StudiumStudenten brechen meist wegen Überforderung ab

Wenn Studenten ihr Studium abbrechen, dann meist, weil sie sich überfordert fühlen. Weitere Gründe laut einer Studie: mangelnde Motivation und finanzielle Schwierigkeiten. von afp

Studenten schreiben eine Klausur

© Andreas Lander/dpa

Studenten brechen ihr Studium vor allem ab, weil sie sich überfordert fühlen. Knapp ein Drittel der Studienabbrecher scheitert an Leistungsproblemen, wie aus einer am Dienstag in Hannover veröffentlichten Studie der Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) hervorgeht. Weitere Gründe für einen Studienabbruch sind mangelnde Motivation und Probleme bei der Finanzierung des Studiums.

20 Prozent der im Jahr 2008 befragten Studienabbrecher fühlten sich der Umfrage zufolge den Anforderungen des Studiums nicht gewachsen. Weitere elf Prozent nannten das Nichtbestehen von Prüfungen als Grund für einen Studienabbruch. Damit scheiterten zusammengerechnet 31 Prozent der Befragten an Überforderung. Dies bedeutete einen Anstieg von elf Prozentpunkten im Vergleich zu einer Befragung aus dem Jahr 2000.

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Probleme bei der Studienfinanzierung waren für 19 Prozent der Studenten der Grund, das Studium abzubrechen. Den Studenten fällt es zunehmend schwer, eine zur Finanzierung des Lebensunterhalts notwendige Erwerbstätigkeit mit dem Studium zu vereinbaren. Mit mangelnder Selbstmotivation begründeten 18 Prozent der Befragten das vorzeitige Beenden ihres Studiums. Dabei handelt es sich laut HIS um Studierende, die mit falschen Erwartungen an ihr Fach an die Hochschule gegangen sind.

Weitere Gründe für einen Studienabbruch waren: unzureichende Studienbedingungen (zwölf Prozent), der Wunsch nach beruflicher Neuorientierung (zehn Prozent), familiäre Probleme (sieben Prozent) und Krankheit (vier Prozent). Die Entscheidung, ein Studium abzubrechen, wird der Untersuchung zufolge in der Regel nicht durch ein Motiv allein bestimmt. Meist gibt demnach aber letztlich ein Grund den Ausschlag für den Studienabbruch. Für die Untersuchung befragte im Studienjahr 2008 die HIS GmbH 2500 Studienabbrecher an 54 Universitäten und 33 Fachhochschulen zu den Gründen ihrer Entscheidung.

Die Studienabbrecherquote lag laut Bundesbildungsministerium im Jahr 2006 bei 21 Prozent. Damit schnitt Deutschland im internationalen Vergleich noch gut ab. In den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ( OECD ) lag die Abbruchquote im Durchschnitt bei 31 Prozent.

Der Parlamentarische Staatssekretär im Bildungsministerium , Helge Braun ( CDU ), erklärte, die Zahl der Studienabbrüche müsse in Deutschland dennoch weiter reduziert werden. Wichtig sei, dass die Studierenden besser auf ihr Studium vorbereitet würden und nicht mit falschen Erwartungen an die Hochschulen kämen. Mit Blick auf die finanziellen Probleme von Studenten erklärte Braun, durch Verbesserungen beim BAföG und den Aufbau eines nationalen Stipendienprogramms werde die Bundesregierung in den kommenden Jahren entscheidend zu einer Verbesserung der finanziellen Situation der Studierenden beitragen.

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Leserkommentare
    • ribera
    • 12. Januar 2010 17:10 Uhr

    Letztes Jahr hat ein Familienmitglied Abi gemacht. Knapp 25% hatten eine 1 vor dem Komma.
    Aber wenn wir mehr Gesamtschulen schaffen, die Hauptschule abschaffen, jeder versetzt wird und wir endlich 40% Abiturienten (Zielgröße SPD) haben, dann sind unsere Abiturienten sicherlich besser auf das Studium vorbereitet!

    Nicht, dass ich mißverstanden werde:
    Allen Schülern sollte die bestmöglichste Förderung und Chancengleichheit zuteil werden! Aber gemäß Eignung und Leistung. Und auch Spätentwickler sollten ihre Chancen haben, aber kein Verschieben der Selbstfindungsphase bis ins Studium auf Kosten der Solidargemeinschaft!

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    Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen. Meine tagtägliche Erfahrung in der Berufsschule zeigt, dass Hochschulzugangsberechtigte heute in der Mehrheit maximal noch reproduzieren können. Schon der kleinste Transfer stellt die Schülerinnen und Schüler vor unlösbare Probleme. In der mangelnden Ausdrucksfähigkeit und der Unfähigkeit einfache Texte zu verstehen liegt meines Erachtens das Hauptproblem.

    Die Verschulung der Hochschulen nach der Neuordnung der Studiengänge verschiebt das Problem noch weiter. Studentinnen und Studenten bekommen heute teilweise Stundenpläne und müssen nicht mal mehr Ihr Studium selber organisieren ... bzw. nicht mehr in dem Maße wie noch vor wenigen Jahren.

    Im Berufsalltag gibt es auch keine Standardsituationen, die dann abgerufen werden können wie auswendig gelernter Schulstoff. Wenn Schülerinnen und Schüler nicht mehr Lernen Probleme zu lösen, sondern nur noch wiedergeben, was sie gelernt haben, wundert mich das Ergebnis der Befragung nicht.

    Das Abitur muss wieder zur Hochschulreife führen, damit die zukünftigen Studentinnen und Studenten nicht erst dort überfordert werden. Die so genannte "mittlere Reife" darf nicht alleine aufgrund des Schulbesuches vergeben werden. Also muss viel früher angesetzt werden.

    Auf die Frage warum man an der Gesamtschule das Abitur gemacht habe, bekomme ich von Schülerinnen und Schülern immer wieder gesagt, dass es dort einfacher sei ...

  1. 2. @1

    Ich kann mich meinem Vorredner nur anschließen. Meine tagtägliche Erfahrung in der Berufsschule zeigt, dass Hochschulzugangsberechtigte heute in der Mehrheit maximal noch reproduzieren können. Schon der kleinste Transfer stellt die Schülerinnen und Schüler vor unlösbare Probleme. In der mangelnden Ausdrucksfähigkeit und der Unfähigkeit einfache Texte zu verstehen liegt meines Erachtens das Hauptproblem.

    Die Verschulung der Hochschulen nach der Neuordnung der Studiengänge verschiebt das Problem noch weiter. Studentinnen und Studenten bekommen heute teilweise Stundenpläne und müssen nicht mal mehr Ihr Studium selber organisieren ... bzw. nicht mehr in dem Maße wie noch vor wenigen Jahren.

    Im Berufsalltag gibt es auch keine Standardsituationen, die dann abgerufen werden können wie auswendig gelernter Schulstoff. Wenn Schülerinnen und Schüler nicht mehr Lernen Probleme zu lösen, sondern nur noch wiedergeben, was sie gelernt haben, wundert mich das Ergebnis der Befragung nicht.

    Das Abitur muss wieder zur Hochschulreife führen, damit die zukünftigen Studentinnen und Studenten nicht erst dort überfordert werden. Die so genannte "mittlere Reife" darf nicht alleine aufgrund des Schulbesuches vergeben werden. Also muss viel früher angesetzt werden.

    Auf die Frage warum man an der Gesamtschule das Abitur gemacht habe, bekomme ich von Schülerinnen und Schülern immer wieder gesagt, dass es dort einfacher sei ...

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    • Burak
    • 12. Januar 2010 17:47 Uhr

    Sie glauben doch wohl nicht im ernst, mit dem was Sie vorschlagen, die Studiensituation an deutschen Universität ernsthaft verbessern zu können? Welche Konsequenzen soll man aus Ihren Vorschlägen ziehen? Den Zugang zu Hochschulen noch weiter erschweren? Dann brennen übermorgen die Autos auf den Straßen.
    Die Qualität des Studiums leidet nicht, weil Absolventen mit mittlerer Reife die Hochschulen bevölkern, sondern weil "Gelassenheiten" das Verhaltensprinzip unseres Jahrzehntes ist, der theurapeutisch durch Medien & Co zwecks Orientierung der Massen verschrieben wird. Was Sie da in Ihrem Kommentar von sich geben, nennt man unter Soziologen "sozial Rassismus", ein beliebtes Mittel in Deutschland, das leider noch nicht unter Strafe steht.

    • Burak
    • 12. Januar 2010 17:36 Uhr

    Wer Chancengleichheit realisieren möchte und die Studienabbrecherquote verringern, der muss dafür sorgen, dass die Chancengleichheit in den Köpfen anfängt. Geld allein reicht nicht aus. Über die Ungleichheit unter den Studenten entscheidet in erster Linie nicht die Summe des Geldes, die der Student in seinem Geldbeutel hat, sondern das Verhalten der Verantwortlichen gegenüber Studenten. Solange dieses Umdenken nicht stattfindet, solange bleibt die Chancengleichheit ein Mythos, der sich immer wieder aufs Neue selbst entlarvt.

    • Burak
    • 12. Januar 2010 17:47 Uhr

    Sie glauben doch wohl nicht im ernst, mit dem was Sie vorschlagen, die Studiensituation an deutschen Universität ernsthaft verbessern zu können? Welche Konsequenzen soll man aus Ihren Vorschlägen ziehen? Den Zugang zu Hochschulen noch weiter erschweren? Dann brennen übermorgen die Autos auf den Straßen.
    Die Qualität des Studiums leidet nicht, weil Absolventen mit mittlerer Reife die Hochschulen bevölkern, sondern weil "Gelassenheiten" das Verhaltensprinzip unseres Jahrzehntes ist, der theurapeutisch durch Medien & Co zwecks Orientierung der Massen verschrieben wird. Was Sie da in Ihrem Kommentar von sich geben, nennt man unter Soziologen "sozial Rassismus", ein beliebtes Mittel in Deutschland, das leider noch nicht unter Strafe steht.

    Antwort auf "@1"
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    Was schlage ich vor, wenn ich fordere, dass man in der Schule bereits auf die Hochschule vorbereitet werden soll? Wird da in meinen Ausführungen herausgelesen, was man herauslesen möchte? Ich bin froh, dass in Deutschland weder die freie Meinungsäußerung noch das Missverstehen einer solchen unter Strafe steht! Wenn darüber kein Konsens bestehen sollte, sollte gar nicht weiter diskutiert werden!

    Es ging auch nicht um eine schlechte Qualität des Studiums sondern um die Suche nach einer Erklärung für die Überforderung der Studentinnen und Studenten! Dass das alles nicht monokausal zu betrachten ist, ist auch mir klar, aber dafür reichen die Zeichen nicht aus.

  2. 5. @burak

    Was schlage ich vor, wenn ich fordere, dass man in der Schule bereits auf die Hochschule vorbereitet werden soll? Wird da in meinen Ausführungen herausgelesen, was man herauslesen möchte? Ich bin froh, dass in Deutschland weder die freie Meinungsäußerung noch das Missverstehen einer solchen unter Strafe steht! Wenn darüber kein Konsens bestehen sollte, sollte gar nicht weiter diskutiert werden!

    Es ging auch nicht um eine schlechte Qualität des Studiums sondern um die Suche nach einer Erklärung für die Überforderung der Studentinnen und Studenten! Dass das alles nicht monokausal zu betrachten ist, ist auch mir klar, aber dafür reichen die Zeichen nicht aus.

    Eine Leserempfehlung
  3. Wir leiden unter Handwerker-Mangel, aber auf Teufel komm raus muss Jeder und Jede unter dem Diktat der sakrosankten Chancengleichheit Zugang an irgendeine Hochschule haben. Was für ein volkswirtschaftlicher Schwachsinn! Und was für ein Verschleiss an Talenten. Ich ziehe einen erfolgreichen Tischler einem mit Ach und Krach promovierten Akademiker tausend Mal vor. Mit sozialer Ausgrenzung hat dies nichts zu tun - im Gegenteil.

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    • Chris79
    • 12. Januar 2010 18:57 Uhr

    Das Problem ist ergo nicht etwa, dass zu viele Leute an der Uni "scheitern", sondern dass wir es als Gesellschaft verpassen, andere berufliche Werdegänge entsprechend zu respektieren, zu würdigen und zu honorieren. Talent wird verschleudert, bzw. in den Hörsaal eingesperrt, während gleichzeitig sozial Benachteiligten (siehe Burak's Kommentar) der Zugang verwehrt wird. Das ist nicht nur schlecht für die Wirtschaft sondern auch fürs gesellschaftliche Wohlbefinden (wenn es sowas gibt). Würde man Menschen ohne Universitätsabschluss die gleichen Privilegien und den gleichen Respekt einräumen, wäre meiner Ansicht nach schon viel erreicht.

    Aber wer oben ist möchte natürlich auch gerne oben bleiben und schafft sich so seine Mauern. Die Uni ist da leider eines der wenigen "Zugangsportale" und das merken die meisten jungen Menschen ganz genau!

  4. Absolute Zustimmung zu Ihrem Kommentar!!!

    Zusatz: Der gute Handwerker verdient auch noch weit mehr Geld als der arbeitslose Jurist. Nur schade, dass Handwerker keine Auszubildenden mehr finden, die den Anforderungen genügen! Das sage übrigens nicht ich - der "Sozialrassist" (s.o.) - sondern die, mit denen ich an der Basis tagtäglich zu tun habe. Und damit bin ich wieder bei meiner Forderung die Schülerinnen und Schüler bereits in der Schule auf das vorzubereiten, was sie danach erwartet, ob sie Abi machen oder mittlere Reife, damit sie anschließend nicht überfordert sind!

    • Chris79
    • 12. Januar 2010 18:57 Uhr
    8. Genau!

    Das Problem ist ergo nicht etwa, dass zu viele Leute an der Uni "scheitern", sondern dass wir es als Gesellschaft verpassen, andere berufliche Werdegänge entsprechend zu respektieren, zu würdigen und zu honorieren. Talent wird verschleudert, bzw. in den Hörsaal eingesperrt, während gleichzeitig sozial Benachteiligten (siehe Burak's Kommentar) der Zugang verwehrt wird. Das ist nicht nur schlecht für die Wirtschaft sondern auch fürs gesellschaftliche Wohlbefinden (wenn es sowas gibt). Würde man Menschen ohne Universitätsabschluss die gleichen Privilegien und den gleichen Respekt einräumen, wäre meiner Ansicht nach schon viel erreicht.

    Aber wer oben ist möchte natürlich auch gerne oben bleiben und schafft sich so seine Mauern. Die Uni ist da leider eines der wenigen "Zugangsportale" und das merken die meisten jungen Menschen ganz genau!

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  • Quelle ZEIT ONLINE. AFP
  • Schlagworte Bundesregierung | CDU | Bundesbildungsministerium | Fachhochschulen | Hochschule | OECD
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