Die geplante Ausbildung islamischer Religionslehrer und Imame an deutschen Universitäten stößt auf breite Zustimmung. Parteien, Gewerkschaften, die katholische Kirche und muslimische Verbände unterstützen den Vorschlag des Wissenschaftsrats. Dieser sei "ein richtiges Zeichen für die Integration der etwa vier Millionen Muslime in Deutschland", sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU). Das Expertengremium empfiehlt, Institute für islamische Theologie an zwei bis drei Hochschulen aufzubauen.

Der Vorstoß "sei eine notwendige und längst überfällige Maßnahme zur Integration der muslimischen Bevölkerung", sagte die stellvertretende GEW-Vorsitzende Marianne Demmer. Um den Bedarf an islamischem Religionsunterricht an deutschen Schulen zu decken, würden bis zu 5000 ausgebildete Fachkräfte gebraucht. Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats Strohschneider geht von rund 2000 benötigten Lehrern aus. Nach einer Übersicht der Kultusministerkonferenz aus dem Sommer 2008 erteilten jedoch erst 350 Lehrkräfte islamischen Religionsunterricht an Schulen.

Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Ludwig Spaenle (CSU), erklärte, die Einführung von islamischem Religionsunterricht an den Schulen sei erschwert, weil dem Staat bei den Muslimen ein einheitlicher Ansprechpartner fehle. Gleichwohl seien alle Bundesländer daran interessiert. Neben Lehrern sollen auch muslimische Religionsgelehrte, Gemeindemitarbeiter und wissenschaftlicher Nachwuchs eine universitäre Ausbildung erhalten, empfiehlt der Wissenschaftsrat.

Nordrhein-Westfalens Integrationsminister Armin Laschet (CDU) sagte dem Tagesspiegel (Sonntag): "Wir brauchen mehr Imame, die unserer Gesellschaft entstammen und an deutschen Universitäten ausgebildet werden. Imame, die ohne Deutschkenntnisse wie Diplomaten für wenige Jahre aus der Türkei einreisen und die deutsche Gesellschaft nicht kennen, passen nicht mehr in die Zeit einer modernen Integrationspolitik. Deshalb muss der Vorschlag des Wissenschaftsrats bald umgesetzt werden."

Unterstützung für den Vorstoß gibt es sowohl von muslimischer als auch von christlicher Seite. Der Islam als Studienfach an Hochschulen sei zu begrüßen, sagte Matthias Kopp, Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz. Zuvor hatte bereits die Türkische Gemeinde in Deutschland die Empfehlung als bedeutendes Integrationssignal bewertet. Es sei wichtig, dass solche Zentren für islamisch-theologische Forschung unabhängig arbeiten, sagte ihr Vorsitzender Kenan Kolat.

Die jährlichen Kosten pro Institut schätzt der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Peter Strohschneider, auf rund 1,5 Millionen Euro. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) stellte eine finanzielle Beteiligung des Bundes an den Aufbaukosten in Aussicht. Sie lobte den Entwurf des Rats, der Bund und Länder in der Hochschul- und Forschungspolitik berät, als "Teil moderner Integrationspolitik". Laut Strohschneider und Schavan gibt es unter Hochschulen bereits einige Interessenten.