bestätigt fühlen, wenn es den Nahostkonflikt lösen würde ("die wollen ja nur neue Absatzmärkte für Bertelsmann usurpieren"). Man liest halt gerne, was der eigenen Wahrnehmung zugrundeliegt.

    Schön ist auch Ihr Apercu zu zum fzs: erklären Sie mir bitte, weswegen - im übrigen durchaus umstrittene (Quoren!) - demokratische Legitimation Ideologieverdacht zwingend entkräftet. Es muss behaglich sein, in einer monochromen Welt...

    Denn letztlich haut die Zeit JEDEN Artikel der Printausgabe ins Netz.
    Für was soll ich mir da noch die gedruckte Ausgabe kaufen...

    Liebe/-r rotgrün,
    in der Tat gab es zuletzt eine gewisse Über-Repräsentation von CHE-Referenzen in hochschulpolitischen Beiträgen der ZEIT. Das fiel mir auch auf und ist schade, zeigt aber vielleicht doch auch, dass viele zivilgesellschaftliche Institutionen mit belastbaren Haltungen zu diesem Thema noch immer nicht hinreichend im Wahrnehmungsfokus der Journalisten sind. Das ist natürlich schade. Schade ist aber auch, dass Sie und viele andere Kommentatorinnen und Kommenatoren ähnlicher Artikel den gleichen Fehler machen, den Lieb und Konsorten aufgedeckt zu haben meinen: das CHE sei dogmatisch und undifferenziert (neoliberal und Ökonomisierung des Bildungssystems und weitere Folklore), deswegen dürfe man es keineswegs hören. Diese Aufforderung ist selbst aber ebenso dogmatisch und undifferenziert, weswegen man sie streng genommen gerade nicht befolgen sollte. Vermutlich würden Sie sich sogar dann in Ihrer Einschätzung des CHE bestätigt fühlen, wenn es den Nahostkonflikt lösen würde ("die wollen ja nur neue Absatzmärkte für Bertelsmann usurpieren"). Man liest halt gerne, was der eigenen Wahrnehmung zugrundeliegt.

    Schön ist auch Ihr Apercu zu zum fzs: erklären Sie mir bitte, weswegen - im übrigen durchaus umstrittene (Quoren!) - demokratische Legitimation Ideologieverdacht zwingend entkräftet. Es muss behaglich sein, in einer monochromen Welt...

  2. Wer sich über Wirtschaftslobby CHE informieren will:
    http://www.nachdenkseiten...

  3. Denn letztlich haut die Zeit JEDEN Artikel der Printausgabe ins Netz.
    Für was soll ich mir da noch die gedruckte Ausgabe kaufen...

    • lepkeb
    • 06.01.2010 um 1:25 Uhr

    wird sich keine Stiftungskultur aus der Wirtschaft heraus entwickeln. Denn von dort aus wird in Sachen Bildung immer auf den Staat verwiesen, was sich aber in einigen Jahren rächen wird.
    Bin in Canada selber in den Genuss einer mehrjährigen Förderung eines privaten Mäzens an einer s.g. Elite-Uni gekommen. Dies wäre in Dland niemals möglich gewesen wäre, da die meisten Stiftungen politische Voraussetzungen an die Stipendiaten stellen und es meist nur über Vitamin-B geht.
    Aber die Welt ist groß und wie man weiß setzt sich ausserhalb D-lands Leistung durch.

  4. Liebe/-r rotgrün,
    in der Tat gab es zuletzt eine gewisse Über-Repräsentation von CHE-Referenzen in hochschulpolitischen Beiträgen der ZEIT. Das fiel mir auch auf und ist schade, zeigt aber vielleicht doch auch, dass viele zivilgesellschaftliche Institutionen mit belastbaren Haltungen zu diesem Thema noch immer nicht hinreichend im Wahrnehmungsfokus der Journalisten sind. Das ist natürlich schade. Schade ist aber auch, dass Sie und viele andere Kommentatorinnen und Kommenatoren ähnlicher Artikel den gleichen Fehler machen, den Lieb und Konsorten aufgedeckt zu haben meinen: das CHE sei dogmatisch und undifferenziert (neoliberal und Ökonomisierung des Bildungssystems und weitere Folklore), deswegen dürfe man es keineswegs hören. Diese Aufforderung ist selbst aber ebenso dogmatisch und undifferenziert, weswegen man sie streng genommen gerade nicht befolgen sollte. Vermutlich würden Sie sich sogar dann in Ihrer Einschätzung des CHE bestätigt fühlen, wenn es den Nahostkonflikt lösen würde ("die wollen ja nur neue Absatzmärkte für Bertelsmann usurpieren"). Man liest halt gerne, was der eigenen Wahrnehmung zugrundeliegt.

    Schön ist auch Ihr Apercu zu zum fzs: erklären Sie mir bitte, weswegen - im übrigen durchaus umstrittene (Quoren!) - demokratische Legitimation Ideologieverdacht zwingend entkräftet. Es muss behaglich sein, in einer monochromen Welt...

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service