Ärztemangel Zugang zum Medizinstudium soll einfacher werden

Die FDP will den Numerus clausus in Medizin senken. Dadurch soll der befürchtete Ärztemangel verhindert werden. Die Ärztegewerkschaft hält bessere Arbeitsbedingungen für entscheidender.

Gerade in ländlichen Gebieten haben Hausärzte Schwierigkeiten einen Nachfolger zu finden. Ob daran ein Mehr an Studenten etwas ändert, ist fraglich

Gerade in ländlichen Gebieten haben Hausärzte Schwierigkeiten einen Nachfolger zu finden. Ob daran ein Mehr an Studenten etwas ändert, ist fraglich

Angesichts des drohenden Ärztemangels wird in der schwarz-gelben Koalition über gelockerte Zugangsbeschränkungen für das Medizinstudium nachgedacht. "Es wird Zeit, dass wir offen über den Numerus clausus für das Medizinstudium sprechen", sagte die stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Ulrike Flach, der Tageszeitung Die Welt. "Das Auswahlverfahren für das Studium wirkt wie eine Barriere bei der Versorgung mit Ärzten."

Flach schlug vor, mit den Bundesländern und möglicherweise auch mit Universitäten über gelockerte Zugangsmöglichkeiten zu verhandeln. Sie wolle den Numerus clausus (NC) nicht abschaffen, aber mindestens lockern, sagte die FDP-Politikerin. Dem Bericht zufolge erhalten derzeit aufgrund der großen Nachfrage Abiturienten in der Regel nur dann ohne Probleme eine Zulassung für das Medizinstudium, wenn sie im Abschlusszeugnis einen Notendurchschnitt von 1,4 oder besser haben. Im Wintersemester 2009/2010 seien mehr als vier Bewerber auf jeden der rund 8500 Studienplätze für Medizin gekommen.

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In den vergangenen Tagen hatte die Ärztegewerkschaft Marburger Bund vor einem drastischen Medizinermangel an Krankenhäusern gewarnt. Sie begründete dies allerdings nicht mit den Zugangsbeschränkungen für das Medizinstudium, sondern mit den aus ihrer Sicht unattraktiven Arbeitsbedingungen für Ärzte. "Ohne bessere Arbeitsbedingungen wird sich die Zahl unbesetzter Arztstellen von 5000 in den nächsten vier Jahren auf 10.000 verdoppeln", sagte der Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke.

Am Wochenende rief Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) die Kliniken auf, für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen. "Ich setze hier auf die richtigen Anreize und die Kreativität der jeweiligen Krankenhaus-Leitung. Sie muss für flexible und familienfreundliche Arbeitsbedingungen sorgen", sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Jörg Dietrich Hoppe, forderte eine Aufstockung der Gesundheitsausgaben um 18 Milliarden Euro jährlich. "Langfristig müssen wir auf etwa acht Prozent des Bruttoinlandsprodukts, also etwa 18 Milliarden Euro mehr, kommen, um unser derzeitiges Niveau der Gesundheitsversorgung sichern zu können", sagte er der Rheinischen Post. "Wenn sich an der derzeitigen Finanzierung des Systems nichts ändert, wird es zu Leistungseinschränkungen kommen", warnte Hoppe.

 
Leser-Kommentare
    • lepkeb
    • 22.02.2010 um 9:47 Uhr

    damit wird es in D-land zu dem selben Lohndumping durch ein Überangebot an Absolventen (unabhängig von ihrer Eignung) wie in vielen nicht geisteswissenschaftlichen Akademikerberufen kommen.
    Dies wird leider nicht zu einer Reduzierung der Ausgaben führen, sondern zu einer Erhöhung der Gewinne der Gesundheitsindustrie. Und man kann es trotzdem wieder als Wohltat an die obrigkeitshörigen Deutschen verkaufen. Bin übrigens kein Mediziner.
    Zur Aussage von Herrn Hoppe, man hat dort jetzt schon die Probleme die andere Bereiche auch langsam einholen werden. Wenn man die Dauer und den Schwierigkeitsgrad der Ausbildung (ob Arzt, Naturwissenschaftler oder Ingenieur) nimmt und dann erwartet, das die Ausgebildeten für ein Gehalt kurz über Hartz IV bei 50h Wochenstunden arbeiten, dann sollte man sich die Auswirkungen auf die dt. Gesellschaft mal deutlich überlegen.

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    • dapeda
    • 22.02.2010 um 10:04 Uhr

    In Österreich sind 1.500 Studienplätze für Mediziner verfügbar (also per capitam doppelt so viele wie in D), die ohne EU-widrige Begrenzungsmaßnahmen von Deutschen Studienbewerbern gestürmt würden.
    Diejenigen, die hier studieren, gehen zu 80% nach Abschluss des Studiums wieder nach D.

    Der Ruf nach Pfründeschutz aus Angst vor Lohndumping ist daher meines Erachtens eine kurzsichtige und egozentrische Sicht.

    • dapeda
    • 22.02.2010 um 10:04 Uhr

    In Österreich sind 1.500 Studienplätze für Mediziner verfügbar (also per capitam doppelt so viele wie in D), die ohne EU-widrige Begrenzungsmaßnahmen von Deutschen Studienbewerbern gestürmt würden.
    Diejenigen, die hier studieren, gehen zu 80% nach Abschluss des Studiums wieder nach D.

    Der Ruf nach Pfründeschutz aus Angst vor Lohndumping ist daher meines Erachtens eine kurzsichtige und egozentrische Sicht.

  1. nahezu jeder kennt doch mittlerweile Studenten, die nach ungarn oder an eine andere deutsche uni im Ausland gehen, um dort ihr MEdizinstudium zu absolvieren.
    Dort lernen sie wie andere deutsche Studenten und bringen die selben Leistungen.
    Mir wollte es noch nie einleuchten, warum ein guter Mediziner ein 1,0 Abitur haben muss.
    Da dieser Beruf zu einem guten teil auch eine Berufung darstellt, sollte die Eignung zwar ueberprueft werden, aber nicht einseitig an dem Abischnitt ausgerichtet sein.

    Ein anderes Problem ist der Aerztemangel.
    Diesem ist nicht unbedingt durch dieses Instrument beizukommen. Viele Stellen von Aerzten in krankenhaeusern oder in laendlichen gegenden sind schlecht bezahlt und fordern ein sehr hohes Einsatzvermoegen.
    Diese Stellen muessen wieder attraktiver werden.

    Ueber die gesamte Problematik sollte im hinblick auf eine grundlegende Gesundheitsreform intensiv debattiert werden.
    Viel Arbeit also fuer Herr Roesler, aber da kann er sich zum Wohle der Kunden beweisen.
    Die Idee der Abschaffung des NC ist dabei eine gute erste Idee, mehr aber auch nicht.

    • Glawen
    • 22.02.2010 um 10:02 Uhr

    Müsste man nicht einfach nur mehr Studienplätze schaffen um den NC zu entschärfen?
    Irgendwie scheint mir der Ansatz der Diskussion, mehr lese ich da nicht heraus, nicht zielführend. Der NC schreckt ja offensichtlich niemanden ab, sonst wäre die Nachfrage nicht so hoch. Mit einem mehr an Studienplätzen würde man wahrscheinlich auch mehr Mediziner ausbilden, mal so als Tipp in Bezug auf Ärztemangel. Zwar halte ich den NC nicht für sinnvoll und man kann natürlich darüber diskutieren aber er tut hier halt, in meinen Augen, nichts zur Sache.

    PS Woher bekommt Herr Hoppe eigentlich seine Zahlen. Nach dem statistischen Bundesamt liegen die Gesundheitsausgaben bei gut 10%

    http://www.destatis.de/je...

    des BIP. So lese ich auf jeden Fall die Zahlen. Wahrscheinlich andere Berechnungsgrundlage auch wenn ich mir nicht erklären kann, wie man zu solch verschiedenen Ergebnissen kommen kann.

    • dapeda
    • 22.02.2010 um 10:04 Uhr

    In Österreich sind 1.500 Studienplätze für Mediziner verfügbar (also per capitam doppelt so viele wie in D), die ohne EU-widrige Begrenzungsmaßnahmen von Deutschen Studienbewerbern gestürmt würden.
    Diejenigen, die hier studieren, gehen zu 80% nach Abschluss des Studiums wieder nach D.

    Der Ruf nach Pfründeschutz aus Angst vor Lohndumping ist daher meines Erachtens eine kurzsichtige und egozentrische Sicht.

    Antwort auf "Hervorragende Idee"
  2. Den NC fürs Medizinstudium lockern? Aus Sicht der FDP völlig verständlich. Schließlich vertritt sie eine Klientel reicher Leute, die ihren wohlstandsverwahrlosten Kindern das Stigma des NC-Flüchtlings ersparen wollen. Dann liefe auch Papis Praxis nach der erbschaftssteuerfreien Übergabe an Sohnemann besser.

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    Mit dem gleichen Argument könnte man die SPD zur Klientelpartei ernennen, die von der Armut der Massen lebt, denn viele SPD'ler sind in Organisationen tätig, die die Armut "bekämpfen", in Wirklichkeit aber nur verfestigen.

    Ferner möchte man keinen sozialen Aufstieg, da dies die eigenen Kinder und deren Jobs gefährden könnte, daher schickt man wie Ypsilanti den eigenen Sohn lieber auf die Privatschule - dicken Diäten sei Dank - und predigt für die Masse die Lufthoheit über die Kinderbetten, um deren Chancen kontrollieren und nachhaltig zerstören zu können.

    Viele SPD'ler und GRÜNE haben übrigens auch Anteile an Ökostromanbietern gekauft, als absehbar war, dass die Politik diese subventionieren würde und damit Geld gemacht.

    Mit dem gleichen Argument könnte man die SPD zur Klientelpartei ernennen, die von der Armut der Massen lebt, denn viele SPD'ler sind in Organisationen tätig, die die Armut "bekämpfen", in Wirklichkeit aber nur verfestigen.

    Ferner möchte man keinen sozialen Aufstieg, da dies die eigenen Kinder und deren Jobs gefährden könnte, daher schickt man wie Ypsilanti den eigenen Sohn lieber auf die Privatschule - dicken Diäten sei Dank - und predigt für die Masse die Lufthoheit über die Kinderbetten, um deren Chancen kontrollieren und nachhaltig zerstören zu können.

    Viele SPD'ler und GRÜNE haben übrigens auch Anteile an Ökostromanbietern gekauft, als absehbar war, dass die Politik diese subventionieren würde und damit Geld gemacht.

    • elesha
    • 22.02.2010 um 10:23 Uhr

    Erstens wuerden wesentlich weniger Aerze fehlen, wenn mehr Medizinstudenten nach ihrem Studium tatsaechlich Aerzte in Deuschland werden wuerden. Diese Quote wird durch hoehere Studierendenzahlen mit Sicherheit nicht groesser und unattraktive Stellen - Stichwort Landarzt - werden nach wie vor unterbesetzt bleiben, da es im Ausland und in anderen Berufsfelden wesentlich bessere Angebote fuer Mediziner gibt.
    Zweitens stellt sich die Frage, wohin die zusaetzlich zugelassenen Studenten kommen sollten. Die Hoersaele sind so ueberfuellt, dass sich teilweise selbst auf der Treppe kein Platz mehr findet, das Betreuungsverhaeltnis in Praktika und Kursen ist katastrophal, und wenn eine hoehere Studierendenzahl auf Kosten der medizinischen Ausbildung geht, ist dem deutschen Gesundheitssystem damit auf Dauer auch kein Gefallen getan. Wenn man beobachtet, wie sich die Bildungsausgaben entwickeln, wird sich an dieser Situation mit Sicherheit auch in Zukunft nicht viel aendern, sondern das Problem wird einfach den Universitaeten zugeschoben werden.

  3. Mit dem gleichen Argument könnte man die SPD zur Klientelpartei ernennen, die von der Armut der Massen lebt, denn viele SPD'ler sind in Organisationen tätig, die die Armut "bekämpfen", in Wirklichkeit aber nur verfestigen.

    Ferner möchte man keinen sozialen Aufstieg, da dies die eigenen Kinder und deren Jobs gefährden könnte, daher schickt man wie Ypsilanti den eigenen Sohn lieber auf die Privatschule - dicken Diäten sei Dank - und predigt für die Masse die Lufthoheit über die Kinderbetten, um deren Chancen kontrollieren und nachhaltig zerstören zu können.

    Viele SPD'ler und GRÜNE haben übrigens auch Anteile an Ökostromanbietern gekauft, als absehbar war, dass die Politik diese subventionieren würde und damit Geld gemacht.

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    • OneDay
    • 22.02.2010 um 13:59 Uhr

    "Mit dem gleichen Argument könnte man die SPD zur Klientelpartei ernennen, die von der Armut der Massen lebt, denn viele SPD'ler sind in Organisationen tätig, die die Armut "bekämpfen", in Wirklichkeit aber nur verfestigen."

    Klar, die AWO festigst die Massenarmut genauso wie die Gewerkschaften... sicher....

    Und die Diäten der Abgeordneten sind zwar auch nicht gerade
    gering (MdL ca. 4500 Euro/Monat, MdB ca. 6000 Eur/Monat),
    aber die Abgeordneten sind meistens so qualifiziert
    das sie in der Privatwirtschaft mindestens dasselbe verdienen würden und die Arbeitsleistungen ist auch in
    etwa diesselbe, nahezu alle Abgeordneten arbeiten 60/Woche
    und sind nahezu dauernd am Pendeln zwischen Landtag/Bundestag und Wahlkreis.

    • OneDay
    • 22.02.2010 um 13:59 Uhr

    "Mit dem gleichen Argument könnte man die SPD zur Klientelpartei ernennen, die von der Armut der Massen lebt, denn viele SPD'ler sind in Organisationen tätig, die die Armut "bekämpfen", in Wirklichkeit aber nur verfestigen."

    Klar, die AWO festigst die Massenarmut genauso wie die Gewerkschaften... sicher....

    Und die Diäten der Abgeordneten sind zwar auch nicht gerade
    gering (MdL ca. 4500 Euro/Monat, MdB ca. 6000 Eur/Monat),
    aber die Abgeordneten sind meistens so qualifiziert
    das sie in der Privatwirtschaft mindestens dasselbe verdienen würden und die Arbeitsleistungen ist auch in
    etwa diesselbe, nahezu alle Abgeordneten arbeiten 60/Woche
    und sind nahezu dauernd am Pendeln zwischen Landtag/Bundestag und Wahlkreis.

  4. @ Glawen #3: Richtig! Mehr Studienplätze ist die langfristige Lösung.
    Ein anderes wichtiges Problem ist jedoch die Tatsache, dass das Studium der Medizin gerade in Deutschland zu einem Privilegiertenclub geworden ist. Dort nur nach dem NC zu gehen, ist einer der fatalsten Fehler (für Patienten und wirtschaftl. Aspekte), den man begehen kann (einen solcher Fälle habe ich mal zu einem anderen Artikel gepostet). Ich kenne mehrere Med.Studis, teils Alumni. Trotzdem würde ich nur einem bis zweien davon auch den Beruf eines Arztes zutrauen. Warum? Weil Streber-Noten einen nicht automatisch dazu befähigen, über phys. UND psych. Wohlbefinden oder gar Leben eines Hilfsbedürftigen adäquat zu kämpfen. Noch weniger befähigen ihn dazu (und das ist das zentrale Problem!) die Berufe seine Eltern, i. e. Arzt, Anwalt, schlimmstenfalls Gymnasiallehrer. Kinder aus diesen Kreisen müssen neben dem Abi meist nicht jobben (keine Erfahrung), erzielen dann vielleicht gute Leistungen und um den Familienstatus zu erhalten, wählt man (d. h. die Eltern) das entsprechende Studium dafür aus. Ganz nach dem Motto: "Was soll ich/unser Kind denn sonst bitte mit so einem Abschluss machen?".
    Der Beruf Arzt jedoch IST Berufung! Deutschland braucht mehr Mediziner, die tatsächlich am Wunderwerk Mensch interessiert sind und nicht aus familiär-traditionellen oder gar rein wirtschaftl. Gründen den Beruf ansteuern. Aufgabe der Politik ist dann, das dortige Finanzielle (inkl. Arzneimittelpolitik) in Ordnung zu bringen!

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